Gesamtwertung79 %/10 |
Grafik8 Sound9 |
Lanzeitspaß7 SpieleinstiegUngenügend |
Bedienung7 |
Kollege Fratzer hat Recht: Das zerstörte Ascension City sieht wirklich alles andere als schick aus, dafür punktet die Optik aber mit einer ordentlichen Endzeitatmosphäre, welche durch die kaputten Straßen und malträtierten Häuser noch verstärkt wird. Auch die enorme Weitsicht kann sich sehen lassen, die selbst einstürzende Gebäude in weiter Ferne problemlos erkennen lässt. Richtig gut sehen auch die Dschungelpassagen aus, die mit kräftigen Farben und einer üppigen Vegetation punkten. Überhaupt sind die einzelnen Spielabschnitte sehr abwechslungsreich designt und liebevoll gestaltet worden. Ebenfalls nicht von schlechten Eltern sind zudem die Animationsabläufe, allen voran die Bewegungen von Hauptprotagonist Nathan wissen zu gefallen. Optisch haben die Entwickler von GRIN also fast alles richtig gemacht, sieht man von gelegentlichem Tearing und einigen unsauber eingesetzten Unschärfe-Effekten einmal ab.
Bei Bionic Commando hat man leider auf eine deutsche Synchronisation verzichtet, dafür gibt es aber ordentliche deutsche Untertitel und auch Mike Patton ist mit an Bord. Der ehemalige Faith No More-Sänger, der bereits dem Bösen aus The Darkness seine markante Stimme geliehen hat, hat auch hier wieder eine hervorragende Arbeit abgeliefert. Die übrigen Sprecher haben ebenfalls eine solide Arbeit geleistet und klingen bis auf wenige Ausnahmen allesamt sehr professionell. Bei der Musikuntermalung haben die Entwickler auf einen Mix aus Technobeats und orchestralen Klängen gesetzt, der wirklich sehr zur Endzeit-Spielatmosphäre passt. Einzig und allein bei den Waffensounds hätten wir uns etwas mehr Dynamik und Druck gewünscht, weshalb es auch nicht für die Höchstnote gereicht hat.
Die Steuerung von Nathan Spencer funktioniert größtenteils einwandfrei, es bedarf lediglich etwas Einarbeitungszeit, bis man beim Schwingen durch die einzelnen Locations den richtigen Absprungpunkt gefunden hat. Nach einer Weile hat man aber schnell den Dreh raus, stürzt sich in supertiefe Schluchten und schwingt sich über weite Entfernungen durch die Spielabschnitte. Spencers spezieller bionischer Arm dient allerdings nicht nur als Fortbewegungsmittel, sondern lässt sich vielseitig einsetzen. Beispielsweise kann man diesen im Nahkampf gegen seine Feinde einsetzen oder an verschiedenen Stellen gleich ganze Wände damit zum Einsturz bringen, um neue Wege zu öffnen. Richtig interessant wird es aber erst im weiteren Verlauf des Spiels, wenn ihr weitere Funktionen eures Arms freischaltet. Dann könnt ihr mit einem verheerenden Sprungangriff auf einen zuvor markierten Feind ansetzen oder gleich ein ganzes Fahrzeug auf eure Wiedersacher schmeißen. Wer lieber mit roher Waffengewalt vorgehen möchte, der kann dies ebenfalls tun, sollte dabei aber berücksichtigen, dass der Munitionsvorrat begrenzt und rar gesät ist. Beim Zielsystem das dazu genutzt wird, lässt sich zudem die Zielgeschwindigkeit auf die eigenen Bedürfnisse anpassen, weshalb hier eigentlich kaum Wünsche offen gelassen werden. Einzig und allein die etwas ungünstig belegte 180°-Drehung lässt hier Kritik zu, da es bei überhöhtem Gegneraufkommen zu einigen Schwierigkeiten kommen kann.
Mal abgesehen von der Story, die leider nicht wirklich vorangetrieben wird und auch kaum durch Überraschungen aufgelockert wird, vermittelt der Titel eine gute Atmosphäre. Allen voran die Zwischengegner und die Bosskämpfe wissen zu gefallen, da hier wirklich alle Funktionen eures bionischen Arms geschickt eingesetzt werden müssen, um diese zu bezwingen. Leider ist die künstliche Intelligenz der übrigen Gegner nicht immer das Gelbe vom Ei, da diese teilweise einfach nur dumm in der Gegend rumstehen, keine Deckung suchen und so leider nur als einfaches Kanonenfutter herhalten. Das durch die Gegend schwingen wurde indessen sehr gut umgesetzt und macht wirklich eine Menge Spaß. Jedoch hätten fairer verteilte Checkpoints dem Titel sicher gut gestanden, denn das Wiederholen bestimmter Passagen nach dem Bildschirmtod, kann schon zu einer frustrierenden Angelegenheit werden. Vor allem dann, wenn ihr die überall im Level verteilten Sammelobjekte aufgelesen habt und nach dem virtuellen Tod erneut einsammeln müsst, da diese erst nach einem Checkpoint dauerhaft abgespeichert werden. Auch wären weitaus mehr Rätseleinlagen oder Missionsziele, die sich mit dem bionischen Arm lösen lassen, wünschenswert gewesen.
Wie bereits erwähnt, wird euch etwas Einarbeitungszeit abverlangt, ehe ihr euch mit Leichtigkeit durch die einzelnen Locations schwingen könnt. Um euch den Einstieg in die anspruchsvolle Steuerung etwas zu erleichtern, wurde dem Spiel ein ausführliches und klärendes Tutorial spendiert. In diesem werden dann hauptsächlich sämtliche Funktionen eures bionischen Spezialarmes näher beleuchtet und zwar anhand von ordentlichen Videosequenzen. Diese zeigen euch, wie ihr eine bestimmte Aktion ausführen müsst, ehe ihr selbst Hand anlegen dürft. Aber selbst wenn ihr im Tutorial ausgiebig trainiert, so sind im eigentlichen Spiel stellenweise Frustmomente vorprogrammiert. In einigen hektischen Passagen ist es nämlich nicht gerade einfach, das richtige Timing für den Absprungpunkt zu finden. Für etwas Unmut sorgen auch die unfair verteilten Checkpoints, die hier etwas großzügiger hätten gesetzt werden können.
Bionic Commando hat erfreulicherweise auch einen Mehrspielermodus, in dem bis zu acht Spieler gleichzeitig an den Start gehen können, mit an Bord. Weniger erfreulich ist dabei die Auswahlvielfalt, die sich leider nur auf insgesamt drei Spielmodi beschränkt. Darunter fallen dann auch lediglich die gängigsten Modi, bei welchen es sich um Deathmatch, Team-Deathmatch sowie Capture the Flag handelt. Eine Rangliste, in der man sich mit anderen Spielern auf der ganzen Welt messen kann, ist freilich ebenfalls mit dabei. Klingt alles insgesamt nicht gerade spektakulär und ist es zunächst auch nicht. Nach einigen Onlinekämpfen kristallisiert sich aber heraus, dass die Onlineschlachten doch eine Menge Spaß bereiten. Der bionische Spezialarm sorgt nämlich für etwas frischen Wind im Onlinespiel, der allerdings nicht allzu lang bei der Stange halten dürfte, da die Auswahl an unterschiedlichen Karten dazu etwas zu gering ist.
Die Neuauflage des einstigen NES-Klassikers aus dem Jahr 1987 kann sich durchaus sehen lassen. Zwar gab es mit Bionic Commando Rearmed bereits im letzten Jahr ein Remake des Klassikers, dieser war jedoch nur auf 2D-Gameplay ausgelegt, wobei bei diesem endlich der Weg in die dritte Dimension geebnet wurde. Zugegeben, es macht in Bionic Commando eine Menge Spaß mit Nathan Spencer durch die Gegend zu schwingen und mit seinem bionischen Arm gleich mehrere Gegner zu plätten. Allerdings muss an dieser Stelle eingeräumt werden, dass das Spielprinzip zwar recht frisch und unverbraucht ist, die Story aber zu lahm inszeniert wurde und auch abwechslungsreiche Spielpassagen etwas auf der Strecke bleiben. Apropos Stecke: Sehr ärgerlich ist auf den langen Wegstrecken, die ihr zurücklegen müsst, das es keine fair verteilten Checkpoints gibt. Aus diesem Grund habe ich auch schon nach wenigen Spielstunden darauf verzichtet, die vielen in den Levels verstreuten Sammelobjekte aufzulesen. Zwar kann ich mich selbst als PS3-Trophäenjunkie bezeichnen, jedoch habe ich keinen Bock darauf, nach einem Bildschirmtod alles noch einmal von vorne einzusammeln, nur weil ich es nicht mehr zum nächsten Speicherpunkt geschafft habe. Da verzichte ich dann lieber auf einige freigeschaltete Artworks und nehme hin, dass mir eben einige Trophäen in meiner Sammlung fehlen.
Kurz gesagt: Bionic Commando kann trotz der Mankos im Gameplay als gelungene Neuauflage des Klassikers bezeichnet werden und dürfte für Fans schnörkelloser Action durchaus interessant sein. Übrigens, wer nicht weiß, für welche Konsolenversion er sich entscheiden soll, dem sei gesagt, das wir keine nennenswerte Unterschiede zwischen Xbox 360- und PS3-Fassung feststellen konnten.
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Bionic Commando im Test.
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