Gesamtwertung72%/10 |
GrafikGut SoundGut |
LanzeitspaßGut SpieleinstiegBefriedigend |
BedienungGut |
Mit Full Auto brachte SEGA Rennspiel-Action mit einem seltenen Gameplay-Element auf die Xbox 360: Neben Turbo Boost bot das Spiel eine Rückwärts-Funktion, mit dem das Spielgeschehen um ein paar Augenblicke zurückgedreht werden konnte. Das Rückspulen enthält der Nachfolger immer noch. Aber nicht rück-, sondern vorwärts will SEGA mit Full Auto 2, das exklusiv für die PlayStation 3 erscheint.
Wer die dünne Story aufsaugen will, macht dies anhand kurzer Zwischensequenzen und englischer Sprachausgabe, verschwendet dabei aber wertvolle Zeit seines Lebens. Knackiger formuliert sind die Primär- und Sekundär-Zielvorgaben: Die Erfüllung ersterer sichert das Fortkommen im Karrieremodus und schaltet die wichtigsten Fahrzeuge und Waffen frei. Letztere sind hingegen optional und aktivieren zusätzliche Lackierungen und seltenere Autos. Im Grunde soll man auf Rennstrecken und in Arenen manchmal als erster das Ziel erreichen, ein andernmal bestimmte Fahrzeuge in den Autohimmel schießen. Oder beides gleichzeitig. Sekundär-Ziele sind noch etwas feiner, verlangen den Abschluß eines Rennens in bestimmter Zeit oder ein Rennen ohne Ableben. Oder beides gleichzeitig.
Viele Waffen, schnelle Ziele
Eine Runde Full Auto 2 ohne zu sterben, das ist gar nicht einfach. Denn das Spiel lebt vor allem vom brachialen Kampf auf der Straße, bei dem man lieber den Gegner als die Zielgerade überfährt. Zur Vernichtung der Konkurrenz steht ein breit gefächertes Arsenal zur Verfügung: Anfangs nur mit läppischem Maschinengewehr, sind später Raketen und Lasergeschütz sowie Minen erhältlich. Ähnlich bei den Fahrzeugen, die sich immer mehr differenzieren: Die einen schnell, empfindlich und nur für leichte Waffen gerüstet, die anderen behäbig und schwer bewaffnet.
Friss oder stirb den Schwierigkeitsgrad des Karriere-Modus kann sich keiner aussuchen. Obwohl das viele gerne würden, denn die Primär- und erst recht Sekundär-Ziele sind oft nur mit viel Können und vielen Versuchen zu schaffen. Den Schwierigkeitsgrad als schwer zu bezeichnen, scheint angemessen. Immerhin im Arcade-Modus sind für CPU-Gegner mehrere Schwierigkeitsgrade vorhanden. Besonders leicht macht es einem der Anfänger-Schwierigkeitsgrad jedoch auch nicht. Die Gegner sind immer noch recht taff. Von den höheren Stufen ganz zu schweigen.
Ein Alleinstellungsmerkmal des Vorgängers war die Möglichkeit, die Zeit zurückzudrehen. So konnten misslungene Angriffe oder Kurvenfahrten noch einmal versucht werden. Dieser Spielaspekt blieb dem Nachfolger erhalten, nennt sich nun 'Reparatur' und verwendet die gleiche Energie wie der Turbo. Einschränken muss sich deshalb aber keiner. Nach wie vor geht es schnell vorwärts oder in der Zeit zurück, füllt sich Spezialkraft doch immer schnell auf.
1080p - kein Garant für Granaten
Optisch ist Full Auto 2 sicherlich ein Titel der Nächsten Generation, vom Hocker reißt es jedoch keinen. Einmal richtig in Fahrt, ist auf dem Bildschirm jede Menge los. Die beispielsweise simpel animierten Rauchschwaden fallen dabei nicht sofort auf. Wer genau hinschaut, sieht's aber doch. Das Spiel unterstützt Auflösungen bis 1080p, ein Garant für phänomenale Grafik ist das keinesfalls. Deutliches Ruckeln nach fulminanten Zusammenstürzen großer Gebäude o.Ä. verkneift sich das Spiel ebenfalls nicht. Nach ein paar Sekunden gehts dann aber wieder.
Ebenso wirken die übertrieben schmalen Fahrzeuge aufgesetzt und künstlich. Relativ hübsch und detailliert sind daran nur die Schadensmodelle. Schier unendlich viele Bestandteile scheint so ein Fahrzeug zu haben.
Jeder Treffer eines gegnerischen Maschinengewehrs hinterlässt zudem ein Einschussloch. Weiterhin klappen beschädigte Türen in scharfen Kurven auf. Sichtbar sind solche Details aber leider nur am eigenen Fahrzeug, Gegner zerfallen hingegen in weit weniger Bestandteile.
Fahrzeuge mit aufmontierten Raketen, Lasern und Flammenwerfern sind nicht undenkbar, aber unrealistisch. Genauso das Spiel insgesamt: Autos rutschen leichtgängig über die Strecken, beinah die ganze Umgebung kracht bei Berührung zusammen. Mit vielen knallbunten Effekten täuscht Full Auto 2 jedoch über die fehlende Physik-Engine hinweg. Ob das als Ausgleich reicht, ist Geschmackssache. Laut und bunt ist außerdem der Soundtrack, der vor allem aus Abschuss- und Einschussgeräuschen besteht. Auch das eine Frage des Geschmacks.
Der Name des Herstellerstudios, pseudo interactive, ist Programm: Tatsächlich lässt sich unheimlich viel zerstören. Laternen und Briefkästen, Kisten und Kartons, Zapfsäulen und komplette Café-Freisitze. Selbst Bäume. Häuserfassaden stürzen ebenfalls schon bei leichtem Raketenbeschuß ein, geben aber nur selten eine Durchfahrt und somit eine Alternativstrecke frei. An alternativen Routen mangelt es aber ohnehin nicht, zweite Wege enthalten die Rennstrecken nämlich oft. Seltene, strategisch wichtige Stellen sind mit voll zerstörbaren Gebäuden besetzt, deren Einsturz das Spiel per Skript und Zwischensequenz vollzieht. So richtig dynamisch ist das also nicht, zumal Türme etc. erst nach mehrfachem Beschuss einstürzen. Und die Zeit, mehrfach auf die immer gleiche Stelle zu ballern, bleibt meist nicht. Kracht ein Fabrikkomplex ein, dann meist aus Zufall und wenn man sich gerade darunter befindet.
Online, aber Full-e Server?
Mit einem Duell-Modus per Splitscreen gesellt sich Full Auto 2 zu den wenigen PS3-Spielen mit lokalem Mehrspielermodus.
Für den Mehrspielermodus übers Netz verwendet das Spiel Gamespy und lässt kaum etwas vermissen, erinnert sogar stark an Xbox Live Spiele. Gut, vielleicht wären ein paar Spielmodi mehr noch besser. Für eine Schnelle Partie werden immerhin Rennen sowie Deathmatchs und Katz und Maus als eine Art Capture The Flag angeboten. Die Modi unterstützen bis zu acht Spieler. Zum Starten werden zwei Menschen benötigt, den Rest füllt man auf Wunsch mit CPU-Gegnern. Ein anderes Paar Schuhe stellen Ranglistenspiele dar, natürlich inklusive weltweiter Bestenlisten. Diese Listen sind noch nicht proppenvoll, umfassen z.T. nur ein paar hundert Einträge. Das ist auch kein Wunder, denn für ein Ranglistenspiel werden mindestens vier menschliche Mitspieler benötigt. Angesichts der relativ geringen Verbreitung der Konsole und des Spiels kann es eine Weile dauern, bis so viele zusammenfinden. Verständlich, dass mancher dann lieber eine schnelle Partie wagt und auf den Eintrag im Highscore verzichtet.
Den vollen Umfang des Mehrspielermodus kann derjenige nutzen, der die Karriere schon abgeschlossen hat. Zwar sind von Anfang an sämtliche Strecken und Arenen freigeschaltet, die Auswahl der Fahrzeuge und Waffensysteme ist jedoch an den Fortschritt im Einzelspielermodus gekoppelt. So können Hosts mit wenig Spielerfahrung zwar sämtliche Veranstaltungen ausrichten, haben gegen Mitspieler mit tolleren Waffen aber unter Umständen das Nachsehen. Ähnlich verhält es sich mit den CPU-Gegnern, die sich ohnehin der gesamten Fahrzeug- und Waffenpalette bedienen. Zwar gibt es die Möglichkeit, die Wahl für sämtliche Spieler zu beschränken, doch wer möchte die raren menschlichen Mitspieler schon ihrer Freiheit beschneiden und vielleicht vergraulen?
Wer Burnout liebt und positive Erfahrungen mit dessen unterlegenen Konkurrenzprodukten gesammelt hat, wird mit Full Auto 2 wohl ebenfalls seinen Spaß haben. Wer Teil 1 der 360 kennt, ebenso. Schließlich wurden viele Aspekte des Spieles verbessert. Ein komplett neues Spiel oder ein vollwertiger Nachfolger ist Full Auto 2 jedoch nicht.