Gesamtwertung77 %/10 |
Grafik7 Sound10 |
Lanzeitspaß7 Spieleinstieg7 |
Bedienung7 |
Warum ist die Welt eigentlich manchmal so ungerecht? Vor einem Vierteljahrhundert wünschte sich jedes Kind einen eigenen Protonenstrahler unter dem Weihnachtsbaum, um damit endlich die lästigen Geister mit einem passenden "Ghostbusters!"-Schrei im Keller einzufangen. Als Ersatz wurde dann der alte Schulranzen angemalt und als Nuklearbeschleuniger missbraucht. Die richtig harten Jungs schnallten sich Mamas neuen Staubsauger auf den Rücken und prahlten damit vor ihrer neidischen Geisterjäger-Bande, nur um anschließend der verdächtigen, da uralten Bibliothekarin die Hölle heiß zu machen. Grund für diese prä-pubertäre Massenhysterie waren die Geisterjäger, die Mitte der Achtziger mit dem passenden Film in Windeseile Kultstatus erreichten. Die Folge: Tonnenweise Merchandise, eine Zeichentrickserie, eine Fortsetzung und natürlich das passende Videospiel im 8-Bit-Format. Herrlich! Hätte die Geisterjäger-Bande zu ihrer Zeit gewusst, dass es jemals ein Spiel wie das nun veröffentlichte Ghostbusters - The Video Game geben würde - nun, dann würden sie wohl trotzdem an einem Schreibtisch in Münster sitzen und einen Artikel wie diesen schreiben. Vielleicht.
Lasst uns an dieser Stelle nicht großartig um den heißen Brei herumreden - Dieses Spiel ist ein Spiel von Ghostbusters-Fans für Ghostbusters-Fans. Ihr schlüpft nicht in die Rolle von Venkman, Stantz, Spengler und Zeddemore, sondern in die des neuen Lehrlings - so wie man es sich halt immer gewünscht hat - und steht den Jungs fortan während ihrer Einsätze der schleimigen Art hilfreich zur Seite.
Die Handlung des Spiels ist zwar nach den Geschehnissen der beiden Filme angesiedelt, allerdings mehr als ein Best-Of der ersten beiden Teile anzusehen. Harold Ramis und Dan Akroyd zeichneten sich persönlich für die Story verantwortlich. Großes Kino?
Schon, allerdings werden in Ghostbusters - The Video Game nicht alle Kindheitsträume erfüllt. Warum nicht? Weiterlesen... Wie jetzt? Ihr kennt den allseits beliebten Marshmallow-Mann nicht? Ihr fragt Euch, wer zur Hölle der Schlüsselmeister und der Torwächter sind? Gozer? Zuul!? Nicht verzagen, der Test zum nächsten Naruto-Spiel kommt bestimmt...
Wenn wir mal ernsthaft drüber nachdenken, müssen wir einfach feststellen, dass die Ghostbusters dem Videospiele-Zeitalter weit, weit voraus gewesen sind. Die zahlreichen verkorksten Spiele zu den Filmvorlage haben diese Tatsache klar bewiesen. Auch wenn wir alle sie damals trotzdem verschlungen haben. Schließlich schlummert in der Filmvorlage der Stoff aus dem die Zockerträume gemacht sind. Mit der Power der PS3 scheinen die Protonenstrahlen aber nun endlich vernünftig reinzuhauen - Also versetzt Euch nochmals in die gute, alte Zeit zurück, schmeißt den Ghostbusters-Soundtrack in den CD-Player und verfolgt unseren Test.
Wie schon gesagt, seid Ihr der neue Azubi bei den Ghostbusters und lernt schon direkt zu Beginn, wie man Casper in seinen freundlichen Arsch tritt. Die Entwickler bei Terminal Reality setzten alles daran, eine zerstörbare Umgebung und Gegenstände physikalisch oder doch eher geisterhaft korrekt durch die Gegend fliegen zu lassen. Das zahlt sich auch schon direkt während Eures ersten Einsatzes aus - Ihr müsst den entbüchsten, grünen Schleimerich Slimer wieder einfangen. Im Sedgewick-Hotel, versteht sich. Natürlich ist der glibbrige Zeitgenosse nicht alleine und so könnt Ihr Eure gesamte Protonenladung an einer Herde entflohener Geister ausprobieren.
Das Ganze spielt sich dabei wie ein Third Person Shooter der altbewährten Art. Ihr schaut Eurem Alter-Ego über die Schulter und zielt mittels Fadenkreuz auf das ectoplasmatische Etwas. Und ja, das Abfeuern des Proton Packs fühlt sich so an, wie man es sich vorstellt. Blitz, Donner und Feuer für unterwegs - So in etwa jedenfalls, aber traumhaft!
Dementsprechend geht auch sämtliche Einrichtung während unserer Jagd auf die Geisterscharr zu Bruch oder in Flammen auf. Tische zerbersten, Wände werden mit verbrannten Spuren verziert, Teller werden zerlegt - die schönen Dinge des Lebens halt. Hat man dem Geist mit seinem Strahl erst einmal genug eingeheizt, lässt er sich mit dem Fangstrahl einfangen. Jetzt kann man ihm den Rest geben, indem man ihn mittels rechtem Analogstick gegen die Wände oder die Decke klatscht. Schnell die Falle ausgeworfen und den Kleinen mit ein wenig Feingefühl im rechten Daumen eingesaugt und die Rechnung für Säuberungsaktion darf beim Hotelbesitzer eingefordert werden. Natürlich ist es damit aber noch nicht getan und so macht ihr Euch mit den werten Kollegen auf, im kompletten Hotel für Ordnung zu sorgen. Schließlich hat Geisteroberfiesling Gozer erneut die Stadt im Visier.
Mit Eurem PKE-Meter sucht Ihr das Gebäude nach weiteren Spuren, versteckten Artefakten und Geistervorkommen ab. Dabei wechselt das Geschehen in die Ego-Perspektive und lässt Euch die Gegend im Nachtsicht-Modus erkunden. Trotz der recht lockeren und spaßigen Atmosphäre, die auch die Filme versprühten, kommt hier kurzzeitig sogar ein wenig Gruselstimmung auf.
Wenn ihr im späteren Verlauf des Spiels beispielsweise in die spukende Bücherei kommt und Bücher durch Geisterhand an Euch vorbei fliegen oder man weiter im Spiel durch das Nest der Spinnenhexe tappst, kann man durchaus mal zusammenzucken, wenn auch nur selten. Ebenfalls atmosphärisch hervorragend: Die Dialoge der Geisterjäger. Zwar hält die Figur des Spielers das gesamte Spiel über brav die Klappe, dafür hauen Euch Venkman und Anhang zahlreiche filmreife Sprüche nur so um die Ohren. Das Ganze wurde derartig gut inszeniert, dass man sich sich wirklich als Teil des Teams fühlt. Großartig! Und als Teammitglied müsst Ihr auch stets ein Auge auf Eure Kollegen haben. Sollten diese nämlich einen zu viel abgekommen, müsst Ihr ihnen - ähnlich wie in Left 4 Dead - wieder auf die Beine helfen. Gleiches gilt natürlich auch umgekehrt: Wenn ihr mal wieder vollgeschleimt wurdet, greifen Euch die Jungs unter die Arme, insofern sie nicht schon selbst flach liegen.
Und ja, das kommt nicht selten vor. Die KI Eurer "Ausbilder" ist nämlich nicht die beste und zieht oft fragwürdiges Verhalten mit sich. Ebenso ist es schlimm, dass ihr nach jedem Bildschirmtod sehr lange Ladezeiten in Kauf nehmen müsst, auch wenn diese mit dem Ghostbusters-Thema unterlegt sind. Da ertappt man sich schnell bei einem frustrierten Seufzer während man dennoch den Kopf zur Musik nickt.
Sehr cool ist die Tatsache, dass Ihr jeden Geist einscannen und so mehr über seine Herkunft und Vergangenheit erfahren könnt. Ein Schmankerl für die Fans. Im Laufe des Spiels trefft ihr immer wieder auf alte Bekannte wie den Marshmallow-Mann oder den Geist der Bibliothekarin und sogar Vigo ist dabei, wenn auch nur in Gemäldeform in Eurem Hauptquartier - Ein kleiner Abstecher lohnt sich aber, glaubt's uns! Aber natürlich haben sich auch neue Geister in Manhattan eingeschlichen, die sich allesamt hervorragend in die Riege der Geisterbande einreihen. Für das Fangen von Geistern werdet ihr mit Barem belohnt, was ihr wiederum in neues Equipment stecken könnt. Superhirn Egon stattet Euch ziemlich schnell mit neuen Features und Strahlen aus, die Ihr ebenfalls allesamt in ihrer Wirkung verbessern könnt.
So könnt ihr Gebrauch von insgesamt vier verschiedenen Strahlen mit jeweils zwei alternativen Feuermodi machen, von denen sich allerdings einzig der Schleimstrahl komplett unterscheidet. Mit diesem befreit Ihr besessene Bürger von Geistern oder löst kleinere Physikrätsel mit dem sogenannten Schleimschnapper. Dies sieht dann meist wie folgt aus: Ihr befestigt den Anfang eines Schleimfadens an Punkt 1 und das Ende an Punkt 2 und zieht beide Punkte auf diese Weise zusammen. So setzt ihr beispielsweise Kurbeln in Gang oder versetzt Plattformen, um Abgründe zu überqueren. Nett, aber leider nicht wirklich fordernd.
So cool das Ganze auch anfangs anmutet und so sehr sich das Ghostbusters-Herz über das Gebotene freut, so schnell trachtet es dem Zockerherz nach mehr. Wenn man nämlich einen Blick hinter die Kulissen wirft, fällt doch schnell auf, dass Ghostbusters im Großen und Ganzen nur solide Shooter-Kost bietet.
Gerade gen Ende des rund zehn stündigen Spaßes nimmt die Action doch sehr schnell überhand und man plättet Welle nach Welle an nachrückenden Geistergegnern, wodurch das Spiel ein wenig in die Länge gezogen wird. Sowieso spielt sich Ghostbusters - The Video Game streng linear. Wer sich also vorstellt, mit dem Ecto-1 durch Manhattan fahren und Neben- und Haupt-Missionen in bester GTA-Manier absolvieren zu können, wird enttäuscht. Das Spiel wird von nett inszenierten und teils in Echtzeit gehaltenen Zwischensequenzen vorangetrieben. Von wirklicher Handlungsfreiheit fehlt leider jede Spur. Ebenfalls merkt man, dass den Machern mit der Zeit anscheinend die Ideen ausgegangen sind, denn die letzten Abschnitte wirken ein wenig aufgesetzt und innovationslos. Aber dennoch möchte man das Pad nicht aus der Hand legen. Das liegt einfach an der klasse Atmosphäre. Hey, wir reden hier schließlich noch immer von Ghostbusters!
Alle Geisterjäger sehen zwar ein wenig künstlich, ihren Vorbilder aber dennoch sehr zum Verwechseln ähnlich und wurden allesamt von ihren Original Synchronsprechern vertont.
Das Resultat überzeugt auf ganzer Linie. Wenn Ray oder Egon mit Euch auf Geisterjagd gehen und dabei mit Sprüchen um sich werfen, kommt wahre Freude auf und man kann sich das nostalgische Schmunzeln einfach nicht verkneifen. Lediglich Peter Venkman-Stimme Arne Elsholtz hört man seine 65 Lenze inzwischen schon ein wenig an, was doch manchmal etwas unpassend klingt und vielen Witzen teils den Humor klaut (achtet mal auf sein zischendes "S"...).
Aber dem insgesamt sehr guten Eindruck tut dies keinen Abbruch. Auch der Rest der akustischen Untermalung ist einfach klasse gelungen. Das Proton Pack summt und zischt genau wie im Film, der Soundtrack lässt dem Spieler das Herz aufgehen, und es wummst und kracht wie bei der Wiedervereinigung. Ghostbusters hinterlässt auch optisch einen guten Eindruck.
Die Physikspielereien können sich sehen lassen und die Animationen der Geister könnten direkt aus den Filmen stammen. Zwar wird der Bildaufbau ab und zu durch kleinere Ruckler und Tearing geplagt, die schiere Detailversessenheit angefangen beim Proton Pack bis hin zu den Inneneinrichtungen und der Architektur der meisten Gebäude machen das aber wieder wett. Viele Texturen sind allerdings sehr verwaschen und so hinkt der Titel anderen Titeln optisch ein wenig hinterher.
Nach dem insgesamt doch sehr spaßigen Singleplayer-Erlebnis, könnt ihr Euch noch mit drei Kollegen durch den Multiplayer-Modus des Spiels brutzeln. Leider könnt ihr die Story hier nicht kooperativ spielen, sondern Euch lediglich mit drei Freunden im Team auf mehreren Maps durch diverse Modi wie Survival oder das Bergen von Artefakten kämpfen. Schade, die Kampagne zusammen im Koop-Modus zu zocken, wäre mit Sicherheit ganz großes Kino gewesen...
Junge, Junge - Ich hätte nicht gedacht, dass mich eine Filmadaption mit einer so dichten Atmosphäre derartig in den Bann ziehen würde, dass ich als Fan der Filme locker über die vielen Macken des Spiels hinwegsehen kann. Eine Story, die viele bekannte und für Fans geradezu legendäre Szenarien bietet, Dialoge, die - der ausgezeichneten Synchronisation sei Dank - direkt aus dem Filmen stammen könnten, ein geniales Gegnerdesign und ein zeitloser Soundtrack summieren sich zusammen mit dem guten Gameplay zu einer Delikatesse für jeden Ghostbusters-Fan. Aber schließlich muss man objektiv bleiben und darf sich nicht von der genialen Aufmachung blenden lassen. Hinter der schicken Geisterjäger-Uniform verbirgt sich nämlich lediglich ein netter Third Person Shooter, der nicht nur wirkliche Innovationen schmerzlich vermissen lässt, sondern auch einige offensichtliche Schwächen aufweist, die sich im Laufe des Spiels immer weiter herauskristallisieren. So verkommen die Ghostbusters oft zu dämlich agierenden Anhängseln, den man den Nuklearbeschleuniger am liebsten wieder wegnehmen möchte. Weiterhin ist auch das eigentliche Gameplay recht eintönig und man fragt sich, warum man dem Spieler nicht viel mehr Interaktionsmöglichkeiten und spielerischen Freiraum gelassen hat. Gut, die kleineren Rätseleinlagen und Physikspielereien sind ganz nett, fordern das Spielerhirn aber kaum und treiben das Spiel nicht wirklich voran. Ebenso ist es geradezu ein Schlag ins Gesicht, dass man die Kampagne nicht zusammen mit Freunden spielen kann und der Multiplayer-Modus dadurch nicht auf lange Sicht zu motivieren weiß. Dennoch muss man sagen, dass Ghostbusters es wie kein Spiel zuvor schafft, die Klasse und Atmosphäre der Filmvorlage so grandios einzufangen. Fans der Filme können ohne Bedenken zuschlagen. Nichtkenner testen vorher an.
In Seafight erforschst Du die abenteuerliche Karibik auf der Suche nach versteckten Schätzen und leicher Beute. 10.000 € auf den besten Spieler! zum Spiel...
Ghostbusters: The Video Game im Test.
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