Gesamtwertung85 %/10 |
GrafikMangelhaft Sound8 |
Lanzeitspaß9 Spieleinstieg8 |
Bedienung7 |
Nippon Ichi ist zwar schon seit Mitte der Neunziger Jahre ein bekannter japanischer Entwickler, durfte sich aber erst acht Jahre später in Europa durch Disgaea: Hour of Darkness einen Namen machen. Seit dem versorgen diese Entwickler uns regelmäßig mit netten Japano-Rollenspielen und vor allem die Strategiespiele wie La Pucelle Tactics oder Phantom Brave sind unter Genre-Fans sehr beliebt. Die Disgaea-Serie ist auch ganz klar bei den Strategiespielen heimisch und hat von Anfang an frischen Wind in das schon leicht angestaubte Spielprinzip gebracht. Mit abgedrehten Charakteren, einer herrlich unsinnigen Story und einem für rundenbasierter Strategie recht flotten Gameplay wurde auch Neulingen ein Einstieg zu Disgeae leicht gemacht.
Es war also nur eine Frage der Zeit bis nach den ersten zwei Teilen für die Playstation 2 und diversen Remakes für PSP und DS der dritte Teil in Form von Disgaea 3: Absence of Justice in den Startlöchern stehen würde. Und auch wenn es optisch nicht den Anschein macht, so ist Disagaea 3 für Sonys "Neue", die Playstation 3 erschienen.
Grafikfetischisten würdigen das grafisch maue Spiel deswegen meistens keines Blickes, aber da verpassen sie ein wirklich durchdachtes Strategiespiel. Die bereits schon erwähnte verrückte Handlung der Vorgänger zieht sich auch bis zum dritten Teil durch, obwohl die Geschichten nie direkt miteinander zu tun haben. Der Hauptcharakter in Disgaea 3: Absence of Justice hat ein "kleines" Problem.
Mao ist der Sohn eines der mächtigsten Dämonen und geht auf die Evil Academy, wobei er viel mehr Zeit vor der Playstation abhängt und inzwischen schon zig Millionen Stunden in seine Spielstände investiert hat. Das Unglück nimmt seinen Lauf, als sein Vater versehentlich seine Konsole zerstört und somit seine hart erarbeiteten Spielstunden in das Datennirwana verschwinden. Erzürnt über seinen Vater ersinnt Mao den etwas anderen Racheplan. Er will seinen Erzeuger glatt umbringen und enthronen, dafür benötigt er aber, wie er mit seinem gigantisch hohen IQ von 1.800.000 herausgefunden hat, erst den "Heldenstatus".
Wie man sieht, nimmt sich Disgaea 3: Absence of Justice selbst nicht all zu ernst und nimmt auch noch einige andere Anime-Serien dabei auf die Schippe. So ziemlich jeder auftretende Spielcharakter passt voll in das Klischee. Die kuriosen Situationen in der Netherworld sorgen immer wieder für ein Lächeln im Gesicht, da vieles in der Welt der Dämonen eben anders abläuft als bei uns. Genauso wie die verrückte Story seinen Lauf nimmt und sich perfekt in das Muster der vorherigen Disgaea-Spiele einfügt, so wurde auch das Herz des Spiels, das Kampfsystem, nur leicht modifiziert, was aber nicht für weniger Spaß sorgt als in den Vorgängern. Nach wie vor habt Ihr nicht viel Bewegungsspielraum auf der Oberwelt, die sich dieses mal in der gesamten Spielzeit auf dem Campus der Evil Academy befindet. Im Waffenshop gibt es, wie der Name schon verrät, Waffen zu kaufen, im Itemshop warten Heiltränke und Statusverbesserungen darauf im Kampf eingesetzt zu werden. In der Krankenstation erweckt Ihr im Gefecht gefallene Charakter gegen einen kleinen Obolus wieder zu Leben, während komplett neue Krieger gegen Manapunkte im Klassenzimmer für die verschiedenen Missionen erstellt werden können.
Mit über 25 verschiedenen Jobklassen seid Ihr bestens versorgt und könnt Euch eine individuelle Truppe erstellen, vom Faustkämpfer bis hin zu den süßen Prinnys. Im Idealfall erstellt man sich eine ausgewogene Gruppe, wo sowohl Magier, wie auch Kämpfer einen Platz für sich beanspruchen. Bis zu zehn verschiedene Charaktere können dabei gleichzeitig auf das Schlachtfeld mitgenommen werden, so sei es gut überlegt, ob Ihr mit reiner Muskelkraft auskommt, oder aber auch einen Heiler dabei haben solltet.
Prinzipiell muss jeder neu erstellte Charakter erst einmal gelevelt werden, da er, egal wie weit Ihr schon im Spiel fortgeschritten seid, immer auf Level 1 startet. Das ist aber kein Problem, denn alte Missionen können immer wieder angewählt werden. Über die Evil Academy schalten sich kapitelweise neue Kämpfe frei, sobald Ihr das ausführliche Tutorial gemeistert habt. Die Einführung in das Spielprinzip von Disgaea 3: Absence of Justice ist auch schwer vonnöten.
Anfänger sind von den vielen Möglichkeiten erst einmal völlig überfordert, sodass es beruhigend ist, dass die Einstiegskämpfe etwas Licht ins Dunkel bringen. Im Kampf befindet Ihr Euch auf Karten, die in viele Felder unterteilt sind. Auf diesen Feldern stehen neben Euren eigenen Charakteren und Feinden auch teilweise so genannte "Geoblöcke" und Schatzkisten mit Items. Geoblöcke sind für Statuswirkungen auf dem Kampffeld verantwortlich.
So färbt ein roter Geoblock zum Beispiel einige Felder in der entsprechenden Farbe ein um anschließend auf diesen Flächen einen Statusboost bei Feuerzaubern zu bewirken, wohingegen Wasserzauber keine bis wenig Wirkung mehr zeigen. Die Geoblöcke können auch zerstört werden um den Gegnern damit den Wind aus den Segeln zu nehmen. Ziel jedes Kampfes ist es grundsätzlich alle gegnerischen Charaktere auf der Map zu eliminieren, wobei die Gegnerklassen genauso vielfältig sind, wie die eigenen und somit gut überlegt sein sollte, welcher Eurer Mitstreiter es mit welchem Feind aufnimmt.
Arbeitet Ihr Euch auf der Map bis zu den Gegern mit mehreren Charakteren vor, könnt Ihr eine Vielzahl von Spezialattacken wie ein Gewitter auf die Feinde donnern lassen und teilweise einige gute Combo-Attacken entfesseln. Neu ist in Disgaea 3: Absence of Justice die Möglichkeit, einen Spielcharakter in eine Waffe zu verwandeln und diese dann auf die Gegner zu hetzen. Das sieht nicht nur lustig aus, sondern hat auch teilweise eine durchschlagende Wirkung. Trotzdem sei hier bedacht, dass der verwandelte Charakter anschließend im Kampf nicht mehr einsetzbar ist.
Im Gefecht verdiente Manapunkte investiert Ihr nach dem Sieg in neue stärkere Charaktere, so dass Ihr aus dem schnell süchtig machendem Leveln nicht mehr richtig herauskommt. Seid Ihr einmal gefangen genommen worden von dem ungewöhnlich flotten Rundenstrategie-Spiel, könnt Ihr Euch auf viele hundert Stunden Spielzeit freuen, denn Disgaea 3: Absence of Justice bietet neben mehreren Enden (also bloß nicht nach dem ersten Abspann aufhören!), auch dermaßen viele Sidequests, dass Ihr eigentlich kein anderes Spiel mehr braucht bis Disgaea 4 erscheint.
Übrigens könnt Ihr jeden Charakter weit über das Maß "normaler" Rollenspiele hinaus leveln, da eine Grenze erst beim 9999 Level gesetzt wurde und auch Eure Gegenstände und Waffen können mit Erfahrungspunkten im Kampf belohnt werden, damit diese stärker werden. In einem speziellen Dungeon namens "Itemworld" levelt Ihr einen Eurer Gegenstände besonders ausführlich um an der für Euch ultimativen Waffe zu basteln.
Bei all der Tiefe im Gameplay hat Nippon Ichi aber noch nie besonders viel Wert auf die optische Präsentation gelegt. Wie bereits erwähnt, könnte man kaum glauben, dass dieses Spiel auf der PS3 läuft, da die niedrig aufgelösten Sprites so auch schon auf der PS1 möglich gewesen wären. Die verschiedenen Zoomstufen auf dem Kampffeld und die Kameradrehungen sind zwar flüssig dargestellt worden, technisch raffiniert sehen aber höchstens ein paar wenige Effekte aus.
Der Stil von Disgaea 3: Absence of Justice ist aber wieder dermaßen liebevoll gehalten, dass man beide Augen zudrücken sollte. Ja, das Spiel sieht richtig mies aus, wenn man bedenkt, dass sich seit dem ersten Teil, welcher auch schon hoffnungslos veraltet war, nichts getan hat. Aber das Charakterdesign ist für Animefans extrem ansprechend und eigentlich haben wir lieber ein Spiel das vom Gameplay überzeugt, statt ein reiner Grafikblender zu sein. Der Soundtrack kann im Gegensatz zur Grafik voll überzeugen. Euch wird die Wahl gelassen, ob Ihr lieber japanische oder englische Voiceactor habt, aber beide Versionen sind gelungen.
Die teils gesungenen Lieder in der Evil Academy schweben auch nach Tagen noch als Ohrwurm durch die Luft und passen einfach perfekt zum Setting von Disgaea. Schade, dass dem PS3-Spiel kein Soundtrack beilag, wie beim Vorgänger. Aufgrund der doch recht kleinen Zielgruppe an Disgaea-Fans in Europa wird leider auch klar, warum wieder kein einziges Wort ins Deutsche übersetzt wurde. Englischunkundige Spieler haben also wieder einmal das Nachsehen. Schade!
Zu Strategiespielen bin ich wie die Jungfrau zum Kinde gekommen. Mit Final Fantasy Tactics hatte ich mir nicht nur einen der besten Genrevertreter ausgesucht, sondern auch einen der schwersten mit einer extrem ernsten Story. Bei Disgaea war aber schon immer positiv hervorzuheben wie eingängig dieses Strategiespiel auch für Anfänger ist und wie locker es sich anfangs auch für Anfänger noch spielt. Das ist bei Disgaea 3: Absence of Justice auch keinesfalls anders, von daher fühlen Kenner sich direkt heimisch. Die lustige Geschichte treibt Euch auch einfach voran, so dass nie Langeweile aufkommt. Oft ist es mir passiert, dass ich nur für eine kurze Zeit das Spiel einlegen wollte, ich dann das nächste mal aber erst 3 Uhr nachts, sechs Stunden später als geplant, auf die Uhr geguckt habe. Diesem Strategiespiel kann man sich nicht mehr entziehen, somit beide Daumen hoch für Disgaea 3, auch wenn die Optik aus der Steinzeit kommt. Als einzige Strategie-Alternative bleibt sonst nur noch das nicht minder schlechte Valkyria Chronicles.
Bei XBlaster ist die Welt, wie wir sie kennen, Vergangen- heit. Als Mechpilot kämpfst Du zur Belustigung der Menge und monatlich 10.000 € zum Spiel...
Disgaea 3: Absence of Justice im Test.
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