Haze
Die Free Radical Studios werkeln derzeit am letzten Feinschliff an ihrem PS3-Shooter Haze. Nach eine Reihe von Trailern und diversen Präsentationen konnten wir den Titel in London nun endlich selbst anspielen und waren überzeugt: Haze hat durchaus das Zeug zum Hit. Dennoch mussten wir einige Mankos feststellen, die bislang noch ein wenig am Spielspaß zerren. Welche dies sind und was genau ihr von Haze erwarten dürft? Die Antwort gibts in unserer Vorschau.
Die volle Dröhnung
Wie heißt es so schön in South Park? Drugs are bad, mkay? Im Jahre 2048 denkt man allerdings gerade bei Mantel ziemlich anders. Der große Privatkonzern führt militärische Operationen für die Regierung aus und setzt dabei nicht nur auf hochmodernes Equipment, sondern vor allem auf die Droge Nectar. Nectar wird den militärischen Kräften Mantels verabreicht und macht die Soldaten zu nahezu unschlagbaren Kampfmaschinen, indem die Droge deren Sinne extrem schärft und ihnen immense Kräfte verleiht. Einer von ihnen ist Sergeant Shane Carpenter, dessen Rolle ihr in Haze übernehmt. Er schloss sich der Mantel Corporation an, in dem ziemlich naiven Glauben, für das Gute zu kämpfen und die Welt zu verbessern. Allerdings bemerkt man schon in seinem ersten Einsatz, dass irgendetwas nicht stimmt.
Dieser Einsatz startet in der Salva Region, ein blühendes Dschungelgebiet. Die vermeintlich bösen Rebellen haben hier die Kontrolle übernommen. Wir sollen ein abgestürztes Flugzeug unserer Kameraden bergen und dabei der Promised Hand, den Rebellen, Feuer unter den Backen machen. Das Spiel nutzt diese ersten Augenblicke des Spiels und macht euch mit eurem Squad vertraut. Ein Haufen durchgeknallter Typen, die sich selbst für unbesiegbar halten und durch ihre überzogene Überheblichkeit fast schon ein wenig lächerlich wirken. Auf dem Flug zum Einsatzgebiet bekommt ihr während eurer Instruktionen die erste Dosis Nectar verabreicht.
Sehr cool gemacht Man kann die Wirkung der Droge förmlich in den Gesichtern der Teammitglieder erkennen: Die Augen weit auf und die Pupillen geweitet. Kurz danach werden wir abgesetzt und die Action geht direkt ab. Noch unter dem Einfluss der Droge nehmen wir die Umwelt anders auf. So werden feindliche Truppen nun leuchtend und daher natürlich sehr leichter im Dschungel wahrgenommen, als nüchtern. Wir legen unsere Wumme an und nutzen die Zielfunktion. Unter Einfluss von Nectar wird uns das Zielen durch eine Art Auto-Aim erleichtert und so können wir präzise Kopfschüsse erzielen.
Auch Granaten können uns weitaus weniger anhaben Dank unserer geschärften Sinne sehen wir schon während des Flugs der Granate, wo sie detonieren wird und können dementsprechend handeln. Ein Rebell rückt unverschämt nah auf die Pelle und macht direkt Bekanntschaft mit unserem Melee-Blast. Durch Nectar sind wir in der Lage, unglaublich mächtige Schläge auszuteilen, die ihn einige Meter nach hinten in den nächsten Busch peitschen. Mit der Zeit lässt die Wirkung allerdings nach und unsere Sicht normalisiert sich wieder. Zeit also, sich den nächsten Kick zu verpassen. Am Bildschirm unten links wird in Haze die Nectar-Zufuhr angezeigt. Insgesamt hat man sechs Dosen zur Verfügung, die sich mit der Zeit wieder auffüllen. Mit L2 kann man sich nun eine Dosis verpassen. Dabei steigt die Anzeige nach oben. Logischweise bleibt die Wirkung, je nach Stärke der Dosis, länger erhalten. Allerdings muss aufgepasst werden, dass man es nicht übertreibt. Übersteigt die Anzeige nämlich den kritischen Wert, hat man sich eine Überdosis verpasst und ist nicht mehr Herr seiner Sinne. Die Sicht verschwimmt sehr stark und man ist nicht mehr in der Lage, zwischen Freund und Feind zu unterscheiden geschweige denn seine motorischen Fähigkeiten zu kontrollieren.
Die Entwickler machten schon in den ersten Trailer keinen Hehl daraus, dass Carpenter im Spiel die Seiten wechselt. Und so kämpft dieser nach einiger Zeit an der Seite der Rebellen. In London konnten wir einige dieser Abschnitte anspielen und gleichzeitig den hoch angepriesenen vier Spieler-Koopmode austesten. Die Rebellen spielen sich ein wenig anders. Sie können zwar keinen Nectar nutzen und besitzen keinen Highend-Kampfanzug, allerdings sind sie gerade dadurch deutlich agiler. Im Gegensatz zu den Mantel Troopern können sie eine schnelle Hechtrolle hinlegen und sich so schnell aus der Gefahr bringen.
Was macht man aber nun gegen den scheinbar übermächtigen Gegner? Ganz klar, man versucht ihn mit seinen eigenen Waffen zu schlagen Nectar. Als Rebell hat man gleich mehrere Möglichkeiten, den Rebellen das Leben zur Hölle zu machen. So ist es möglich, hinterlistiger Weise die Nectar-Zufuhr eines Soldaten zu beschädigen und ihm so eine Überdosis zu verpassen. Daüber hinaus kann man seine Waffen wie Messer oder Granaten bei gefallenen Soldaten mit Nectar anreichern und diese noch effektiver gegen die Truppen einsetzen.
Richtig heftige Haudegen sind sogar so dreist und gehen direkt auf einen der Soldaten zu, kleben ihm eine mit dem Kolben und moppsen ihm sein Gewehr aus den Händen, um ihn anschließend sein eigenes Blei schmecken zu lassen. Diese Details machen die Feuergefechte in Haze aus.
In den von uns gespielten Abschnitten, in denen wir in Viererteams unterwegs waren, konnten wir zudem mit Jeeps über die Gebiete heizen, was mitunter ein wenig an Halo erinnerte, sich allerdings nicht ganz so gut steuern ließ wie die Geschehen per pedes. Das Problem bei diesen Abschnitten war, dass man nicht wirklich sehen konnte, wie weit der Jeep schon in Mitleidenschaft gezogen worden ist, erst ein Notsignal weist darauf hin, dass es doch besser wäre, schnell Reißaus zu nehmen. Dumm nur wenn das mitten während der Fahrt in einer ellenlangen Schlucht passiert, dann dürft ihr den Rest des Weges nämlich Fuss gehen oder darauf pochen, einen weiteren Jeep zu entdecken, was löblicher Weise niemals zu lange dauert. Eine Sprintfunktion wäre hier dennoch angebracht gewesen. Bislang scheinen die Abschnitte in den Jeeps allerdings eher als Mittel zum Zweck zu dienen, wenn es mal eine weitere Distanz zu bewältigen gibt, als eine taktische Komponente in der Schlacht. Bleibt abzuwarten, was uns noch erwartet.
Vier Freunde sollt ihr sein!
Der Koopmodus in Haze wird gut hervorgehoben. Zwar gibt es keine coolen Moves, wie in Army of Two, dennoch spielt sich das Ganze richtig spaßig. Kommt es während der Gefechte vor, dass einer eurer Kollegen zu Boden geht, könnt ihr ihn kurzer heilen, dürft euch dabei allerdings nicht zu viel Zeit lassen. Aber keine Sorge, selbst wenn er das zeitliche segnet, ist er ab dem nächsten Kontrollpunkt wieder dabei. Wir spielten im lokalen Netzwerk.
Es ist aber auch möglich, im Internet mit Freunden auf den Putz zu hauen. Das Spiel sucht dabei automatisch nach Freunden in eurer Liste, die auch gerade zugange sind. Schon jetzt ein Spaßgarant für lange Nächte.
Haze spielt sich im Grunde sehr gradlinig, ohne dabei bislang allerdings die Intensität eines Halo 3 oder gar Call of Duty 4 zu erreichen. Ihr ballert euch meistens von Checkpoint zu Checkpoint und legt dabei ab und an mal einen Schalter um, um das nächste Tor zu öffnen. Ob das nun als ein Manko anzusehen ist, muss jeder für sich entscheiden. Was dabei natürlich ganz wichtig ist, ist die Dynamik der Gefechte und hier punktet Haze in jedem Fall. Zwar konnte man hier und da kleine Macken in Sachen KI feststellen, ansonsten überzeugt die Nectar-Hatz schon jetzt mit coolen Drogen-Features. Einen zwiespältigen Eindruck hinterließ allerdings noch die Optik des Titels. Während einige Abschnitte und die Charaktere wirklich hübsch anzusehen sind, bekamen wir nicht selten triste Gänge und Hallen zu sehen. Auch die Texturen tendierten von gestochen scharf bis hin zu peinlich verschwommen. Allerdings ist bis zum Release Ende Mai noch ein wenig Zeit, diese Macken zu beheben.
Ersteindruck
Ich bin hin und her gerissen. Haze zeigt wirklich viele gute Ansätze Der eigene Einsatz von Nectar bringt frischen Wind mit sich und sorgt für ein Gefühl der Überlegenheit. Andersrum reizt es später enorm, den Truppen eine Falle zu stellen und mit an zu sehen, wie sich völlig außer Kontrolle geraten, gegenseitig aufs Korn nehmen. Auch der Koopmodus weiß bereits jetzt zu überzeugen und dürfte viele Anhänger finden. Weniger gut gefallen haben mir allerdings der undurchdachte Einsatz der Fahrzeuge sowie die diversen Schwächen in Sachen KI. Auch die Grafik bedarf noch ein wenig mehr Feinschliff. Ich drücke wirklich beide Daumen, dass die Entwickler dies noch in den Griff bekommen, denn der Shooter hat durchaus das Zeug, in mein Buch der geilen Shooter aufgenommen zu werden.

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