Fuel

Review
Plattform
PS3
Vertrieb
Codemasters
Entwickler
Asobo Studio
Erscheinungsdatum
-
Genre
Racing
USK
6
Fuel

Gesamtwertung

64 %/10

Grafik

Mangelhaft

Sound

Mangelhaft

Lanzeitspaß

Ausreichend

Spieleinstieg

8

Bedienung

7

Fuel

Mit letzter Kraft rettet sich unser Fahrer über die Ziellinie, lässt den Sturm und die trostlose Einöde genauso zurück, wie die hartnäckigen Konkurrenten und verdient sich das dringend benötigte Öl. Die Sonne blendet und verzückt ihn, wie er da so am Rande einer riesigen Schlucht zum Stehen kommt und ihren Untergang beobachtet. Nur wenige Sekunden vorher noch katapultierte er mit einem gezielten Stoß den letzten Gegner von der unbefestigten Rennstrecke, nachdem er um Haaresbreite dem Auge eines ausgewachsenen Tornados entkam. Tief atmen wir durch und spüren ein Gefühl der Befriedigung. Kaum hat sich der Adrenalinspiegel wieder normalisiert, starten wir die Engine unseres Quads wieder und rasen los.

Mit Vollgas durch die Prärie!

Das sind Eindrücke aus Codemasters neustem Arcade-Racer FUEL. Und wie man unschwer erkennen kann, sind es Gute. Leider bietet der Titel aber nur selten solch befriedigende Erlebnisse und kommt meistens, vor allem was den Spielspaß angeht, den er zu generieren vermag, durchschnittlich daher.

Doch beginnen wir von vorn: Nachdem Codemasters mit GRID und DIRT zwei exzellente Rennspiele auf die Beine gestellt hat, veröffentlichte das Unternehmen nun mit FUEL den dritten Teil der "Vier-Buchstaben-Rennspiel-Serie" und mit ihm erstmals ein ziemlich einzigartiges Experiment. Denn FUEL bietet nicht nur vorgefertigte Rennstrecken, sondern viel mehr einen gigantisch großen Spielplatz, der den Rennfan zum Experimentieren und Kundschaften geradezu einlädt. Das Setting, die Wastelands der USA, hält dabei, was es verspricht.

Weite, übersichtliche Landschaften, die vor allem durch ihre Einöde überzeugen. Nun könnte man sagen, dass eben dieser Schauplatz relativ sorglos ausgesucht wurde, ist er schließlich nicht gerade Quell der großen Inspiration. Um Codemasters aber etwas in Schutz zu nehmen sei gesagt, dass ein Areal dieser Größer heutzutage noch kaum mit Detailreichtum überschüttbar ist.

Spielspaß? Wo?

Das betrifft sowohl die technischen Möglichkeiten, wie auch die Arbeit, die es bedeuten würde. Nichtsdestotrotz hat das langweilige Setting Einfluss auf die Motivation und den Spaß des Spielers. Viele Ecken sehen gleich aus, fast alles wirkt karg, verlassen und unwirtlich. Und genau dieser Umstand läst nicht gerade den größten Erkundungsdrang aufkeimen. Lichtblicke gibt es jedoch immer mal. So reißen angesprochene Tornados, geniale Sturmeffekte, Sonnenuntergänge und andere Witterungsarten den Spieler immer wieder aus seiner Lethargie und lassen ihn kurz Staunen.

Auch die Staub- und Schmutzeffekte wissen zu gefallen. Diese Aufheller täuschen aber kaum darüber hinweg, dass man in FUEL ein Schadensmodell vermisst. So darf man sich zwar an der Breite des Fahrstalls erfreuen, diesen aber nicht schrotten. Wenigstens unterscheiden sich die einzelnen Vehikeltypen stark von einander.

Sowohl was Fahrphysik, also auch was Streckenführung betrifft. Denn in FUEL gibt es unzählige Rennen, in denen man seinen Weg zum Ziel selbst bestimmen kann. Unterstützt wird der Spieler hierbei durch eine Art Navi, das ihm den bestmöglichen Weg zur Ziellinie zeigt. Dabei berücksichtigt es den Vehikeltyp.

Ein Cross-Bike wird schon mal über unwirtliches und hügeliges Land geschickt, während sich ein Laster schon auf den Straßen fortbewegen sollte, um nicht stecken zu bleiben. Probleme stellen sich trotzdem zügig ein, weil das GPS-System Wasser nicht als Hindernis erkennt und so weiter. Realitätsnähe darf man also weder da, noch bei der Fahrphysik erwarten, gleich wenn sich die einzelnen Typen wie angesprochen unterschiedlich fahren lassen. In FUEL geht es darum, möglichst lange den Bleifuß auf dem Pedal zu halten, nirgends anzuecken und die bestmögliche Strecke zu fahren. Das stellt sich als gar nicht mal so leicht heraus, da vor die KI der Computergegner sich als mehr als unfair herausstellt.

So fahren die Herren schon mal am Spieler vorbei, gleich wenn dieser sich mit Höchstgeschwindigkeit fortbewegt und die Kontrahenten das gleiche Gefährt auf der Piste halten. Oder man wird frech gegen einen Baumstumpf gedrängt, was durchaus häufig passieren kann, wenn man Rundenkurse absolviert und sich das Feld, wie in FUEL üblich, in zwei bis drei Grüppchen unterteilt, die sich dann bei enger Streckenführung gegenseitig abschießen. Hier gibt es noch viel Besserungspotenzial.

Ein anständiger Multiplayer holt alles raus?

Überhaupt wirken die meisten der 200 vorgefertigten Rennen etwas steril und einfallslos. Man wird von einem Ort zum nächsten geschickt oder auf eine Rennstrecke verfrachtet. Letztere wissen durchaus manchmal mit kniffligen Situationen zu fordern, erstere Herausforderungen sorgen meist nur für Frust, wenn einen das Navi mal wieder falsch schickt oder man gegen einen Baumstumpf donnert, den man übersehen hat. Häufig ist man dann auch mal ganz allein unterwegs und weiß erst im Ziel, was durchaus mal über 10 Kilometer weg sein kann, wie gut die eigene Leistung wirklich war.

Spielspaß erzeugendes Gameplay sieht anders aus. Dazu kommt, dass man sich im Singleplayer hauptsächlich auf eben jene Events konzentrieren wird, da es kaum Anreize für das einfache Herumfahren in der öden Landschaft gibt. Man kann schon mal eine Stunde sinnlos durch die Prärie kutschieren, ohne dass überhaupt etwas passiert. Und wenn das Navi dann doch mal ausschlägt, freut sich wohl niemand über einen neuen und meist langweiligen Skin für seinen Chopper.

Und das Schlimmste: Viel mehr gibt es in FUEL nicht zu tun. Einzig der Multiplayer kann ein paar Kohlen aus dem Feuer holen. Der macht nämlich, zumindest für einige Zeit, wirklich Spaß. Dort gibt es keine unfairen Computergegner, sondern nur gleich ausgerüstete Kontrahenten.

Und da kommt auch der nette Editor richtig zum Tragen, da man seine eigenen Strecken nutzen kann, um auf ihnen Rennen zu fahren.

Die intuitive Benutzung des Editors macht diesem dabei jeden zugänglich, so dass hier das echte Potenzial des Spiels liegt. Aber für das Herzstück wird auch hier viel zu wenig geboten, was diese knappen Zeilen beweisen.

Fazit

Es macht mich immer ein wenig traurig, wenn ein ambitioniertes Projekt an seiner eigenen Größe scheitert. Das ist leider auch bei FUEL und gerade bei diesem Titel im wahrsten Sinne des Wortes der Fall. Was die Entwickler an befahrbarem Untergrund auf die Disc zauberten, sucht sicher noch einige Zeit seines gleichen. Letztlich muss man die Sache aber nüchtern betrachten und dann bleibt nur eine viel zu große, weil unbelebte und detailarme Spielfläche, die den benötigten Reiz nicht auszustrahlen vermag, um Motivation und echten Spielspaß aufkommen zu lassen. Immer mal wieder überrascht FUEL durch nette Wettereffekte und gut ausgetüftelte Strecken, doch viel zu oft enttäuscht es. So ist die KI einfach unfair und weit davon entfernt gut zu sein, die Landschaft die meiste Zeit über uninteressant und die Rennen häufig nur Mittel zum Zweck. Das Spiel wirkt eher wie eine Designstudie oder ein Experiment, wie viel auf der derzeitigen Konsolen-Generation eigentlich möglich ist, nicht aber wie ein ausgereiftes Erlebnis für den Massenmarkt. Das ist schade, aber nicht zu ändern.

Fuel

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