GC 08: Heavy Rain
Starker Regen und dichter Nebel trüben die Sicht an diesem düsteren Abend. Ein Lichtkegel durchdringt die schaurige Wand, der Klang eines Motorrads verdrängt die Stille. Abrupt stoppt das Vehikel vor einem kleinen Häuschen. Eine Frau, wie wir später erfahren eine Journalistin, steigt vom Sitz ab und geht langsam auf das Eigenheim zu. Der Regen perlt an ihrer Lederjacke ab. Sie schreitet durch Pfützen, die echter kaum wirken könnten, bleibt einige Meter vor der Tür stehen und schaut sich um. Genau, wie wir.
Innovatives Spielkonzept!
Und wir sehen geschmeidige, wunderschöne Texturen, ultrarealistisches Gras, ein Haus, das realer kaum wirken könnte und eine animierte Figur, deren Bewegungen kaum von denen realer Menschen zu unterscheiden ist. Heavy Rain sieht atemberaubend aus. Die Lichteffekte sind nicht nur perfekt eingesetzt und untermalen die schaurige Umgebung ausgezeichnet, sondern sorgen auch für fast perfekte Schattenspiele. Uns wird versichert, dass wir gerade nur eine Nebendarstellerin sehen.
Bisher ist zwar bekannt, dass man die Geschicke von vier unterschiedlichen Charakteren lenken und höchstwahrscheinlich auf der Jagd nach dem so genannten Origami-Mörder sein wird. Bisher ist so gut wie nichts über die Protagonisten bekannt. Klarer ist hingegen, dass ihre Geschichten letztendlich wohl zusammen laufen werden und das Spiel mit einem großen Knall enden wird. Ganz im Sinne von echten Blockbuster-Filmen eben. Und das will Heavy Rain eigentlich auch sein. Ein interaktiver Film. So wie es Fahrenheit in Ansätzen gelang, nur flüssiger und besser. Von der technischen Seite her, scheint dieses noble Unterfangen durchaus machbar zu sein.
So präsentiert uns QuanticDreams nicht nur die realistischste Grafik, die wir bisher in einem Spiel zu sehen bekommen haben, sondern auch einen Titel, der ohne Ladezeiten auskommt. Man wird also nie einen ausstaffierten Blackscreen sehen, das gesamte Spiel wird gestreamt.
Besonders stolz sind die Entwickler auf den Gummiband-Effekt. So wird es einzelne Kapitel geben, die einen vorgegeben Anfang und ein einziges Ende haben, wie man aber von A nach B gelangt, wird dem Spieler selbst überlassen. In bestimmten Situationen hat man daher niemals nur eine einzige Möglichkeit, sondern kann durch die verschiedensten Vorgehensweisen zum Ziel gelangen. Manchmal kann man sogar zwischen mehreren Zielen wählen. So wie unsere Journalistin in der Vorführung von Heavy Rain. Nach dem gemerkt hat, dass der Mörder anscheinend nicht da ist, könnte sie die Tür aufbrechen, was natürlich einiges an Aufmerksamkeit auf ihre Aktionen lenken würde oder aber sie schaut sich erst einmal ein wenig um und lässt den Aktionismus stecken.
Letzteres führt zum leisen Erfolg, denn sie entdeckt ein offenes Fenster, durch das sie hindurch klettern kann. Hier kommt erstmals die Steuerung von Heavy Rain wirklich zur Geltung.
Natürlich werden ganz profane Aktionen, wie das Kommunizieren mit Personen oder das Nehmen von Gegenständen mit einem Knopfdruck ausgeführt, will man aber beispielsweise an ein Dokument gelangen, was hoch oben auf einem großen Bücherregal seinen Platz gefunden hat und muss, ob der nicht ausreichenden Größe des Protagonisten, auf einen kleinen Schrank daneben klettern und daraufhin geschickt auf Zehenspitzen versuchen, dass Stück Papier zu ergattern, glüht der Controller.
Es gibt Aktionen, die bis zu vier Knöpfe auf einmal benötigen. Ob das im normalen Spielverlauf eher anspornt oder doch nervt, wird sich noch herausstellen müssen. In den Händen eines Entwicklers sieht es jedenfalls sehr geschmeidig aus. Übrigens wurde auch die Sixaxis-Steuerung integriert. So kann man etwa Fenster durch Hochkippen des Controllers öffnen und so weiter und so fort.
Was wirst du tun?
Besonders wichtig wird dieses Steuerungselement, wenn das Spiel nach Entscheidungen fragt. Und das tut es oft. Je nachdem in welche Richtung der Controller dann geneigt wird, geht der jeweilige Protagonist vor. Auch dafür bekommen wir eine kleine Demonstration zu sehen. Unsere Journalistin hat sich nämlich durch das Haus geschlichen und den Dachboden erreicht. Hier wird im übrigen schnell deutlich, dass Heavy Rain tatsächlich ein Spiel nur für Erwachsene wird. Mit Erschrecken muss die zarte Frau erkennen, dass sich vor ihr eine ganze Masse getötete, ausgestopfter Frauen befinden, die der Mörder in den übelsten Posen zurück ließ.
Es wird ganz so, als hielte er sich für einen Puppenspieler, der gern mit echten Menschenpuppen hantiert. Das gruslige Umgebungsdesign und die stimmige Musik tragen dazu bei, dass wir darüber ganz und gar nicht lachen können und uns erst einmal das Herz stehen bleibt, als plötzlich das Nach-Hause-Kommen des Killers angekündigt wird. Nun haben wir eine Vielzahl von Möglichkeiten. Wir entscheiden uns kurz zu warten. Der Mörder macht es sich auch prompt auf dem Sofa gemütlich. Sollen wir ihn jetzt mit irgendeinem Gegenstand überwältigen und dabei unser Leben aufs Spiel setzen oder schleichen wir uns an ihm vorbei mit der Gefahr, dass wir Geräusche machen, die er nicht überhören kann? Wir entscheiden uns für letzteren Weg und bahnen uns den Weg an ihm vorbei zum Fenster.
Doch leider hat er das bei seiner Ankunft fest verschlossen. Spannung und Verzweiflung liegt in der Luft, wir merken bereits, wie wir uns um die Journalistin Sorgen machen. Wie fesselnd soll es dann erst werden, wenn wir vier Charaktere spielen, die auch noch mitreißende Lebensgeschichten haben? Wir schleichen uns in die Garage, betätigen den Knopf und das Tor geht, langsam, wie es sich gehört, auf. Natürlich blieb die Aktion nicht unbemerkt. Plötzlich steht der Mörder in der Tür. Wir rollen uns durch die noch immer viel zu kleine Öffnung und sprinten zum Motorrad. Das springt natürlich nicht gleich an und der Mörder rennt auf uns zu. Im letzten Moment rast unsere Heldin davon. Hätten wir es nicht geschafft, wäre sie vermutlich ein weiteres Opfer geworden. Das Spiel wäre dennoch weiter gegangen.
Ersteindruck
Was wir bisher von Heavy Rain zu Gesicht bekommen haben, ist einfach atemberaubend. Die wunderschöne grafische Gestaltung, die detailverliebten Umgebungen, eine düstere und fesselnde Atmosphäre und Herzschlagmomente reißen uns schon jetzt mit. Hoffen wir, dass die komplexe Steuerung nicht für Frust sorgt und sich die Geschichte gut entfalten kann. Bei letzterem machen wir uns aber ehrlich gesagt überhaupt keine Sorgen, schon Fahrenheit hat bewiesen, was die Jungs und Mädels bei Quantic Dreams zu leisten im Stande sind. Heavy Rain könnte letztlich eines der besten Spiele der vergangenen Jahre werden.

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