Gesamtwertung74 %/10 |
Grafik8 Sound7 |
LanzeitspaßUngenügend Spieleinstieg8 |
Bedienung7 |
Ein äußerst cooler Schwarzer, der sich in bester Hack&Slash-Manier gegen haufenweise Einheimische beweisen muss? Was sich eingangs anhört, wie ein martialischer Export der deutschen Serie "Ein Bayer auf Rügen" und irgendwie auch einen leicht trashigen Beigeschmack besitzt, entpuppt sich anfangs glücklicherweise schnell als gelungener und gut inszenierter Stilmix. Klingt interessant? Ist es auch! Aber kann der Dauerklopper auch auf der langen Geraden überzeugen?
Fast jeder Mensch wird im Laufe seines Lebens sicherlich einmal zu dem Punkt gelangen, an dem er sich überlegt, wo er ist und wo er einmal hin möchte. Diesen Gedankengang hat Afro Samurai, Protagonist unseres Abenteuer, bereits weit hinter sich gebracht. Als Kind musste er mit ansehen, wie sein Vater getötet wurde. Seitdem hat Afro Rache geschworen und scheint keinen Gedanken mehr daran zu verschwenden, ob das, was er tut, richtig oder falsch ist. Er geht seinen Weg und schneidet dabei jeden einfach durch, der ihn aufhalten will.
Man könnte sagen, dass die Entwickler diesen Punkt besonders berücksichtigt haben. Denn als Afro Samurai müssen wir keine schwerwiegenden Entscheidungen treffen, haben keine alternativen Wege oder gar die Freiheit, etwas an unserem Schicksal zu verändern. Wie mit Tunnelblick laufen wir durch die asiatisch angehauchte Welt, nehmen keine Rücksicht auf irgendetwas oder irgendjemanden und verarbeiten einen Gegner nach dem anderen zu Menschen-Frikassee.
Die Geschichte des schwarzen Rächers basiert auf einer japanischen Manga-Serie von Takashi Okazaki, welche auch als fünfteilige Original Video Animation (OVA) verfilmt wurde. Das Spiel darf als interaktive Version der Serie betrachtet werden. Auch hier verleiht "Mr. Cool" in Person, Samuel L. Jackson, dem Kämpfer ein beinahe schon unnatürlich lässiges Charisma und ergänzt die unglaublich dichte Atmosphäre des Settings. Den Rest erledigt die hochauflösende Cel-Shading-Optik, die nicht nur sehr gut aussieht, sondern auch wundervolle Effekte zutage fördert.
Optisch wirkt der Titel wie aus einem Guss: sehr viele Stilelemente wie von beinahe jeglicher Farbe befreite Bilder, Einschübe von Split-Screen-Sequenzen und jede Menge Schwarzweiß-Effekte untermauern die recht düstere Vision des Rachefeldzuges. Meist dominiert - ähnlich wie bei Filmen wie "Sin City" - nur eine Farbe: die des Blutes. Rote Augen, rote Schwerter und natürlich aus allen möglichen Öffnungen laufender Lebenssaft stechen schnell ins Auge und machen anfangs durchaus Laune auf die schier endlos wirkenden Metzgertaten. Allerdings ist es notwendig, dies gekonnt in Szene zu setzen. Schließlich scheint der Kampf alles zu sein, an dem Afro noch Interesse zeigt. Denn seit dem Tod seines Vaters, den er mit eigenen Augen verfolgen musste, sinnt er auf Rache. Die ist jedoch schwerer als man meinen möchte.
In der Welt von Afro Samurai geht es um Stirnbänder, also jene dicken Stoffstreifen, die westlich angesiedelte Menschen zuletzt wahrscheinlich in den 1980er Jahren gesehen haben.
Hier jedoch beschreiben sie die Stärke eines Kämpfers. Afros Vater, Rokutaro, trug einst das Stirnband Nummer eins, welches dem Mann gottartige Superkräfte verlieh. Auf dem zweiten Platz der Rangliste befindet sich logischerweise der Träger des Stirnbandes mit der Nummer zwei. Daraus ergeben sich gleich mehrere fatale Punkte. Zum einen will natürlich jeder die Nummer eins sein. Die Nummer eins kann jedoch nur von der Nummer zwei herausgefordert werden. Andererseits kann jeder die Nummer zwei herausfordern und sich das Stirnband hohlen. Während die Nummer eins in der Welt von Afro Samurai also den ganzen Tag kaum etwas zu fürchten hat, muss sich die Nummer zwei stetig vorsehen und aufpassen, dass ihm keiner auf die Pelle rückt.
Hat er jedoch einmal Zeit, kann er die Nummer eins zum Kampf auffordern und Nummer eins werden, damit auch er ein anschauliches Leben führen kann, während alle anderen auf Nummer zwei herumhacken. So war es dann auch: Afros Vater verlor sein Stirnband und sein Leben, sein Mörder wurde Nummer eins und damit gab es natürlich auch eine neue Nummer zwei.
Afros Weg führt ihn also nicht direkt zur Nummer eins, denn erst muss er Nummer zwei besiegen, damit er die Nummer eins und damit den Mörder seines Vaters kaltstellen kann. Klar soweit? An diesem Punkt schlüpfen wir im Spiel in die Haut von Afro und machen uns auf die Suche nach Nummer zwei. Begleitet werden wir jederzeit von Afros Alter Ego, das sich als imaginäre Plappertasche mit Namen "Ninja Ninja" vorstellt. Auch dieser wird von Samuel L. Jackson vertont und ist - ganz im Gegensatz zum Samurai - überhaupt nicht auf den Mund gefallen. Anfangs erklärt er uns in oft kryptischen Sätzen die Handlung, später quasselt er immer mal wieder ein Kommentar dazwischen, taugt andererseits aber auch als guter Wegweiser, wenn wir einmal nicht weiter wissen.
Die Einleitung durch Afros imaginären Gegenpol ist ungewöhnlich, führt jedoch ganz gut in die Szenerie ein. Denn gleich von Beginn an machen wir nichts anderes als Kämpfen.
Der strikt lineare Spielaufbau schickt uns einen Gegner nach dem anderen auf den Hals. Anfangs macht die Prügelei richtig Spaß und kommt nicht nur wegen der erwähnt guten Optik an, sondern weiß auch durch ein intuitives und motivierendes Kampfsystem zu überzeugen: Zwei Buttons zum Angriff, einer zum Treten und ein letzter zum Springen. Bereits zu Anfang stehen einige Kombo-Möglichkeiten zur Verfügung, die in den flüssig animierten Kämpfen hervorragend von der Hand gehen. Mit jedem Levelaufstieg kommen neue Fähigkeiten hinzu.
Als zusätzliches Schmankerl besitzt Afro eine Fokus-Funktion, welche sich durch die Kombos auflädt. Aktiviert man den Fokus, färbt sich das Bild schwarz-weiß und die Zeit verlangsamt sich im bekannten "Matrix"-Schema. Das heißt, wir bewegen uns einigermaßen normal, während unsere Gegner stark verlangsamt sind.
In dieser Zeit können gut platzierte Attacken dem ein oder anderen Gegner schon einmal schneller als gedacht den Lebensgeist auspusten. Noch besser wirkt der so genannte Over-Fokus gegen die Horden des Feindes. Ist dieser erst einmal aufgeladen, hat Afro einige Sekunden Zeit, Gegner durch nur einen einzigen Streich direkt ins virtuelle Nirvana zu schicken.
Gerade bei diesen Szenen wird auch deutlich, weshalb sich der Titel absolut nicht für Kinder oder Jugendliche geeignet ist: Während dieser Fokus-Zeitlupe ist nicht nur das reichlich spritzende und aus allen möglichen Öffnungen sprudelnde Blut zu sehen. Auch die durchgetrennten Gliedmaßen oder halbe Körper fliegen in hohem Bogen durch die Luft: hier ein Fuß, dort ein Arm, da ein Bein oder auch mal alles ab dem Bauch aufwärts - je nachdem, wo der Gegner getroffen wurde. Die Kampfszenen sind definitiv nur für Erwachsene. Beim Fokus sollte jedoch darauf geachtet werden, dass man ein anständiges Timing besitzt. Da kein Auto-Aiming bei Angriffen geboten wird, sollte sich Afro also bereits vor dem Einsetzen des Fokus und einer Kombo für ein oder besser noch mehrere gute Opfer entschieden haben und denen auch gegenüberstehen.
Ansonsten verspielt er den Vorteil einerseits vielleicht dadurch, dass er daneben schlägt und nur Luft statt Fleisch zerteilt. Andererseits macht die teils sehr unglückliche Kameraführung des Spiels einige Kämpfe zum Ratespiel. So kommt es schon mal vor, dass sich Afro in eine Ecke oder auch auf einen Absatz vorgekämpft hat, der Spieler dann aber kurz den Überblick verliert, da die Kamera nicht nachjustiert und auch keinen hohen Einblickwinkel erlaubt. Objekte, die in der Sichtlinie stehen, werden auch nicht ausgeblendet. Das macht die Kämpfe zwar realistischer und anspruchsvoller. Andererseits kann so etwas auf die Nerven schlagen. In einem solchen Moment muss intuitiv gekämpft werden und das klappt nicht immer auf Anhieb.
So vergeht ein Schlagabtausch nach dem anderen. Das macht gegen die ersten geschätzten 300 Gegner noch Laune. Vor allem wegen der gelungenen düster-surrealen musikalischen Untermalung, die Wu-Tang-Frontmann "RZA" gerade bei Boss-Kämpfen beisteuert. Schnell stellt sich aber ernüchternde Kriegsmüdigkeit ein.
Die Schlachtorgien verlaufen weitestgehend alle nach Schema F: Ein oder mehrere Widersacher stellen sich uns in den Weg, wir kämpfen, es kommen weitere hinzu, was uns per Split-Screen mitgeteilt wird, und wir schlagen auch hier zu - solange, bis alle als organisches Ersatzteillager am Boden liegen und sich nach einigen Sekunden in Luft auflösen. Das ist auf Dauer sehr monoton. Auch, weil es nur wenige Gegnertypen gibt. Hier wären beispielsweise in Scharen auftretende Bauern zu nennen, die jedoch kaum kämpfen können und häufig ihre Waffe verlieren. Wenn es zu viele sind, treten wir einen nach dem anderen aus dem Pulk und schalten ihn in Abstand zu seinen - meist gleich aussehenden - Freunden aus, die interessanterweise nur sehr gemächlich auf uns zukommen. Dann gibt es noch leicht anspruchsvollere Gegner, die ein paar Schläge mehr vertragen und auch einige Feinde, die wirklich flink sind. Dennoch ist uns niemand gewachsen.
Ohne ein Held am Pad zu sein, ist das Spiel relativ schnell durchschaut und durchgespielt. Selbst der Großteil der Bosse ist nach kurzer Zeit Geschichte. Hier existieren wenige Ausnahmen, aber zu Frustmomenten kommt es auch bei den Meistern des Kampfes kaum. Das liegt vor allem an den fairen Speicherpunkten des Spiels, dank derer jeder Boss sofort wiederholt werden kann. Das Speichersystem hilft auch bei den vereinzelten Kletterpartien, die unser Afro einlegen muss. Hier mal eine Wand entlanggelaufen, über ein Loch gesprungen oder auf einen Anhöhe gestiegen. Fällt unser Alleskönner in die Tiefe, steht er einen Moment später wieder einen Schritt vor dem Abhang - sehr löblich. Dabei sind diese Geschicklichkeitseinlagen weder wirklich spannend noch richtig auflockernd. Sie überbrücken lediglich die Wartezeit zwischen Kämpfen und Filmsequenzen.
Ich habe mir ehrlich gesagt etwas mehr von dem Titel versprochen. Gerade der Anfang mit seinem opulenten Einstieg ließ mich aufmerksam werden. Nach dem dreihundertsten Gegner verflog jedoch die Euphorie. Das Spielprinzip ist simpel und eingängig. Vielen Spielen wird aber genau das zum Verhängnis - so auch "Afro Samurai". Irgendwann hat man alles mal ausprobiert, sich an der Grafik satt gesehen und jedem Gegnertyp geschätzte 300 Mal irgendein Körperteil abgeschnitten.
Die Story fließt gemächlich vor sich hin und weist eigentlich kaum Höhepunkte auf. Freunde der Serie werden sicherlich ihren Spaß damit haben und sich ausreichend amüsieren. Ich für meinen Teil fühlte mich unterhalten, nur leider nicht sehr lange.
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Afro Samurai im Test.
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