Lair

Review
Plattform
PS3
Vertrieb
Sony
Entwickler
Factor 5
Erscheinungsdatum
-
Genre
Abenteuer
USK
16
Lair [PS3 , looki.de]

Gesamtwertung

69%/10

Grafik

Sehr gut

Sound

Sehr gut

Lanzeitspaß

Gut

Spieleinstieg

Befriedigend

Bedienung

Befriedigend

Lair

Nach langer Wartezeit und etlichen Spekulationen ist nun endlich das Drachenspektakel Lair aus der Entwicklerschmiede Factor 5 für PlayStation 3 erschienen. Vor gar nicht allzu langer Zeit gab es zu dem Titel nur einen Trailer zu bestaunen, der deutlich machte, dass da etwas ganz großes auf die PS3-Spielergemeinde zukommt. Aber wie heißt es so schön: Hinterher weiß man immer mehr! Inzwischen ist hinlänglich bekannt, das Sonys ambitioniertes Actionspiel größtenteils ein Grafikblender ist und den hohen Erwartungen nicht gerecht werden konnte.

Schuld an der Misere sollen angeblich hauptsächlich eine schlecht umgesetzte Steuerung sowie teils heftige Übersichtsprobleme haben. Da man sich aber bekanntlich eigentlich immer selbst eine eigene Meinung bilden soll, haben wir dem Titel in unserem Review genauer unter die Lupe genommen und uns davon überzeugt, ob dem tatsächlich so ist oder ob Lair mehr zu bieten hat.

Eine Drachensaga

Die Geschichte von Lair ist schnell erzählt und handelt mal wieder vom ewigen Kampf zwischen Gut und Böse. Der Titel spielt zur Zeit der Drachen, in der die Menschen, alle zusammen vereint durch den gemeinsamen Glauben, ursprünglich in Harmonie miteinander lebten. Eines Tages jedoch erwachten plötzlich die Vulkane und Lavaströme zerstörten viele Ländereien und verpesteten mit ihren Dämpfen die Luft. Da die Wissenschaft die plötzlichen Veränderungen nicht erklären konnte, spaltete sich die Gesellschaft aus einst friedfertigen Menschen.

Die einen sahen in den Vulkanen eine Strafe Gottes, die anderen hingegen nicht und so waren bald rivalisierende orthodoxe Schulen geboren.

Auf der einen Seite waren die Mokai, die ihre neue Gesellschaft im Feuer und Eis des Nordens schmiedeten. Auf der anderen Seite standen sie Asylianer, die sich in den Schutz der Berge des Südens zurückzogen. Dort, mit ausreichendem Abstand von Lava und Rauch, errichteten die Asylianer eine prunkvolle Stadt namens Asylia und wanden sich dort im Laufe der Zeit zu einer hoch entwickelten Kultur.

Verständlicherweise erweckte Asylia bald den Neid der Mokai, denen das tolle Leben der Asylianer ein Dorn im Auge war. Die Stadt war ab diesem Zeitpunkt auf den Schutz ihrer schuppigen Himmelswächter angewiesen, die Asylia fortan vor feindlichen Angriffen schützen mussten. Bei all dem Streit um fruchtbaren Boden und genügend Nahrung zum Überleben, teilten jedoch beide Parteien eine Ansicht: Wer die Lüfte beherrscht, besitzt auch die Herrschaft über das Land.

Filmreif inszeniert, schlecht umgesetzt

Gleich nach Spielstart macht Lair auf beeindruckende audiovisuelle Weise klar, dass hier ordentliche und detailverliebte Arbeit geleistet wurde.

Die Grafik sieht auf den ersten Blick derart gut aus, das man schon fast glauben könnte, man befände sich in einer richtigen Hollywood-Filmproduktion. Die Landschaften sind schön anzusehen und die mittelalterlichen Bauten sehen derart hübsch aus, dass einem bei näherer Betrachtung sogar die einzelnen Ziegelsteine auffallen.

Genauso schön anzusehen sind auch die Protagonisten, von denen ihr die Hauptrolle des jungen Drachenreiters Rhon übernehmt. Die echten Stars des Spiels sind aber zweifelsohne die geflügelten Himmelswächter, die wirklich atemberaubend in Szene gesetzt wurden. Dabei spielt es überhaupt keine Rolle, ob ihr gerade auf dem Rücken der weiblichen Drachendame über das glitzernde und wirklich erstklassig animierte Wasser fliegt, oder mit feurigem Atem feindlichen Bodentruppen einheizt – stets ist alles, zumindest aus optischer Sicht heraus betrachtet, filmreif inszeniert.

Und genau an dieser Stelle müssen wir leider die Lobeshymnen beenden und die rosarote Spielbrille absetzen, denn nun kommen wir zum spielerischen Teil, der bei weitem nicht so rosig aussieht, wie der Rest des Spiels.

Gleich vorweg: Befindet sich Rhon auf dem Rücken seines Drachen, wird das Spielgeschehen stets über die Bewegungssensoren des Sixaxis-Controllers gesteuert, zumindest so lange ihr euch in der Luft befindet. Das klingt jetzt zwar nicht wirklich schlecht, denn für solche Spiele – genau wie Warhawk auch eins davon ist – sollte eine Sixaxis-Unterstützung mit an Bord sein.

Warhawk hat da im Vergleich zu Lair allerdings ein Ass im Ärmel, denn dort lassen sich nämlich die Bewegungssensoren deaktivieren und auf Analog-Steuerung umschalten, was bei Lair nicht der Fall ist. Und genau da liegt eines der vielen Probleme des Spiels. Genau wie bei Warhawk hat man zu Beginn des Spiels massive Probleme, das Spielgeschehen zielgenau zu kontrollieren. Ständig erwischt man sich dabei, den Analog-Stick einsetzen zu wollen, was natürlich rein gar nichts bringt.

Erst wenn ihr das Vieh auf dem Boden landet und auf diesem zu Fuß die Gegend unsicher beziehungsweise sicher macht, lässt sich das Spiel ohne die Bewegungssensoren steuern. Aber die Steuerung ist nicht das einzige Problem, mit dem ihr euch bei dem Drachenspektakel auseinandersetzen müsst.

Lair hat bei aller Prunkgrafik zudem nämlich mit enormen Übersichtsproblemen zu kämpfen, da das Zielsystem, mit dem ihr die einzelnen Missionsziele anvisieren könnt, nicht immer optimal arbeitet. Kleines Beispiel gefällig?

Ihr sollt mit eurem Drachen angreifende Kriegsschiffe vor der Küste versenken und nebenbei auch die feindliche Luftunterstützung unschädlich machen. Blöderweise sind aber auf den ersten Blick die feindlichen Schiffe nicht als solche zu erkennen, selbiges gilt dabei auch für den Luftverkehr.

In dem Tumult sind nämlich auch eure eigenen Schiffe und Drachen zugegen, womit das Chaos perfekt ist. Erst ein Druck nach unten auf dem Steuerkreuz verdeutlicht euch, was Freund oder Feind ist, da auf diese Weise in einen neuen Sichtmodus gewechselt werden kann. Aus dieser optionalen Ego-Perspektive heraus könnt ihr dann erkennen, welche die gegnerischen Einheiten sind, da diese nun rot markiert sind.

Frustfaktor – Die Steuerung

Für ein echtes Chaos sorgt auch des Öfteren immer wieder die ständige Orientierungslosigkeit. Zwar deutet euch stets ein Kompass den ungefähren Weg zum Ziel, sobald ihr aber in dessen unmittelbarer Nähe seid, quittiert das Teil einfach den Dienst. Das ist echt nervend, wenn ihr zum Beispiel in eine Felsöffnung fliegen sollt, jedoch bei all der Hektik während der Luftkämpfe zu schnell den Überblick verliert und die Kompassnadel nicht mehr richtig ausschlägt. Nicht allzu selten hat dies das Scheitern der Mission zur Folge, da ihr nicht im entsprechenden Zeitfenster eure Aufgaben erfüllen könnt.

Glücklicherweise könnt ihr jede Mission beliebig oft vom Missionsmenü aus neu starten und so an eurer Perfektion arbeiten. Im späteren Spielverlauf wird dies sogar zur Gewohnheit, da ihr die Missionen aufgrund der Übersichtsprobleme nur bewältigen könnt, wenn ihr genau wisst wo ihr hinfliegen müsst. Auswendiglernen ist hier also angesagt. Das erneute bessere absolvieren der einzelnen Mission zahlt sich nämlich aus, da ihr so mehr Punkte bei der Missionsbewertung einheimsen könnt. Diese Punkte schalten dann unter anderem neue Angriffsmoves wie beispielsweise den Doppelhieb oder andere Extras frei. Gesamt betrachtet erweckt das Spiel jedoch trotzdem in Bezug auf die komplette Spielbarkeit den Eindruck, einfach unfertig zu sein.

Lässt man die vielen Störfaktoren aber außen vor, hat das Drachenspektakel durchaus seine Momente. Die Story ist spannend inszeniert und die häufigen Zwischensequenzen sind stimmungsvoll und authentisch gestaltet worden. Hat man sich erst einmal an die anspruchsvolle Steuerung und die ungenaue Kompassnadel gewöhnt, lässt der Titel auch tatsächlich so etwas wie Spielspaß aufkommen.

Hätten sich die Entwickler etwas mehr Zeit genommen und Lair noch einmal steuerungstechnisch überarbeitet, wäre sicherlich etwas ganz Großes dabei rausgekommen. Von der optischen und akustischen Präsentation, die sogar THX-Zertifiziert und komplett Deutsch synchronisiert ist, überzeugt der Titel nämlich auf voller Länge.

Sicher, hier und da ist zwar an manchen Stellen ein leichtes Kantenflimmern zu erkennen und ab und an machen sich kleinere Slowdowns bemerkbar, das nimmt der sonst aber erstklassigen Präsentation nichts an Faszination. Seine grafischen Muskeln lässt der Titel aber erst so richtig spielen, wenn die Himmelswächter im Nahkampf aufeinander losgehen. Wenn sich die Drachen in der Luft ihre scharfen Krallen oder den feurigen Atem um die schuppige Haut prügeln, bleibt garantiert kein Auge trocken. Bei näherer Betrachtung muss man der Grafik dann aber doch eine kleine Rüge erteilen. Die Bodentruppen sind nämlich nicht so schön animiert wie der Rest des Spiels und stellenweise erschweren zudem dunkle Spielpassagen etwas die Sicht.

Fazit

Eine ordentliche und faire Wertung abzugeben ist mir schon lange nicht mehr so schwer gefallen wie im Falle von Lair. Die Drachensaga von Factor 5 macht nämlich auf den ersten Blick wirklich viel her, gestaltet sich allerdings gleich darauf im Anschluss als spielerisch zu unausgereift. Daraus resultiert, das eine sehr lange Einspielzeit von Nöten ist, um seinen Drachen zielgenau durch die Lüfte zu steuern und sich entsprechend orientieren zu können. Habt ihr euch aber erst einmal mit dem unausgereiften Spielprinzip vertraut gemacht, hat der Titel auch viele ansprechende Seiten parat. Da wären zum einen die wirklich filmreife Inszenierung, das ansprechende Leveldesign und der starke Sound, der euch ordentlich in den Sessel drückt. Und zum anderen auch noch die spannende Hintergrundstory, die einen – auch wenn Hauptcharakter Rhon kein allzu großes Identifikationspotenzial entfaltet – fesselt und so schnell auch nicht mehr loslässt.

Da die Mängelliste aber leider sehr lang ausgefallen ist, schrammt der Titel mit einem blauen Auge knapp an einer 70er-Wertung vorbei. Mehr ist leider einfach nicht drin! Drachen- und Ritterfans sollten vor einem eventuellen Kauf ein langes Probespiel wagen, da der Titel erst nach einer langen Eingewöhnungszeit anfängt, Spielspaß aufkommen zu lassen. Hier wäre ganz klar, deutlich mehr möglich gewesen!

Lair [PS3 , looki.de]

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