Gesamtwertung89%/10 |
GrafikSehr gut SoundSehr gut |
LanzeitspaßSehr gut SpieleinstiegGut |
BedienungSehr gut |
Ethan Thomas. Der Name dürfte bei den Wenigsten Erinnerungen wecken. Und diejenigen, die sich an den guten Mann entsinnen können, werden sicher mit Abschäu und Ekel an jene Zeit zurück denken, die sie mit ihm durchstehen mussten. Denn bereits im hierzulande indizierten Condemned durchlebte man zusammen mit ihm einen Alptraum, der sich vor der Horror-Konkurrenz nicht verstecken musste und dessen Detailfülle ihn realer machte, als jeden Echten. Nun dürfen wir einmal mehr in die Haut des Protagonisten schlüpfen und uns durch eine Welt voller Schmerz, Hass und Unverständnis schlagen. Ob uns wieder ein Überlebenstrip der Güteklasse A erwartet und ob wir überhaupt mit dem Erscheinen des Titels in Deutschland rechnen dürfen, klärt der Test.
Die Welt um uns herum verschwimmt für einen kurzen Moment. Wir stolpern betrunken, wie selten, aus einer schäbigen Bar hinaus in die noch viel schäbigere Welt. Unsere Ruhe suchend treffen wir direkt vor dem Eingang auf einen Penner, der sich sichtlich über die unerwartete Zweisamkeit freut. Wir beleidigen ihn. Doch aus irgendeinem Grund weckt er auch unser Interesse. Nach einer kurzen Verschnaufpause gehen wir ihm nach.
Und so beginnt ein Alptraum, der nicht nur schrecklich beginnt, sondern auch so endet. Das Schlimme daran ist, dass die geschilderte Tatsache vorbestimmt gewesen zu sein schien. Wenige Minuten später befinden wir uns in einer Prügelei. Aggressive Lebewesen, die grundsätzlich Menschen ähneln, aber deren Gesichtszüge alles andere als sanft sind, versuchen uns das Leben zu rauben. Und das obwohl wir ihnen eigentlich nichts getan haben. Na gut, der Penner, dem wir gefolgt sind, hat sie getreten, als sie gerade friedlich auf der Straße schliefen, aber ist das ein Grund? Sofort fällt uns das genial inszenierte Kampfsystem auf.
Mit den Schultertasten des Controllers schlagen wir zu. Rechte Taste, rechte Faust, linke Taste, linke Faust. Beide zusammen lässt uns, im richtigen Augenblick gedrückt, gegnerische Angriffe abblocken. Die verschiedensten Combos versüßen uns die bitterböse Schlägerei. Einer der Angreifer attackiert uns mit einer mit Nägeln bestückten Holzlatte. Wir schlagen ihn tot und eignen uns die Waffe an. Ohne Respekt greifen uns weitere Chaoten an. Wir schlagen auf sie ein, bis das Holz bricht und greifen dann zu einem abgebrochenen Rohr, dass uns aufgefallen ist. Noch mehr Tote.
Irgendwann kehrt Ruhe ein. Aber nur im Spiel. Wir sind bereits jetzt völlig fertig und gefesselt. Ängstlich versuchen wir die Szenerie zu verlassen, irgendetwas Freundliches zu entdecken. Doch in der Welt von Condemned 2 gibt es nichts Schönes. Genauso bleibt die Story immer düster und klärt nie, ob wir die Realität nachspielen oder aber einfach in der kranken Phantasiewelt eines Ex-Polizisten und Alkoholikers herum irren. Wer letztlich auf eine lückenlose Aufklärung der Geschichte hofft, wird nicht nur enttäuscht, sondern hat auch die Aussage des Spiels nicht verstanden.
Wir schreiten voran, vorbei an eingeschalteten Fernsehern in Schaufenstern, die vom Ende der Welt künden, bis wir endlich eine offene Tür finden. Sie führt in ein Lagerhaus. Der kleine Lichtkegel der Taschenlampe nimmt uns eher die Hoffnung, als uns Sicherheit zu vermitteln. Die Atmosphäre ist einfach grandios. Während wir fragend vor einem Medizinschränkchen stehen, blicken wir uns in der Realität unwillkürlich um, als man ein Lachen und ein Stöhnen hört. Doch das Lachen und das Stöhnen zeugt nur von neuen Problemen im Spiel.
Wir drehen uns um und bemerken ein paar kleinere Steuerprobleme, die sich aber unerklärlicherweise perfekt ins Spiel einbinden, weil sie eben dessen Anspruch bedienen unsauber und trotzdem genial zu sein. Die Faust erwischt und unerwartet und hart. Schnell prügeln wir blind drauf los, doch der Angreifer ist schneller, gewandter. Erst nach einigen Sekunden haben wir ihn endlich im Visier. Ein paar Comboattacken später liegt er am Boden, schwer atmend. Wir packen ihn am Hals und brechen ihm das Genick. Das reicht aber bei dieser Art von Feinden anscheinend nicht.
Wir schleifen ihn zum nächsten laufenden Fernseher und donnern seinen Kopf durch die Mattscheibe. Ein kurzes Zucken, dann ist es vorbei. Das wird nicht unser einziger spektakulärer Finisher bleiben. Angeschlagen, da die Kämpfe einem wirklich alles abfordern, schleppen wir uns zum Medizinkasten und schlagen ihn ein. Das tut gut. Doch der Horror hat erst begonnen und wird mit jeder Minute schlimmer.
Condemned 2 besticht nicht nur durch eine bedrückende Atmosphäre, die es so noch nicht einmal in einem Silent Hill Spiel zu erleben gab, sondern auch mit exzellenten Zwischensequenzen, die nur durch die etwas starre Mimik der handelnden Personen nicht an die Perfektion heranreichen. Die Story bleibt konfus und ist Geschmackssache. Zahlreiche Wendungen und böse Überraschungen sorgen aber dafür, dass der Spannungsbogen konstant bleibt, auch wenn sich das Spielprinzip auf Grund vieler Wiederholungen gegen Ende etwas abnutzt. Schusswaffen bietet das Spiel übrigens auch. Diese spielen glücklicherweise aber eine untergeordnete Rolle, das Munition sehr rar gesät wurde. Deshalb kann man auch getrost davon ausgehen, dass niemand während der gesamten Spielzeit einmal an Angstlosigkeit leiden wird. Für Abwechslung sorgt der optionale Forensikpart des Spiels. Denn es gibt auch, so unwichtig das auch klingen mag bei den zahlreichen Todesfällen, den ein oder anderen Mordfall aufzuklären. Mit vielen unterschiedlichen Werkzeugen versucht man Licht ins Dunkel und damit auch in die verzwickte Geschichte zu bringen. Das macht nicht nur Spaß, sondern lenkt auch ab.
Und Ablenkung ist das, was man vor allem nach dem Spielen dieses Titels benötigt. Denn so stark wie dessen Sogwirkung ist, können wohl selbst Erwachsene kaum länger als drei Stunden am Stück spielen. Der mitgelieferte Multiplayermodus, der euch auf die Jagd nach Leidensgenossen schickt, weiß leider nicht so zu überzeugen. Einfallslose Modi und kaum Spannung sorgen dafür, dass er das Gegenteil des sehr guten Singleplayers darstellt.
Technisch präsentiert sich Ethans Geschichte auf sehr hohem Niveau. Grafisch wirkt zwar alles trist, aber nicht im negativen Sinne. Die Welt ist abstoßend, irreführend und aus diesem Grund sehr einfallsreich gestaltet. Die geschmacklose und viel zu realistische Gewaltdarstellung passt perfekt ins Setting. Die Charaktere wirken bedrohlich und die Umgebungen selbstzerstörerisch. Alles ist dreckig auf Hochglanz poliert. So muss das sein. Auch der geniale Soundtrack rundet die noch viel genialere Atmosphäre perfekt ab. Einzelne Synchronisationsschwierigkeiten gehen dabei einfach unter.
Condemned 2: Bloodshot im Test.
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