Eternal Sonata

Review
Plattform
PS3
Vertrieb
Atari
Entwickler
Namco
Erscheinungsdatum
-
Genre
RPG
USK
12
Eternal Sonata

Gesamtwertung

85 %/10

Grafik

9

Sound

9

Lanzeitspaß

8

Spieleinstieg

8

Bedienung

7

Eternal Sonata

Streng abgesteckte Wege

Als Eternal Sonata das erste Mal den Spielern vorgestellt wurde, ist natürlich vor allem die wunderschöne Cel-Shading-Grafik in das Auge gestochen. Die Charaktere wirken mit Ihren rosa Wangen und der blassen Haut fast wie Porzellanpüppchen, die durch eine zauberhaft bunte Welt wandern. Die verschiedenen Dungeons haben zwar alle abgesteckte lineare Wege, bieten dem Spieler dafür aber fantasievolle Welten, die mal ganz in Schnee getaucht sind oder aber mit saftigem Grün bedeckt sind. Eigentlich wird kein Thema für die Welten vernachlässigt. So gibt es neben den schon erwähnten Schnee- und Graslandschaften auch Friedhöfe zu besichtigen, Reisen per Schiff oder Lavadungeons. Die in Pastelltönen gefärbte Welt strahlt jederzeit einen gewissen Frieden auf Euch aus und lässt garantiert keine Langeweile aufkommen.

Sprachtalent

Da einer der Hauptcharaktere von Eternal Sonata Frederic Chopin ist, liegt es auf der Hand, dass von eben jenem auch ein Teil der Musik beigesteuert wurde. Die originalen Musikstücke kommen aber lediglich in den Sequenzen zwischen den Kapiteln vor, während im Spiel selbst eher auf normale Musikstücke zurückgegriffen wird. Das ist nicht schlimm, denn auch die Tracks im normalen Spiel sind dermaßen Ohrwurm-trächtig, dass auch langatmigere Spielpassagen locker von der Hand gehen und mit einem Pfeifen auf den Lippen begleitet werden. Auf der PS3 werden auch erstmals ein paar neue Musikstücke für Dungeons verwendet, die perfekt in die schon vorhandene Tracklist passt. Die Xbox 360-Version hat Euch die freie Wahl gelassen, ob Ihr Eternal Sonata lieber mit englischen oder japanischen Stimmen spielen wollt. Die Synchronstimmen beider Fassungen sind gelungen, so dass hier lediglich nach Eurem Geschmack entschieden werden muss, wobei uns persönlich die kitschigen japanischen Sprecher etwas besser zum Genre gefallen haben. Lediglich die Soundeffekte können etwas bemängelt werden. Im Kampf klingen nämlich fast alle Waffen grundsätzlich gleich, egal ob Ihr gerade mit einem Schwert oder einem Holzstock zuhaut.

Ich bräuchte mal einen Kompass...

Schon in der Xbox 360-Version haben wir eine ordentliche Karte in den Dungeons vermisst. Schon nach kurzer Spielzeit erreicht man zum Beispiel die Höhle Fort Fermata und ohne Map dort zurecht zu finden ist fast schon ein Ding der Unmöglichkeit beziehungsweise versaut Euch schon recht früh das doch an sich nette Rollenspiel. Hat man sich einmal dort durchgeboxt, warten zwar nicht mehr so anstrengende Dungeons auf den Spieler, die Frage wieso Bandai/Namco sich eine gute Übersichtskarte gespart hat, steht trotzdem im Raum. Dabei könnte die Bedienung ansonsten absolut perfekt sein. Die Steuerung ist eingängig und fast ausschließlich mit zwei Buttons plus Analogstick zu meistern und das Menü überfordert auch Anfänger nicht im Ansatz, da alles schön sortiert zu finden ist.

Willkommen im Philosophie-Kurs

Spielerisch hat sich auch ein Jahr später auf der PS3 nicht viel geändert. Immernoch geht Ihr mit einer relativ großen Gruppe von Charakteren durch die etwa 30 Stunden andauernde Spielzeit. Obwohl auch vorher nie mit allen Charakteren gleichzeitig gespielt werden konnte, gibt es nun sogar zwei spielbare Charaktere mehr als in der Xbox 360-Version. Auch zwei neue Dungeons wurden in das Spiel integriert, wobei einer nur im zweiten Durchgang verfügbar ist. Was Eternal Sonata von einem Großteil der anderen Rollenspiele unterscheidet, ist das neuartige Kampfsystem. Wer stutzt nicht, wenn man erzählt, dass dieses Kampfsystem eine Mischung aus Echtzeit- und Rundensystem ist? Ihr kontrolliert jeden Charakter einzeln nacheinander und habt ein kleines Zeitfenster zur Verfügung um auf Gegner einzuschlagen. Je nach dem ob Ihr gerade im Schatten oder in der Sonne im Kampfareal steht, könnt Ihr zwischen zwei bis vier Attacken auswählen. Gegner überraschen Euch auf der Karte keinesfalls mit plötzlichen Angriffen, was für relativ angenehme Wege durch die Dungeons sorgt. Es wäre lobenswert, wenn alle Rollenspiele Zufallskämpfe abschaffen würden. Über die Kämpfe hinaus bietet Eternal Sonata aber noch ein paar nette Sidequests, die ohne Lösungsbuch aber schwer zu vollenden sind. So sammelt Ihr zum Beispiel Fotos und Partituren und erhaltet im Laufe der Spielzeit immer bessere Items. Die ungewöhnliche Geschichte rund um Chopin und die Traumcharaktere regt zum Nachdenken an, ist aber auch sehr komplex geraten, so dass man häufig nur ein großes Fragezeichen über sich aufsteigen spürt, wenn man den zutiefst philosophischen Dialogen zuhört. Vorteilhaft sind hier einige neue Szenen der PS3-Version, die einige kleine Fragen rund um die Hauptcharaktere etwas aufklären. Wer sich aber mit langen dialoglastigen Sequenzen nicht anfreunden kann, für den wird Eternal Sonata eine reine Qual.

Kein Kinderspiel mehr

Schon in der Xbox 360-Version war der allgemein relativ niedrig gehaltene Schwierigkeitsgrad ein Kritikpunkt für viele erfahrene Zocker. Die Aufmachung war ja schon äußerst seicht, aber bis auf den Zusatzdungeon ist man auch im Kampf kaum in Bedrängnis gekommen. In der neuen Fassung geben die Gegner aber weniger Erfahrungspunkte und auch Geld habt Ihr nicht mehr so viel auf der hohen Kante, was die Anschaffung neuer Waffen schwieriger macht. Das ungewohnte Kampfsystem wird mit jeder Neuerung im Gameplay gut erklärt und kann auch jederzeit nachgelesen werden. Je mehr Erfahrungen Ihr im Laufe der Spielzeit sammelt, umso mehr Taktik benötigt Ihr beim Einsatz Eurer Charaktere. Anfangs könnt Ihr Euch noch etwas Zeit zum Überlegen lassen, aber das bleibt nicht lange so, da Ihr alsbald keinerlei Ruhepausen mehr habt. Der künstlich angehobene Schwierigkeitsgrad kann aus diesem Grund auch schon mal für Stress sorgen.

Fazit

Eternal Sonata ist irgendwie ein Rollenspiel für Mädchen. Die zauberhafte Optik und die verweichlichte Story von Leben und Tod, sowie der Frage inwiefern wir überhaupt alle existieren, ist für abgebrühtere Spieler jedenfalls kaum zu ertragen. Wer sich auf diese kindliche Optik, aber doch komplexe Handlung einlassen kann, bekommt ein detailverliebtes Rollenspiel, mit dem man rund 30 bis 40 Stunden für einen Durchgang beschäftigt ist. Die Dungeons sind bis auf Ausnahmen extrem linear und bereiten eher wenig Kopfzerbrechen, begeistern aber durch abwechslungsreiche Szenarien und eine stimmungsvolle Musikuntermalung. Seid auch Ihr, liebe Männer, Frau genug um Euch dieses Spiel anzutun, könnt Ihr Euch dem Charme aber schnell nicht mehr entziehen. Für Fans von Japano-RPGs, auf denen es auf der PS3 traurigerweise kaum welche gibt bis jetzt, eine klare Empfehlung. Andere Spieler gucken erst einmal, ob sie beim Anblick der Grafik und Präsentation nicht dem Zuckertod erliegen.

Eternal Sonata

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