James Bond 007: Ein Quantum Trost

Review
Plattform
PS3
Vertrieb
Activision
Entwickler
Treyarch
Erscheinungsdatum
-
Genre
Abenteuer
USK
18
James Bond 007: Ein Quantum Trost [PS3 , looki.de]

Gesamtwertung

78%/10

Grafik

Gut

Sound

Sehr gut

Lanzeitspaß

Gut

Spieleinstieg

Gut

Bedienung

Gut

James Bond 007: Ein Quantum Trost

Fast zeitgleich zum Kinostart des neuesten Bond-Streifens, welcher hierzulande den Titel Ein Quantum Trost trägt, schickt Publisher Activision in Zusammenarbeit mit dem Entwicklerstudio Treyarch die Konsolenumsetzung für die PlayStation 3 ins Rennen, in der ihr die virtuelle Rolle von James Bond – alias Daniel Craig übernehmt. Ob es sich dabei wieder nur um ein mittelprächtiges oder gar dahingeschludertes Spiel handelt, mit dem die Videospielindustrie sich ein gehöriges Stück vom Kuchen des wohl sehr erfolgreich werdenden Kinofilms abschneiden will, versuchen wir hier für euch aufzudecken. Aber ehrlich gesagt stehen die Chancen mehr als gut, dass dies nicht der Fall sein dürfte.

Zum einen hat man sich mit Treyarch einen Entwickler an Land gezogen, der es durchaus versteht, spielerisch und inszenatorisch brauchbare Videospiele zu entwickeln. Das Studio hat sich vor allem einen Namen durch die Call of Duty-Reihe gemacht, für die sie mit Call of Duty 2: Big Red One und Call of Duty 3, gleich zwei ansprechende Teile entwickelt haben, die beide auch recht erfolgreich gewesen sind. Ein weiterer positiver Aspekt ist die Tatsache, das dem Entwicklerteam die CoD 4-Grafikengine zur Verfügung stand, die ja bekanntlich schon den vierten Teil der Shooter-Serie richtig gut aussehen ließ und nicht minderweniger dazu beitrug, das Call of Duty 4 auch heute noch, zu den am meisten gespielten Onlineshootern der aktuellen Generation zählt.

Ein Quantum Trost und noch mehr

Um dem Ganzen noch die Krone aufzusetzen, hat es Activision sogar geschafft, sich nicht nur die Lizenz des aktuellen Bond-Abenetuers namens Ein Quantum Trost zu sichern, sondern hat zudem auch gleich die des Vorgängerstreifens Casino Royale ergattern können. Da es ja bekanntlich keine Videospielumsetzung des letzten Bond-Films gab, wollte man diesen traurigen Umstand wohl ungeschehen machen und hat auch gleich noch einige Teile der Handlung von Casino Royale mit in Ein Quantum Trost reingepackt.

Das ist unserer Meinung taktisch klug, zumal beide Filme sowieso irgendwie zusammengehören und Ein Quantum Trost genau dort weitermacht, wo Casino Royale endete. Wer Casino Royale nicht gesehen hat oder wem die brisante Story inzwischen entfallen ist, erhält nun eine kleine Auffrischung. In Casino Royale ging es im Großen und Ganzen darum, das der smarte Geheimagent in einem Texas-Holdem-Turnier, bei dem es um sehr viel Geld geht, den für Terroristen arbeitenden Börsenspekulant Le Chiffre zu besiegen, damit dieser anschließend freiwillig zum MI6 überläuft.

Der Film endete damit, dass Bonds große Liebe Vesper Lynd, eine Mitarbeiterin des Schatzamtes, mit der er während dieser Mission eine intime Beziehung einging, stirbt. Kurz darauf erfährt Bond von M, das Vesper durch Erpressung zu einer Doppelagentin gemacht wurde, mit der Aufgabe, das beim Poker-Turnier gewonnene Geld, einer unbekannten Terrororganisation zu verschaffen. Glücklicherweise hat Vesper vor ihrem Tod, noch einen Hinweis für James hinterlassen, der zu einem mysteriösen Mr. White führt, den Bond am Ende stellen kann und gefangen nimmt.

007 – Der eiskalte Rächer

Genau an diesem Punkt setzt die Handlung von Ein Quantum Trost ein, bei dem es darum geht, die Schuldigen für den Tod von Vesper ausfindig zu machen. Durch die Gefangennahme von Mr. White erfahrt ihr, das dessen Geheimorganisation, welche den Namen Quantum trägt, mehrere Agenten in die amerikanische CIA sowie den britischen Geheimdienst MI6 eingeschleust hat.

Mehr wollen wir aus Spoiler-Gründen an dieser Stelle aber nicht verraten, denn ihr möchtet die Story ja bestimmt selbst genießen und am eigenen Leib zu spüren bekommen. Soviel sei aber noch gesagt: Auf eurem Rachefeldzug, der bis in das Herz von Quantum führt, besucht ihr unter anderem zahlreiche Orte wie das Casino Royale in Montenegro, die Kanäle von Venedig, die bolivianische Steppe, die Insel Madagaskar, sowie die Straßen von Österreich und lasst dort so richtig die Sau raus.

Das eigentliche Spiel startet dabei mit der Gefangennahme von Mr. White, die sich schwieriger herausstellt, als zunächst angenommen. Es kommen ihm nämlich zahlreiche schwerbewaffnete Kollegen zu Hilfe, die es erst einmal aufzuhalten gilt, währenddessen sich Mr. White erst einmal versucht, aus dem Staub zu machen. Gleich zu Spielbeginn fällt die ordentliche Grafik auf, die sich wirklich sehen lassen kann und die auch nicht mit Details geizt. Während euch zahlreiche Kugeln um die Ohren fliegen, gilt es als allererstes einmal, für eine sichere Deckung zu sorgen.

Durch einen Druck auf die X-Taste bezieht Bond an Wänden, Säulen oder Bänken Stellung und kann aus dieser heraus, spielend leicht seine Feinde anvisieren. Dabei schaltet das Spiel dauerhaft zwischen Ego- und Third-Person-Perspektive hin und her, und ermöglicht so stets eine gute Sicht auf das Spielgeschehen. Gezielt wird mit L1, geschossen mit der R1-Taste. Gesprungen wird mit Dreieck, ein Sprint wird mit L3 ausgeführt, die Waffen werden mit L2 gewechselt und mit R2 lassen sich Granaten werfen.

Besser gut geklaut, als schlecht kopiert

Darüber hinaus könnt ihr in die Hocke gehen und euch auf diese Art und Weise in bester Stealthmanier geräuschlos und unbemerkt fortbewegen. Habt ihr euch einem Gegner genähert, könnt ihr mittels R3-Taste zu einem fatalen Angriffsmanöver ansetzen. In diesem wird dann eine entsprechende Taste zum schnellen eingeben verlangt, mit der sich dann der Feind ausschalten lässt, was nicht nur cool aussieht, sondern auch sehr effektiv ist, um beispielsweise Munition zu sparen oder unbemerkt die Gegnerzahl zu dezimieren.

Betrachtet man die Steuerung und das Spielsystem genauer, so wird man viele Anlehnungen an andere Spiele darin erkennen. Daher lässt sich Ein Quantum Trost eigentlich am treffendsten als Mix aus Call of Duty 4, Das Bourne Komplott und Rainbow Six: Vegas bezeichnen. Erstaunlich ist dabei, dass die kopierten Elemente zu jeder Zeit funktionieren, dem Spiel eine ansprechende Tiefe verleihen und es nur ganz wenige Spielszenen gibt, die für Frustmomente sorgen. Diese sind die hakeligen Kletter- und Balancepassagen, auf welche die Entwickler besser gänzlich verzichtet hätten. Dazu ist deren Steuerung nämlich einfach zu schwammig und fummelig ausgefallen, was etwas den ansonsten prächtigen Spieleindruck etwas schmälert.

Erinnert ihr euch noch an die Kranszene aus Casino Royale? Falls ja, wird es euch sicherlich freuen zu hören, das ihr selbige in Ein Quantum Trost nachspielen dürft. Ärgerlich ist dabei eigentlich nur, dass die tolle Szene etwas zunichte gemacht wird, weil man mit dem Balanciersystem anfangs noch völlig überfordert ist. Im weiteren Verlauf des Spiels legt sich dieser Umstand aber und auch diese Passagen funktionieren dann doch recht gut. Die Übung macht hier eben den Meister.

Spielerisch betrachtet bietet der Titel auf alle Fälle einen actiongeladenen Storymodus, der sich weitestgehend an die Vorlage des Kinofilms hält und den Plot durch diverse Missionen des Vorgängerteils sinnvoll ergänzt. Neben dem Einzelspielermodus, der zwischen acht und zehn Spielstunden andauert, bietet der Titel auch noch eine umfangreiche Onlineunterstützung, bei der sich bis zu 12 Spieler gleichzeitig ins Gefecht stürzen können. Die neun wählbaren Spielmodi teilen sich dabei in Bond-Duell, Bond-Flucht, Goldener Colt, Gebietskontrolle, Klassisch, Konflikt, Team-Konflikt, Teamwork sowie Gefecht auf, auf die wir nun etwas genauer eingehen möchten. Beim Bond-Duell geht es darum, Sprengsätze zu entschärfen oder andere Onlinespieler daran zu hindern. Bei Bond-Flucht gilt es, Bond dabei zu unterstützen, die Evakuierungszone zu erreichen. Im Goldener Colt-Modus, der einem freien Spiel gleicht, müsst ihr nichts Geringeres tun, als euch den goldenen Colt von Scaramanga zu beschaffen, mit dem ihr eure Feinde mit nur einem Treffer ausschalten könnt.

Gebietskontrolle ist ein Herrschaft-ähnlicher Modus, bei dem ihr auf der karte verteilte Kontrollpunkte einnehmen und verteidigen müsst. Der Klassisch-Modus ist, wie der Name schon verrät, eine klassische Deathmatch-Runde mit Waffenaufnahmepunkten. Konflikt ist ein klassisches Frei-Für-Alle-Spiel. Einen Mix aus den Modi Konflikt, Bond-Flucht und Gebietskontrolle stellt der Teamwork-Modus dar. Zu guter letzt wird das abwechslungsreiche Modipaket von Gefecht, welches eine Mischung aus Goldener Colt, Klassisch sowie Konflikt darstellt, abgerundet. Für lang anhaltenden Spielspaß in den Mehrspielerschlachten, an denen jeweils 4 bis 12 Spieler teilnehmen können und die zwischen 5 und 10 Minuten andauern, dürfte folglich also gesorgt sein. Die grafische Gestaltung kann sich dank der verwendeten Call of Duty 4-Engine wirklich sehen lassen und präsentiert uns das bislang schönste Bond-Abenteuer. Die Charaktermodelle sehen sehr detailliert aus, allen voran Hauptdarsteller Daniel Craig weiß zu gefallen, da er seinem realen Vorbild wie aus dem Gesicht geschnitten gleicht.

Das Leveldesign ist zwar strikt linear gestaltet worden und ermöglicht meistens auch nur einen einzigen Weg zum Ziel, dafür bieten die einzelnen Umgebungen aber zahlreiche Interaktionsmöglichkeiten. Diese sind zwar größtenteils explosionsartiger Natur, aber wen stört das, wenn die Effekte dabei sehr ansehnlich gestaltet sind und mit einer überzeugenden Flammen- sowie Rauchdarstellung daherkommen. Ebenfalls schön anzusehen sind die Nachlade- und Nahkampfaktionen von Bond, die einwandfrei choreographiert wurden. Zudem bietet der Titel viele zerstörbare Elemente und auch sehenswerte Licht- und Wassereffekte, lediglich bei den Schatten wäre etwas mehr Detailverliebtheit wünschenswert gewesen. Insgesamt betrachtet gibt es an der optischen Präsentation, bis auf wenige unschöne Tearing-Probleme, allerdings kaum etwas auszusetzen, und das soll für eine Filmumsetzung schon mal was heißen.

Bei der Sounduntermalung gibt es ebenfalls eigentlich nichts Großartiges zu beanstanden. Diese ist über die gesamte Spielzeit sehr ordentlich ausgefallen und bietet eine Fülle an atmosphärischen Momenten, bei denen ihr definitiv eure Anlage aufdrehen solltet, um den druckvollen Explosionen zu lauschen. Aber nicht nur die Explosionen sorgen für eine dynamische Sounddarstellung, auch das reichhaltige Waffenarsenal weiß durch authentisch klingende Schieß- und Nachladegeräusche zu glänzen.

Die Lokalisierung ist erfreulich gut gelungen, und wartet sogar mit den deutschen Synchronsprechern von Daniel Craig sowie Judi Dench auf. Das Einzige was hier als störend empfunden werden könnte ist, das während den Videosequenzen der Missionsbesprechung die Stimmen etwas zu leise sind, was sich leider auch nicht im Soundmenü korrigieren lässt. Abgesehen von dieser Kleinigkeit, gibt es ansonsten aber nichts zu meckern.

Fazit

Ein Quantum Trost ist ganz klar eine der besseren Filmumsetzungen geworden, die hier ganz klar deutlich macht, das nicht alle Filmversoftungen für die schwarze Tonne sind. Das Konzept, sich die Grafikengine von Call of Duty 4: Modern Warfare zu Nutze zu machen und sich beim spielerischen Inhalt bei diversen anderen, erfolgreichen Genrekollegen zu bedienen, hat sich ausgezahlt. Zwar wirkt das Spiel dadurch wie ein guter Mix aus bekannten Titeln, der halt eben auf Bond-Niveau getrimmt wurde und auch keine nennenswerten Neuerungen mit sich bringt, macht der grafischen Präsentation und dem Spielspaß aber auch keinen Abbruch. Wer auf unkomplizierte Action für zwischendurch steht und zudem der James Bond-Thematik etwas abgewinnen kann, der kann bei Ein Quantum Trost eigentlich nichts falsch machen. Nur darf man hier halt eben keine spielerische Offenbarung erwarten.

James Bond 007: Ein Quantum Trost [PS3 , looki.de]

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