Lost - Das Spiel

Review
Plattform
PS3
Vertrieb
Ubisoft
Entwickler
Ubisoft
Erscheinungsdatum
-
Genre
Abenteuer
USK
12
Lost - Das Spiel [PS3 , looki.de]

Gesamtwertung

68%/10

Grafik

Gut

Sound

Sehr gut

Lanzeitspaß

Befriedigend

Spieleinstieg

Sehr gut

Bedienung

Gut

Lost - Das Spiel

Fans von LOST werden dieser Tage geradezu mit guten Nachrichten überschüttet. Nicht nur, dass eine fünfte und sechste Staffel der Erfolgsserie angekündigt wurde, auch der Autorenstreik in den USA fand ein Ende, wodurch endlich neue Folgen produziert werden können. Zu guter Letzt bereichert nun auch noch das offizielle Spiel namens Lost: Via Domus das Fanherz. Und dabei scheint es sich nicht um eine lieblose Versoftung zu handeln, sondern um einen Titel, der nicht nur durch unglaubliche grafische Authentizität, sondern auch durch ein fassettenreiches Gameplay zu überzeugen weiß.

Atmosphäre ist alles

Wie man sich vorstellen kann, ist vor allem die Atmosphäre, die Via Domus ausstrahlen sollte, wichtig, um sich auch in einem Videospiel in die packende und mitreißende Geschichte der Überlebenden des Unglücksfliegers Oceanic Flight 815 hinein versetzen zu können. Anfangs wird der Spieler auch tatsächlich von der Wucht der Bilder übermannt.

Wenn man Jack dabei zu sehen muss, wie das Flugzeug genau vor seinen Augen auseinander bricht und er, gekettet an seinen Sessel, hilflos seinem Ende entgegen stürzt, nur um kurz vor dem Aufschlag eine Abblende ins Gesicht geknallt zu bekommen und daraufhin das aus der Serie bekannte „LOST“ über den Bildschirm huscht, fühlt man sich sofort wieder ins Szenario gezogen. Doch nicht nur Serienkenner können der Geschichte des Spiels folgen. Die ersten beiden Staffeln werden recht detailgetreu nach erzählt. Dazu kommt dann noch die Story des Protagonisten, den man übrigens extra für den Titel in das Gesamtkonzept eingewoben hat. Dabei wirkt der Held nicht besonders heroisch, sondern eher etwas verloren, wodurch er aber die hoffnungslose Atmosphäre, die sich durch das ganze Spiel zieht, perfekt wieder spiegeln kann. Zwar ist der Grundgedanke, dass er sein Gedächtnis durch den Absturz verloren hat und dieses nun wiedererlangen muss, sagen wir mal vorsichtig, nicht gerade neu, passt aber immerhin gut zu dem Szenario.

Glücklicherweise sind auch auf der Insel finstere Gestalten hinter ihm her, so dass das Ganze etwas authentischer und vor allem spannender daher kommt. Leider präsentiert sich der eigentliche Spielablauf allerdings als echter Atmosphärenkiller. Viel zu lang gezogene Rätselpassagen, bei denen das Gefühl aufkommt, dass die Entwickler bestimmte Gegenstände extra an fast unentdeckbaren Stellen platziert haben, um die Spielzeit künstlich in die Länge zu ziehen, wechseln sich da mit eher schwachen Actionsequenzen ab. Ansonsten bietet der Titel leider wenig Abwechslung, vor allem für Serienfremde.

Alle anderen werden sich aber auch nur kurzweilig daran erfreuen können, mit den bekannten Charakteren zu plaudern. Denn erstens sind diese recht wortkarg und zweitens erzählen sie meist belanglose Dinge. Dabei muss man bei jeder neuen Aufgabe, die übrigens in einem Büchlein jederzeit nachlesbar ist, auch wenn strittig ist, woher der Held ein Tagebuch auftreiben konnte, eigentlich mit allen Anwesenden sprechen.

Dieser Part des Spiels erinnert sehr an klassische 3D-Adventures. Leider ohne deren Witz oder Intensität. Allein die erste Szene des Spiels ist dafür schon bezeichnend genug. Der Held erwacht und findet sich auf dem Trümmerfeld wieder.

Da brennt mal hier ein Teil und dort raucht es aus einem. Wirklich Betrieb am Strand ist aber nicht. Lediglich vier Charaktere warten darauf, dass wir mit ihnen kommunizieren. Wir können weder in den angrenzenden Wald, noch ins Meer hinaus. In engen Grenzen versuchen wir erst unsere Aufgabe zu erfahren und diese dann zu lösen. In dem Falle müssen wir den Treibstoff aus einem angeschlagenen Tank in einen anderen umleiten, um eine Explosion des Wracks zu verhindern. Neben der gewöhnungsbedürftigen Steuerung fällt uns vor allem auf, dass das Flugzeug auch in zehn Stunden nicht explodieren würde. Dass das nicht besonders spannend ist, dürfte klar sein. Dieses Beispiel steht stellvertretend für so gut wie alle Missionen. Eigentlich kommt die verwirrende Atmosphäre der Serie lediglich in den Zwischensequenzen zum Tragen.

Du machst mir keine Angst!

Immerhin fühlt man sich die ganze Zeit über, wie bereits erwähnt, verloren. Trotzdem wäre ein wenig mehr Herzrasen schön gewesen. So ist etwa das Weglaufen vor dem ominösen Schattenmonster eher langweilig, als angsteinflößend, da man sich immer nur in dafür vorgesehenen kleinen Lichtungen verstecken muss. Im Großen und Ganzen eilt man also durch die Story,plaudert dabei hier und da mal mit Kate und Sawyer, quält sich durch lange Rätsel und schlecht inszenierte Actioneinlagen. Und wird dabei am Ende jedes der sieben Kapitel mit netten Zwischensequenzen und einer fernsehreifen Präsentation, die das Game ansonsten leider nicht vorzuweisen hat, entlohnt. Kleine Features, wie etwa jenes, dass e erlaubt gefundene Gegenstände, wie Wasserflaschen oder Kokusnüsse im späteren Verlauf gegen wichtige Items tauschen und mit den Charakteren handeln zu können, können das abwechslungslose Gesamtdesign leider nicht wirklich aufpeppen.

Auch das Minispiel, dass die Flashbacks der Serie ersetzt, ist eher nervig, als spaßig. Einem wird dabei eine Sequenz vorgespielt, die sich solange wiederholt, bis man die Aufgabe gelöst hat. Das Ziel ist ein zuvor gezeigtes Foto zu schießen, wobei man aber auch auf Schärfe und Blickwinkel achten muss. Das stellt sich jedoch als ziemlich schwer heraus, so dass man damit auch schon mal eine halbe Stunde verbringen kann, bevor einem ein Glücksschuss gelingt. Dabei hätte man durchaus eine Menge mehr aus dem einseitigen Gameplay herausholen können, denn die grafische Seite des Titels präsentiert sich fast schon optimal.

Sowohl der dichte Dschungel, als auch die schönen Wasseranimationen wissen zu gefallen und wirken äußerst realistisch und bedrohlich. Die bekannten Charaktere sehen ihren realen Vorbildern verblüffend ähnlich und wurden glücklicherweise auch durch die Originalsprecher vertont. Dennoch fehlt leider der Blick fürs Details. So kommen manche Schauplätze etwas sehr trist daher und wirken verlassen. Die Mimik der Protagonisten lässt zu wünschen übrig und der Held stellt seine Fragen nicht einmal selbst. Man wählt quasi nur die Frage aus und erhält sofort die Antwort darauf. Das trägt der Atmosphäre nicht gerade zu. Lost präsentiert sich technisch also zwiespältig. Zum einen sieht es an sich wundervoll und umwerfend aus, zum anderen wirkt es unfertig und liederlich dahergeschludert. Musikalisch stimmt hingegen alles. Der gute Score der Fernsehserie findet auch bei Via Domus Verwendung und weiß die eher unspektakulären Szenen dramatisch zu untermalen.

Fazit

Lost: Via Domus verschenkt soviel Potenzial, dass es beinahe weh tut, darüber zu schreiben. Zwar wirkt anfangs alles unglaublich authentisch und man genießt das Inselflair, wie auch die Anwesenheit der bekannten Charaktere. Schon nach einigen Minuten aber fallen die ersten Versäumnisse auf und man beginnt sich über schlechtes Leveldesign und fehlenden Detailreichtum zu ärgern. Selbst die grandiose musikalische Kulisse und die 'Prachtengine' schaffen es letztlich nicht das flache Gameplay und die schwammige Steuerung vergessen zu lassen. Insofern dürfen Fans der Serie zwar gern zugreifen, Bewegungsfreiheit und andere essentielle Dinge, wie Spannung und Nervenkitzel, werden aber auch sie missen.

Lost - Das Spiel [PS3 , looki.de]

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