Haze

Review
Plattform
PS3
Vertrieb
Ubisoft
Entwickler
Free Radical
Erscheinungsdatum
-
Genre
Shooter
USK
18
Haze [PS3 , looki.de]

Gesamtwertung

69%/10

Grafik

Befriedigend

Sound

Gut

Lanzeitspaß

Befriedigend

Spieleinstieg

Gut

Bedienung

Gut

Haze

Lang ist's her. Erste Screenshots von Free Radicals Haze tauchten auf und deuteten auf einen grafischen Leckerbissen hin. Später wurde klar, dass man den Titel exklusiv für die PS3 auf den Markt bringen werde und man sich so voll und ganz auf die technische Power der Sony Konsole konzentrieren konnte. Ein Zeichen für ein großartiges Spiel? Durchaus, warum Haze allerdings seine großen Erwartungen alles andere als gerecht wird, klären wir für euch in unserem Test.

Haze erzählt die Geschichte von Shane Carpenter, der sich im Jahr 2048 der Mantel Corporation anschließt. Die Mantel Corporation ist ein Privatkonzern, welcher militärische Operationen für die Regierung durchführt. Mantels Truppen wird die Droge Nectar verabreicht, welche ihre Sinne enorm schärft und sie zu überlegenen Kampfmaschinen macht. In dem anfänglichen Glauben, sich mit dem Kämpfen für Mantel gegen die Rebellengruppe der 'Promised Hand' für das Gute einzusetzen, merkt Carpenter allerdings schnell, dass der Privatkonzern das eigentliche Übel ist und unter allen Umständen beseitigt werden muss.

Der goldene Schuss

Bereits im ersten Einsatz bekommt ihr die volle Dröhnung des Titels verpasst. Ihr werdet mit euren scheinbar total unterbelichteten Teamkameraden aufs Schlachtfeld abgesetzt und müsst eines eurer von den Rebellen abgeschossenes Transport-Flugzeug bergen. Euer Kampfanzug ist so konstruiert, dass euch die goldene Substanz intravenös verabreicht wird und euch während eurer Gefechte einen Vorteil gegenüber euren Feinden verschafft. Durch Nectar erhöht sich nicht nur eure Zielsicherheit und Schnelligkeit, sondern auch eure Kraft. Kommt euch einer der Widersacher zu nahe, könnt ihr mit einem einzigen Schlag ins Nirwana schicken.

Weiterhin seht ihr alle euch feindlich gesinnten Soldaten auf Nectar als leuchtende Gestalten dargestellt, die selbst im Dickicht des Dschungels ohne Probleme auszumachen sind. Wie bei allen Drogen ist auch eine Überdosis Nectar mit Gefahren gespickt.

Ein überdosierter Soldat ist nicht mehr Herr seiner Sinne und motorischen Fähigkeiten. Er kann Freund nicht mehr von Feind unterscheiden und ist eine Gefahr für sein gesamtes Umfeld. Neben diesen Effekten der Überdosis hat Nectar allerdings auch andere Schattenseiten: Den Soldaten wird eine sterile Welt vorgegaukelt – Die Truppen bekommen kein Blut zu sehen und gefallene Soldaten werden unter dem Einfluss nicht wahrgenommen. Das bemerken die Soldaten allerdings nicht. Nectar schlägt bei Carpenter allerdings nicht so an wie vorgesehen, und so kommen seinerseits schnell Zweifel auf. Er soll Recht behalten.

Des Einen Freud, des Anderen Leid!

Im Laufe des Spiels wechselt Carpenter letztlich die Seiten und kämpft fortan für die Rebellen, die sich selber The Promised Hand nennen. Die Rebellen verfügen nicht über die mächtigen Kampfanzüge, sind dadurch allerdings um einiges agiler, als die Mantel-Truppen. Sie wissen sich aber dennoch gut zur Wehr zu setzen, indem sie die Schwächen der Nectar-Droge für sich zu nutzen wissen.

So können die Nectar-Tanks gefallener Truppen nutzen und damit ihre eigenen Waffen zu versetzen - Ein mit Nectar angereichertes Messer im Rücken eines Trupps sorgt nicht nur für Chaos beim Gegner, sondern auch für ein zufriedenes Grinsen beim Spieler. Auch Granaten lassen sich mit Nectar vermischen und können gleich mehrere Feinde außer Gefecht setzen. Wer keine Granaten oder Messer zur Hand hat, kann aber auch versuchen, die Nectartank auf dem Rücken der Soldaten zu treffen, um diesen eine Überdosis zu verpassen. Eine ebenfalls sehr coole Fähigkeit der Rebellen ist, dass sie sich im Eifer des Gefechts einfach tot stellen können. Auf diese Weise verwirren sie ihre Gegner, die sich dann auf den Rest der Meute konzentrieren. Schadenfreudige Spieler können auch Granaten vergraben und sich an den ahnungslosen Feinden erfreuen, wenn diese ihnen in die Falle gehen, auch wenn das ein wenig seltsam rüberkommt, wenn man eine Granate in einem Stahlboden (!) vergräbt.

Im Nahkampf sind die Rebellen den Truppen Mantels natürlich unterlegen und Schläge mit dem Kolben machen diesen so gut wie nichts aus. Wer sich aber clever anstellt, kann einem Gegner das Gewehr aus den Händen reißen und es gegen ihn einsetzen. Klingt alles schon cool, oder? Im Prinzip ist es das auch. Das Problem ist allerdings, dass Haze in der Singleplayer-Kampagne die verschiedenen Fähigkeiten beider Seiten, beziehungsweise das Austricksen der Gegner kaum wirklich für das Gameplay nutzt oder sagen wir eher nutzbar macht. Das liegt nicht nur daran, dass sich die Gegner auch auf die herkömmliche Weise viel zu leicht ausschalten lassen, sondern vor allem an der strunzdämlichen KI der CPU. Es kommt nicht selten vor, dass Truppen einfach sinnlos durch die Gegend irren, dabei an Hindernissen hängen bleiben oder allem Anschein nach freiwillig in ihr Verderben rennen. Selten machte die KI dem eigentlichen Gameplay einen so üblen Strich durch die Rechnung wie hier.

Warum soll ich mir also die Mühe machen, einen Gegner auszutricksen, wenn er sich sowieso als fast schon hirntot herausstellt und ich ihn ohne Probleme auch mit dem Gewehr wegpusten kann? Eben!

Geradezu traurig, denn die Ideen, die Free Radical hier hatte, sind durchaus gut. In einigen Abschnitten der Missionen seid ihr zudem nicht per pedes, sondern in diversen Fahrzeugen unterwegs. Diese Sequenzen wirken allerdings auch ein wenig aufgesetzt und bereichern das Spiel nicht wirklich, zudem die Steuerung der Vehikel auch nicht optimal umgesetzt wurde.

Ab in die Belanglosigkeit

Zugegeben, die Story rund um den korrupten und nach noch mehr Macht gierenden Privatkonzern, der seine Truppen durch Nectar unterschwellig zu willenlosen Sklaven macht, birgt prinzipiell genug Potenzial, um den Spieler in den Bann zu ziehen. Leider scheiterte Free Radical an der Umsetzung. Schon zu Beginn merkt man als Spieler, welche Seite der beiden Fraktionen die böse ist. Das Spiel stellt die Seite Mantels mit fast schon offensichtlicher Absicht so verabscheuungswürdig dar und man freut sich fast schon darauf, den Affen den Allerwertesten aufzureißen. Aber anstatt die Story später auf Seiten der Rebellen richtig anzuheizen, verpulvert das Spiel sein Potenzial mit belanglosen Dialogen von Charakteren, die in etwa so charismatisch sind wie ein Kasten Wasser, naturell versteht sich. Hier wurde viel verschenkt. Die Dialoge wirken in der deutschen Version fast schon unfreiwillig komisch, was dann auch das letzte Quäntchen Atmosphäre aus dem Spiel saugt. Gott sei Dank, könnt ihr aber dem englischen Original, indem ihre eure Konsole ebenfalls auf Englisch stellt.

Was bleibt also übrig? Die Ballerei! Ja, die Schussgefechte in Haze machen Spaß. Die einzelnen Waffen glänzen so ziemlich alle mit einem schönen Design und satten Sounds, so dass es durchaus Spaß macht, seine Waffe abzufeuern. Jeder der beiden Fraktionen hat so ziemlich dasselbe Arsenal an verschiedenen Ballermännern parat.

Hier werdet ihr mit Wummen, die von Strumgewehren über Shotgun, Gatlinggun bis zum Raketen- und Flammenwerfer reichen, versorgt. Was sich die Entwickler allerdings bei Letzterem gedacht, wird wohl für immer ein Rätsel bleiben. Wir haben schon lange keine so schlechten Flammeneffekte mehr gesehen. Höchstens hartgesottene Nostlagiker, die sich gerne mal wieder züruck in die 32-Bit-Zeit versetzen wollen, werden hier Gefallen finden.

Eigentlich schon eine Unverschämtheit, wenn man bedenkt, was die PS3 unter der Haube hat. Wenn man sich aber den Rest des Spiels anschaut, fallen diese misslungenen Effekte aber nicht all zu sehr auf, denn das gesamte Spiel hinterlässt einen sehr ernüchternden Eindruck. So gibt es zwar schon einige wirklich nette Szenarien zu sehen, bei näherer Betrachtung fallen allerdings dann die fielen Kanten und Ecken auf. Da gibt es verwaschene Texturen in Hülle und Fülle zu sehen, sterile und lieblos dahin geklatschte Innen- als auch Außenareale und eine dennoch ab und zu in Stottern kommende Bildwiederholungsrate. Zudem läuft das Ganze lediglich in einem hochskalierten 720p.

Mehr Spieler, mehr Spaß?

Es gibt aber noch Gutes von Haze zu berichten. Der Coop-Modus, der sich online sogar mit bis zu vier Spielern zocken lässt, macht durchaus Laune und auch die die sonstigen Multiplayer-Modi wissen zu gefallen, auch wenn man nicht wirklich von Vielfalt sprechen kann. Neben Deathmatch und Team Deathmatch für bis 16 Spieler, gibt es noch einen missionsbasierten Modus, der auch auf längere Sicht bei der Stange hält.

Uns ist seiner Zeit, als wir den Titel im Multiplayer-Modus anspielen durften, schon aufgefallen, dass die beiden Seiten nicht unbedingt ausbalanciert waren und die Rebellen einen kleinen, aber entscheidenden Vorteil in den Gefechten hatten. Leider hat sich dies auch in der finalen Version nicht geändert, so dass die eigentlich spannenden Duelle stets einen faden Beigeschmack haben.

Fazit

Mein Daumendrücken hat anscheinend nicht geholfen. Ich hatte in meiner Vorschau zu Haze noch geschrieben, dass “der Titel durchaus das Zeug hat, in mein Buch der geilen Shooter aufgenommen zu werden“. Leider muss ich wohl doch das Buch der größten Enttäuschung zücken, denn was dem Spieler allein technisch abgeliefert wird, ist mitunter schon wirklich fies. Klar hat Haze auch seine netten Momente – einige Szenarien sind sogar wirklich hübsch, unterm Strich überwiegen aber die sehr tristen Eindrücke. Leider. Und auch die Story versprach im Vorfeld eine coole Kehrtwende samt zum Nachdenken anregenden Hintergründe. Das Einzige, über was man nach dem Spiel aber letztlich nachdenkt, ist, was Free Radical aus dem ihm hätte machen können, wenn sie ein wenig mehr Zeit in den Titel gesteckt hätten. Was Haze gerade eben noch so rettet, ist der coole Coop-Modus und die anderen Multiplayer-Modi, die zwar Spaß machen, gegen die Konkurrenz auf lange Sicht aber ganz klar den Kürzeren ziehen!

Haze [PS3 , looki.de]

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