Entscheidung im Formatkrieg

Review
Plattform
PS3
Vertrieb
Sony
Entwickler
Sony
Erscheinungsdatum
-
Genre
Andere
USK
-
Entscheidung im Formatkrieg [PS3 , looki.de]

Entscheidung im Formatkrieg

Wer sich dieser Tage für ein Speicher- oder Filmmedium der nächsten Generation entscheiden soll, wird vermutlich aufgrund des immer noch andauernden Formatkrieges schier verzweifeln.

Die Frage ob die HD-DVD oder die Blu-ray-Disc das Medium der Zukunft sein wird, kann unlängst nicht mehr klar beantwortet werden; so muss also der einzelne Konsument und Filmliebhaber abwägen, welche Kassenschlager aus welchem Filmstudio er in den nächsten Jahren vor seinem HD-Fernseher sitzend, genießen möchte. Denn letztlich sind es die Studios, die sich einem bestimmten Medium verschreiben, Verträge in Millionenhöhe abschließen und sich somit auf Jahre hinweg an den jeweiligen Unterstützer binden.

Bisher waren die Fronten dabei klar verteilt: Auf Seiten der HD-DVD mit ihren Paten Microsoft und Toshiba wähnten sich Universal, Paramount und Dreamworks, auf Seiten der Sony Blu-ray zählte man Konzerne wie 20th Century Fox, Disney, Sony Pictures und MGM. Lediglich Warner Interactive brachte bis dato für beide Formate hauseigene Kassenschlager auf den Markt und vertagte die endgültige Entscheidung für ein einziges Medium bis zur diesjährigen Consumer Electronics Show in Las Vegas. Für viele Experten ging diese dabei als Entscheidung im Formatkrieg einher.

Die Vorgeschichte

Als Sony 2002 zusammen mit den Unternehmen Panasonic, Pioneer, Philips, Thomson, LG Electronics, Hitachi, Sharp und Samsung, den Nachfolger der DVD, die Blu-ray-Disc, offiziell ankündigte, galt dies als Geburtsstunde einer neuen Generation des Films sowie der Sicherung von Daten. Die Konkurrenz jedoch wollte angesichts des riesigen Marktes nicht tatenlos zusehen, wie sich ein Monopol rund um die Blu-ray bildet und leitete so mit der Ankündigung der HD-DVD im Jahre 2003 den zweiten großen Formatkrieg nach 1978 ein. Letzterer war damals zugunsten der VHS aus dem Hause JVC, welche sich gegen Sonys Betamax sowie Philips Video 2000 durchsetzte, entschieden worden. Als Grund dafür galt der Preis der VHS, da die anderen beiden Formate qualitativ eindeutig besser abschnitten. Diesen Vorteil wollte sich auch die HD-DVD Promotion Group, angeführt von Microsoft und Toshiba, für Marketingzwecke zu Nutze machen und warb - trotz geringerer Speicherkapazität - mit weitaus geringeren Produktionskosten im Vergleich zu Blu-ray-Disc. Letztere fasst hierbei bis dato knappe 50GB auf zwei Schichten, wohingegen die HD-DVD eine solche Kapazität erst mit drei Schichten erreicht.

Größte Stützpfeiler der HD-Medien waren jedoch von Beginn an die Filmstudios, die sich für eines der beiden Formate aussprachen und mit Blockbustern versorgten. Auch die amerikanische Pornoindustrie heizte den ohnehin schon stark entflammten Formatkrieg Ende 2006 mit Unterstützung des HD-DVD-Lagers weiter an und galt lange Zeit als entscheidende Instanz. Als weitere bedeutende Eckpfeiler des Kampfes um die Vorherrschaft am HD-Himmel galt das Erscheinen der PlayStation 3, welche über einen integrierten Blu-ray-Player verfügt und diesen für Filme und Spiele nutzt, sowie die Veröffentlichung des externen HD-DVD-Laufwerkes für die Xbox 360.

Der Sieg der Blu-ray?

Doch trotz technisch scheinbar ebenbürtigen Formaten verkauften sich Blu-ray-Player (zu denen auch die PlayStation 3 zählt) sowie die zugehörigen Medien während der gesamten Zeitspanne, in welcher beide Formate erhältlich sind, stets besser. So erreichte man trotz exklusiven HD-DVD-Titeln einen Marktanteil von knapp 65 Prozent. Wie Marktforscher berichten, kamen im letzten Jahr auf jede verkaufte HD-DVD fast zwei Blu-ray-Disc-Verkäufe. Dieser riesige Marktanteil war dabei der entscheidende Faktor für den Studioriesen Warner Interactive sich in einer Pressemitteilung im Vorfeld der Consumer Electronics Show in Las Vegas für das Blu-ray-Format auszusprechen, was für viele Experten mit der endgültigen Entscheidung im Formatkrieg einhergeht.

'Warner Bros. Schritt hin zum exklusiven Release im Blu-ray-Disc-Format beruht auf einer strategischen Entscheidung in langfristigem Zusammenhang und darauf, dass man dem Kunden das geben will, was er bevorzugt. Die Kunden haben ganz klar Blu-ray ausgewählt und wir denken, dass die Berücksichtigung dieser Tatsache ein richtiger Schritt ist [...] um ein breitere Zielgruppe erreichen zu können.'

Somit werden kommende Blockbuster wie Harry Potter oder Der Herr Der Ringe künftig nur auf der Sony-Scheibe erscheinen. Dem HD-DVD-Lager, welches sich am Wochenende sichtlich geschockt zeigte und sogar eine geplante Pressekonferenz absagte, bleiben somit nur noch die Studios Universal, Paramount Pictures und Dreamworks sowie ein geschätzter Marktanteil von 30 Prozent.

Dieser könnte dabei ebenfalls richtungsweisend für kommende Verträge mit dem Medienkonzern Viacom sein, welches starke Beteiligungen an Paramount und Dreamworks aufweist; die derzeitigen Verträge sind lediglich auf 18 Monate beschränkt. Berichten zu folge, lockte man Viacom hierbei auch nicht alleine durch Überzeugung, sondern durch 150 Mio. Dollar sowie durch Werbeunterstützung, für die genannte Laufzeit ins HD-DVD-Lager, was ein Umschwenken auf Blu-ray nach Ablauf der Frist ebenfalls Wahrscheinlich macht.

Die Rettung durch die Pornografie? Nein!

Somit scheint der Kampf bereits entschieden, bliebe den größten Befürwortern der HD-DVD in einem solchen Fall lediglich Universal Pictures sowie die amerikanische Pornoindustrie.

Letztere ist dabei aufgrund zahlreicher Produktionen und einem Umsatz von mehreren Milliarden Dollar nicht zu verachten, bedenkt man jedoch die geringe Anzahl an Filmen, die zurzeit auf dem Markt erhältlich sind sowie die Zeitspanne, die vorausgesetzt wird um auch ein solches Medium in diesem Genre zu etablieren, scheint eine Rettung der HD-DVD durch die Pornografie unwahrscheinlich. An dieser Stelle muss ebenfalls verdeutlicht werden, dass es bereits einige pornografische Streifen auf die Blu-ray-Disc geschafft haben. So erschienen mit Pirates, Porn Hard Art, Jenna Haze Oil Orgy und Debbie Does Dallas Again die ersten Erotikfilme; weitere Produktionen sind in Planung.

Das Michael Bay-Prinzip

Dennoch könnte der Formatkrieg zwischen HD-DVD und Blu-ray lediglich eine Farce gewesen sein um den lachenden Dritten im Bunde, die digitalen Downloads, weiter zuentwickeln.

Dies ist zumindest die Meinung des Regisseurs Michael Bay (u.a. Armageddon, Pearl Harbor und Transformers), wie er sie vor gut einem Monat auf harsche Kritik einiger Besucher seines Forums, kundtat. Hierbei warf er Microsoft vor, Millionen Dollar in das unterlegene HD-DVD-Format zu investieren um den Formatkrieg so lange wie möglich aufrecht zuerhalten. Das Ziel ist dabei den Konsumenten zu verwirren, bis der Redmonder Konzern die digitalen Downloads perfektionieren konnte.

Unterstrichen wird die Aussage Bays durch den kürzlich veröffentlichten Videomarktplatz der Xbox 360 in Amerika. In diesem bieten knapp 35 Studios kostenpflichtige Filme zum digitalen Download an. Zudem konnte man mit dem Disney Channel sowie ABC kürzlich zwei weitere Partner gewinnen, wie Bill Gates im Rahmen der CES 2008 verkündete. Kurios dabei die Tatsache, dass Disney zurzeit zahlreiche Filme exklusiv auf Blu-ray auf den Markt bringt, die nun auch über Microsofts Marktplatz erhältlich sind. Fragwürdige auch der Schritt des Studios MGM, Klassiker wie Das Schweigen der Lämmer, Terminator, Der mit dem Wolf tanzt und Rocky, auf dem Marktplatz zu veröffentlichen. MGM ist ein Tochterunternehmen Sonys.

Inwieweit das Michael Bay-Prinzip hierbei bereits greift, ist nicht zu beurteilen. Dies wird die Zukunft und die nächsten Schritte der Filmstudios sowie der Unterstützer der HD-Formate zeigen. Eines ist jedoch sicher: Die Schlacht hat Blu-ray anscheinend gewonnen, entschieden ist der Formatkrieg jedoch noch nicht.

Entscheidung im Formatkrieg [PS3 , looki.de]

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