Metal Gear Online
Der Markt für reinrassige Onlineshooter erhebt sich langsam aus dem Nieschenbereich und findet immer mehr potenzielle Käufer. Nachdem vor allem die SOCOM-Reihe dieses Genre auf der PlayStation etablierte, erscheint nun neben Metal Gear Solid 4 auch Metal Gear Online, das aber keinesfalls ein bloßes Nebenprodukt darstellen soll. Bis zu 16 menschliche Spieler können sich zu virtuellen Onlineschlachten in diversen, zwar altbekannten, aber dennoch optimierten Modi die Kugeln ordentlich um die Ohren pfeffern. Und wer Metal Gear kennt, der weiß, dass sich auch dessen Onlinepart nicht auf Durchschnittskost beschränken, sondern innovativ vorangehen will.
Im Auftrag der Ente
Wir konnten das Spiel in einer Vier-Gegen-Vier Situation in Frankfurt erstmals antesten und waren zunächst von der graphischen Pracht des Spiels beeindruckt. Trotz einiger Ausfälle, die natürlich dem Betastatus des Titels zuzuschreiben sind, ruckelte die Engine, die eigens für den neuen Solid Teil entworfen wurde, nie.
Die einzelnen Karten waren nicht nur in ihrem Detailreichtum äußerst ansehnlich, sondern sprühten geradezu vor Kriegscharme, ohne dabei geschmacklos zu wirken. Zudem konnten die beiden spielbaren Maps durch ihren logischen und taktisch klugen Aufbau brillierten und sorgten so für eine optimale Grundlage, um die vor uns liegenden Aufgaben anzugehen. Zunächst einmal musste unser Team die eigene Base und ein in ihr befindliches Objekt gegen die anstürmenden Angreifer verteidigen. Das Objekt ist eine kleine Quietscheente und passt so gut ins Setting, wie Lars Rohrbeck ins Looki-Team. Also so gut wie gar nicht, man kann aber trotzdem drüber lachen. Nachdem uns die Skurrilität mental wieder losgelassen hat, suchen wir schnell ein Versteck. Einer unserer Teamkameraden versteckt sich unter den allseits bekannten Containern, von denen natürlich auch in MGO manche auf Stelzen stehen. Ein anderer nimmt hinter einer Mauer Deckung und lehnt sich in Metal Gear Solid bekannter Manier an deren äußerste Kante, um ab und zu herauszuspähen.
Wir begeben uns mit unserer Sniper auf eine nahe gelegene Erhebung und legen uns hin, so dass man uns kaum noch erkennen kann. Nun ist Warten angesagt. Wir experimentieren während dieser kurzen Ruhezeit mit dem Zielsystem. Metal Gear Online bietet uns zwei verschiedene Möglichkeiten den Gegner anzuvisieren. Anfänger können auf das so genannte Autoaiming zurück greifen, dass natürlich auf Entfernung und in letzter Konsequenz nicht mit dem manuellen Zielen mithalten kann, anfangs allerdings den Einstieg stark erleichtert. Lediglich die starre Haltung unseres Schützen trübt die Freude über das gelungene Einsteigermodell etwas. Zielen wir nämlich automatisch, so dauert es seine Zeit bis wir uns etwa um 180 Grad drehen, wenn wir von mehreren Seiten beschossen werden.
Das manuelle Zielen hingegen klappt wunderbar, auch wenn das Fadenkreuz etwas groß erscheint. Dabei visiert man, wie man es gewohnt ist, mit dem Stick an und feuert mit der dafür vorgesehenen Schultertaste. Natürlich wurde penibel darauf geachtet, dass sich der Rückstoß der Waffen realistisch auf den Zielvorgang auswirkt. Das bemerken wir auch sofort, als das gegnerische Team unsere Basis stürmt. Der unter dem Container liegende Teamkamerade wird durch eine geschickt geworfene Granate getötete, ein anderes Wurfgeschoss hüllt den ganzen Platz mit Rauch ein.
Es ist kaum möglich Freund und Feind zu unterscheiden. Trotzdem können wir einen Angreifer ausschalten, nur Millisekunden bevor es uns selbst an den Kragen geht. Die Ente wird gestohlen und zur gegnerischen Base gebracht. Wir verlieren.
Dieser Counter-Strike ähnliche Modus wechselt sich daraufhin mit einer Runde Team-Death ab. Danach müssen wir Basen einnehmen. Das Ganze gestaltet sich so spannend und abwechslungsreich, dass wir die kleinen, offensichtlichen Mängel kaum wahrnehmen. So stören wir uns wenig daran, dass das Anlehnen an Gegenständen und das darauf folgende um die Ecke spähen noch nicht wirklich gut funktioniert und eher behindert als hilft. Auch das alle Modi bereits bekannt sind, geht in den nervenaufreibenden, kurzen, aber abwechslungsreichen und mitreißenden Runden ziemlich schnell unter.
Vor jeder Runde oder in Modi, in denen man nach dem Tod wieder ins Spiel eintreten darf, kann man sich sein ganz eigenes Rüstzeug aus einer Unmenge von Waffen zusammen stellen. Da gibts Rauch- und Blendgranaten, Scharfschützengewehre, Maschinenpistolen und anderes Kriegsgerät en massè. Kaum ein Onlineshooter dürfte bisher so viele Waffen im Angebot gehabt haben.
Ersteindruck
Mit Metal Gear Online hat Konami ein ganz heißes Multiplayereisen im japanischen Feuer. Die Maps, die wir bisher begutachten und spielen durften, sprühten zwar nicht gerade vor Farbenfreude, dafür aber vor Charme, intelligentem Aufbau und perfekter Spielbarkeit. Auch wenn die einzelnen Modi bereits aus anderen Shootern bekannt sind, schaffen es die Entwickler packende und atemberaubende Kämpfe zu inszenieren. Das noch nicht voll ausgereifte Levelsystem, dass den Onlineshooter dann abrunden wird, machte ebenfalls einen durchaus logischen Eindruck und dürfte die Langzeitmotivation garantieren. Wir sind jedenfalls auf das fertige Produkt sehr gespannt.

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