Folklore

Review
Plattform
PS3
Vertrieb
Sony
Entwickler
Game Republic
Erscheinungsdatum
-
Genre
RPG
USK
12
Folklore [PS3 , looki.de]

Gesamtwertung

76%/10

Grafik

Gut

Sound

Gut

Lanzeitspaß

Gut

Spieleinstieg

Gut

Bedienung

Gut

Folklore

PlayStation 3-Besitzer haben es derzeit wahrlich nicht einfach. Da hat Sony ihre Next Generation Konsole im März 2007 hierzulande veröffentlicht und inzwischen sogar seit dem 12. Oktober den Preis deutlich nach unten korrigiert, doch trotzdem gibt es immer noch nur eine handvoll Titel, die einen PS3-Kauf alleine der Spiele wegen rechtfertigen würden. Zwar sind mit Rainbow Six Vegas, Colin McRae: Dirt, The Elder Scrolls IV: Oblivion, Ghost Recon: Advanced Warfighter 2 oder Warhawk inzwischen sehr gute und auch abwechslungsreiche Spiele erhältlich, die richtigen Kracher wie beispielsweise Metal Gear Solid 4: Guns of the Patriots, Resident Evil 5, Gran Turismo 5, Final Fantasy XIII, Devil Mac Cry 4 oder Killzone 2 lassen jedoch immer noch auf sich warten. Und genau an dieser Stelle kommt Folklore ins Spiel. Das Action-Adventure mit Rollenspielambitionen stammt aus der Entwicklerschmiede von Game Republic und versucht, die klaffende Lücke von Action-Adventures und Rollenspielen am PS3-Himmel zu füllen. Ob dies Folklore gelingt, erfahrt ihr in den folgenden Zeilen.

Willkommen in Doolin

Der Handlungsplot von Folklore ist in der Gegenwart im verschlafenen Dorf Doolin angesiedelt, das sich an der irischen Westküste befindet. Doolin scheint völlig von der Außenwelt abgeschnitten zu sein, das beweisen die zerstörten Straßen die zum Dorf führen, sowie die Fischer aus den umliegenden Dörfern, die es noch nicht einmal wagen, sich über das Meer mit ihren Booten der Küste zu nähern. Das alles hat auch seinen guten Grund: Es gehen nämlich Gerüchte über geisterhafte Erscheinungen und gespenstische Vorfälle um, die alle in Angst und Schrecken versetzen. Manche sagen sogar, dass man in Doolin mit den Toten sprechen kann, wenn man es nur will…

Zu Spielbeginn werdet ihr mit den zwei Hauptcharakteren von Folklore vertraut gemacht, die jeweils eine vollkommen unterschiedliche Rolle in diesem Action-Adventure spielen. Da es bekanntlich Ladies First heißt, beginnen wir an dieser Stelle einfach mit dem weiblichen Part, den die 22-jährige Studentin Ellen einnimmt. Vor 17 Jahren verlor das zierliche und zerbrechliche Mädel ihre Mutter, was ihr auch nach der langen Zeit noch immer keine Ruhe lässt. Seltsamerweise erhält sie auf mysteriöse Weise einen Brief ihrer totgeglaubten Mutter, der sie nach Doolin führt.

Ähnlich ergeht es auch Keats, dem zweiten Charakter und männlichen Akteur des Spiels. Er ist Reporter für das zweitklassige Magazin Unbekannte Domäne und immer auf der Suche nach einer guten, okkulten Story. Von Haus aus skeptisch eingestellt versucht er in seinen Artikeln für gewöhnlich, übernatürliche Phänomene rational zu erklären.

Eines Tages erhält er einen seltsamen Anruf von einer geheimnissvollen und hilfeschreienden Frau, die behauptet, dass die Faerys sie töten wollen. Bevor der Anruf endgültig abreißt kann er noch den Namen Doolin heraushören und entschließt sich kurzerhand, der Sache nachzugehen und dem Dorf einen Besuch abzustatten. Dort angekommen trifft er auf die eingangs erwähnte Ellen und gerät mit ihr gemeinsam in eine unglaubliche, mysteriöse Geschichte, die sie sogar in die Unterwelt und das Reich der Toten führt.

Männlein oder Weiblein?

Da es beide Protagonisten nach Doolin verschlägt, liegt es also an euch, mit welchem der Beiden ihr das Spiel angehen möchtet. Da das Abenteuer aus der Sicht von zwei Charakteren gespielt werden kann, ist es zudem möglich, nach jedem Spielabschnitt den Charakter zu wechseln. Das Spiel ist nämlich in mehrere Kapitel eingeteilt und so habt ihr die Möglichkeit, das Abenteuer aus jeweils zwei Sichtweisen heraus betrachtet anzugehen. Folklore lässt sich dabei am Besten beschreiben, in dem man Tag und Nacht voneinander trennt. Seid ihr tagsüber in Doolin unterwegs, spiel sich der Titel wie ein Adventure, in dem es hauptsächlich darum geht von A nach B zu laufen, diverse Örtlichkeiten aufzusuchen und zahlreiche Konversationen zu führen.

Des Nachts sieht es hingegen vollkommen anders aus. Je nachdem für welchen Charakter ihr euch entschieden habt, führen euch entweder Scarecrow, ein Halbwesen im Hofnarrenkostüm oder Belgae, ein unsichtbares Halbwesen durch die dunklen Gassen und öffnen euch die Pforten der Unterwelt. Und dort wird nicht wie am Tage viel geredet, sondern hauptsächlich ordentlich auf den Putz gehauen.

Auf eurer Reise durch das Totenreich und der Suche nach Ellens Mutter trefft ihr einige freundliche Wesen, überwiegend bekommt ihr es hier allerdings mit den Folks zu tun. Folks sind Unterweltwesen und die Seelen der Toten, die euch gegenüber feindlich gesinnt sind und euch jederzeit an die Wäsche wollen. Habt ihr eine Folk-Spezies im Kampf zum ersten Mal besiegt, könnt ihr deren Seelen aufsaugen und diese künftig in anderen Kämpfen als Waffe einsetzen. Das Aufsaugen der Seelen macht dabei auch ordentlich Gebrauch von den Sixaxis-Kontrollen des Controllers, an dem bei diesen Aktionen reichlich gerüttelt werden darf. Generell gibt sich die Steuerung recht benutzerfreundlich, da obendrein auch die Aktionstasten frei belegbar sind und ihr so auf bis zu vier Folks gleichzeitig zurückgreifen könnt, die sich zuvor aus einer Liste auswählen lassen. Und diese Liste füllt sich rasend schnell und ehe ihr euch verseht, habt ihr ein wahres Arsenal an unterschiedlichen Folks gesammelt. Desto mehr Folks sich in eurem Portfolio befinden, desto mehr Angriffs- und Verteidigungsmöglichkeiten stehen euch zur Verfügung. Im späteren Spielverlauf, wenn ihr es mit den echt harten Gegnern wie beispielsweise den titelgebenden Folklore zu tun bekommt, entscheidet das Überleben nämlich nicht, wer am schnellsten den Angriffsknopf gedrückt, sondern wer die bessere Kombination der Kräfte und somit Taktik gewählt hat.

Angriff leicht gemacht

Etwas ärgerlich ist an dieser Stelle, dass ihr dabei allerdings vor jedem Kampf meistens jede Strategie auf dem Silbertablett präsentiert bekommt. Dadurch sinkt verständlicherweise der Schwierigkeitsgrad rapide ab und das Spiel entpuppt sich daher zu keiner Zeit als wirklich fordernd. Und da wir an dieser Stelle schon von ärgerlich reden, kommen wir nun auf die Mankos des ansonsten audiovisuell höchst beeindruckenden Spiels zu sprechen. Einer der Hauptkritikpunkte sind die zahlreichen Spielpausen die ihr einlegen müsst, wenn ihr die vielen aufgesammelten Folks euren Aktionstasten zuweist.

Dann müsst ihr nämlich jedes Mal in das dafür vorgesehene Menü wechseln, was zwar gut umgesetzt wurde, jedoch deutlich den Spielfluss stört. Genau aus diesem Grund werdet ihr im fortlaufenden Spielverlauf feststellen, dass ihr munter drauflos kämpft, ohne vorher die Folks den gegenüberstehenden Gegnern anzupassen. Dann wird nämlich auf einmal nicht mehr die bessere Taktik gewählt, sondern plötzlich weniger geeignete Kräfte dazu genutzt, den Schergen der Unterwelt zu trotzen. Das funktioniert zwar die meiste Zeit problemlos, wirklich sinngemäß ist das jedoch nicht und artet mit der Zeit sogar in Monotonie aus. Ein weiteres Manko ist die Linearität des Spiels, das sich leider viel zu geradlinig spielt und viel selten mit zusätzlichen Nebenpfaden versehen wurde.

Sieht man von diesen Mängeln ab, bietet Folklore aber auch viele gute Seiten, die das Spiel auf alle Fälle sehenswert machen. Da wären zum einen, die wirklich erstklassige Inszenierung, die mit abwechslungsreichen Charakteren, detailreichen Locations und Dungeons sowie erstklassigen Effekten daherkommt. Und zum anderen, die wundervolle akustische Musikuntermalung des Titels, die mit zum stimmigsten gehört, das ich jemals in diesem Genre vernommen habe. Zugegeben, die Entscheidung, während dem eigentlichen Spielgeschehen auf eine Sprachausgabe zu verzichten und meistens alles Gesprochene in Textform zu vermitteln, mag zunächst veraltet wirken, entpuppt sich jedoch nach etwas längerer Spielzeit als absolut richtige Wahl. Denn nur so habt ihr die Möglichkeit, den exzellenten komponierten und mitreißenden Musikstücken zu lauschen.

Die Erzählsequenzen im Comicstil, die ihr während des Spiels zuhauf zu sehen bekommt, verzichten dabei ebenfalls auf eine Sprachausgabe, sind aber mit ihren tollen Farben und den angedeuteten Animationen sehr schön anzusehen. Etwas gesprochen wird dann aber doch noch und zwar in den animierten Zwischensequenzen. Diese sind zwar rar gesät, wurden dafür aber mit erstklassigen deutschen Synchronsprechern besetzt und zeugen von einer 1a-Qualität.

Fazit

Folklore ist ein zweischneidiges Schwert. Die einen werden es als mittelprächtiges Action-Adventure mit kleinen Schönheitsfehlern beim Kampfsystem und zu linearem Spielablauf in Erinnerung behalten, die Anderen hingegen als audiovisuell erstklassisch inszenierten Titel mit geschicktem Erzählstil. Mir jedenfalls hat Folklore eine Menge Spaß bereitet und die Story hat mich von Anfang an gefesselt. Zudem lockern die bei den Kämpfen mit eingebundenen Sixaxis-Kontrollen das stellenweise ernüchternde Spielgeschehen ordentlich auf und trösten über die angesprochenen Mängel etwas hinweg. Was mir allerdings vollkommen unverständlich ist, wieso Folklore so häufig am nachladen ist. Denn die Areale sind meist nicht zu groß gehalten, aber trotzdem wird das Spiel andauernd durch kurze Ladescreens unterbrochen.

Unterm Strich lässt sich sagen, dass Folklore, für diejenigen die sich darauf einlassen, garantiert kein schlechtes oder langweiliges Spielerlebnis bietet. Darüber hinaus verkürzt es zudem die Wartezeit auf Devil May Cry 4 und Final Fantasy XIII, spielt dabei aber trotzdem in einer anderen, nämlich kleineren Liga.

Folklore [PS3 , looki.de]

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