Gesamtwertung81%/10 |
GrafikGut SoundGut |
LanzeitspaßGut SpieleinstiegSehr gut |
BedienungSehr gut |
Als Sid Meier seinen jüngsten Civilization-Spross ankündigen ließ, waren alle Next-Generation-Konsolen besitzenden Strategiefans aus dem Häuschen. Nachdem dann aber die ersten Informationen ans Tageslicht gelangten, spaltete sich nicht nur die Fangemeinde in zwei Lager. Denn mit Civilization Revolution kehrt sich die Reihe erstmals vom Fortschritt ab und tauscht Komplexität mit einfacher Handhabung und besserem Verständnis. Gerade die Hardcorefans von Civilization 4 dürfte das verschreckt haben. Den Verkaufszahlen hingegen wird es wohl keinen Abbruch tun. Ob das Spiel letztlich trotzdem eine Strategiebombe ist oder nur Durchschnittskost für den normalen Bildleser, klären wir an Hand unserer Welteroberung.
Im Gegensatz zu Civilization 4 darf man bei Revolution gerade einmal zwischen den Völkern und dem Spieltyp wählen. Karten werden gänzlich automatisch erstellt und sind nicht veränderbar. Einen Editor sucht man deswegen auch vergebens. Immerhin kann man zwischen 16 verschiedenen Gemeinschaften, von den Azteken über die Germanen bis hin zu den Franzosen ist so gut wie jedes Volk, dass in der Weltgeschichte großes vollbracht hat dabei. Wir entscheiden uns für die Japaner. Alle Völker haben ihre Vorzüge, so können Römer beispielsweise für den halben Preis Straßen und später sogar Wunder errichten.
Aztekenkrieger heilen sich dafür automatisch. Jedes Spiel beginnt mit einem Siedlertrupp. Wir errichten unsere erste Stadt, Tokio, und lassen den ersten Krieger ausbilden. Wir befinden uns im ersten von vier Zeitaltern und unser Volk sieht aus, als hätten sie gerade erst den aufrechten Gang entdeckt. Trotzdem erkunden unsere Krieger Runde für Runde das im Nebel des Krieges liegende Land. Dabei gibt es meist mehrere Kontinente, die durch Wasser räumlich von einander getrennt sind, zu entdecken. Immer ist das Verhältnis zwischen den Völkern dabei ausgeglichen. Keines wird etwa gänzlich allein auf einem Kontinent sein Unwesen treiben, während auf einem anderen fünfzehn andere Nationen Krieg gegeneinander führen. Um unsere Krieger richtig auszubilden, verhauen wir ein paar Wilde, kassieren ihr Gold und stecken es in erste Gebäude. Unsere Stadt wächst und gedeiht, gleich wenn die Auswahl an Baubarem recht gering daherkommt. So ist eine Stadt mit einer Kaserne und einem Tempel für den Beginn gut ausgestattet. Weitere Siedler entstehen und suchen sich vom von Barbaren befreiten Gebiet neue Möglichkeiten, um weitere Städte zu gründen. Dabei wird einem durch grüne oder rote Symbole einfach verdeutlicht, ob es sich lohnt oder nicht.
Immer der gleiche Ablauf
Es gilt also sicherzustellen, ob genug Nahrung vorhanden ist, möglicherweise noch andere Rohstoffe gefördert werden und so weiter. Prinzipiell gilt, je mehr Städte man vorzuweisen hat, desto stärker darf man sich wähnen. Unsere Krieger stoßen auf das erste, andere Herrschaftsgebiet. Die Engländer, wie nett. Wir schließen einen Friedensvertrag. Neben der Möglichkeit Technologien zu tauschen, die einzige Diplomatie, die neben dem Brechen oder Ablehnen des Vertrags fabriziert wird. Die ersten Forschungsgebiete werden abgegrast. Immer wenn wir uns für etwas entschieden haben, meldet sich unser Berater wieder, wenn es fertig erforscht wurde und will uns etwas Neues andrehen.
Dabei hängt die Zahl der Runden, die wir für die Erforschung einer Technologie benötigen, sowohl von unserem Wohlstand, wie auch von unserem eigentlichen Fortschritt ab.
Durch den Bau der Kaserne und das Erforschen der Eisenverarbeitung können wir nun Bogenschützen bauen. Nachdem die Straße zwischen unseren beiden Städten fertig ist, schicken wir sie direkt zu unseren Kriegern. Die sind nun schon auf drei Kompanien angewachsen und bilden jetzt eine durchschlagkräftige Armee. Was im Multiplayer nicht gut geht, funktioniert zumindest auf den einfacheren Schwierigkeitsgraden im Singleplayer wunderbar. Wir postieren unsere Armeen vor der Hauptstadt London und graben uns ein. Die Herrscherin argwöhnt zwar, vertraut aber auf unseren Friedensvertrag, den wir in der nächsten Runde brechen und auf eine eher schwache Verteidigung stoßen, die trotz der zusätzlichen Verteidigungspunkte und den Bogenschützen zwar einiges an unserer Armee anrichten, insgesamt dem Aufgebot nicht gewachsen sind. So nehmen wir London und danach nach und nach den Rest von England ein, bis sich Elisabeth verabschiedet. Ein erster Schritt zum Herrschaftssieg ist getan und als könnte es nicht besser laufen, erreichen wir auch schon das dritte Zeitalter, nämlich das der Industrie.
Nun können wir diverse Technologien erforschen, die uns etwa das Schießpulver bescheren. Unsere Armee wird größer und größer und unser Feldzug ist erfolgreich, am Ende herrschen wir über die Welt, sind Wirtschaftsmacht und fliegen nach Alpha Zentauri. Übrigens reicht eines der Ereignisse, um ein Spiel zu gewinnen. Außerdem kann man ebenfalls siegreich sein, wenn man eine bestimmte Anzahl von Wundern baut und angesehene Persönlichkeiten in seinen Städten ansiedelt. Die kommen aber nur zu den besten Nationen.
Abgespeckt und trotzdem gut?
Das Reportaire des kompletten Spiels wurde im Gegensatz zu Civilization 4 deutlich auf seine Grundzüge gekürzt.
So ist die Diplomatie so übersichtlich, wie unser morgiger Sieg gegen die Türkei. Es gibt zwar noch zahlreiche Technologien, aber längst nicht so viele, wie sie Civ 4 Spieler gewohnt sind. Die Maps sind kleiner, die Armeen entstehen schneller, Gebäude gibt es kaum zu bauen und auch Einheitentypen beschränken sich auf das essentielle Minimum. Wirklich taktisch wird es nur im Multiplayer und in den höheren Schwierigkeitsgraden, den da wird bereits eine Städtegründung zur Weltangelegenheit. Und obwohl Civilization Revolution wie eine technisch aufgewertete Version des ersten Ablegers der Serie daherkommt, bietet der Titel genug Konfliktpotenzial um eben vor allem im Mehrspielermodus extrem lange Laune zu machen. Gerade für Einsteiger ist das ein wahrer Genuss, weil die Grundelemente schnell gelernt und nicht unübersichtlich sind. Wahre Strategiehasen aber werden schnell gelangweilt sein.
Trotz der fehlenden Komplexität hat es Sid Meier und sein Team geschafft, alle wesentlichen Elemente des Spiels zu integrieren, so dass man als normaler Spieler eigentlich nichts vermisst und sich eher noch über die fordernde Einfachheit, so paradox es klingt, freut. Natürlich sind der fehlende Karteneditor und der geringe Umfang des Singleplayers Kritikpunkte, es werden nämlich gerade einmal eine handvoll Szenarien angeboten und auch der Endlosspiel-Modus wird nicht für Ewigkeiten interessant bleiben. Durch den Multiplayer, der übrigens auch mit Ranglisten-Spielen daherkommt, wird dem Spieler jedoch Wochenlang sehr gute Unterhaltung mit Lerneffekt geboten.
Civilization Revolution im Test.
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