Gesamtwertung87 %/10 |
Grafik9 Sound7 |
Lanzeitspaß9 Spieleinstieg10 |
Bedienung9 |
Endlich konnten wir auch den Onlinemodus des neusten Pro Evolution Soccer-Ablegers in Augenschein nehmen. Aus dem einstigen zu 95% fertigen Test wurde nun also ein Vollwertiger, der nur darauf wartet, von euch gelesen zu werden.
FIFA 10 ist unglaublich gut. Vielleicht so gut, dass Konamis Fussballsimulation dieses Jahr, zumindest wenn sich die Verbesserungen in argen Grenzen halten sollten, erstmals den Anschluss verlieren könnte. Und das nach Jahren der Vorherrschaft, während FIFA-Spieler nicht selten schief von der Seite angesehen wurden und Pro Evolution Soccer nicht nur das realistischere, sondern auch sympathischere Fussballspiel war.
Doch irgendwann wollte Konami auch den kommerziellen Erfolg und die einstig schwer zu erlernende Simulation kam plötzlich aufgeweicht daher, jedes Jahr durchaus gut, aber auf der Suche nach einem eindeutigen Weg.
Im Jahr 2008 kam es fast zur Zerreißprobe, als der aktuelle Ableger mal wieder nicht den Erwartungen entsprach.
Konami schien noch immer nicht zu wissen, welche Zielgruppe nun primär angesprochen werden sollte und ausstehende Dinge, wie Lizenzzukäufe und ein verbesserter Onlinemodus blieben auf der Strecke. Von der völlig veralteten Meisterliga ganz zu schweigen. Pro Evolution Soccer 2010 jedoch soll nun alles besser machen. Die Entwicklung stand angeblich im Zeichen der Community, man sei dieses Jahr vor allem auf die Wünsche und die Kritik der Fans eingegangen.
Das Erste was jedem Käufer ins Auge springen wird, ist das neue, modernere, aber auch etwas unübersichtlichere Menü. Das Zweite wird die Erkenntnis sein, dass sich in Sachen Modi eigentlich nichts verändert hat. Einzig der Punkt "Community" ist neu. Und der hat es auch in sich, bietet er euch doch die Möglichkeit, eure Freunde um euch zu scharen und mit ihnen Online-Turniere auszutragen.
Die Meisterliga wurde wiederum einer auffallenden und längst überfälligen Schönheitskur unterzogen. Sie präsentiert sich nun nicht nur hübscher, moderner und gefälliger, sondern auch in logischer Weise überarbeitet. So hantiert ihr nun erstmals mit richtigem Geld.
Siege bringen die benötigten Kohlen eher selten ins Haus, dafür werfen Sponsorenverträge und Zuschauer ordentlich was ab. Zumindest dann, wenn man sich einen Namen gemacht hat. Zudem kann man seine Jugendteams unterstützen und auf erfolgreichen und gleichzeitig billigen Nachwuchs hoffen.
Das Ganze präsentiert sich tiefgreifender und auch spaßiger als bei FIFA 10, hat aber den entscheidenden Nachteil, den jedes Pro Evolution Soccer gegenüber dem Konkurrenten aus dem Hause EA zu tragen hat: Die wenigen Lizenzen sind einfach eine Katastrophe. Und das ist auch dieses Jahr wieder der Fall. Neben der niederländischen, spanischen und französischen Liga, die alle drei komplett lizenziert sind, geben sich wie jedes Jahr auch noch einige original getreu nachgebildete englische Mannschaften die Ehre. Auch die Nationalmannschaften, allen voran endlich auch die Deutsche, wissen überwiegend durch Lizenzen zu glänzen.
Dann hört es aber auch schon auf. Und langsam dürften viele Spieler auch am Ende ihres Geduldsfadens angelangt sein. Denn das es wieder einmal kein einziger Bundesliga-Verein auf den Datenträger geschafft hat, ist geradezu eine Farce.
Konami wirbt mit der UEFA Champions League. Schön und gut, doch was nützt der Name, wenn sich dahinter lediglich eine in Sachen Präsentation aufgepeppte Pokalvariante mit gerade einmal 17 Teams, die auch in der Realität an der CL teilnehmen, verbirgt? Da darf man schon fast von Werbebetrug sprechen. Gleiches gilt übrigens für die neue UEFA Europa League. Die ist nicht mal als einzelner Spielmodus ausgewiesen und stellt eher ein neues Feature der Meisterliga dar. Wenigstens in Sachen Umfang scheint es ja an nichts zu fehlen. Neben dem Managermodus darf man auch als Einzelkämpfer mit einem eigens dafür kreierten Fussballtalent versuchen der nächste Ronaldo am Fussballhimmel zu werden. Obligatorische Modi, wie das Freundschaftsspiel, die Saison und so weiter haben es natürlich ebenfalls wieder ins Spiel geschafft.
Wenn man all das eigentlich Belanglose, zumindest wenn es zu dem kommt, was wirklich zählt, nämlich das Geschehen auf dem Platz, bei Seite lässt, dann bietet Pro Evolution Soccer 2010 jedem Fussballfan ganz einfach die realistischste, ausgefeilteste und beste Simulation eines Fussballspiels, die es bis zum heutigen Tage zu bestaunen gibt. Auch wenn man die Änderungen am Gameplay meist erst auf den zweiten Blick sieht, so wird man sie doch niemals übersehen. Die Animationen der Spieler und die Bewegungsabläufe wurden zu Hunderten verbessert und tragen zu dem reibungslosen Spielfluss bei, der das virtuelle Kicken fast zu etwas besonders Ästhetischen heranreifen lässt. Es scheint alles runder und verbessert: Die Abwehr steht noch einen Tick enger und auf Grund der hervorragenden und realistischen Stellung zum Ball werden riskante Pässe auch eher abgefangen. Einfaches Freilaufen und Durchspielen gestaltet sich nun fast unmöglich.
Hinzu kommt, dass die einzelnen Spieler sich nicht mehr so stark von einander unterscheiden, so dass etwa ein Rooney nicht mehr allen davon rennen kann und somit Tore verhindert werden, bei denen nur Schnelligkeit und keinerlei Spielverständnis erforderlich ist. Man muss sich also endlich mal wieder einige Gedanken machen, um zum Tor-Erfolg zu kommen. Auf Grund der neuen Möglichkeit den Torhüter manuell steuern zu können, wird das, bei einem geübten Spieler, trotz spielerischer Übersicht, mehr als schwierig. Mit ein wenig Erfahrung kann man die Leistung des Torhüters durch eigenes Eingreifen nämlich deutlich steigern. Ansonsten haben die Goalis auch dieses Mal wieder ihre Aussetzer, aber mein Gott, das ist Fussball.
Die Schiris hingegen pfeifen durchweg akkurat und verstehen ihr Handwerk. Sinnlose rote Karten braucht ihr also nur noch in den seltensten Fällen fürchten. Schüsse kommen viel kraftvoller daher, man meint sie ab und zu fast sogar fühlen zu können, wenn einer eurer Stürmer nach einem kräftigen Druck auf die Viereck- bzw. X-Taste zum gewaltigen Faden ansetzt.
Insgesamt wirkt auch die Flugbahn realistischer und knapp am Netz vorbei segelnde Geschosse sorgen für viel Spannung. Das gilt überhaupt für den ganzen Spielablauf. Selbst der Computer weiß durch eine verbesserte KI für spaßiges Spiel zu sorgen.
So spielt er auf den höheren Schwierigkeitsgraden durchweg intelligent, überwältigt euch ab und zu durch perfektes Kurzpassspiel und fordert so selbst Profis heraus. Befindet man sich selbst im Angriff geht fast nichts im Eins gegen Eins. Viel mehr muss man seine Spielzüge durch kluges Kurzpassspiel durch die Mitte oder längere Bälle über die Außen definieren. Gelegenheitsspieler bekommen mit klügeren Mitspielern mächtige Werkzeuge in die Hand. Die Jungs laufen sich gut frei, kommen dem Ball entgegen und blocken auch schon mal den Weg eines Verteidigers, um euch freie Bahn zu gewährleisten. Dabei gilt: Man kann all das auch allein steuern und managen, muss man aber nicht.
Genau diesem Grundsatz bleibt Konami auch bei den Neuerungen im Taktikbereich treu. Wer will, kann selbst die Einwechselungen vom CPU-gesteuerten Co-Trainer vornehmen lassen. Im Gegensatz dazu steht die Möglichkeit, sein Teams von Hand bis ins letzte Details nach eigenen Wünschen zu "deformieren". Laufwege bestimmen? Kein Problem. Besondere Spieler immer anspielen, wenn es geht? Wird gemacht. Und so weiter und so fort. In Sachen taktischer Tiefe sieht FIFA 10 gegenüber Pro Evolution Soccer 2010 genau wie beim Gameplay alt aus. Und das obwohl es eine ganze Menge bietet.
Man mag es kaum glauben, aber fast alles, was wir vom neuen Pro Evolution Soccer-Ableger gesehen haben, hat uns beeindruckt und als aufrichtige Fussballfans sogar das ein oder andere Mal bewegt. Der Spielablauf ist realistischer als je zuvor, die vielen Neuerungen in Sachen Präsentation, Animationen, Grafik und den taktischen Möglichkeiten machen der Serie nicht nur alle Ehre, der Titel spielt sich auf dem virtuellen Rasen zudem einfach "gefühlsecht". Hinzu kommt, dass die einstig einschläfernde Meisterliga nun völlig überarbeitet daherkommt und für mehr Motivation und Spielspaß sorgt. Durch die realistischere Herangehensweise an den Managermodus läuft dieser seinem direkten Konkurrenten aus FIFA 10 sogar den Rang ab. Das tolle Spiel von Electronic Arts muss sich überhaupt in einigen Belangen geschlagen geben. Eine große Ausnahme stellen aber mal wieder die Lizenzen dar. Diese sind bei PES 2010 noch immer viel zu wenige.
Nachdem wir uns nun auch den Onlinemodus zur Brust nehmen konnten, präsentieren wir euch die endgültige Wertung für das diesjährige Pro Evolution Soccer. Trotz lagfreiem Onlineplays schafft es Konamis Schwergewicht dieses Jahr nicht in die Wertungsregionen von FIFA 10. Das liegt vor allem daran, dass wir noch immer die wichtigsten Lizenzen vermissen und zum anderen an den zwar verbesserten, aber dennoch angestaubten Spielmodi. Ansonsten aber bietet PES 2010 ganz einfach das realistischere Spielgefühl, insofern vergesst die vergangenen Jahre: Der realistischere und spaßigere Fussball kommt wieder aus Japan! Dabei sei aber gesagt, dass FIFA 10 den Vergleich in den Gameplay-Bereichen nur knapp, aber letztlich insgesamt auf sehr hohem Niveau verliert.
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Pro Evolution Soccer 2010 im Test.
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