Gesamtwertung81%/10 |
GrafikGut SoundGut |
LanzeitspaßGut SpieleinstiegGut |
BedienungGut |
Als eine der Rennspielmarken schlechthin, zieht die Ridge Racer-Reihe vor allem Japaner in ihren Bann. Geschätzte vier Fünftel der Einträge in den Online-Highscores von Ridge Racer 7 machen Spieler mit Flagge aus Fernost aus. Doch das soll für Europäer kein Grund sein, keinen Blick auf Namcos neuen Renner zu werfen.
Zwei Dinge bestimmen die Rennen Ridge Racers maßgeblich: Das Driften, mit dem selbst engste Kurven beinah im 90°-Winkel zum Fahrbahnrand genommen werden, und der Nitro-Boost, der die Fahrzeuge kurzzeitig deutlich beschleunigt und in der Regel nur durchs Driften aufgeladen wird. Auf dem Papier simpel, ist das Driften im Rennen für Anfänger nicht einfach: Mit Vollgas in die Kurve, Gas wegnehmen, einlenken und wieder Vollgas geben so wird ein Drift begonnen. Entscheidend sind dabei viele Dinge, mit denen sich Profis von Frischlingen unterscheiden.
Steiler Zahn
Utopisch und frei erfunden, sind die Fahrzeuge der fiktiven Autohersteller SOLDAT, GNADE oder KAMATA doch schon fast Lizenzprodukte. Es sind nämlich immer die gleichen Modelle, die sich in den neueren Ausgaben der Ridge Racer Reihe von Spiel zu Spiel schieben. Ebenso bekannt sind die Kategorien, denen die Fahrzeuge zugeordnet werden: Kategorie 4 beherbergt die lahmen Schlitten mit Höchstgeschwindigkeiten bis 252 km/h, Kategorie 1 die schnelleren Kisten mit bis zu 340 km/h. Im Auslieferungszustand, wohlgemerkt. Denn bisher vom Tuning-Wahn verschont, geht es den Fahrzeugen nun in der neuen Fahrzeugkonfiguration an Spoiler und Schürze. Weder besonders groß, noch besonders teuer ist die Auswahl an Spoilern, Aufklebern und Motor- sowie Drift-Upgrades. Gerade für letztere hat man schnell Credits beisammen, muss aber auf die Kauffreigabe einer neuen Ausbaustufe warten. Abhängig ist diese vom Verhältnis zum Hersteller. Das bessert sich mit jedem gewonnen Rennen, das man mit einem Auto der jeweiligen Marke bestritten hat. Bevor man aber überhaupt eines einer Marke kaufen kann, muss pro Hersteller ein Testrennen gewonnen werden. Denn ist man überhaupt würdig, einen KAMATA FIERA zu fahren? Eine weitere Währung ist das Ansehen, das mit jeder erfolgreich abgeschlossenen Rennveranstaltung steigt und den Weg für weitere Herausforderungen frei gibt.
Die größten Herausforderungen stellen dabei die Ridge State Grand Prixs dar, die über mehrere Rennen verlaufen. Im Wettkampf mit 8 oder 14 Konkurrenten erhalten die Erstplatzierten Punkte. Nach dem letzten Rennen addiert, gewinnt der Punktereichste. Ein ganz gewöhnliches Prinzip.
Langsam, stetig und nicht einfach
Alte Hasen bestreiten den ersten Schwung Rennen ohne Anstrengungen, Neueinsteiger haben es hingegen schwer. Bis man sich auf dem Parkett schneller Drifts und enger Kurven sicher bewegt, verstreichen einige Versuche. Hat man Zugang zum ungewöhnlichen Fahrstil gefunden, gewöhnt Ridge Racer 7 mit angenehmer Lernkurve an spätere und wesentlich schwierigere CPU-Fahrer. Gegner mit aktiviertem Nitro können beispielsweise zunächst noch ohne Boost überholt werden, erhalten erst später einen deutlichen Geschwindigkeitsvorteil. Viele Fehler sollte man in späteren Rennen aber nicht machen. Denn auch als Führender mit etwas Abstand ist man schnell eingeholt, kracht man ungünstig gegen der Fahrbahnrand. Weil der Großteil der CPU-Gegner auf einem Haufen fährt, ist Überholen nicht einfach. Ein wenig hilft, dass in den Grand Prix Serien das Ergebnis über die Startposition im nächsten Rennen entscheidet. Nur das erste Rennen eines Grand Prixs beginnt man auf jeden Fall aus hinterster Reihe.
Always on und Always Ultra
Großen Wert legt das Spiel auf die Online-Anbindung. Nicht in einem kleinen Mehrspielermodus, sondern gleich im Hauptmenü ist das Internet mehrfach vertreten. Interessant sind in erster Linie die Online-Rennen. Bis zu 14 Spieler können nur zum Spaß antreten oder in einer Ranglistenveranstaltung um Aufstieg oder Niederlage im globalen Highscore kämpfen. Diese Rangliste umfasste zum Testzeitpunkt knapp 38.000 Einträge. Um darin an die Spitze zu steigen, sind wohl unzählige Siege notwendig. Vielleicht gar noch mehr, kann man nicht durchweg den ersten Platz einfahren. Schließlich können schlechte Spieler ebenfalls absteigen. Maßeinheit für den Erfolg im globalen Wettbewerb sind die sogenannten OKPs, Online-Kampfpunkte. Neueinsteiger erhalten 1.000 OKPs zum Start, die Schlusslichter der Weltrangliste haben nur noch um die zehn.
Wertungsrennen sind gesittet, in freien Spielen tobt hingegen der Bär. So kann der Host nicht nur Strecke und Rundenzahl wählen, sondern beispielsweise unendlichen Nitro für ultraschnelle Rennen aktivieren. Einzel- und Mehrspielermodi kombiniert Ridge Racer 7 geschickt: So erhält man nach einer Mehrspielerveranstaltung Credits, Ansehen und Punte bei den Autofabrikanten, kann online außerdem die selbstgestalteten Karren verwenden. Mehrspielerrennen sind somit nicht nur Abwechslung, sondern eine richtige Alternative, um im Ridge State Grand Prix Modus weiter zu kommen.
Obwohl sich die Xbox 360 in Japan nur schleppend verkauft, waren die Highscores von Ridge Racer 6 voller japanischer Flaggen, also mit Ergebnissen überwiegend japanischer Spieler gefüllt. Das ist bei Ridge Racer 7 nicht anders. Bestimmt vier Fünftel aller Ridge Racer 7 Spieler sind Japaner. Klar, dass die Asiaten so auch in fast jedem Online-Rennen die Mehrheit stellen. Dass die Autos in den Mehrspielerrennen nicht nur ein paar Meter pro Sekunde auf der Strecke, sondern zugleich tausende Kilometer auf der Datenautobahn zurücklegen, sieht man. So flüssig wie CPU-Gegner bewegen sich menschliche Kontrahenten nicht. Aber der Spielfluß ist in Ordnung vorausgesetzt, alle Teilnehmer surfen und spielen über eine Breitbandleitung.
Mehrspieler per Splitscreen funktioniert nur in den Modi Arcade und Globus-Zeitrennen. Die Spielerzahl ist dabei auf zwei beschränkt, der Bildschirm horizontal geteilt. Beide Modi funktionieren ebenso allein. Besonders das Globus-Zeitrennen ist dabei interessant. Der einzige sichtbare Gegner ist darin die Zeit, die größte Freude hingegen ein neuer Rundenrekord. Dass man dabei doch gegen Tausend andere fährt, offenbart erst der Rang-Browser, der für jede Strecke eine Globus-Zeitrennen-Rangliste führt, mit der die eigenen Rundenrekorde gleich wieder relativiert werden. Es sei denn, man führt die Rangliste an.
Flimmerkiste
Ein dickes Minus beschert dem Spiel die fehlende Kantenglättung der PlayStation 3. Selbst Reifenspuren flimmern auf dem Asphalt. Von Linien und Leitungen am Streckenrand ganz zu schweigen. Ansonsten gefällt die Grafik, ist mit der von Ridge Racer 6 für Xbox 360 aber praktisch identisch.
Dass kein PlayStation 3-Spiel eine Steuerung mittels SIXAXIS-Sensoren vorschreibt oder als Standardsteuerung vorgibt, sorgt für Erheiterung. Ridge Racer 7 macht es da nicht anders.
Durch Neigen des Controllers kann man lenken, muss aber nicht. Und einmal ehrlich: Einen Gang hoch oder runter zu schalten, indem der Controller vom Körper weg bzw. zum Körper hin geführt wird, ist wirklich beknackt. Aber es funktioniert, mehr schlecht als recht.
Kommentare aus dem Off stören oft. Auch in Ridge Racer können sich zwei deutsche Stimmen ihrer Meinung nicht verwehren. Dabei zählt die Stimme der jungen Frau in meinen Ohren zu den niedlichsten der Videospielgeschichte. Deren männlichen Kollegen kann man leider nicht deaktivieren.
Futuristische Klänge schallen aus den Lautsprechern, spielt man den Ridge Racer 7 Soundtrack ab. Über 40 Tracks sind auf der CD 1 hinterlegt. Eine zweite, derzeit nicht wählbare Netz-CD lässt darauf schließen, dass es noch weitere Musikstücke zum Download geben soll.
Fest verankert
Ein Bisschen abgedreht, ein wenig beängstigend ist die Installationsfunktion des Spiels, die man nur zufällig im Optionsmenü entdeckt. Tatsächlich kann Ridge Racer 7 auf der eingebauten Festplatte installiert und auch wieder deinstalliert werden, um Lade- und somit auch Wartezeiten zu verkürzen. Rund zehn Minuten dauert der Installationsprozess, der über fünf GB freien Festplattenspeicher nimmt. Das Warten kann dabei mit dem alten Namco-Shooter Xevious aus dem Jahr 1982 spielerisch überbrückt werden. Ladebildschirme sind nach der Installation kaum noch zu sehen. So richtig lohnt sich das Feature aber nur für Fans, die Ridge Racer 7 nicht nur durch- sondern sehr regelmäßig spielen wollen. Denn das Spiel lädt auch ohne Installation recht schnell. Und die Spiel-Blu-Ray macht der Prozess natürlich ebenfalls nicht überflüssig, sollen illegale Kopien doch vermieden werden.
Unterschiede?
Ein gänzlich neues Ridge Racer ist Namcos PS3-Launch-Titel nicht. Das Grundgerüst aus Grafik, Fahrzeugen und Strecken ist mit Ridge Racer 6 identisch. Nur die Verpackung in Form von Spielaufbau- und ablauf sowie ein paar wenigen neuen Features änderte sich. Dabei ist das neue Menü keinesfalls besser als die ungewöhnliche Wabenstruktur von Ridge Racer 6. Vieles blinkt und vieles muss separat bestätigt werden. Besonders nach wichtigen Rennen werden viele kleine Benachrichtigungen zur Geduldsprobe.
Ich mag Ridge Racer 7, mochte schon Ridge Racer 6. Doch das Arcade-Spiel mit übertriebenen und künstlichen Drifts trifft in Europa und den USA die wenigsten Geschmäcker. Alle von mir ausgewählten Testperson mochten zwar die Optik, verabscheuten aber das unrealistische und Drift-abhängige Fahrverhalten. Deshalb gilt: Wer sich für Ridge Racer 7 interessiert, sollte deshalb vorher einen Blick auf die kostenlose Demo werfen. Sie ist im PlayStation Store zum Download erhältlich und nur 423 MB groß.