Gesamtwertung87%/10 |
GrafikSehr gut SoundSehr gut |
LanzeitspaßGut SpieleinstiegSehr gut |
BedienungGut |
PC-Spieler und Besitzer einer Xbox 360 kamen bereits vor einiger Zeit in den Genuss, die aktuelle Ausgabe von Codemasters Colin McRae-Serie, die den Zusatztitel Dirt trägt, ausgiebig zu spielen und sich online auf der ganzen Welt heiße Offroad-Rennen zu liefern. Seit dem 14. September 2007 ist Colin McRae: Dirt nun endlich auch für Sonys PlayStation 3 erhältlich und ab sofort steht Fans der Serie sowie dem Rennspielspaß nichts mehr im Wege. Auch wenn der PS3-Erscheinungstermin des Titels für viele ein Grund zu Freude ist, gibt es auch Menschen, denen der Release am 15.09.2007 zahlreiche Tränen in die Augen treibt und damit sind keine Freudentränen gemeint.
Geschockte Rallye-Welt
Wer es trotz der zahlreichen Newsmeldungen und Nachrichtensendungen nicht mitbekommen haben sollten, denen sei an dieser Stelle gesagt, dass Colin McRae gestorben ist. Der frühere Rallye-Weltmeister war am Samstag den 15. September 2007 mit seinem privaten Helikopter unterwegs und ist in der Nähe von Lanark, dem Wohnsitz seiner Famile in Schottland, bei einem Hubschrauber-Absturz tödlich verunglückt. Mit ihm an Bord wahren sein fünfjähriger Sohn Johnny, dessen sechsjähriger Freund sowie ein Jugendfreund von Colin McRae.
Unser Beileid und Mitgefühl gilt in dieser schweren Zeit seiner Frau Alison und seiner Tochter Hollie, sowie allen Angehörigen der betroffenen Familien. Trauern dürften vor allem auch Sven Quandt und sein X-raid-Team im hessischen Trebur, für den der 39-Jährige im Frühjahr 2008 die Dakar-Rallye bestreiten wollte. Wie es nun nach dem Ableben des Rennfahrers um die Colin McRae-Spielserie bestellt ist, weiß derzeit wohl niemand.
Ob ein weiterer Teil erscheinen wird oder ob Colin McRae: Dirt der Letzte der Serie sein wird, steht bislang noch in den Sternen. Fakt ist jedoch, das wenn Dirt das letzte Spiel im Colin McRae-Universum ist, dieses mit der PlayStation 3-Umsetzung einen mehr als würdigen Abtritt spendiert bekam.
Rallye at it´s best!
Wie eingangs bereits erwähnt, ist der Titel bereits seit einiger Zeit für PC und Xbox 360 erhältlich, und inhaltlich ist auch die PS3-Version vollkommen mit diesen identisch. In jeweils sechs unterschiedlichen Rallyes, welche in sechs Etappen in verschiedenen Ländern wie beispielsweise Deutschland, England oder Japan unterteilt wurden, dürft ihr euer fahrerisches Können mit mehr als 45 lizenzierten Boliden unter Beweis stellen. Die Strecken auf denen ihr euch ordentlich austoben dürft, gestalten sich zum Teil sogar um noch anspruchsvoller als im Vorgänger.
Jeder Parcours wartet mit vielen Herausforderungen wie enge, schwer einsehbare Kurven, kniffelige Driftmanöver oder ständigem Oberflächenwechsel auf und ist selbst bei Rennprofis immer wieder für eine Überraschung gut. Auf ein richtiges und wechselndes Wettersystem wurde leider verzichtet, dafür haben die Entwickler bei der Optik der einzelnen Etappen ordentlich rangeklotzt. Die Strecken und Landschaften sind nämlich erstklassig in Szene gesetzt und bieten abwechslungsreiche und glaubhafte Szenerien, die zwar alle nur fiktiv sind, dafür aber exzellent designt wurden.
Die Steuerung ist ebenfalls, genau wie bei den Vorgängern, sehr gut umgesetzt worden. Zwar wurde bei der PS3-Variante auf eine Sixaxis-Unterstützung verzichtet und auch das Rumble-Feature, welches auf der Xbox 360 ein noch realistischeres Fahrgefühl aufkommen lässt, fehlt, dafür lässt sich aber jedes Fahrzeug hervorragend über die Piste jagen. Und wer weiß, da ja auf der diesjährigen Tokyo Game Show ein neuer Dual Shock 3 Controller mit Bewegungssensoren und Ruckeleffekt für die PlayStation 3 vorgestellt wurde, könnt ihr demnächst vielleicht sogar mittels nachgereichtem Update ebenfalls jede Bodenwelle oder Karambolage genau wie auf der Xbox 360 spüren.
Schmutzige Angelegenheit
Was sich bei Colin McRae: Dirt wirklich sehen lassen kann, ist das Schadensmodell und wer die Vorgänger kennt, weiß das dieses hier nicht nur rein optischer Natur ist. Während kleinere Rempler beispielsweise an Leitplanken mit unschönen Kratzern oder Beulen bestraft werden, kann es allerdings auch einmal vorkommen, dass ihr bei einem Frontalzusammenstoß mit einem Baum das Rennen vorzeitig beenden müsst. Kein Wunder, hat sich doch eure Motorhaube komplett um den Baumstamm gewickelt. Ok, das war jetzt der Extremfall, aber fest steht, nehmt ihr zuviel mit, verschlechtert sich eure Motorleistung oder ihr könnt zum Beispiel nicht mehr ohne weiteres geradeaus fahren. Wer also über die Piste brettert wie eine gesenkte Sau, muss mit heftigen Schäden und teuren Reparaturkosten rechnen.
Erreicht ihr mit eurem Wagen unfallfrei oder schrottreif die Ziellinie, habt ihr die Möglichkeit euer Auto zu reparieren oder zu tunen. Wirklich Sinn macht das Tuning allerdings nur, wenn ihr auf dem höchsten Schwierigkeitsgrad spielt oder dauerhaft Bestzeiten einheimsen wollt. Wer sich mit schlechteren Zeiten oder einem niedrigeren Schwierigkeitsgrad zufrieden gibt, der braucht die Konkurrenz zumindest bei der künstlichen Intelligenz nicht wirklich zu fürchten.
Und wer mit dem einen oder anderen Rennevent so seine Schwierigkeit haben sollte, den wird es freuen, dass sich der Schwierigkeitsgrad vor jedem Rennen individuell anpassen lässt.
So muss das sein genau so!
Da sich alle erhältlichen Versionen von Colin McRae: Dirt inhaltlich exakt gleichen, kommen wir nun zu dem Punkt, der die PS3-Spieler vermutlich am meisten interessiert. Wie sieht der Titel auf der PlayStation 3-Hardware aus? Diese Frage lässt sich einfach beantworten: Einsame Spitze! Optisch hebt dich die PS3-Variante nämlich etwas von den anderen Versionen ab, die Unterschiede sind allerdings nur minimaler Natur. Im direkten Vergleich fällt hier unter anderem auf, dass die Framerate stabiler ist und das Spiel nun etwas flüssiger läuft. Auch erweckt die PS3-Version den Eindruck, einige Grafikdetails mehr mit an Bord zu haben, was aber vielleicht auch auf die nicht mehr so stark ausgeprägten Tearing-Effekte zurückzuführen ist. Kurz gesagt: Im Vergleich zur Xbox 360-Variante macht die PS3-Umsetzung klar das Rennen. Etwas schnellere Ladezeiten wären, auch wenn sich diese nicht als störend entpuppen, allerdings wünschenswert gewesen. Aber was solls, dafür wird man während der Wartezeit über seine bisherigen Leistungen informiert und erfährt beispielsweise welches sein Lieblingsfahrzeug oder wie lange man schon gefahren ist.
Aus akustischer Sicht heraus betrachtet macht die PS3-Version ebenfalls das Rennen und bietet als Einzigste von allen, fetten 7.1 Surroundsound. Zwar mussten wir uns lediglich mit 6.1 begnügen, aber was solls, es ist jedenfalls gut zu wissen, das diejenigen die das nötige Equipment haben, dieses auch voll ausreizen können. Egal ob authentische Motorensound, stimmiger Soundtrack oder professionelle Synchronsprecher, hier stimmt einfach alles!
Abschließend kann aber gesagt werden, das Colin McRae: Dirt eine erstklassige PS3-Umsetzung spendiert bekommen hat und der Titel spielerisch sowie inhaltlich deutlich mehr zu bieten hat, als beispielsweise MotorStorm. Für Motorsportfans ein Pflichtkauf!