Eat Lead: The Return of Matt Hazard

Review
Plattform
PS3
Vertrieb
Koch Media
Entwickler
Vicious Cycle
Erscheinungsdatum
-
Genre
Action
USK
16
Eat Lead: The Return of Matt Hazard

Gesamtwertung

67 %/10

Grafik

Ungenügend

Sound

8

Lanzeitspaß

Ungenügend

Spieleinstieg

7

Bedienung

Mangelhaft

Eat Lead: The Return of Matt Hazard

Hat jemand schon einmal etwas von Matt Hazard gehört? Der gute Knabe war einst der Videospielheld der 80er-Jahre und hat es so ziemlich mit allem und jedem aufgenommen, was sich ihm in den Weg gestellt hat. Seit der 8-Bit-Ära war er auf zahlreichen Videospielsystemen im Einsatz und brachte es zu ruhmreichen Titeln wie Matt in Hazard Land oder Hazard 3D. Da seinerzeit die Spiele von und mit Matt Hazard so abrockten, hatte man sich seitens des Entwicklers Marathon dazu entschieden, die gewinnbringende Action-Ikone auf Lebenszeit unter Vertrag zu nehmen und ihm ein Mitspracherecht bei der Auswahl seiner künftigen Titel zu gewähren.

Um auch jüngere Spieler für sich zu gewinnen, entschied sich Matt dazu, auch mal ein kinderfreundliches Spiel zu veröffentlichen, welches den Titel Haz-Matt Carts trug und ein Klon des berühmten Mario Kart darstellen sollte. Um den Titel war es allerdings nicht so gut bestellt, stattdessen stürzte das Spiel das einst erfolgreiche Unternehmen in den Bankrott, wollte doch die Fangemeinde Matt Hazard lieber rumballern sehen, anstatt mit ihm lächerliche Kartrennen zu fahren. Logischerweise musste Matt die Konsequenzen für diesen Misserfolg tragen und wurde kurzerhand in Frührente geschickt, aus der er sich bis heute nicht mehr zurückgemeldet hat.

Quatsch mit Soße

Glaubt ihr diesen Schmarrn etwa? Alles erstunken und erlogen sagen wir euch! Die Story um den muskelbepackten und glatzköpfigen Matt Hazard ist freilich selbst erfunden worden, denn nie hat es eine solche Action-Ikone jemals gegeben. Die Geschichte um den angeblichen 8-Bit-Helden ist eher als Parodie an alte Actionklassiker zu verstehen, die - wie könnte es anders sein - viele Genrevertreter durch den Kakao zieht und sich dabei selbst stets neu erfindet. Und da die Story frei erfunden ist, haben die Entwickler von Vicious Cycle keine Kosten und Mühen gescheut, diese munter weiterzuspinnen. So kommt es, das nach vielen Jahren ein neuer CEO die Leitung der einstigen Marathon-Firma übernimmt und als erste gute Tat den frühpensionierten Actionheld für sein künftiges Videospielportfolio reaktiviert. Kann man sich das vorstellen?

Nach jahrelanger Abstinenz bekommt Matt Hazard endlich einen Next-Gen-Titel spendiert, welcher den Namen Eat Lead: The Return of Matt Hazard trägt. Nachdem der äußerst unterhaltsame Vorspann über den Bildschirm geflimmert ist und ihr euch mitten im Spielgeschehen befindet, werdet ihr feststellen, das sich die Rückkehr von Matt Hazard spielerisch an aktuelle 3rd-Person-Shooter anlehnt und sehr viele Spielelemente der Konkurrenz kopiert.

Neu dabei ist jedoch die Idee, dass sich euch während eures Abenteuers andauernd alte Kontrahenten in den Weg stellen, die ihr bereits in früheren Videospielen aus dem Weg geräumt habt. Völlig abgedreht ist auch der weitere Spielinhalt von Eat Lead, denn irgendjemand hackt sich andauernd ins laufende Spiel und ändert den Programmcode. Dabei kommt es verständlicherweise zu seltsamen Konstellationen und aus dem eigentlichen Detektiv-Abenteuer wird schnell ein futuristischer Shooter, der sich immer wieder mal in einen Western verwandelt oder euch einfach in Discos der heutigen Zeit katapultiert. Klingt komisch, ist aber so.

Es ist Hazard-Zeit!

Eat Lead: The Return of Matt Hazard hält sich nicht mit langen Erklärungen oder Missionszielen auf, sondern wirft euch bei jeder Mission die gleichen Brocken hin: Töte alles und jeden in einem Level. Während eurem eigentlichen Detektiv-Einsatz seid ihr also die meiste Zeit über damit beschäftigt, den jeweiligen Level vom feindlichen Kanonenfutter zu säubern. Ob ihr dazu eure Schießprügel oder eure Fäuste verwendet, bleibt dabei euch allein überlassen. Habt ihr alle feindlichen Einheiten in einem Spielabschnitt erledigt, öffnet sich eine Tür zum nächsten Bereich, wo dann das Spielprinzip erneut von vorne beginnt. An bestimmten Punkten im Spiel werdet ihr dann auch noch mit Endgegnern konfrontiert, welche es in kurzen Quicktime-Events, die an Titel wie Das Bourne Komplott erinnern, auszuschalten gilt. Oder ihr müsst eine Bombe entschärfen und währenddessen mehrere Gegnerwellen zurückzuschlagen.

Auch gilt es einen alten Spielkollegen mit einem Scharfschützengewehr vor Angreifern zu schützen oder es mit einem rumballernden Raumschiff aufnehmen - normale Standard-Action-Kost eben. Viel mehr Inhalt dürft ihr von dem Titel nicht erwarten. Wenigstens ist die Story recht unterhaltsam und witzig in Szene gesetzt worden, die jedem der sich darauf einlässt, den einen oder anderen Schmunzler entlocken dürfte. Das Bedienkonzept von Matt Hazard erinnert stark an das anderer Genrekonkurrenten und verrichtet dabei eine solide Arbeit. In einem Mix aus Hitman: Codename 47, Das Bourne Komplott und einem indizierten Kettensägen-Shooter aus dem Hause Epic rennt ihr durch die einzelnen Levels, bezieht hinter festen Punkten Deckung und nietet in bester Transporter-Action haufenweise schwerbewaffnete Gegner um. Hier kann angemerkt werden, dass, auch wenn das Deckungssystem nur durchschnittlich von der Konkurrenz abgekupfert wurde, es trotzdem recht gut funktioniert. Spielend leicht schickt ihr Matt von Deckung zu Deckung und nehmt aus dieser heraus die Feinde aufs Korn.

Dabei ist es euch überlassen, ob ihr mittels L2-Taste zielt, oder doch lieber blind in die Gegend feuert. Gut funktionieren tut auch das Point-To-Cover-Feature, in dem ihr lediglich mit der Dreieckstaste einen Punkt markiert der als Deckung fungieren könnte, und schon flitzt der glatzköpfige Recke dorthin.

Unklar ist allerdings, warum der Hauptcharakter nicht in der Lage ist zu springen, sondern ausschließlich vorgegebene Routen ablaufen kann. Ist er etwa zu fett und kriegt den Hintern nicht hoch oder ist seine Rüstung einfach zu schwer. Vermutlich etwas von beidem, mit Sicherheit wissen wir es aber nicht. Hin und wieder könnt ihr dafür aber über diverse Kisten rollen, zu häufig kommt es aber vor, dass ihr unnötige Umwege in Kauf nehmen müsst. Unerklärlich ist auch, dass fast die gesamte Umgebung nicht mit ins Kampfgeschehen einbezogen werden kann.

Wo Genrekonkurrent Jason Bourne noch kräftige Kombos austeilt und seine Widersacher durch verschlossene Türen tritt oder durch Fensterscheiben schmeißt, könnt ihr bei Eat Lead: The Return of Matt Hazard lediglich einige Feuerlöscher zum Explodieren bringen, Pflanzentöpfe kaputtschießen oder in Küchen die Kochutensilien durch die Gegend feuern. Da sind wir von der Konkurrenz aber deutlich besseres gewohnt.

Die technische Seite von Eat Lead

Spielerisch wird also viel abgekupfert, einzig und allein die Story ist selbst konstruiert, von richtiger Kreativität seitens der Entwickler kann also nicht wirklich die Rede sein. Grafisch präsentiert sich Eat Lead: Return of Matt Hazard genauso wie der spielerische Inhalt - nämlich durchwachsen. Gerade zu Beginn des Spiels ist der Titel überhaupt nicht Next-Gen-Würdig. Die Umgebungsdetails wirken steril und austauchbar, die Levels interagieren kaum mit dem Spielgeschehen, die Texturen auf den Klamotten sind ein Witz und gerade in Bezug auf die Physik, kann man eigentlich nur den Kopf schütteln.

Zerschießt ihr beispielsweise eine Fensterscheibe, fliegen euch zwar die Splitter um die Ohren, die Scheibe sieht aber trotzdem noch aus wie frisch geputzt. Oder lauft ihr durch Wasser, sind zwar Platschgeräusche zu hören, von aufgewirbelten Wasserspritzern fehlt jedoch jegliche Spur. Auch wird die Kleidung nicht nass und es gibt auch keine Wasserspuren - warum auch, die Kleidung ist ja sowieso nicht feucht geworden. Ebenfalls unschön ist, dass der Titel mit starkem Tearing zu kämpfen hat und auch von unschönen Kantenflimmern nicht verschont bleibt. Glücklicherweise bleibt das aber nicht über die gesamte Spielzeit so, sondern die Optik verändert sich im weiteren Verlauf des Spiels etwas. Das gilt allerdings ausschließlich für die Umgebungsdetails, die Physikelemente bleiben davon unberührt. Die späteren Levels wirken dann nicht mehr so steril, sondern kommen deutlich farbenfroher und auch ideenreicher daher. Die Animationen der Protagonisten gehen eigentlich auch in Ordnung und bieten darüber hinaus auch ansehnliche Nachlade- sowie Kampfanimationen. Die Videosequenzen sind auch ganz passabel, wenngleich auch viele Details wie das Haardesign oder die Mimik der Charaktere kaum erwähnenswert sind. Dass die Sprachausgabe zu den Videos nicht lippensynchron abläuft, wundert ebenfalls nicht.

Eine gute Punktzahl kann der Titel bei der Soundgestaltung einfahren. Diese ist nämlich das Einzige, was sich hier auf dauerhaft hohem Niveau befindet. Anders als bei der Grafik haben hier die Entwickler von Vicious Cycle bewiesen, das sie es nur zu gut verstehen, ordentlich zu unterhalten. Die deutsche Sprachausgabe klingt professionell und auch tatsächlich so, als hätten die Sprecher beim Vertonen richtig Spaß bei der Arbeit gehabt. Zudem wurde das Musikthema passend gewählt und fügt sich mit rockigen Klängen richtig gut ins Spielgeschehen ein. Auch die geänderten Themen wie Western-Songs sowie die Discomusik stimmen und fügen sich nahtlos ins Spielgeschehen ein. Auch nicht von schlechten Eltern sind die Kampf- und Waffengeräusche, die allesamt sehr ordentlich und druckvoll klingen.

Fazit

Als grundsolider Shooter funktioniert Eat Lead: The Return of Matt Hazard. Schaut man allerdings in die Titel der Genrekonkurrenz, so wird man feststellen, dass es zahlreiche andere Spiele dieses Kalibers gibt, die vieles, oder sagen wir es deutlicher, fast alles besser machen. Die zusammenkonstruierte Story um einen alten Videospielhelden, den es eigentlich nie wirklich gegeben hat, ist zwar ganz nett und unterhaltsam in Szene gesetzt worden, trotzdem haben sogar ältere Titel wie beispielsweise Uncharted: Drakes Schicksal wesentlich mehr auf der Pfanne. Allerdings sollte aber nicht außen vor gelassen werden, dass der Titel erfreulicherweise nicht zum Vollpreis angeboten wird, sondern bereits recht günstig erworben werden kann. Denn wer sich auf die ansprechende Story erst einmal eingelassen hat, der möchte auch gerne wissen, wie diese endet und ob es dem alten Videospielhelden gelingt, sein angestaubtes Image aufzupolieren.

Zu dumm, dass der Titel nur eine Einzelspielerkampagne mit an Bord hat, sonst hätte man eventuell noch wegen dem Mehrspielermodus und der damit verbundenen Langzeitmotivation eine Kaufempfehlung aussprechen können. Was bleibt, ist ein solider Actiontitel, der es in der heutigen Zeit allerdings schwer haben dürfte, sich gegen die Konkurrenz durchzusetzen.

Eat Lead: The Return of Matt Hazard

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