Gesamtwertung51%/10 |
GrafikBefriedigend SoundBefriedigend |
LanzeitspaßUngenügend SpieleinstiegBefriedigend |
BedienungBefriedigend |
Entgegen der durchaus positiven Prognose für Kung Fu Panda von Activision ist das offizielle Spiel zum kürzlich gestarteten Blockbuster Iron Man ein herber Tritt in die Weichteile derjenigen, die sich nach dem guten Film dachten, die virtuelle Umsetzung sei wenigstens ebenbürtig. Denn hey, wann sonst dürfen wir schon mal einen der coolsten Helden des Marvel-Universums selbst steuern? Die bittere Wahrheit über den verhunzten Auftritt von Iron Man gibt es in unserem Review.
Balls of Steel?
Das erste Level des Spiels, dessen PS3-Fassung wir hier unter die Lupe nehmen, tritt schon in fast sämtliche Fettnäpfchen, die man so als Entwickler unter heutigen Kriterien vermeiden sollte. Nicht nur, dass ein sinnvoller, erklärender Einstieg nicht gegeben ist, nein, man setzt dem verdutzten Käufer auch die langweiligste Mission des gesamten Titels und auch der letzten Zeit vor und das direkt zu Beginn.
Das Leben des Alter Ego vor dem Angriff auf den Konvoi wird komplett ausgeblendet, stattdessen beginnt das Game just in dem Moment, als Tony Stark seinen ersten vorsichtigen Entwurf aus dem Gussbehälter hebt. Mit dabei: Ein unspektakulärer Flammenwerfer, mit dem man unspektakuläre Feinde in einer mindestens ebenso unspektakulären Umgebung flambiert. Das Ganze macht schon nach zwei Minuten keinen Spaß mehr, stellt aber auch ehrlicherweise die schlimmste Mission dar danach erwarten Euch keine Attentate dieser Art mehr, jedenfalls nicht, wenn man seinen Anspruch auf ein Minimum reduziert.
Denn in Sachen Gameplay gewinnt der Titel entgegen den Gewohnheiten seines Charakters nicht an luftigen Höhen: In den knapp dreieinhalb Stunden, die wir mit dem Spiel im mittleren Schwierigkeitsgrad verbracht haben, ging es eigentlich um nichts anderes, als die pure Ballerei.
Dies wäre ja noch nicht mal so schlimm, wenn das Ganze wenigstens auch so actionreich präsentiert würde das tut es aber nur in den seltenen Momenten, in denen das Spiel tatsächlich einmal Spaß macht. Und Spaß zu haben fällt bei den immer gleichen Missionen nun wirklich nicht leicht. Gerade hier sollte eigentlich Iron Mans Möglichkeit zu fliegen, Abhilfe schaffen und über zahlreiche Designmängel und die quasi nicht vorhandenen eigenen Ideen hinwegtäuschen. Hier macht jedoch ausgerechnet die Steuerung einen dicken Strich durch die von Anfang bis Ende nicht durchdachte Rechnung. Düsen mit L1, Schweben mit L2, Nachbrenner mit X klingt doch eigentlich nicht so schwer, stimmt's? Ist es in der Praxis aber schon: Um beispielsweise konstant auf einer Höhe zu schweben, müsst Ihr in den Button leicht gedrückt halten tja, versucht das mal, wenn an Euch zig Raketen und andere Geschosse vorbei zischen. Das reine Fliegen ohne Nachbrenner ist zu langsam, weswegen sich der Nachbrenner empfiehlt dumm nur, dass der in Verbindung mit der invertierten und mehr als ungenauen Flugsteuerung ein Fall für die Mülltonne ist.
Wir brauchten jedenfalls einige Zeit um den eisernen Helden einigermaßen kontrolliert durch die freiheits-vorgaukelnden und eigentlich linearen Szenarien zu scheuchen.
Eiermann, nicht Iron Man...
Bei Euren Probenrunden im zweiten Level werdet Ihr wie wir aber garantiert mit Karacho auf die harte Nase fallen. Wenigstens das Upgrade-System vermag etwas Anspruch in das ansonsten belanglose Gameplay zu zaubern. Nach erfolgreich bestrittenen Missionen gelangt Ihr nämlich in einen Bildschirm, in dem Ihr verschiedene Teile Eures Anzugs aufwerten könnt. Jedoch dürft Ihr nur aus vorgefertigten Teilen - unter anderem für die Bereiche Repulsoren, Hilfswaffen und Energiesysteme - verschiedener Stufen wählen.
Echte Individualisierung sieht zwar anders aus, aber wenigstens machen sich die Änderungen spürbar. Vor allem der Nachbrenner wird von Stufe zu Stufe schneller und Iron Man saust auf Stufe 3 wie eine Rakete durch die Levels. Wahrscheinlich haben die Entwickler bemerkt, dass der Titel außer dem coolen Helden nicht viel zu bieten hat, daher entschied man sich zu kleineren Kniffen, um den Actionalltag spaßiger zu gestalten nicht alles davon klappte jedoch so recht.
Als Paradebeispiel ist hier Iron Mans Möglichkeit, ankommende Raketen zu greifen und in eine beliebige Richtung zurück zu werfen, zu nennen. Entweder greift der Mann aus Eisen die Rakete viel zu spät und bekommt sie deswegen auf die Plauze, oder er kann sie dank der problembehafteten Steuerung eben nicht in jede Richtung zurück schmeißen.
Der zweite Kniff sind kleine, aber belanglose Quicktime-Events, die Ihr bei Fahr- und Flugzeugen mit gedrückter Kreistaste startet.
Hierbei müsst Ihr auf die Kreistaste hämmern, während Iron Man den Rumpf eines Flugzeuges oder den Turm eines Panzers abreißt und so dem Vehikel den Garaus macht. Da dies mit Raketen und Repulsoren aber schneller erreicht wird, geht dem Spiel ein Feature nach dem Anderen flöten. Von den miesen und meistens stinklangweiligen Cutscenes wollen wir lieber gar nicht erst anfangen zu tief steckt noch das Trauma darüber, dass statt der Originalsprecher offensichtliche Laien engagiert wurden.
Gerade Tony Stark / Iron Man hat es am Schlimmsten getroffen: Seine Stimme erinnerte uns an den Synchronsprecher der unfreiwillig komischen Trashgranate Story of Ricky wer den Low Budget-Film kennt, kennt auch die grottigen deutschen Sprecher.
Die Grafik hat es mit Abstrichen ebenso tief getroffen: Abseits der grandiosen Spiegelungen auf Iron Mans Anzug, den Wasser- und sonstigen Oberflächen enttäuschen die Areale mit Monotonie und Leblosigkeit.
Wer seinen Augen einen Gefallen tun will, bleibt zudem in der Luft und verpasst somit glücklicherweise die dürftigen Animationen und schwachen Texturen. Zusätzlich hat die PlayStation 3-Fassung mit vereinzelten, aber dafür umso heftigeren Ruckelattacken zu kämpfen. Gerade unsere erste Begegnung mit Titanium Man verlief wie eine Diashow bei Oma Elfriedes Beerdigung.
Iron Man im Test.
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