MAG - Massive Action Game
Wenn ein unwissender Messebesucher der Gamescom zufällig in die Nähe eines Standes gekommen wäre, wo aus vielen Kehlen die Laute "Magmagmagmagmag" zu verstehen waren, hätte er meinen können, von einer angriffslustigen Gruppe einer längst ausgestorbenen Vogelart umringt zu sein, die ihren eindrucksvollen Schlachtruf zum Besten gibt. Erfahrene Messebesucher wie die Redakteure von Looki haben natürlich sofort scharfsinnig erkannt, dass sie sich am Stand des Spiels "MAG" (Massive Action Game) befinden, das exklusiv für die Playstation 3 erscheinen wird.
Dementsprechend sind die Erwartungen aller Sony-Jünger groß und das nicht ohne Grund: Versprochen werden Online-Kämpfe mit bis zu 256 Spielern auf riesigen Karten. Da erscheint jeder Schlachtruf angebracht.
MAG, im Auftrag der Ehre
Zipper Interactive, der Entwickler der SOCOM-Reihe, schickt mit MAG nämlich einen komplexen Taktik-Shooter ins Rennen, der es in sich hat. So war am Messestand zu beobachten, dass Neulinge kaum eine Chance gegen erfahrene Beta-Tester hatten.
Dies dürfte an den bemerkenswert komplexen, riesigen Kampfgebieten liegen, die bis zu 256 Spieler, aufgeteilt in zwei Teams, aufnehmen können und damit eine neue Dimension der Online-Action auf Konsolen eröffnen dürften.
So ein Haufen schießwütiger Zocker will natürlich organisiert werden, um einen Mindestanspruch an Taktik zu gewährleisten. Dafür sollen Anführer sorgen, die ihre Gruppe (Squad), bestehend aus acht Spielern, richtungsweisend instruieren. Vier Squads wiederum bilden eine Division, die auch von einem Spieler angeführt wird. Natürlich muss es da noch einen obersten Heerführer (Platoon-Führer) geben, der die Kontrolle über die Divisionen, de facto also über alle 128 Spieler hat. Nicht nur an diesem Beispiel sieht man, dass MAG sich von echten militärischen Operationen hat inspirieren lassen.
Jedes Squad hat gewisse, von der Führung angewiesene, eigene Ziele, um bei Erfolg ein Stück zum großen Ganzen beizutragen. Jede gewonnene oder verlorene Schlacht soll sich auf den Krieg der Fraktionen auswirken und somit eine Art Identifikation schaffen. Interessant wird es dann, wenn Mitglieder einer Fraktion einen großen Erfolg errungen haben und jenen in vielen darauffolgenden Kämpfen verteidigen müssen. Spannung pur!
Doch wie wird man eigentlich Anführer eines Squads, einer Division oder der kompletten Truppe? Bewerbungen mit tabellarischem Lebenslauf sind genauso wenig erforderlich wie das allseits beliebte Arschkriechen bei Vorgesetzten. Es zählt einzig und allein das Leistungsprinzip, wovon sich Joachim Löw gerne eine Scheibe abschneiden kann.
Je bessere Leistungen man zeigt, desto höher klettert man auf der virtuellen Karriereleiter. Zeigt sich das anfangs noch in besseren Waffen, Fähigkeiten und Charakterwerten, wird ab Level 15 sogar der Job eines Platoon-Führers möglich. Damit ist gewährleistet, dass sich nur erfahrene und bereits bewiesene Persönlichkeiten in der Führungsspitze wiederfinden werden, was auch ein interessantes System für die deutsche Politik werden könnte.
Düstere Aussichten
Doch warum schlägt man sich überhaupt die Köpfe ein? Nicht, dass es normalerweise rationale Gründe für Krieg gäbe, aber ein kleiner Hintergrund darf bei so einem Spiel natürlich nicht fehlen. Das Jahr 2025 hat mit der Gegenwart nicht mehr sehr viel gemein seit 2020 eine große Weltwirtschaftskrise die Welt ins Wanken brachte. Mag uns das noch unangenehm bekannt vorkommen sind die Folgen dieser Krise weitaus schlimmer. Kein Land vertraut dem anderen, Ressourcen werden gehortet und multikulturelle Ehen geschieden. Gelder für humanitäre Organisationen und Bildung wandern in die Taschen dreier Privatarmeen (Raven, Valor, S.V.E.R.). Diese rekrutieren heimatlose Söldner die für die Ziele einzelner Länder kämpfen. Auch nach Jahren nehmen die Kämpfe kein Ende. Man nennt sie "Shadow Wars".
Nun liegt es in der Natur der Sache, dass Zocker von Videospielen gewissenlose Söldner sind, weshalb es nicht überrascht dürfte, dass der Spieler Mitglied von einer dieser Fraktionen wird. Raven ist eine Gruppe stark ausgebildeter Spezialeinheiten, die ursprünglich aus Nordamerika stammen. Mit Einheiten wie S.W.A.T. vergleichbar, kämpfen sie in schwarzen Uniformen und High-Tech-Waffen.
Anders ist natürlich S.V.E.R. ("sever" ausgesprochen) drauf. Diese robusten Kämpfer kommen mit weniger hochentwickelten Waffen aus, machen dieses Handicap durch ihren ausgeprägten Sinn für Gewalt jedoch mehr als wett. Geheimnisvoller ist da die Fraktion Valor, über die nicht allzuviel bekannt ist, ihre Wurzeln aber in Südamerika hat.
Die Unterschiede zwischen den einzelnen Fraktionen sind auch an den Waffen erkennbar. Von den insgesamt 33 Waffen entfallen 17 auf Raven, 10 auf S.V.E.R. und 6 auf Valor. Wie sie sich genau in Stärke und Handhabung unterscheiden, muss ein ausführlicher Test herausfinden. Wichtig ist die wohlüberlegte Wahl einer Hausarmee natürlich sowieso, da sie die Vorgehensweise und Ausrüstung des weiteren Spiels beeinflusst. Erst ab einem bestimmten Level wird der Wechsel der Armee möglich sein.
Es ist Krieg, und keiner geht hin
Dieses in der Überschrift beschriebene Horrorszenario wollen wir natürlich nicht beschwören, aber natürlich kann es sein, dass nicht immer 256 Spieler dabei sind. Das würde aber auch nichts machen, da das Spiel dem ersten Anschein nach auch mit weniger Spielern absolut gut funktioniert. Einige Spielmodi und Karten sind sogar für weniger Kämpfer ausgelegt.
Acquisition beispielsweise ist im Grunde eine Escort-Mission, an der 128 Kämpfer teilnehmen können. Ziel der Angreifer ist der Diebstahl zweier gepanzerter Prototypen, während die Gegenseite dies gewagte Unterfangen natürlich verhindern muss. Der Spielmodus Sabotage erlaubt "sogar" nur 64 Spieler und beinhaltet, dass die Angreifer erst zwei gewisse strategische Punkte gleichzeitig besetzen müssen, um das Hauptziel für den Sabotageakt bloßzulegen. Nicht mal Fahrzeuge und Flugobjekte dürfen hier benutzt werden, obwohl letztere sowieso nicht selbst gesteuert werden dürfen. An Bord kann der Spieler lediglich das befestigte MG benutzen und jederzeit netterweise per Fallschirm abspringen.
Wem diese ganzen Ziele und Kommandostrukturen zu viel ist, kann sich natürlich auch in ein reines Team-Deathmatch stürzen. Apropos Kommandostrukturen: Wer die Armee wechselt, muss sich natürlich wieder mühsam von unten nach oben arbeiten. Dies erschwert natürlich das muntere Armeewechseln und sorgt gleichsam für eine erhöhte Identifikation mit der Fraktion.
Ersteindruck
Mit MAG hat Sony einen ganz besonderen Titel im Ofen. Wo sonst können sich so viele Spieler in solch taktisch organisierter Art und Weise mit ihren Kontrahenten messen? Abzuwarten bleibt natürlich, inwiefern der gemeine Soldat den Ausführungen der Anführer folgt. Dies ist nämlich ein sensibles Grundgerüst, auf dem das Spielprinzip von MAG baut. Was bringen mir ausgefeilte Kommandostrukturen und Belohnungssystem, wenn meine Autorität von Anarchie liebenden Spielern mit Füßen getreten wird?
Die Kämpfe selbst hinterlassen jedoch keinerlei Fragezeichen. Drei Fraktion mit unterschiedlichen Vorgehensweisen und Waffen sorgen für die nötige Abwechslung. Auch dadurch, dass die Wartezeiten nach dem Tod bis zur Wiederbelebung kürzer und die Respawnpunkte vom Geschehen nicht so weit entfernt sind, entwickelt sich schnell eine angenehme Dynamik. Im Gegensatz zu den Angewohnheiten eines gewissen Bundestrainers, gilt hier nämlich das Leistungsprinzip, welches zudem ein Garant für eine hohe Langzeitmotivation sein dürfte. Dazu kommen noch weiterführende Planungen des Entwicklers, Turniere auszutragen und umfangreiche Clan-Optionen und besondere Squad-Features einzubauen.
Dies alles macht mich recht zuversichtlich, dass man den Namen des Spiels nicht in MAS (Massive Action Shame) umtaufen muss.









