Metal Gear Solid 4: Guns of the Patriots

Review
Plattform
PS3
Vertrieb
Konami
Entwickler
Konami
Erscheinungsdatum
-
Genre
Andere
USK
18
Metal Gear Solid 4: Guns of the Patriots [PS3 , looki.de]

Gesamtwertung

91%/10

Grafik

Gut

Sound

Sehr gut

Lanzeitspaß

Sehr gut

Spieleinstieg

Gut

Bedienung

Sehr gut

Metal Gear Solid 4: Guns of the Patriots

Etwas mehr als drei Jahre sind vergangen, seit Konami und Kojima Productions den dritten Teil der Metal Gear Solid Saga für die PlayStation 2 veröffentlichten. In dieser Zeit erschien nicht nur die PlayStation 3 und somit eine neue Möglichkeit, die Serie so voran zu bringen, wie sie es nötig hatte, sondern fiel auch der Entschluss vom Meister persönlich die Reihe mit Metal Gear Solid 4 enden zu lassen.

Das Ende aller Enden?

Nachdem Snake Eater im kalten Krieg spielte und mehr Fragen aufwarf, als beantwortete, fragte sich die Fangemeinde gespannt, wie Kojima die wirren Handlungsfäden in nur einem Teil zusammen spinnen wolle. Doch auf das Versprechen, dass das Ende der Saga gleichbedeutend mit der Aufklärung aller vorhandenen Fragen einher geht, ließ nicht lange auf sich warten.

Dazu gabs einige phänomenale Trailer, die Metal Gear Solid 4 zu einem der ambitioniertesten Spiele dieses Jahres, wenn nicht sogar dieses Jahrzehnts aufsteigen ließen. Dabei sorgte Konami dafür, dass im Vorfeld nicht etwa einiges von der Geschichte geklärt wurde, sondern dass sich zu den tausend offenen Fragen weitere hinzugesellten. Warum bitte ist Snake so dermaßen gealtert, obwohl seit Teil 2 nur wenig Zeit vergangen ist.

Wie kann es sein, dass sich die Welt von Metal Gear Solid so drastisch verändert hat und wie zum Teufel sollte gerade das scheinbar ausgelutschte Setting des Nahen Ostens einen würdigen Schauplatz für das Ende der Legende darstellen? Nach einer der limitiertesten Werbeaktionen aller Zeiten, lässt Konami nun endlich die Katze aus dem Sack und das nicht vor dem eigentlichen Release des Spiels. Ob Metal Gear Solid 4 letztlich so dermaßen genial daherkommt, wie seine Vorgänger und die Reihe an sich nochmal revolutionieren kann, wie Kojima es versprochen hat, versuchen wir in unserem Test zu klären.

Zumindest was die wieder einmal wirre und doch unglaublich mitreißende Geschichte des vierten Teils angeht, hat man uns nicht zu viel versprochen. Veteranen der Saga werden zu Tränen gerührt, sei es durch monumentale Kämpfe zwischen einstmaligen Freunden und lieb gewonnenen Charaktere, durch Anspielungen auf frühere Teile oder einfach die Tragik des neuen Plots, der so philosophisch wie eh und je daher kommt und dabei die Vergänglichkeit des Lebens derart krass inszeniert, dass sie, obwohl in Phrasen und Ironie gepackt, selbst den Dümmsten nicht unberührt lassen kann. Immer wieder trifft Old Snake auf alte Bekannte aus allen drei Vorgängern, selbst die Bosse erinnern stark, an ehemalige Feinde.

Eine trübe Hoffnungslosigkeit zieht sich durch das ganze Spiel, die durch stark inszenierte Cutszenen, deren Inhalt teilweise dramatischer, als die Regieführung ist, auf die unvermeidliche Spitze getrieben wird. Dabei kann man nicht einmal sagen, dass alles ganz harmlos beginnt.

Snake. Die Legende. Verkommen, gealtert und ausgelaugt steht er an genau demselben Grab, an dem er bereits vor über 40 Jahren weilte. Noch immer jagt in die Vergangenheit, doch die Zukunft hat ihn längst eingeholt. Das unerbitterliche FOXDIE-Virus hat sich seiner angenommen und beschleunigt seinen Alterungsprozess so drastisch, dass ihm nach Aussage seines Vertrauten Otacon nur etwas mehr als ein Jahr bleibt.

Das Spiel beginnt wirklich, als Snake diesen einen Satz sagt, der uns alle, die Metal Gear Solid so wachsam verfolgt haben, direkt wieder seine Einzigartigkeit vor Augen hält: 'Its not an ordinary sickness. Well, I'm not an odinary man.' Sofort sitzt man wieder wie gespannt vor der Mattscheibe und lauscht den Worten des Meisters. Wir wollen nicht spoilern, weswegen wir nicht viel mehr von der persönlichen Geschichte verraten.

Nur so viel. Snake wird von einem alten Bekannten per Hubschrauber abgeholt und trotz seines hohen Alters auf eine letzte Mission geschickt. Warum? Weil man IHN endlich gefunden hat und nur Snake die Möglichkeiten und Fähigkeiten besitzt, IHN zur Strecke zu bringen.

3 Tage später

Old Snake blickt direkt in die Sonne. Ein letztes Mal genießt er die Ruhe und das Leben. Dann hat er nur noch eins im Sinn: Rache. Wir haben das Pad in der Hand und auch nur eins im Sinn: Ihm zu seiner Rache zu verhelfen und ganz nebenbei auch noch die Geschichte en detail erklärt zu bekommen. Wir befinden uns mitten in einem Kriegsgebiet. Die Welt wird durch gigantische Firmen beherrscht, die ihr Geld vor allem mit Völkermord verdienen. In einer Zeit, in der alles kontrolliert wird, sowohl die Menschen, wie auch die Waffen und das Schlachtfeld, in einer Zeit, in der es keinen eigenen Willen mehr gibt und der Umsatz an den Todeszahlen gemessen wird, versucht ein Einzelner, einer der Wenigen die noch alleine denken können, nichts zu verändern, sondern lediglich seine Mission zu erfüllen.

Das Problem dabei ist, dass er es auf einen der großen Führer abgesehen hat. Doch eine Mission ist eine Mission, egal, ob Snake dafür zum Mond laufen muss. Er wird sie erfüllen. Und wir sind dabei. Langsam setzen wir uns in Bewegung. Wie es sich gehört haben wir den schwersten Schwierigkeitsgrad gewählt. Auch wenn Kojima uns erzählen will, dass Metal Gear Solid 4 vermehrt auf Action setzt, wählen wir doch lieber die Stealth-Variante. Die wurde, wie um den Spieler zum spektakulären Zocken zu ermutigen recht schwierig gestaltet. Es ist manchmal tatsächlich einfacher, sich auf die Seite der Rebellen zu schlagen, die übrigens gegen die Regierungstruppen, auch unsere Feinde, kämpfen und drauf los zu ballern. Um von den Rebellen aber anerkannt und nicht auch beschossen zu werden, sollte man sie weder angreifen, noch sich einfach dazu stellen. Wer seine Loyalität im Kampf beweist, wird dafür auch mit Unterstützung belohnt. Nach einem kurzen, eher dürftigen Tutorial begeben wir uns auf die Suche nach unserem ersten Missionsziel.

Es ist heiß, die Landschaft karg. Überall zerbombte Gebäude. Ideale Versteckte, das stimmt, aber nicht wirklich schön anzusehen. Wir legen uns auf den Boden, lassen den neuartigen Tarnanzug seine Arbeit tun. Durch ihn ist es uns durchweg möglich, die Farbe und Struktur des Terrains anzunehmen, so dass man uns vor allem während Gefechten gern einmal übersieht.

Wir robben langsam los, den ersten Hauseingang im Visier. Plötzlich beginnt neben uns eine Schlacht. Rebellen treffen auf schwer bewaffnete Regierungstruppen. Wir schleichen uns unbemerkt vorbei, gelangen ins schützende Haus und gehen den Weg um den Kampf herum. Wir hätten uns auch unsere AK schnappen und munter mit feuern können, bis die Regierungssoldaten uns entweder erlegt oder wir sie vernichtet hätten. Aber mal ehrlich, wir sind hier nicht bei Call of Duty. Wir spähen um die nächste Ecke und erkennen einen Regierungssoldat, der patrouilliert. Gemütlich warten wir ab, bis er uns den Rücken zudreht und schleichen ihm dann auf leisen Sohlen hinterher.

Dabei müssen wir darauf achten, dass wir den Analogstick nicht zu weit nach vorn bewegen, da Snake sich sonst zu schnell und vor allem zu laut an ihn heranpirschen würde. Leise ziehen wir die AK. 'Freeze.' Der Soldat lässt erschrocken die Waffe fallen, dreht sich um. Wir durchsuchen ihn, nehmen seine Waffe und schicken ihn mit einem gekonnten Schlag ins Traumland.

Seine Waffen können wir leider nicht benutzen, da sie, wie alles in der Welt von Metal Gear Solid 4 überwacht und kontrolliert werden. Erst im späteren Spielverlauf stoßen wir auf sogenannte Drebin, Waffendealer, die uns gewaschene Knarren anbieten und unsere limitierten kaufen. Dafür gibt’s Punkte, die wir wiederum in neue Todbringer oder Munition stecken. Leider hat man eigentlich immer genug Punkte im Peto, so dass der Schusswaffengebrauch nicht taktisch eingegrenzt werden muss. Wir gehen weiter unseren Weg. Und sehen uns um. Leider einen Moment zu lange. Denn einer der Regierungskämpfer bog gerade um die Ecke, wohl gemerkt, etwa 100 Meter vor uns, und hat uns schon ins Visier genommen. Alarm bricht aus.

Der Altbekannte. Doch wir brauchen uns nicht lange fragen, wohin. In der Welt von Metal Gear Solid 4 kann man sich so gut, wie überall verstecken. In Mülltonnen, in Schränken, sogar einfach auf dem Boden in einem schattigen Plätzchen. Der Tarnanzug tut den Rest. Nur leider nicht im harten Modus. Hat euch einmal ein Gegner entdeckt, wird es ohne Unterstützung richtig schwer. Die Feinde schauen wirklich überall nach. Und wenn sie euch erst einmal haben, sind Kopfschüsse an der Tagesordnung. So muss das sein.

Dadurch werden aber die glasklaren KI-Fehler, die man in den anderen Schwierigkeitsstufen zu sehen bekommt, übertüncht. Da kann es nämlich durchaus mal vorkommen, dass ein Soldat genau vor euch steht und nicht trifft oder sogar gar nicht erst schießt. Andererseits gibt euch ein zweihundert Meter entfernter Feind direkt einen Headshot. Diese Fehler sind aber eher die Ausnahme. Wie dem auch sei, wir überleben den Alarm. Ein Blick auf den Kreis, der uns immer umgibt, verrät, wo wir weitere Feinde zu erwarten haben. Wir nehmen einen anderen Weg und kommen ungesehen an. Um uns herum herrscht sowieso Chaos.

Ständig fliegen irgendwelche Trümmer in die Luft, Menschen schreien und sterben. Wir fühlen uns eingebettet. Da stört auch die weniger gelungene grafische Seite wenig. Da gibt es nämlich öfter Texturen, die wie aus dem Mülleimer anmuten. Richtig hässliche Stellen wechseln sich mit hervorragenden Settings ab. Insgesamt wirkt die Umgebung jedoch etwas trist, wenn auch durchaus belebt. Und die Entschuldigung Kojimas, die beinhaltet, dass die PS3 nicht mehr hergibt, ist unbegründet. Da hätte mehr Entwicklungszeit hinein gesteckt werden müssen, so einfach ist das. Nichts zu meckern gibt es hingegen bei den unendlich schönen Zwischensequenzen, die ein Grafikpracht und einen choreographischen Stil auf die Mattscheibe bannen, wie man es noch nie in einem Videospiel zu sehen bekam. Da stört es auch nur wenig, dass die Längste mit rund 90 Minuten länger geht, als Ice Age.

Zwar wird hier und da etwas philosophiert, mit sich selbst gesprochen, im Großen und Ganzen aber wird vor allem eins getan: Die Story voran gebracht und vieles, wenn auch nicht alles aufgeklärt. Und wenn sich immer mal wieder Giganten der Serie treffen, wie etwa Raiden und Vamp, um sich bis zum Ende in bis zum letzten durchgestylten Kampfszenen zu beharken, geht dem Spieler das Herz auf.

Mal ganz von den extrem dramatischen Szenen vom Schicksal Snakes abgesehen, die vielen eine Träne ins Augen treiben werden. Hier hat Konami ganze Arbeit geleistet. Dafür aber leider etwas das Gameplay vergessen. Das ist zwar noch immer sehr gut, an Innovationen mangelt es aber. Kleinere Details wurden verbessert, so kann man nun noch besser schleichen, noch besser zielen und hat vor allem die Auswahl zwischen mehr Wegen und mehr Methoden, aber revolutionär ist das Ganze nicht. Und wer ein Meisterwerk schaffen will, das niemals jemand vergessen wird, der sollte nicht nur die genialste Geschichte zu Ende führen, sondern auch für non-stop Innovationen im Gameplay sorgen. Das ist leider nicht gelungen, auch wenn neue Gimmicks, wie das Rollen in einer Tonne Spaß machen. Immerhin wurden die Gespräche per Funk deutlich eingeschränkt, was den Spielfluss erleichtert.

Eine 3D-Karte ist jederzeit einblendbar und der kleine Mk. II. ist das Geld allein schon wert. Der kleine Roboter besorgt euch nicht nur die Waffen vom Händler, sondern kann für euch auch die Orte ausspähen, sowie Gegner per Stromschlag erledigen. Knuffig ist er außerdem. Ebenfalls genial inszeniert sind einmal mehr die Bosskämpfe, die aber leider nicht gerade herausfordernd ausgefallen sind. Taktische Kniffe, wie früher, benötigt man nun nur noch selten, dafür wird man aber durch die Wucht der Bilder mitgerissen. Trotzdem fehlt es dem Ganzen dadurch ein ganz klein wenig an Charme. Musikalisch sorgt erneut Williams für das Hörvergnügen. Leider bietet er dieses Mal keinen Soundtrack der unvergesslichen Art, sondern durchweg nur gute Kost. Hingegen sind die Synchronsprecher einmal mehr das I-Tüpfelchen. Man könnte sich stundenlang in ihren Reden vertiefen. Wann bekommt der Sprecher von Snake eigentlich endlich einen Oskar? Wie gewohnt sind auch die Soundeffekte auf hohem Niveau und sorgen zusammen mit der restlichen technischen Seite für die nötige Atmosphäre.

Fazit

Yeah! Nach drei langen Jahren Wartezeit auf die Fortsetzung muss ich eingestehen, dass sich das Ausharren gelohnt hat und meine hohen Erwartungen nicht enttäuscht wurden. Snakes letzte Sneaking-Mission überzeugt auf gesamter Länge, bietet gerade Kennern der Serie eine Vielzahl an Deja Vu´s und wartet mit einem emotionsgeladenen Finale auf, das so ziemlich alle Fragen aufklärt. Das Einzige, was mich an MGS4 etwas gestört hat, sind die ausufernden Zwischensequenzen, die manchmal schon bis zu einer halben Stunde andauern können. Diese sind zwar sehr hübsch in Szene gesetzt und auch der kinoreife Soundtrack von Harry Gregson Williams überzeugt erneut, trotzdem empfand ich es teilweise schon störend, derart lang aus dem eigentlichen Spielgeschehen rausgezogen zu werden. Für mich ist Metal Gear Solid 4: Guns of the Patriots - um es in einem Satz auszudrücken - ganz klar Hideo Kojimas bester Teil der Serie und hat sich einen Platz, in der Liste der besten Spiele aller Zeiten, redlich verdient.

Metal Gear Solid 4: Guns of the Patriots [PS3 , looki.de]

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