Gesamtwertung86%/10 |
GrafikSehr gut SoundGut |
LanzeitspaßGut SpieleinstiegGut |
BedienungGut |
Mit einem neuen Helden startet Capcoms Devil May Cry-Reihe in die nächste Hardwaregeneration. Fans der Serie, die Nero als Symbolfigur für einen starken Einschnitt in Gameplay und Story sahen, dürfen die Falten auf der Stirn aber wieder glätten. Ja, Nero hat Symbolcharakter, wer allerdings sein Erscheinungsbild kennt, der weiß, dass dieses eher konservativer Art ist. Denn auf den ersten Blick wirkt der neue Dämonenjäger eher wie ein viel zu junger Zwilling Dantes und strahlt somit soviel positive Veränderung aus, wie die österreichische Fußballnationalmannschaft. Doch wer dem Jungen eine Chance gibt, wird schnell merken, dass sein erstes Abenteuer die Serie zwar nicht in ihren Grundzügen umkrempelt, sie aber gradlinig verbessert und diese so durchaus würdig in die nächste Generation führen kann.
Kyrie und Gloria Zwei Welten
Während wir Dante durch die letzten drei, mehr oder weniger, sehr guten Devil May Cry-Ableger, als ultracoolen, jedoch ziemlich oberflächlichen Kämpfer für das Gute kennen gelernt haben, offenbart Nero, so wie die komplette Story des neusten Teils, eine ungewohnte charakterliche Tiefe, die durch die unterschiedlichsten Fassetten zu Tage gefördert wird. So können sich selbst Skeptiker bereits nach wenigen Missionen mit dem neuen Helden identifizieren und jedwede Bedenken in Bezug auf seine Persönlichkeit begraben. Die sympathische Entwicklung die Nero während des Spiels durchläuft, wird vor allem durch die ihn umspannende Geschichte gefördert.
So erlebt man ihn zu Beginn noch als einen eiskalten Schwertkämpfer, der seine offensichtliche Schüchternheit und soziale Inkompetenz durch eine Menge Coolness zu unterdrücken sucht. Später aber lernt er Dinge, wie die Liebe und den Zusammenhalt zu schätzen und wandelt sich vom unerschrockenen Kämpfer zum Helden mit seelischem Schwachpunkt, die er aber durch deren Erkennung überwinden kann. Natürlich bleibt ihm sein Stil dabei durchaus erhalten und in manch einer Zwischensequenz können seine Sprüche und Bewegungen denen von Dante mehr als nur das Wasser reichen. Dass Nero auch kämpferisch dem Helden der PS2-Ära in nichts nachsteht, beweist er schon im gigantisch inszenierten Intromovie, dass zwar, wie alle Cutscenes, in InGame-Grafik gehalten ist, dafür aber durch perfekte Kameraeinstellungen und Schnitte in cineastischer Großartigkeit daher kommt. Überhaupt weiß die Story erst durch den brillanten Einsatz der Zwischensequenzen gänzlich zu überzeugen.
Denn neben der obligatorischen Mission Impossible, die Welt vor dem Untergang zu retten, würde auch die nebenher laufende Liebesgeschichte ihre Wirkung verfehlen, wenn die Inszenierung nicht passen würde. So genießt man aber jede einzelne Cutscene, die allein für sich genommen schon genug Reiz auf den Spieler ausstrahlen, um das Spiel möglichst in einem Rutsch durchspielen zu können. Gegen Ende ist die Geschichte bei abflachendem Gameplay auch das Zugpferd, das die Motivation durchgehend aufrecht hält. Selbst die größten Frustmomente werden dadurch überwunden.
So wird das Pad kaum mal in die Ecke fliegen und wenn doch, dann nur, damit man es in Rekordzeit demütig wieder aufhebt, um den Level nochmals zu starten. Die neuen Charaktere, etwa Kyrie, Neros Herzdame, oder Gloria, unsere Herzdame, runden das Ganze durch ihre ganz eigene Art ab. Während Kyrie anfangs eher das prüde Mauerblümchen mimt, das umsorgt werden will, präsentiert sich uns Gloria als kühne und heiße Kämpferin für das Recht. Im Verlauf entwickeln sich auch diese Sidecharaktere weiter, so wird Kyrie beispielsweise ihr Leben aufs Spiel setzen, um Unschuldige zu retten und so weiter, wodurch die Story weiter an Glaubwürdigkeit gewinnt.
Auch die Gastauftritte von Dante wirken Wunder. Wenngleich es etwas verwundert, dass seine Geschichte diejenige ist, deren Entwicklung am Größten scheint. Möglicherweise ist dies aber auch ein cleverer Schachzug seitens Capcom. Besonders großartig präsentieren sich mal wieder die Bosskämpfe. Nicht nur, dass die einzelnen Endgegner teilweise Bildschirm füllend daherkommen und alles in ihrer Umgebung niederreissen, sie sehen auch allesamt noch grandios und Furcht einflößend aus. Dass sie den Spieler wie gewohnt vor Nerven aufreibende Herausforderungen stellen und meist erst nach einigen Anläufen und zahlreichen Tricks zu bezwingen sind, muss hier wohl nicht extra erwähnt werden.
DMC bleibt DMC
Logischerweise kann ein Spiel aber nicht nur von seiner Story leben, zumindest nicht, wenn es einen gewissen qualitativen Anspruch erhebt. Dabei setzt das Gameplay von Devil May Cry 4 weiterhin auf die sehenswerte Inszenierung intensiver Schlachten gegen, dieses Mal, wirklich wunderschön designte Monster. Mit zahlreichen Schusswaffen und Schwertern geht Nero auf Dämonenjagd und bedient sich dabei vieler bekannter und einiger neuer Elemente, um die Horden des Bösen aus der Menschenwelt zu vertreiben. Wie in den Teilen zuvor halten einfache Pistolen die Gegner auf Abstand, während das Schwert als Todbringer eingesetzt wird. Durch die unterschiedlichsten Combos wird sichergestellt, dass das Ganze auch auf Dauer nur wenig an Reiz verliert. Glücklicherweise macht das eigentlich simple Gameplay auch in Teil 4 noch einen Heidenspaß, da vor allem die technische Seite sehr gut mitspielt und die Entwickler viel Liebe ins Detail steckten. So benutzt Nero seinen dämonischen Greifarm, der übrigens die größte Neuerung im Kampfsystem des Spiels darstellt, bei jedem Monstertyp anders. Während er das eine Viech lediglich kurz in die Luft katapultiert, um es daraufhin in den Boden zu rammen, wirbelt er das andere in der Luft herum und wirft es dann weit von sich, vorzugsweise gegen harte Gegenstände.
Wie gewohnt erhält man durch möglichst verheerende Zerstörungsorgien so genannte rote Orbs, die wiederum in Objekte investiert werden können. Auch diese sind bereits fast alle aus den Vorgängern bekannt. So gibt es etwa Items, die die Energie wieder herstellen und Gegenstände, die Nero nach seinem Tod wieder zurück in die Welt der Lebenden katapultieren. Je häufiger man einen bestimmten Gegenstand erwirbt, desto teurer wird er übrigens auch. Das wirkte schon in den PlayStation 2-Teilen wunder und sorgt auch in DMC 4 für eine weitere taktische Komponente. Neu ist, dass man nun Stolze Seelen benötigt, um seine Waffen aufzurüsten, neue Combos oder andere Fähigkeiten zu erlernen.
Wie viele von den Seelen man einstreichen kann, entscheidet diesmal die Tatsache, wie gut man sich durch eine Mission geschlagen hat. Bekannter Weise wird nach jedem Level abgerechnet und die berühmten Noten zwischen SSS und D verteilt. Je nachdem, wie gut man abschneidet, erhält man eine gewisse Anzahl der Stolzen Seelen.
Das Levelsystem der Waffen wurde abgeschafft, dafür gibt es unzählige Möglichkeiten selbige stark zu verbessern, indem man sie mit neuen Fähigkeiten ausstattet. Auch Nero kann die ein oder andere neue Kampftechnik erlernen. Geheimmissionen und andere, im feinsten Devil May Cry-Stile, mysteriöse Begebenheiten, die einem immer wieder im Spiel vor Herausforderungen stellen und smarte Lösungen belohnen, sorgen für etwas Abwechslung. Nichtsdestotrotz muss man sagen, dass DMC 4 das bekannte Gameplay ausreizt, es perfektioniert und es zum Ende hin etwas zu schleifen beginnt.
Da die Neuerungen zumeist im Detail stecken, diese allerdings sinnvoll und klug umgesetzt wurden, kann darüber aber größtenteils hinweg gesehen werden. Man darf trotzdem keinen Hehl daraus machen, dass mehr und mehr die Geschichte und deren Inszenierung den Antriebsmotor der Motivation darstellt.
Grafisch das Beste auf dem Markt
Wer das Spiel das erste Mal anschmeißt, wird ob der großen Detailfülle und der grandios eingesetzten Grafikengine so schnell nicht aus dem Staunen herauskommen. Vor allem die Hauptcharaktere wirken, als wären sie Jahre lang designt worden. Kleinigkeiten, wie etwa Bartstoppel oder kleine Narben zeugen von hektischen Zeiten und ebenso von der Detailverliebtheit der Entwickler. Auch die Schauplätze platzen geradezu vor Eleganz, wenngleich sie nicht immer auf dem gleichen qualitativ hochwertigen Niveau daherkommen. Da geben sich beinahe nicht zu fassen triste Örtlichkeiten und bombastische Schlösser oder Fabrikgebäude die Klinke in die Hand. Gerade ärgert man sich noch darüber, dass die viel versprechende Location zwar logisch aufgebaut, ihre grafischen Möglichkeiten aber nicht im Mindesten ausgeschöpft wurden, und schafft es im nächsten Augenblick beim Anblick einer schneebedeckten Brücke, an deren Ende ein gigantisches, gotisches Anwesen auf Nero wartet, nicht mehr den Mund wieder zu zuklappen, während man unwillkürlich die Heizung aufdreht, weil man meint, die Kälte würde aus dem Fernseher ins Wohnzimmer springen.
Von der besten Seite zeigt sich die grafische Gestaltung in den Zwischensequenzen. Die sind so detailverliebt und ausgereift, dass sie glatt als Animationskurzfilme um den Oscar konkurrieren könnten. Sie schaffen die nötige Atmosphäre, um den Spieler stundenlang an die Mattscheibe zu fesseln.
Dazu trägt allerdings auch der gelungene Soundtrack des Spiels bei. Die einzelnen Schauplätze werden teilweise durch extrem hörenswerte Orchestralklänge untermalt, die auch deren Thema gut einfangen. Während der Kämpfe treibt gewöhnungsbedürftiger und eigentlich auch nicht ins Setting passender Hardrock den Spieler in die Schlacht.
Dieses Extrem wird in den Menüs durch einen Engelsgleichen Gesang abgelöst, der auch längerfristig zum Lauschen einlädt. Ebenfalls gelungen präsentiert sich die englische Sprachausgabe, die die Intensität der Zwischensequenzen wunderbar unterstützt
Devil May Cry 4 im Test.
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