Gesamtwertung83%/10 |
GrafikSehr gut SoundGut |
LanzeitspaßGut SpieleinstiegSehr gut |
BedienungGut |
Das runde Leder rollt wieder und wir vom Looki-Headquarter sehen schon wieder viele Millionen vernachlässigter Ehefrauen gelangweilt in der Küche stehen, während die fussballverrückten Männer vor der Glotze mit ihren Idolen mitfiebern. Oh ja, es riecht verdammt nach saftigem Gras und abgelatschten Stollen. Und auf den Next-Gen-Konsolen mutiert FIFA 08 zum besseren Teil der letzten Jahre. Warum? Schlichtweg einfach zu beantworten: Auf der Xbox 360 und der PlayStation 3 hat sich Electronic Arts nicht nur um eine runderneuerte Ballphysik gekümmert, sondern merzte zudem auch die Schwächen des älteren 360-Teils mit der Jahreszahl 06 aus.
Erste Güte in Next-Gen-Pracht...
Aber nun zurück zum Spiel: In guter, alter Tradition erschlägt Euch die 08er-Version erst einmal wieder mit der bekannten Lizenzaktualisierung, die wieder einmal ordentlich und ohne Vergleiche ausgefallen ist. Da wo Pro Evolution Soccer mangels Rechten ohne Originalnamen auskommen muss, gibt es beim Konkurrenten aus dem Hause EA Sports wieder massig Lizenzen zu bewundern. Über 12.600 Abbilder realer Spieler aus über 30 originalen Ligen wurden ins Geschehen integriert, was jedoch nichts Neues ist, da man das mittlerweile eben von jedem FIFA-Teil ewartet. Insgesamt halten sich die Neuerungen in Grenzen, doch etwas Neues darf man dann doch bewundern. Der Be-a-Pro-Modus bietet ein immerhin interessantes Konzept. Aus vorgegeben Attributen bastelt Ihr Euch einen Kicker nach Maß zurecht, den Ihr dann von Grund auf wachsen und gedeihen lassen könnt.
Nachteil gegenüber dem recht ähnlichen Zone-Alarm-Modus: Ihr dürft auch in den Matches nur allein über die Kontrolle dieses Spielers verfügen - was die restliche Mannschaft macht, bleibt der durchaus nicht fehlerfreien KI überlassen. In der besagten Zone-Alarm-Option habt Ihr da schon mehr Kontrollmöglichkeiten und entscheidet zwischen zweifacher Übernahme oder allein zwischen Abwehr, Mittelfeld und Sturm.
Im Gegensatz zur verpatzten, da hoffnungslos veralteten PC-Fassung kommt FIFA auf den Konsolen stärker denn je an das Prädikat Simulation heran, eben weil nicht - wie auf dem Rechner - voll verzogene Abschüsse und unrealistische Abpraller das Spielgeschehen bestimmen. Der Spielaufbau ist das A und O im Next-Gen-FIFA und keine Ein-Mann-Parade wie auf dem PC.
Dadurch wird FIFA 08 vor allem eins: Überlegter und taktischer. Dieser, angesichts der eher durchschnittlichen Vorgänger, als Quantensprung anzusehender Schritt in die definitiv löbliche Richtung wird durch die verbesserte KI ermöglicht, die Euch diesmal nur selten unbeteiligt und so nah in den eigenen Strafraum vorrücken lässt, wie es vorher viel zu oft der Fall war. Auch wenn die gegnerischen Mannen dann doch ab und an ihre tolpatschige Vergangenheit nicht verleugnen können, also sprich kuriose Abstöße und unsinnige Verhaltensweisen an den Tag legen, die die Torchance für den Spieler einfacher machen: Dieses Jahr kann die künstliche Intelligenz im Groben und Ganzen endlich wieder als gut bezeichnet werden.
Überhaupt hat FIFA 08 auch optisch eine beachtliche Steigerung erfahren: Wer sich noch an die technisch alles andere als überzeugende 06er-Version der Xbox 360-Fassung erinnern kann, wird wissen, was gemeint ist. Endlich sehen die Spieler nicht mehr so aus, als ob sie aus Madame Tussauds Kabinett entsprungen wären, sondern tatsächlich ihren originalen Vorbildern nachempfunden. Weitere, hübsch anzusehende Details sind auch die Dehnung der Trikots und der endlich realistisch wirkende Rasen.
...dennoch nicht ohne Schwächen!
Im Gegensatz zu den PC-Pendants wirken die Kicker auch längst nicht so eckig und abgehackt in ihren Animationen. Womit beide Lager allerdings zu kämpfen haben, ist wieder einmal das gleich aussehende, erschreckend veraltete Publikum aus der Fließband-Fabrik. Vielleicht werden wir ja in FIFA 09 endlich mit einem hübschen Fan-Pulk beschert. Gut zu wissen: Steuerungstechnisch blieb man beim guten Alten. Das Dirigieren der Spieler ist zwar traditionsüblich immer noch nicht vollends präzise, jedoch auch alles andere als schlecht. Vor allem die Dribbling-Manöver gehen nun besser von der Hand als noch in den letzten Jahren.
In Ordnung gehen auch die allseits bekannten, professionellen Kommentare der Moderatoren, die ab und an jedoch akustisch im tollen Fangegröhle untergehen. Da hilft nur noch der Lautstärkeregler, wenn man einmal wieder nicht verstanden hat, welche Anekdote gerade von sich gegeben wurde.
Fast gleich geblieben ist der Manager-Modus: Statt wie im Be-a-Pro-Modus einen Spieler zu pushen, nehmt Ihr hier im Managerstuhl Platz und pusht stattdessen ein von Euch auserwähltes Team entweder zur Erstligisten-Spitze oder auf die Pole Position im internationalen Bereich. Die Motivation, die vom Manager-Modus ausgeht, kann nach wie vor als gut bewertet werden, doch eben genau das Gleiche gab es auch schon in den Vorgängerversionen - zumindest abgesehen von den neu eingeführten und vor allem auch sinnvollen Statistiken über die Entwicklung Eurer Spieler sowie die Erstellung eigens ausgetüftelter Team-Formationen.
Schade: Der Be-a-Pro-Modus ist auf PS3 und Xbox 360 online noch nicht voll funktionsfähig, das dafür notwendige Update plant Electronic Arts jedoch zwischen Mitte und Ende November zur Verfügung zu stellen. Bisher lassen sich in besagtem Modus lediglich Einzelspiele bestreiten.
Bis dahin sollten Euch jedoch die gut funktionierenden Mehrspielergefechte nach klassischem FIFA-Gusto genügen, denn in denen geht es gewohnt spaßig zur Sache. Neben eigenen Spielen, Ligen und Turnieren für Mitspieler aus aller Herren Länder könnt Ihr zudem über die 'Interaktiven Ligen' mit eurem Team gegen Fans anderer Clubs antreten. Besonders spektakuläre Tore können per Replay-Funktion zudem auf den offiziellen EA-Server hochgeladen werden.