Tekken 6
Lange, lange ist es her. Vor nunmehr fünfzehn Jahren konnten Beat'em-up Fans zum ersten Mal auf der Ur-PlayStation am The King of Iron Fist Tournament teilnehmen. Tekken, was auf Deutsch soviel wie "eiserne Faust" bedeutet, schlug seinerzeit ein wie eine Bombe und zählt, neben dem Genrekonkurrenten Virtua Fighter, mit zu den Kampfspielen, welche das 3D-Beat'em-up-Genre einläutete. Da der Titel unglaublich erfolgreich war, wurden im Laufe der Jahre selbstverständlich gleich mehrere Fortsetzungen veröffentlicht, welche neben der PlayStation, auch für PlayStation 2, Gameboy Advance und PlayStation Portable umgesetzt wurden. Zuletzt wurde auch die PlayStation 3 mit einem Tekken-Teil versorgt, allerdings lediglich mit der downloadbaren Version des PSP-Ablegers Tekken 5: Dark Resurrection.
Im Oktober geht's rund
Worauf die Fans der Tekken-Reihe aber warten, ist keine Portierung eines PSP-Titels, sondern ein neues, richtiges Tekken. Ein Tekken 6, das einst vor sehr langer Zeit für die PlayStation 3 angekündigt, jedoch schon mehrmals verschoben wurde. Erfreulicherweise ist aber endlich Land in Sicht und wie es scheint, ist keine weitere Terminverschiebung nötig.
Folglich sollten sich Fans der Reihe den 29. Oktober 2009 schon einmal vorsorglich rot im Kalender markieren, denn dann erscheint Tekken 6 hierzulande für PlayStation 3 und Xbox 360. Aber was kann man von einem neuen Tekken erwarten, hielten sich doch die Veränderungen und Weiterentwicklungen seit dem ersten Teil der Serie in Grenzen. So viel möchten wir an dieser Stelle schon verraten: Tekken ist seit Jahren Tekken geblieben und daran wird sich auch im sechsten Teil nichts ändern.
Dieser Umstand dürfte die meisten Tekken-Fans jedoch nicht stören, denn seit jeher schmückte sich die Kampfspielreihe nicht durch innovative Neuerungen, sondern glänzte vielmehr durch ihr Arcadeflair und das reichhaltige Angebot an unterschiedlichen Kämpfern. Und bereits bei diesen zwei Punkten dürften die meisten Tekken-Veteranen verzückt sein, denn erstens wurde die Spielmechanik kaum verändert und zweitens fährt Namco hier gleich eine ganze Horde namhafter Kämpfer auf.
Über 40 Charaktere mit unterschiedlichen Kampfstilen aus den Bereichen Aikido, Karate, Jeet Kune Do, Kickboxen, Ninjutsu, Kung Fu, Tae Kwon Do sowie Wrestling, um nur einige zu nennen, werden euch hier geboten. Erfreulich ist zudem, dass sämtliche Charaktere nicht erst umständlich freigespielt werden müssen, sondern bereits zu Spielbeginn anwählbar sein sollen.
Neue Kämpfer braucht das Lan
Ebenfalls ein Grund zur Freude ist die Tatsache, dass es insgesamt sechs neue spielbare Charaktere geben wird, welche das alte Kämpferfeld, das unter anderem aus Lei Wulong, Paul Phoenix, Anna & Nina Williams, Yoshimitsu, Hwoarang, Eddy Gordo, Marshall Law, Jin Kazama, Panda, Kuma, Ling Xiaoyu und selbstverständlich auch Heihachi Mishima besteht, sinnvoll ergänzen. Diese Neuzugänge bestehen aus dem speckigen Bob, der trotz seines Gewichtes unheimlich gelenkig ist, einer russischen Roboter-Schönheit namens Alisa, dem heißblütigen Miguel, der spinnenartigen Zafina, dem flinken Leo sowie dem Deutschen Lars.
Ebenfalls neu, jedoch leider nicht spielbar, sind der fünf Meter hohe Kampfroboter NANCY-MI847J sowie der engelsgleiche Azazel, welche die zwei Bossgegner in Tekken 6 darstellen.
Aber nicht nur die insgesamt 42 spielbaren Figuren und die riesigen Endgegner können sich sehen lassen, auch der restliche Teil des sechsten Tekken hat ein ordentliches Upgrade erfahren. Die einzelnen Stages, in denen ihr euch knallharte Zweikämpfe liefert, haben nicht nur aus optischer Sicht heraus betrachtet zugelegt, sondern sind nun endlich auch richtig interaktiv. Der Asphalt bricht nach harten Stürzen auf und eure Vorgehensweisen hinterlassen diverse Spuren im Schnee, genauso wie sich hier und da die Kulissen zerstören lassen. Entweder ihr prügelt eure Kontrahenten durch marode Wände oder ihr tretet diese an bestimmten Stellen gleich durch den Boden, um anschließend den Kampf eine Etage tiefer wieder fortzusetzen. Zugegeben, das ist jetzt zwar nichts wirklich Neues oder Innovatives und gab es auch schon bereits in Mortal Kombat oder Dead or Alive zu bestaunen, jedoch ist diese Einbindung den Entwicklern mehr als gut gelungen und bringt auch mehr Würze ins eigentliche Kampfgeschehen.
Mach mich besser nicht wütend
Eine weitere Neuerung ist, auch wenn sich an der eigentlichen Spielmechanik kaum etwas geändert hat, das Rage-Meter. Dieses innovative Feature ermöglich es euch, solltet ihr ordentlich eine auf den Sack bekommen haben und kurz vor dem Umfallen sein, deutlich härtere Angriffe als sonst auszuführen. Ihr erhaltet also die Möglichkeit, durch gezielte Treffer, das Blatt nochmals zu wenden und einer anstehenden Niederlage zu entgehen.
Ein weiterer Punkt auf der Änderungsliste ist der Wegfall des Tekken-Force-Modes. Anstelle diesem, hat man dem Titel den neuen Szenario-Kampagnen-Modus spendiert, welcher in Ablauf und Spielaufbau an eine frühere Final Fight-Episode erinnert.
Dummerweise gilt das jedoch nicht nur für den Spielablauf, sondern auch für die gesamte technische Präsentation, die derzeit alles andere als rosig aussieht. Aus der Third-Person-Perspektive lauft ihr dort nämlich durch grafisch schwachbrüstige Levelabschnitte und verprügelt alles, was sich euch in den Weg stellt. Das können zum einen Klonsoldaten oder auch Charaktere aus dem Arcade-Modus sein. Gekämpft wird dabei ärgerlicherweise mit einer stark eingeschränkten Move-Palette. Bezwungene Gegner hinterlassen anschließend diverse Extras für den Arcade-Modus, mit denen ihr das äußere Erscheinungsbild eurer Charaktere gehörig aufpimpen könnt.
Sinnvoll ist auch die Einbindung eines Koop-Modus für die Szenario-Kampagne, der es euch ermöglich, gemeinsam mit einem Freund auf Gimmick-Jagd zu gehen. Ob das dann allerdings aufgrund der derzeit technisch schwachen Präsentation mehr Spielspaß bereitet, wird wohl erst das fertige Spiel zeigen. Unklar ist indessen auch weiterhin, mit welchen Online-Spielmodi Tekken 6 aufwarten wird. Wir gehen aber an dieser Stelle jetzt einfach mal davon aus, dass es weltweite und spannende VS.-Fights, übersichtliche Ranglisten sowie fordernde Turnier-Funktionen geben wird. Und letztlich vergehen bis zum Erscheinungsdatum ja auch noch einige Monate, welche die Entwickler hoffentlich sinnvoll nutzen werden, um den Szenario-Kampagnen-Modus noch zu verbessern sowie weitere Online-Features anzukündigen.
Ersteindruck
Ich möchte ehrlich sein: Als ich den ersten Trailer mit richtigen Spielszenen gesehen hatte, war ich ernüchtert. Das neue Tekken präsentierte sich mit altbekannten Moves, den typischen Verrenkungen beim Kämpfen und stach zunächst nur durch seine aufgebohrte Optik und die interaktiven Stages hervor. Nachdem nun aber endlich fast alle Geheimnisse um das neue King of Iron Fist Tournament gelüftet sind, muss ich meiner anfänglichen Skepsis nachgeben und kann mit gutem Gewissen behaupten, das sich das lange Warten gelohnt hat. Zumindest trifft dies auf den Arcade-Modus zu, der mit über 40 spielbaren Charakteren aufwartet und mit seinen interaktiven sowie abwechslungsreich designten Stages mit Sicherheit Spielspaß für mehrere Wochen bieten wird. Ganz so rosig sieht es hingegen für den Szenario-Kampagnen-Modus derzeit nicht aus, denn dort herrscht wie angesprochen noch reger Verbesserungsbedarf. Etwas schade finde ich auch, dass die Entwickler der alten Tekken-Spielmechanik weitestgehenst treu geblieben sind und sich lieber auf alte Tugenden verlassen, anstatt ein neues Spielkonzept auf die Beine zu stellen. Tekken ist eben nach all den langen Jahren immer noch Tekken, was die eingefleischten Fans aber mit Sicherheit überhaupt nicht stören, sondern eher freuen dürfte. Wenn beim Erscheinungstermin dann auch noch ansprechende Online-Spiemodi und stabile Server zur Verfügung stehen, ist der Kampf um den Thron des Beat'em-up-Genres erneut eröffnet.









