Metal Gear Solid 4: Guns of the Patriots
Hideo Kojima ist unbestritten einer der größten Visionäre der Videospielgeschichte. Mit seiner Metal Gear Reihe erschuf er nicht nur eine der revolutionärsten Spieleserien aller Zeiten, sondern sponn auch eine extrem komplexe, von Verschwörungstheorien gespickte Geschichte, die nun endlich, nach Jahren des Wartens, mit Metal Gear Solid 4 ihr Ende finden wird. Doch nicht nur der Hintergrund fesselte die Spieler jedes Mal aufs Neue an den Fernseher, sondern auch das stetig realistischere Gameplay, dass die hoffnungslose Atmosphäre einer Einzelgängermission von Teil zu Teil perfekter inszenierte. In Frankfurt durften wir nun endlich selbst Hand an eine Demo von Metal Gear Solid 4 legen und bereits dieser kurze Abschnitt zeigte uns, dass wir wieder auf ganz Großes hoffen dürfen.
Einsam in der Masse
Wir stehen, zugegebener Maßen etwas desorientiert, mitten auf dem Schlachtfeld. Die ungewohnte Situation überfordert uns ein wenig. Kugeln schlagen ein, von allen Seiten wird geschossen. Ein Panzer fährt direkt auf uns zu.
Dies scheint uns dann doch der passende Augenblick um abzutauchen. Eine 180 Grad Drehung, einen kurzen Sprint und einen Hechtsprung später, liegen wir in der vermeintlich sicheren Deckung. Neben uns zerreißen Kugeln das Fundament unseres, aus Sandsäcken gebauten Schutzwalls. Tapfere Widerstandskämpfer stellen sich den bösen Imperialisten mutig in den Weg. Und fallen wie die Fliegen. Es wird Zeit aktiv zu werden. Wir spähen aus unserer Deckung heraus, visieren den Panzer an und jagen ihm eine Rakete entgegen. Wieder hinter unserer Barrikade angekommen, erleichtert uns eine laute Explosion. Zumindest die Artillerie ist schon einmal ausgeschalten. In bekannter Metal Gear Manier wechseln wir mit den Schultertasten die Waffe und greifen zur AK 47, die wir vorher von einem toten Soldaten ergattert haben. Erst sprayen wir aus der Deckung heraus und zwingen einige Soldaten links von uns, selbst eine sichere Position zu beziehen. Blitzschnell tauchen wir auf und zielen aus der Egoperspektive auf die Feinde. Ein Magazin später, liegt die erste Gruppe regungslos am Boden. Erneut wechseln wir die Waffe, diesmal soll uns eine Pistole mit Schalldämpfer den Rücken stärken.
Natürlich hätten wir auch aus der 3rd Person Perspektive oder im Autoaiming Modus zielen können. Doch MGS 4 bietet für jede Situation die optimale Möglichkeit, so dass wir als es gerade darauf ankam, präzise und schnell aus der Ich-Sicht schießen konnten. Wir beobachten auf welche Feindesgruppe unserer kurzzeitigen Verbündeten, die Widerstandskämpfer, fokussiert sind. Dann kriechen wir an der Deckung entlang, bis zum angrenzenden Gasseneingang.
Wir erheben uns und sprinten bis zu ihrem Ende. Dort finden wir links einen kleinen Durchgang in der Mauer, durch den wir kriechen. Der Ausgang offenbart uns eine weitere Gasse. Wir kriechen zu einem schützenden Müllcontainer. Und steigen rein. Die Feinde, die direkt neben uns mit den Aufständischen beschäftigt sind, konnten unsere Aktion gar nicht erfassen, da wir durch den neuen Thermoanzug, der automatisch die Texturen des Untergrundes annimmt und durch unser vorsichtiges Vorgehen, so gut wie unsichtbar waren.
Durch die Six-Axis-Steuerung heben wir den Deckel der Mülltonne leise an und visieren den ersten Feind aus der Egoperspektive an. Er fällt um, die Kameraden drehen sich überrascht und entsetzt zu ihm. Uns können sie nicht sehen, da wir bereits wieder im Schutz der Tonne verschwunden sind. Da sie auch keinen Schuss von der Seitengasse wahrnehmen konnten, müssen sie davon ausgehen, dass die Aufständischen einen Treffer landen konnten. Wir setzen das Spiel fort, bis alle ausgeschalten sind. Während die Widerstandskämpfer ihren Sieg feiern, müssen wir weiter. Auch wenn wir noch nicht wissen warum, der Puls des Spiels hat uns längst gefangen,wir müssen weiter, um jeden Preis. Als wir um die Straßenecke biegen, bemerken wir zwei Feinde, die sich unterhalten. Schnell legen wir uns hin, lassen den Thermoanzug arbeiten. Doch als wir an den Beiden vorbei kriechen wollen, scheint etwas schief zu laufen. Einer der Beiden bemerkt einen seltsamen Geruch. Wir riechen noch nach den Müllresten aus der Tonne! Schnell wechseln wir die Waffe und schießen die Beiden nieder. Das Problem? Das war ziemlich laut, sofort wird Alarm ausgelöst.
Wer nun meint,wir könnten uns auf den Radar aus früheren Spielen verlassen, wird enttäuscht. MGS 4 setzt auf realistisches Spielen. Eine bestimmte Zeiteinstufung jeder Alarmstufe gibt es ebenfalls nicht mehr. Man muss sich ganz auf seinen Instinkt und die musikalische Untermalung verlassen. Je gemächlicher diese nämlich ist, desto weniger Gefahr besteht. Eine weitere kleine Hilfe ist eine Art Kreis, der sich um Snake herum auf dem Boden befindet. Er schlägt in die Richtung aus, in der man mit verstärktem Feindkontakt zu rechnen hat. Schnell verstecken wir uns in einer Ecke und stülpen uns unsere ganz eigene Mülltonne über.
Die ist nicht nur handlicher, als der Container von eben, Snake kann sie nämlich einfach in seine Tasche stecken, sondern auch geruchsfrei. So verharren wir, bis wir sicher sind, dass die Soldaten wieder an ihre normale Arbeit gegangen sind und keinen Verdacht mehr schöpfen. Eigentlich wollten wir aus Spaß gerade ein wenig in der Tonne liegend hin und her rollen, bis Snake sich übergeben muss, aber kurz bevor wir diesen Entschluss in die Tat umsetzen können, sehen wir schon wieder einen Soldaten an unserer Gasse vorbei patrouillieren.
Leise stecken wir die Tonne wieder in die Tasche(Anm. d. R.: Ja, spätestens jetzt darf und sollte gelacht werden.) und schlängeln uns an der Wand bis zum Ausgang der Gasse. Ein kurzer Blick hinaus und wir sehen, dass der Soldat gerade nach der Gasse zum Stehen kam und in der Gegend herum späht. Wir treten aus dem Schatten und halten ihm von hinten die Pistole an den Kopf. Sofort schreit Snake auf ihn ein und der Soldat lässt seine Waffe fallen, hebt die Hände in die Höhe. Er hat sich ergeben und wir können ihn nun nicht nur nach Gegenständen durchsuchen, sondern auch wichtige Informationen aus ihm heraus locken, bevor wir ihn nieder strecken und in der Gasse verstecken. Am anderen Ende der Straße sehen wir unseren Zielpunkt. Wir schauen auf die sehr gelungene 3D Karte, die uns zudem den direkten Weg zum Ziel anzeigt, um uns zu versichern, dass wir den richtigen Ort ansteuern. Zwei sehr wachsame Soldaten stehen uns noch im Weg. An sich eine machbare Aufgabe, hätten sie kein MG. Wir entscheiden uns, einen kleinen Helfer ins Spiel zu bringen. Den kleinen Metal Gear. Mit einem PS3-Controller steuert Snake das unauffällige Elektrogerät geradewegs auf die Wachen zu, die davon nichts mitzukriegen scheinen. Doch kurz bevor wir zuschlagen können, bricht plötzlich die Verbindung ab.
Wir müssen hinterher, da der kleine Roboter nur eine begrenzte Funkreichweite hat. Wir überlegen, ob wir einen Alarm riskieren und die Feinde mit dem Snipergewehr ausschalten sollen. Wir verwerfen die Idee aber und lassen lieber den Thermoanzug wieder seine Arbeit tun. Beinahe unsichtbar kriechen wir die Straße soweit entlang,bis wir den kleinen Roboter wieder steuern können. Geschickt umkurven wir mit ihm die Wachen und schalten sie durch Stromschläge von hinten aus. Schnell sammeln wir den kleinen Helfer ein und sprinten zum Ziel. Eine bombastische Zwischensequenz erwartet uns, deren Detailverliebtheit und Inszenierung ihres Gleichen sucht.
Technisch überwältigend
Generell ist die Grafik einfach unglaublich. Metal Gear Solid 4 wird definitiv, sofern das grafische Niveau gehalten werden kann, zu seinem Erscheinungszeitpunkt eines der bestaussehendsten Spiele aller Zeiten sein. Wir hoffen allerdings, dass das etwas staubige Wüstensetting, dass wir durchspielen durften, von noch stilvolleren und farbenfroheren Schauplätzen abgelöst wird und die Engine so ihr ganzes Können zeigen kann.Ansonsten kann man dem Demolevel nur unglaubliche Schönheit, einen klugen Aufbau und eine gekonnte Inszenierung attestieren.
Was uns noch etwas enttäuscht hat, war die künstliche Intelligenz der Feinde. Die war zwar manchmal gespenstisch gut, zu oft aber haben sich die Soldaten noch wie Vollidioten verhalten, sind etwa einfach an uns vorbei gelaufen, obwohl sie uns gesehen haben oder haben sich selbst so positioniert, dass sie uns nicht treffen konnten, sie selbst aber leichte Beute waren. Doch sicher wird daran noch gearbeitet. Die Steuerung funktioniert indes bereits wunderbar und auch die neuen Actioneinlagen wissen zu gefallen, da sie das Gameplay ordentlich aufrütteln und abwechslungsreich gestalten. Vom Sound brauchen wir eigentlich gar nicht zu reden. Die Effekte, egal ob die der Waffen, die Sprachausgabe oder auch nur das Zuklappen einer Mülltone, wirken durchweg extrem realistisch und schaffen zusammen mit dem schon jetzt genial klingenden Orchestersound eine Atmosphäre, die realistischer so noch nicht auf einem heimischen Fernseher gelaufen ist.
Ersteindruck
Es hat wohl niemand daran gezweifelt, dass Metal Gear Solid 4 ein Titel werden würde, der die 90er Wertungsegionen erreichen kann. Doch dass Kojima Productions nicht nur eine derart gigantische Grafikpracht auf die Mattscheibe bannen, sondern das Spielsystem auch an genau den richtigen Stellen verfeinern und eine Menge innovativer Neuerungen so geschickt einbinden konnten, überrascht selbst uns. Man kann mit Fug und Recht behaupten, dass MGS 4 wohl neben GTA 4 DER Kandidat für das Spiel des Jahres werden könnte. Bleibt die Qualität ähnlich niveauvoll, dann wird Metal Gear Solid 4 nicht nur ein Überhammer, sondern auch der erhoffte Systemseller.

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