Genji: Days of the Blade

Review
Plattform
PS3
Vertrieb
Sony
Entwickler
Game Republic
Erscheinungsdatum
-
Genre
Andere
USK
16
Genji: Days of the Blade [PS3 , looki.de]

Gesamtwertung

67%/10

Grafik

Gut

Sound

Gut

Lanzeitspaß

Befriedigend

Spieleinstieg

Gut

Bedienung

Mangelhaft

Genji: Days of the Blade

Der durchschnittliche Japaner ist klein und fleißig. Früher soll das anders gewesen sein. Diesen Eindruck vermitteln zumindest Martial-Arts-Filme und Spiele wie Genji: Days of the Blade, in dem das altertümliche Japan erneut im Kampfe steht. Denn drei Jahre sind vergangen, seit der Heishi-Klan in Genji besiegt wurde - vermeintlich besiegt.

Ohne die E3 Präsentation 2006 des Spieles wäre Genji: Days of the Blade vielleicht nur halb so bekannt. Damals brüstete sich Produzent Bill Ritch mit Sinn für Echtes, verlor die Realität wohl aber schon vor der Präsentation aus den Augen: Authentischen Schlachten des japanischen Reiches sollten die großen Kämpfen nachempfunden sein, doch zeigten erste Videos vor allem riesige Krabben und Magie statt nüchternem Gemetzel. Da wollte auch der „real-time weapon change“ - also der Waffenwechsel in Echtzeit – keinen mehr begeistern.

Tatsächlich ist Genji: Days of the Blade in erster Linie ein Fantasy-Spektakel mit Hexen, Priestern und adligen Kämpfern. Den Realismus beschneidet das Spiel sogar selbst, durch feste Kameraperspektiven: Häufig läuft man von seitwärts in die Perspektive hinein und wieder heraus oder bewegt sich frontal auf die Kamera zu. Teils sind Gegner in unmittelbarer Nähe nicht sichtbar und müssen deshalb über eine kleine Übersichtskarte erspäht werden. Besonders frustrierend sind dabei Heishi-Kämpfer mit schnellen und starken Stoßattacken, die scheinbar aus dem Nichts auftauchen. So werden solche Gegner zwar auf der Karte eingeblendet, doch dass diese sich zum Stoß bereit machen, zeigt auch die Minimap nicht an.

Vier Krieger stehen den Heishi entgegen, drei davon sind schon aus dem ersten Genji für PlayStation 2 bekannt: Fürst Yoshitsune mit schnellen Katanas, Kriegermönch Benkei mit riesigem Kampfknüppel, dessen Schlagkraft durch längeres Aufladen erhöht wird, und Fürstin Shizuka, die Kettenklingen verwendet und Gegner so aus einiger Entfernung traktieren kann.

Neu ist Fürst Buson, Gott des Krieges. Er schlüpft ausgerechnet in die menschliche Gestalt des Erzfeindes des ersten Spiels, verwendet im Kampf Doppelsäbel und übernatürliche Kräfte.

Um der Erwähnung des „real-time weapon change“ gerecht zu werden, führen die Charaktere schon früh mehrere Waffen mit sich. Mittels R2-Trigger werden die flux gewechselt – in Echtzeit eben. Genau so schnell schaltet man aber zwischen einem der vier Spielfiguren um. Sofern überhaupt so viele zur Auswahl stehen. Denn je nach Abschnitt der Story kann nur zwischen zweien oder manchmal gar keinem gewählt werden. Dabei spielt sich jeder Charakter anders, hat so seine Stärken und Schwächen, aber zugleich Spezialfähigkeiten: Fürst Buson kann beispielsweise Wände entlang laufen, Benkei Hindernisse zerstören oder Shizuka ihre Waffen als eine Art Seilwinde einsetzen.

Leere Vasen, volle Leisten

Die Spielwelt gefüllt mit zahlreichen Kisten und Fässern, sind diese doch oft leer. Heiltränke und Aufputschmittel befinden sich nur selten darin. Obwohl selbst große Gegnerscharen mit richtiger Angriffstechnik relativ einfach zu bewältigen sind, wäre manch Zusatztrank wünschenswert.

Viele mystische Bezeichnungen für gewöhnliche PowerUPs, aber nur eine wirkliche Besonderheit: das Kamui, ein loser Raum zwischen feudalem Japan und dem Himmel. Damit die Spielfiguren in diese hohen Sphären schweben können, ist jedoch eine volle Kamui-Anzeige notwendig. Gefüllt wird sie beim Kämpfen. Je niedriger die Gesundheit eines Charakters, desto schneller lädt das Kamui auf.

Denn dieser Zustand kann ein wahrer Lebensretter sein. So sind selbst größere Gegnerscharen recht einfach zu besiegen, indem jeder Gegner nacheinander mit nur ein paar Tastendrückern besiegt werden kann. Wie bei einem Musikspiel kommt es dabei darauf an, die eingeblendeten Tasten rechtzeitig zu drücken. Gelingt dies, ist der Gegner vernichtet. In Umkehrungen funktioniert Kamui jedoch ebenso. So können Boss-Gegner ebenfalls von diesem Trance-Zustand Gebrauch machen.

Dann gilt es für den Spieler erneut, die richtigen Tasten zu drücken. Doch diesmal nicht zum Angriff, sondern zur Verteidigung. Wer daneben greift, wird empfindlich getroffen. Weil Boss-Gegner ohnehin stark und im Kamui-Zustand noch stärker treffen, sind solche Kämpfe gefährlich.

Überhaupt ist ein Game-Over schnell erreicht. Schon wenn einer der bis zu vier Charaktere stirbt, ist das Spiel vorbei. Möglichkeiten der Wiederbelebung gibt es nicht. Tröstlich ist hingegen, dass aller paar Minuten ein Speicherpunkt auftaucht, der schon bei bloßer Berührung heilt.

Kamui füllt sich von allein, Amahagane und Mashogane sammeln die Charaktere in der Spielwelt oder von manch gefallenem Gegner auf. Grundsätzlich sind beide Kräfte nichts anderes als Erfahrungspunkte, mit denen entweder die Charaktere oder deren Waffen verbessern werden.

Immer gleiches Gemetzel – aber nicht ewig

Die Situation ist nicht aussichtslos, die Gegnerschar aber scheinbar zahllos: Genji: Days of the Blade besteht in erster Linie aus schneller Metzelei. Darauf sollte man sich einstellen. Dennoch ist das Spiel zu schaffen, selbst mit vermurkster Kamera. Denn so schwer ist es nicht. Mit vernünftiger Third-Person-Perspektive wäre das Spiel vermutlich sogar noch einfacher zu bestreiten.

Großer Schaden wird den Charakteren vor allem aus dem Hinterhalt zugefügt, der eigentlich gar kein Hinterhalt ist, sondern nur durch blöde Kameraeinstellungen uneinsehbar wird. Gleichzeitig mangelt es an Umfang. Flinke Spieler erreichen das Ende in sechs bis acht Stunden. Wer länger benötigt, stand an einer oder mehreren Stellen wohl länger ratlos herum.

Ein wenig ratlos, hier und da

Tastenabfolgen für sämtliche Angriffstechniken eines Charakters sowie allgemeine Tipps zu den Eigenheiten der Spielfiguren sind über das Pausenmenü jederzeit abrufbar. Nur eine genaue Missionsbeschreibung fehlt, so dass sich Spieler oft etwas verloren fühlen. In Kombination mit der mißratenen Kamerasteuerung entstehen so einige rätselhafte Momente – besonders wenn es gilt, eine Spezialfähigkeit einer Spielfigur anzuwenden.

Die Präsentation ist gelungen, denn ansprechend sind nicht nur die zahlreichen Zwischensequenzen. Auch während des Spielens macht Genji: Days of the Blade einen optisch sehr guten Eindruck. Spielgefühl der nächsten Generation vermittelt ebenso der Dolby Digital Surround Sound, der freilich nur mit einer entsprechenden Anlage zur Geltung kommt.

Deutschsprachige Spieler müssen sich dabei aber mit deutschen Untertiteln und englischer Sprachausgabe begnügen. Auf Wunsch können die Untertitel aber deaktiviert und die englische gegen eine japanische Sprachausgabe getauscht werden. Wie bei Ridge Racer 7 gibt es auch in Genji die Möglichkeit, Teile des Spiels zu installieren, um die Ladezeiten auf ein Minimum zu verkürzen. Innerhalb von vier Minuten kopiert das Spiel dabei rund 2,2 GB. Wirklich nötig ist das aber nicht, sind die Ladeverzögerungen doch noch durchaus akzeptabel.

Fazit

Genji ist nicht verkehrt, macht sogar Spaß. Nur leider trübt die verkorkste Kameraperspektive den Spielspaß erheblich. Zugleich fehlt an vielen Stellen der leitende Faden durchs Geschehen. Einiges ist einfach zu unklar, um vom Durchschnittsspieler auf Anhieb verstanden zu werden. Ansonsten gefällt der Titel. Besonders Grafik und Sound sind schon auf hohem Niveau. Sicherlich ist dabei noch mehr aus der Konsole herauszuholen, doch für einen Starttitel macht Genji: Days of the Blade einen ziemlich guten Eindruck. Wohlgemerkt: Eindruck, nicht unbedingt Vergnügen.

Genji: Days of the Blade [PS3 , looki.de]

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