GTA IV

Review
Plattform
PS3
Vertrieb
Take 2
Entwickler
Rockstar Games
Erscheinungsdatum
-
Genre
Andere
USK
-
GTA IV [PS3 , looki.de]

Gesamtwertung

96%/10

Grafik

Sehr gut

Sound

Sehr gut

Lanzeitspaß

Sehr gut

Spieleinstieg

Sehr gut

Bedienung

Gut

GTA IV

Dass Rockstar neben Blizzard nicht nur die besten Spiele entwickelt, sondern auch ziemlich clever in Marketingangelegenheiten agiert, haben die letzten Wochen einmal mehr deutlich gezeigt. Da sorgten riesige Werbeposter an noch viel größeren Hochhäusern für Aufsehen, man legte ständig, richtig ansehnliche Trailer nach, die nie zu viel vom Spiel zeigten und ging gegen Gameplayszenen, die vor dem Release im Netz zu sehen waren, hart vor. Das Ganze hatte natürlich nur das Ziel, die Erwartungshaltung in der Zockergemeinschaft bis ins Unermessliche zu schüren. Dass das mehr als gelungen ist, zeigen bereits die ersten Verkaufszahlen. In Deutschland ist das Spiel so gut wie überall ausverkauft. Ja, sogar in Finsterwalde. Dabei schien es im Vorfeld nie so, als würde Rockstar die Fäden des Hypes ziehen, sondern die unzähligen Fans und die interessierte Presse. Die ersten Wertungen setzten dem Ganzen dann die Krone auf, so dass GTA 4 vor seinem Release eine im Schnitt mit 10 von 10 möglichen Punkten eingestuft wurde. Wir haben den Titel ausführlich getestet, lassen all den Hype beiseite und wollen euch zeigen, was GTA 4 wirklich ausmacht und weshalb es, auch wenn es niemand kennen würde, eines der besten Spiele aller Zeiten ist.

Bereits das Intro macht deutlich, dass GTA 4 wieder einmal kein Blatt vor den Mund nimmt. Das Erste, was der Spieler zu Gesicht bekommt, ist eine SM-Szene, die rein gar nichts mit dem eigentlichen Spiel zu tun hat. Doch damit wird gleich klar, was einen in Liberty City erwartet - Liebe, Gewalt, Hass, Geldgier, Diskriminierung und der Tod. Kurz: Der reale amerikanische Traum in Reinform.

Natürlich in einer überspitzten Fassung, schließlich kann der Hauptcharakter während der Geschichte ja an Geld kommen und seinen Lebensstandard verbessern. Doch zunächst einmal ist Niko Bellic nur einer dieser verhassten, illegalen Einwanderer, die ins Land der unbegrenzten Freiheit eindringen, auf der Suche nach einem besseren Leben und auf der Flucht vor der Vergangenheit. Angetrieben wird der Protagonist dabei nicht nur von den Versprechungen seines Cousins Roman, der ihn mit viel Geld, jeder Menger Frauen und nackter Haut, Sportwagen und einer Riesen-Villa lockt, sondern auch von dem Gefühl, dass er in seinem Leben etwas ändern muss, um nicht in seinem eigenen Mitleid zu ertrinken.

Zwar haushaltet Niko anfangs ziemlich mit Äußerungen zu seinem früheren Leben, schnell wird aber klar, dass der Osteuropäer und Neu-Liberty-City-Bürger ein durchaus gut ausgebildeter Kämpfer beziehungsweise Ex-Soldat ist. Im New York von GTA 4 hofft er Mister X aufspüren zu können, mit dem er noch eine Rechnung zu begleichen hat und dessen Tod fürs Nikos Wohlbefinden anscheinend so wichtig ist, wie die Überwachung der Bürger für Amerika.

Doch Niko denkt realistisch. Er wirkt generell das ganze Spiel über wie der einzig Normale in einem Meer voller Verrückter. Schon allein deswegen wächst er dem Spieler während der gut 25 Stunden, die allein der Hauptplot in Anspruch nimmt ans Herz, wie kaum ein anderer Charakter der Videospielgeschichte. Dies mag auch daran liegen, dass er der mit Abstand eigenständigste, geheimnisvollste und auf seine Art liebenswürdigste Protagonist aller GTA-Teile ist. Er weiß was er will und lässt sich von niemandem dazwischen reden. Erst einmal will er einfach ankommen und sich einleben, Kontakte knüpfen und sich dann langsam aber sicher seiner eigentlichen Mission widmen. Doch kaum steigt er von Bord, erwartet ihn auch schon die erste bitterböse Überraschung.

Die riesige Villa entpuppt sich als ein heruntergekommenes Nest, dass dringend einmal gereinigt werden müsste, Sportwagen fahren nur die Anderen und Roman arbeitet in einem einfachen Taxi-Depot, immer überwacht von Vlad, einem Kredithai, dem er noch Geld schuldet. Niko kann es nicht fassen, doch während er sein Elend zu verdrängen versucht, liegt der Spieler meist vor Lachen am Boden. Rockstar hat sich nämlich was das Dialogdesign und vor allem dessen Umsetzung, sprich in Sachen Sprachausgabe und Mimik der Handelnden, einmal mehr übertroffen. Nach und nach kann man sich immer mehr in Nikos Lage versetzen und beginnt mit ihm mitzufiebern, seinen Humor schätzen zu lernen und Hass auf seine Feinde zu schieben. Gerade die Tatsache, dass er vor nichts und niemandem Angst hat, seinen Auftraggebern frech ins Gesicht lügt und sie wissen lässt, dass er sie nicht ausstehen kann, macht ihn so symphatisch.

Niko gliedert sich ein. Was bleibt ihm auch anderes übrig? Mit einer Menge Wut im Bauch ist er erst einmal nur damit beschäftigt, seinen idiotischen Cousin, der ihn in diese Welt aus Hass und Gewalt gezogen hat, aus der Patsche zu helfen. Wird Roman verprügelt, greift Niko ein. Wird Roman bedroht, greift Niko ein. Roman wäre längst tot ohne Niko.

Doch genau diese Aktionen sind es ironischerweise, die Niko die Kontakte beschaffen, die er benötigt, um langsam aber sicher auf die richtige Bahn zu gelangen - Was das Geld angeht, versteht sich. Dabei wird immer deutlicher, dass er zwar ein skrupelloser Killer ist, seine Motive dennoch meist nachvollziehbar sind. So hat er gewisse Prinzipien, die er strikt einhält und lieber einmal einen Auftrag ablehnt, als gegen sie zu verstoßen. Er differenziert sich, was natürlich das Gesetzbuch noch immer nicht gutheißt, ihn aber doch sehr menschlich macht.

Um sein eigentliches Ziel zu erreichen braucht Niko Geld. Das besorgt er sich in typischer GTA-Manier. Er begibt sich zu einem der jeweils verfügbaren Auftraggeber, erhält dort während einer storytreibenden Zwischensequenz einen Auftrag, deckt sich mit Waffen ein und erledigt alles, was ihm im Weg steht. Dabei gibt es jedoch kaum eine langweilige Mission und Rockstar hat es elegant und vor allem fast perfekt geschafft, dem Spieler das Gefühl zu geben, jeder Auftrag sei einzigartig.

So wird man etwa einen Ladenbesitzer, der sein Schutzgeld nicht rausrücken will, erst bedrohen, dann sein Geschäft kurz und klein schlagen, man macht Jagd auf Gewerkschaftsmitglieder, die bei einem Auftraggeber einen Baustopp verhängt haben, man klaut Autos, man räuchert Nester von Crackdealern aus, man präpariert einen Truck, stellt ihn im Feindesgebiet ab und lässt die ganzen Idioten in Flammen aufgehen, man wickelt Drogendeals ab, man erledigt diejenigen, die den Drogendeal platzen lassen haben und dann auch noch diejenigen, die einen beim Drogendeal abziehen wollten. Ach ja, danach erledigt man auch noch die Hintermänner und dann deren Hintermänner. Dabei läuft aber nichts gleich und alles einfallsreich ab. So wird man sich beispielsweise erst einmal um einen Job bewerben müssen, sich einen schicken Anzug zulegen, um dann zu einem Bewerbungsgespräch antanzen zu können, bei dem das angestrebte Ziel auftaucht. Es ist kaum noch möglich, einfach zu seinem Ziel zu fahren und es abzuknallen.

Auch wurde das Zielsystem, sowie die künstliche Intelligenz der Gegner optimiert. Wer sich in GTA 4 einfach in die Mitte eines Gegnerkreises stellt, lebt nicht länger als fünf Sekunden.

Durch das neue Deckungssystem ist es Niko möglich, sich punktgenau an fast jedem Gegenstand in der Spielwelt anzulehnen und diese als Deckungsmöglichkeit zu nutzen. Aus Selbiger kann er dann blind feuern oder aber kurz hervorhuschen, um richtig zu zielen. Dabei ist es erfreulich, dass es immer noch ein automatisches Zielsystem gibt, dass aber deutlich verbessert wurde. Es geht nun bei weitem einfacher von der Hand und wirkt realistischer. Alles zusammen sorgt das verbesserte Kampfsystem für einen weiteren Spielspaßschub und einen höheren Anspruch, den man nur begrüßen kann. Das Gleiche gilt für alle Nahkampfaktionen. Diese sind deutlich authentischer aufgebaut, so dass sich eine Prügelei beinahe wie eine reale anfühlt. Blocken ist dabei genauso wichtig, wie im richtigen Moment, den richtigen Move zu vollführen und so zu kontern.

Während der Missionen entwickelt sich langsam aber sich ein Story-Geflecht, dass an Athenzität und Spannung nichts zu wünschen übrig lässt. Viele Wendungen und Überraschungen sorgen für konstante Langezeitmotivation. Dieses Jahr hat eine deutlich schwächere und müder inszenierte Geschichte den Oscar gewonnen. Die aus GTA hätte sie wahrlich verdient.

Ich brauch' die Kohle!

Natürlich haben wir uns damit nur den Story bezogenen Missionen gewidmet. Um an Geld zu kommen oder sich die Zeit zu vertreiben, gibt es, wie gewohnt, viele Sidemissions und fast genauso viele Möglichkeiten. Dass die Entwickler vor allem die Freizeitaktivitäten in ein zusätzliches Feature, nämlich das des sozialen Kontakts, einbetten, ist schlichtweg genial. Denn die Zeiten, an denen man sich einfach an einer Taxifahrt erfreut, sind für die Meisten wohl vorbei. Obwohl, Taxifahren im imposanten Liberty City macht auch heutzutage noch Spaß. Neben den Fahrmissionen, wie etwa dem Drogendealen oder dem Verbrecher per Polizeistreife erledigen, gibt es noch zahlreiche andere Möglichkeiten, sich in der Stadt auszutoben. Man kann etwa eine Runde Bowling oder Darts spielen, sich mit seinen Freunden betrinken, was wiederrum in einer lustigen Mission mündet, in der ihr im betrunkenen Zustand die noch Anwesenden nach Hause fahren müsst, auf den Jahrmarkt gehen, eine Kabarett-Show besuchen, ewig lange Stand-Up-Comedians begutachten und sich schief lachen, im Polizeicomputer schnüffeln, Essen gehen, sich neu einkleiden oder in einem Strip-Club absteigen. Das sind aber nur einige der zahllosen Möglichkeiten, die Liberty City bietet.

Das Ganze wird, wie gesagt, perfekt durch die sozialen Kontakte, die man während seines Aufenthalts in Liberty City knüpft unter- oder besser übermalt. Nicht zuletzt dadurch wird das Handy, dass man bereits von Beginn an sein Eigen nennt, zu einem der zentralen Elemente des Spiels. Mit ihm kontaktiert man seine Freunde und Liebschaften, verabredet sich mit ihnen, nimmt neue Aufträge an, kann sich sogar in ein Multiplayergame einklinken, nur um danach wieder in der Singleplayerkampagne aufzuwachen. Es bietet Tutorials, die Möglichkeit SMS zu empfangen und zu verschicken und ist der Empfänger für alle Hilferufe, die eure Freunde, an euch senden, wenn ihr gerade nicht in der Nähe seid. Ihr könnt auch jede x-beliebige Nummer wählen. Seht ihr beispielsweise eine, die an einem Poster um euren Anruf wirbt, dann wählt sie einfach und schon telefoniert ihr mit den Typen, die da hinter stecken. Oder habt ihr einen Song im Radio vernommen, dessen Titel ihr gern kennen würdet - Ruft einfach bei dem dafür zuständigen Dienst an und schon wird euch der Titel aufs Handy gesimst.

Behandelt ihr eure Bekanntschaften gut, werden sie schon bald treue Kumpanen, verabredet ihr euch allerdings mehrmals mit ihnen, ohne sie letztlich abzuholen, werden sie schneller aus eurem virtuellen Leben verschwinden, als ihr auch nur einen Anruf tätigen könnt. Dabei sind sie nicht nur der soziale Teil des Spielerlebnisses, sondern offenbaren auch die wahre Größe von GTA 4. Rockstar hat einfach an so gut, wie alles gedacht. Hier nur eines von zahllosen Beispielen: Man verabredet sich mit seiner neuen Liebschaft, die man etwa durch eine Mission oder aber beim surfen im internen Internet kennengelernt hat. Ja, ganz genau, im internen Internet kann man nach Dates Ausschau halten, aber auch Nachrichten an Mami und Bekannte schicken, jede Menge Spam und die neusten Nachrichten, die sich später im Spiel fast nur noch mit euch beschäftigen, lesen. Schon allein damit könnte man Stunden verbringen.

Mit der Süßen einen heben!

Hat man seine Süße dann abgeholt, sucht man sich eine nette Location, um sie zu beeindrucken. In diesem Beispiel schleppen wir sie in eine herrunter gekommene Bar. Nicht besonders eindrucksvoll, doch der Effekt auf den Spieler ist unbeschreiblich. Zunächst einmal merkt die Kleine, die wir nun zum zweiten Mal treffen, an, dass sie sich darüber freut, dass wir das gleiche Outfit an haben. Es würde ihr gefallen. Tatsächlich haben wir unsere Sachen nicht gewechselt. Auch findet sie unser neues Auto ziemlich hübsch, beklagt sich nur über die kleineren Beulen. Unglaublich. Nachdem wir einige Stunden mit ihr verbracht haben, stolpert Niko total betrunken aus der Bar.

Unsere Begleiterin ist noch recht nüchtern, scheint sich am Zustand des Protagonisten aber nicht sonderlich zu stören. Vorher hatte sie uns schon gesagt, dass sie recht einsam ist. Wir steigen ins Auto und fahren sie, die Schlängellinien, die Niko verursacht, ausgleichend, nach Hause. Sie verabschiedet sich und wir können uns entscheiden, ob wir ihr nur einen gute Nachtkuss geben oder unser Glück versuchen wollen. Das Mädchen ist einsam, wir versuchen sie rumzukriegen. Und siehe da, es klappt. Das Geniale an der Sache ist, dass wir ein paar Stunden später in der gleichen Bar einen Auftrag annehmen und der Missionsgeber in der Zwischensequenz, man stelle sich das einmal vor, unseren Besuch und das Mädchen erwähnt. Genial und extrem beeindruckend!

Wie wir es gewohnt sind, ist die Stadt in drei Teile eingeteilt. Vom Industriegebiet bis hin zum Nobelviertel Manhatten. Dabei wird die Stadt natürlich von Ort zu Ort hübscher und exklusiver. Vor allem in der Nacht raubt sie einem den Atem. Um längere Strecken schneller zu überbrücken, kann man sich neuerdings ein Taxi rufen und die Fahrt überspringen. Dann verpasst man allerdings eine lustige Unterhaltung mit dem Taxifahrer.

Oder man nimmt einfach die U-Bahn, die einen so ziemlich an jeden Ort der Stadt bringt. Wer Lust hat eine Runde durch die Stadt zu fliegen, klaut sich einfach einen Hubschrauber. Bei einem Flug über das nächtliche Manhatten muss allerdings mit einem epileptischen Overkill gerechnet werden. Übrigens ist das Stehlen von Vehikeln eine etwas größere Sache, als in den Teilen davor. Manche Autos müssen erst geknackt und kurzgeschlossen werden. In dieser Zeit brauch nur ein Polizeiwagen vorbeifahren, schon hat man die schmierige Polizei am Hals. An ihrem Beispiel kann man aber die deutlich verbesserte KI wunderbar erläutern. Übrigens muss man nicht mehr unbedingt in ein Pay 'n Spray flüchten, um den Gesetzeshütern ab dem zweiten Fahndungsstern zu entkommen. Viel mehr wird je mehr Verbrechen ihr verübt, wenn ihr gesucht werdet, der Radius, in dem man nach euch fahndet und natürlich auch das Aufgebot der Polizei größer. Das Verlassen jener Area ist dann das oberste Ziel. Hat man das geschafft, sollte man sich schleunigst einen Unterschlupf oder eine dunkle Ecke suchen und abwarten, bis die Cops die Jagd aufgeben. Sobald man von einem Polizisten gesehen wird, geht die ganze Menschenhatz von vorn los. Lässt man sich doch auf eine Schießerei mit den Cops ein, wird es wirklich eng. Konnte man früher einen Polizisten nach dem anderen einfach umlegen, verschanzen diese sich nun hinter ihren Autos und warten auf den passenden Moment. Das Geniale an der Sache ist, dass einige Gesetzeshüter den Protagonisten von der Frontseite aus beschäftigen, während sich ein paar andere langsam um die Szenerie herum schleichen, um dann von hinten anzugreifen. Ohne ein paar Freunde sollte man sich auf solch ein Abenteuer deshalb wohl nicht einlassen. Natürlich agieren die Gangster, die man im Verlauf der Geschichte umlegen will, genauso clever. Erwähnen sollte man auch noch, dass nicht jede Deckung den perfekten Schutz bietet.

Autos etwa können logischerweise explodieren, Betonpfeiler so zerschossen werden, dass sie keinen Schutz mehr bieten. Das kann für den Spieler ein Vorteil, wie auch ein Nachteil sein. Man muss also immer auf der Hut sein.

Das Fett gibt mir Kraft!

Ist die Gesundheit angeschlagen, so kann man diese nicht mehr nur im Krankenhaus, Daheim oder durch zufällig gefundene Herzen auffrischen, sondern auch durch das Essen an einem Hotdog-Stand oder in einem Burger-Restaurant. Außerdem liegen überall in Liberty City Heilkästchen herum, die ihr Nötiges tun. Nichtsdestotrotz hat Niko eine recht kurze Lebensdauer, wenn er unter Feuer gerät oder mit zu viel Geschwindigkeit etwa gegen einen Pfeiler knallt und durch die Windschutzscheibe auf die Straße kracht. Das ist realistischer und sorgt ebenfalls für einen erhöhten Schwierigkeitsgrad. Wer clever vorgeht, kann das Spiel trotzdem beenden, ohne oft das Leben zu verlieren oder verhaftet zu werden. Rambos hingegen werden öfter im Gefängnis aufwachen, als ihnen lieb sein kann.

Immerhin gibt es die Möglichkeit eine durch Tod oder Verhaftung verhunzte Mission über das Handy direkt neuzustarten. Die Waffen sind dann natürlich trotzdem weg. Ihnen kommt in GTA 4 auch wieder eine tragende Rolle zu. Dabei präsentieren sie sich deutlich realistischer, als in den Vorgängern. Bei Dauerfeuer verziehen sie authentisch und auch ihre Durchschlagskraft lässt nicht zu wünschen übrig. Wenn in GTA 4 Kugeln im Spiel sind, geht alles meist recht schnell.

Der Titel bietet so viele Möglichkeiten und so viele Features, dass es uns gar nicht möglich ist, sie alle aufzuzählen. Wir können noch erwähnen, dass GTA 4 eine wirklich ausgezeichnet, wenn auch gewöhnungsbedürftige Fahrphysik hat. Alte Karren springen kaum an und lenken sich dann wie alte, kaputte Karren sich eben lenken lassen. Sportliche Flitzer lassen das Bild ab einer gewissen Geschwindigkeit verschwimmen und überschlagen sich bei Berührung mit Dingen, die im Weg sind, realistisch. Vom Schadensmodell brauchen wir gar nicht reden. Es ist schlicht und ergreifend das Beste, was die Videospielindustrie je gesehen hat.

Grafisch bietet GTA 4 sicher nicht die Qualitäten eines Ego-Shooters in Sachen Glanzoptik. Dafür bietet das Spiel alles, was kein Shooter bieten kann oder bisher nicht im Stande war auf die Mattscheibe zu zaubern. Da wäre zunächst einmal die riesige Kulisse von Liberty City, eine extrem lebendige Stadt in der kaum ein Bürger einem anderen ähnelt, eine Detailfülle, die der des Gameplays in nichts nachsteht, butterweiche Animationen, das perfekte Schadensmodell, genial designte Vehikel, durchgestylte Hauptcharaktere, perfekt inszenierte Zwischensequenzen. Vor allem in der Nacht zeigt Liberty City, was in ihr steckt.

Überall Bloomeffekte, Neonlichter und über dem ganzen eine Skyline, die ihres Gleichen noch lange suchen wird. Ich kann nur immer wieder die im Preview angesprochene Mission zu Rate ziehen, um zu verdeutlichen, wie genial das Flair und die Atmosphäre einen einfangen können, wenn man sich nach hunderten von Explosionen und der Mission-Geschafft-Melodie auf einem Hochhaus stehend umdreht und sich ganz Liberty City vor einem ausbreitet. Alle die Lichter, Farben und die enorme Größe rauben einem den Atem. In seiner Gänze bietet die grafische Seite etwas noch nie dagewesenes und das ohne wirkliche Ladezeiten. Eine Meisterleistung. GTA 4 reizt die Next-Generation-Konsolen fast komplett aus und zeigt, wie ein Spiel der neuen Generation auszusehen hat.

Von der Soundseite brauchen wir eigentlich auch gar nicht zu sprechen. Sie ist wohl die technisch sauberste und qualitativ hochwertigste aller Zeiten. Die unzähligen Radiosender spielen nicht nur Sounds für jeden Geschmack, sondern fast alle Titel sagen auch jenen zu, die die ein oder andere Musikrichtung nicht so mögen.

Die Verantwortlichen verstehen wirklich etwas von ihrem Handwerk. Der Mix ist nahezu perfekt. Hinzu kommt die unglaublich gute Sprachausgabe, bei der auf alles geachtet wurde.

Niko und seine Verwandten und osteuropäischen Freunde haben auch einen dementsprechenden Akzent, die Menschen aus den Brooklyn-Hoods sprechen ihren Slang. Zusammen mit dem genialen Drehbuch eine Mischung, die man so schnell nicht vergisst. Die Sprachausgabe scheint generell überall zu sein. Niko spricht mit Wildfremden über das Wetter und unterhält sich während er mit dem ein oder anderen Gangster zu einem Auftrag fährt mit diesem durchgängig. Er entschuldigt sich, wenn er aus Versehen Menschen anfährt, Hot Dog-Verkäufer preisen ihre Ware an und so weiter. Noch nie kam eine virtuelle Stadt so lebendig rüber. Liberty City lebt, sie braucht Niko gar nicht.

Hinter dem einfachen Menüpunkt „Multiplayer“ im Handy verbirgt sich eine gigantische zweite Welt, die GTA 4 dem Spieler bietet.

Neben den verschiedensten, auch teilweise extrem innovativen Spielmodi, hat man dabei auch die Möglichkeit mit bis zu 15 weiteren Spielern oder Freunden die Stadt einfach so unsicher zu machen, Unheil anzustiften, sich gegenseitig zu killen oder aber die Polizei so richtig in Schach zu halten.

Und ja, ihr hört richtig, egal welchen Modi ihr wählt, ihr habt immer die ganze Stadt zum Erkunden zur Verfügung. Unglaublich. Zockt ihr mit Freunden und besitzt ein Headset könnt ihr sie auch während einer Multiplayerpartie anrufen und euch nach wichtigen Dingen erkundigen oder einfach nur Trashtalk betreiben.

Neben bekannten, aber trotzdem genial ausbalancierten Modi wie Deathmatch und Team-Deathmatch, die sich durch die Größe der Area irgendwie neuartig anfühlen, gibt es noch jede Menge andere Varianten, die allesamt mehrere Stunden Spaß versprechen. So kann man gegen andere User Autorennen durch Liberty City fahren, im Modus Cops gegen Gangster, die jeweils andere Fraktion davon abhalten, ihr Ziel zu erreichen und beim Gebiete erobern, der heimlichen Königsdisziplin, taktische Finesse, sowie perfektes Teamplay anstreben bzw. an den Tag legen.

Der Multiplayer hätte eigentlich einen eigenen Test verdient, zeigt der doch eine ganz andere Seite von GTA 4, die der genialen Singleplayerkampagne in nichts nachsteht.

Fazit

GTA 4 bietet eigentlich zu viel, um es in einem einzigen Test zufriedenstellend darzustellen. Deshalb gehe ich jetzt auch nicht noch einmal auf die beinahe unbegrenzten Möglichkeiten dieses Giganten ein. Sowohl die grafische, wie auch die soundtechnische Seite setzen neue Maßstäbe und sind das Beste, dass bisher jemals in einem Videospiel verwirklicht wurde. Die Story ist spannend und fesselnd bis zum Schluss und fast schon oscarreif inszeniert, die Charaktere sind genial designt und wirken so lebendig, wie die Stadt selbst. Die Zwischensequenzen sind so lustig, dass man sich oft am Stuhl festklammern muss, um nicht von Selbigen zu fallen. Liberty City ist in allen Belangen gigantisch und erstrahlt in einer Detailfülle, die beinahe nicht fassbar ist und bis gestern eigentlich undenkbar war. Und auch der Multiplayer bietet einige Modi, die es so noch nicht gab. Die Möglichkeit, auch im Netz die gesamte Stadt erkunden zu können, sorgt zusammen mit dem genialen Singleplayer für einen Abwechslungsreichtum und eine Langzeitmotivation, die schnell 100 Stunden wie im Flug vergehen lassen. Kleinere Logik- und Grafikfehler fallen so gut wie nicht auf, so dass man schlicht und ergreifend sagen kann, dass GTA 4 das beste virtuelle Erlebnis bietet, das es jemals gab.

GTA IV [PS3 , looki.de]

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