Gesamtwertung86%/10 |
GrafikGut SoundSehr gut |
LanzeitspaßGut SpieleinstiegGut |
BedienungSehr gut |
Zugegeben, einem Spiel wie Grand Theft Auto 4 das Wasser zu reichen oder dabei sogar noch zu übertrumpfen ist eigentlich so gut wie unmöglich. Es ist aber schön mit anzusehen und spielerisch zu erleben, wie man ein gutes Konzept konsequent erweitert, mit weiteren Ideen anreichert und daraus ein eigenes Spiel zu machen. OK, als seinerzeit im August 2006 Saints Row an den Start ging und in direkter Konkurrenz mit GTA: San Andreas stand, hat es der Titel nicht einmal ansatzweise in der Endwertung geschafft, dem Genreking aus dem Hause Rockstar Games den Rand abzulaufen.
Stillwater die Zweite
Saints Row musste sich mit einer 86% Wertung gegenüber einer 95% Wertung für GTA: San Andreas geschlagen geben. Obwohl Saints Row seinerzeit keine so hohe Wertung einheimsen konnte, war der Titel trotzdem nicht schlecht. Im Gegenteil: Er war sogar richtig gut, hatte zwar ein paar Schönheitsfehler, bot aber dafür schon damals einen ordentlichen Onlinemodus.
Wie dem auch sei, inzwischen sind über zwei Jahre vergangen, welche die kreativen Köpfe von Volition ausgiebig genutzt haben um an der Fortsetzung zu arbeiten. Herausgekommen ist ein Spiel das jede Menge Spielspaß bietet, sehr viel richtig macht, allerdings trotzdem dem aktuellen Genrekönig GTA IV nicht den Rang abnehmen kann. Aber seien wir doch mal ehrlich, das ist auch überhaupt nicht tragisch, denn das Spiel rockt einfach! Die Geschichte von Saints Row 2 setzt einige Jahre nach den Ereignissen des Vorgängers ein, bei dessen explosiven Ende der Hauptcharakter schwer verletzt worden ist. Schlimmer sogar: Die Explosion hat ihm derart zugesetzt, das er nun schwer entstellt auf der Krankenstation des Gefängnisses im Koma liegt. Frisch aus dem Koma erwacht, habt ihr natürlich nur ein Ziel vor Augen den Ausbruch. Dieser gelingt euch im Verlauf des Spiels durch die Hilfe eines anderen Häftlings. Bevor es aber dazu kommt, müsst ihr das Spiel erst einmal auf eure Festplatte installieren, was ungefähr 7 Minuten andauert.
Außerdem wird auch gleich noch ein Update mit Version 1.10 mit installiert, was ebenfalls etwas Zeit sowie Festplattenspeicher in Anspruch nimmt. Ist auch endlich das erledigt, könnt ihr euch erst einmal mit dem umfangreichen Charakter-Editor ein ansehnliches Aussehen verpassen, denn so entstellt könnt ihr ja schließlich nicht unter die Menschen gehen. Der Charakter-Editor kann sich sehen lassen.
Hier könnt ihr eurem entstellten Protagonisten nämlich nicht nur ein neues Gesicht spendieren, sondern bestimmt dabei auch gleich noch Körperbau, Haarlänge, Frisur, Hautfarbe, Gesichtszüge, Stimme und das Geschlecht. Darüber hinaus habt ihr sogar die Möglichkeit, diverse unterschiedliche Gesten für Freude oder Verärgerung dem Charakter zuzuweisen. Seid ihr damit fertig und letztlich der Gefangenschaft des Knastes entkommen, müsst ihr mit Entsetzen feststellen, das sich die gesamte Stadt verändert hat. Und zwar nicht zu eurem Vorteil, sondern eher zu eurem Nachteil.
Klar, da ihr ja einige Jahre im Koma verbracht habt, haben während dieser Zeit andere böse Jungs ihre Chance wahrgenommen und Stillwater entsprechend zu ihren Gunsten korrumpiert. Da ihr das ja keinesfalls so hinnehmen könnt, eure frühere Gang die 3rd Street Saints, inzwischen aber zerschlagen ist, müsst ihr euch logischerweise wieder von ganz unten nach oben raufarbeiten. Um was läge da näher, als einige alte Kollegen sowie neue Gang-Mitglieder für eure Sache zu rekrutieren.
Wie eine große Spielwiese
Wer den Vorgänger kennt der wird schnell feststellen, da sich am eigentlichen Spielprinzip und dessen Verlauf sich nicht viel verändert hat. Nach wie vor gilt es, diverse kleinere Missionen zu absolvieren und euch Respekt zu verschaffen, um größere für die Story relevante, Aufträge freizuschalten. Diese Missionen teilen sich in insgesamt 24 verschiedene Tätigkeiten auf, denen ihr in Stilwater nachgehen könnt.
Unter anderem ist es euch möglich bestimmte Botengänge zu absolvieren, an illegalen Kämpfen mitzuwirken, als Bodyguard zu arbeiten, Mordaufträge zu erfüllen oder an Autorennen teilzunehmen. Wem das nicht genug Abwechslung sein sollte, der hat zudem sogar die Möglichkeit als Flitzer andere Leute zu erschrecken oder was echt eklig ist, deren Häuser mit Fäkalien zu beschmieren. Ganz egal für welche Nebentätigkeit ihr euch entscheiden solltet, enormen und lang anhaltenden Spielspaß bieten sie alle. Während den zahlreich gesäten Aufträgen solltet ihr das Hauptziel aber nicht aus den Augen lassen nämlich selbst wieder der Gangsterboss von Stilwater zu werden. Um diesem Ziel stets ein Stückchen näher zu kommen, benötigt ihr wie bereits Respekt, was in Saints Row 2 die wichtigste Währung darstellt. Zwar verdient ihr in den einzelnen Missionen auch eine ganze Menge Geld, mit dem sich neue Klamotten, Waffen oder Immobilien kaufen lassen, die Hauptwährung bleibt aber trotzdem der verdiente Respekt. Nur wenn ihr ein angesehenes Gangsterimage pflegt, erschließen sich euch im weiteren Verlauf des Spiels neue Gebiete der Stadt.
Anfangs noch als unbekannter Niemand haust ihr mit eurer kleinen Gang in einem echten Drecksloch, bald schon könnt ihr euch mit dem gesammelten Geld aber andere Wohnungen kaufen oder gleich eine ganze Lagerhalle zum Hauptquartier ausbauen. Dort können fortan dann nicht nur eure noblen Karossen, welche vom einfachen Kleinwagen bis hin zu richtig heißen Sportwagen oder Motorrädern reichen, in die Garage gestellt und weitere kleine Minispiele ausgetragen werden, sondern hier wird obendrein auch noch gleich der Spielstand regelmäßig gesichert.
Gut kopiertes Spielprinzip
Wer die GTA-Serie kennt oder den Vorgänger von Saints Row 2 bereits gespielt hat, wird sich sofort in Stilwater zurechtfinden. Die verruchte Stadt ist dabei zwar nicht ganz so lebendig wie die Straßen in Liberty City und kann auch keinesfalls mit deren Größe mithalten, aber trotzdem muss sich Stilwater nicht vor der Konkurrenz verstecken.
Wie gehabt lauft ihr durch die Straßen, absolviert Aufträge, verprügelt Passanten oder zerrt Autobesitzer aus ihren Karren. Sollte es einmal zu einer Auseinandersetzung kommen, könnt ihr aus zwei verschiedenen Angriffsarten wählen. Entweder ihr vermöbelt euer Gegenüber, oder zückt einfach den virtuellen Schießprügel. Beim Schlagabtausch könnt ihr mit den Schultertasten ordentlich austeilen und dabei kann es auch einmal vorkommen, dass ihr beispielsweise einer Polizistin in den Unterleib tretet und diese schmerzvoll zusammenbricht.
Wer in den Gefechten lieber wild um sich schießen möchte, der kann dies dank dem reichhaltigen Waffenarsenal auch tun. Angefangen von Pistolen, Uzis, Maschinengewehren, Kampfschwertern, Granaten, Raketenwerfer, bis hin zu fernzündbaren Haftbomben, ist so ziemlich alles vertreten was Rang und Namen in der Waffenindustrie hat. Die verschiedenen Waffen könnt ihr entweder gefallenen Kontrahenten abnehmen oder beschafft euch diese gegen bare Münze im hiesigen Waffengeschäft.
Das gute an Saints Row 2 dabei ist, das egal was ihr gerade macht, sich das Spiel stets gut kontrollieren lässt und die Steuerung nie überladen wirkt. Zwar ist die Fahrzeugsteuerung nicht so realitätsnah wie die eines GTA IV und auch auf dessen intuitives Deckungssystem während Schießereien hat man gänzlich verzichtet, im Großen und Ganzen kann hier aber nicht wirklich etwas beanstandet werden. Ebenfalls überzeugend präsentiert sich die künstliche Intelligenz und zwar auf beiden Seiten.
Alle CPU-gesteuerten Protagonisten verhalten sich größtenteils logisch, was jetzt aber nicht heißt, das die KI perfekt ausbalanciert ist. Gerade die gegnerische Seite handelt manchmal etwas übereifrig und stürzt sich geradezu in euren Kugelhagel, in größeren Kampfgeschwadern können euch diese aber schon arg zusetzen. Seid ihr verletzt und braucht schnell Heilung, solltet ihr etwas Nahrung zu euch nehmen oder einfach einen sicheren Ort aufsuchen und dort kurz verweilen, dann regeneriert sich euer Held mit der Zeit von selbst.
Auf den Punkt gebracht
Auch wenn Saints Row 2 viel mit der GTA-Serie gemeinsam hat, muss sich der sehr unterhaltsame Titel eines eingestehen. Die packende Story, welche mit abwechslungsreichen und fordernden Missionen wie beispielsweise aus einem Helikopter heraus ein Drogenlabor unter Beschuss nehmen, rivalisierende Gang-Hauptquartiere zerstören oder Überwachungskameras in der Polizeistation anbringen, daherkommt, machen zwar ordentlich Laune, reichen aber ganz klar nicht an die Qualitäten des Rockstar Games-Pendants heran. Grafisch steht der Titel ebenfalls in keinerlei Konkurrenz zu GTA IV, dafür präsentiert sich dieser etwas zu detailarm. Die einzelnen Protagonisten und deren Animationen sehen zwar noch ganz ordentlich aus. Bei der restlichen visuellen Seite sind die Entwickler aber etwas ungenauer an die Arbeit gegangen. Das Resultat sind teils unscharfe und verwaschene Texturen, wenig detaillierte und spärlich eingerichtete Gebäude,
Außerdem gibt eine eingeschränkte Weitsicht, bei der man sich auf viele Pop-Ups einstellen muss. Da sich Volitions Saints Row 2 aber selbst sowieso nicht so ernst nimmt, einfach brachiale Action bieten möchte und dies tatsächlich auch der Fall ist, drückt man bei den genannten Grafikschwächen gerne mal ein Auge zu. Bei der Sounduntermalung wurde hingegen nicht geschludert, sondern eine sehr gute Arbeit abgeliefert. Das gesamte Soundpaket präsentiert sich durchweg ordentlich und wartet mit guten Effekten, einem stimmigen und abwechslunsgreichen Soundtrack, sowie einer sehr guten englischen Sprachausgabe inklusive gut lokalisierten deutschen Untertiteln auf. Hier wurde alles richtig gemacht und es gibt auch überhaupt nichts zu beanstanden. Ach ja, bevor wir es vergessen: Einen ordentlichen Onlinemodus Saints Row 2 selbstverständlich ebenfalls mit an Bord. Dieser präsentiert sich genau wie der Storymodus, sehr unterhaltsam, bietet Mehrspieleraction für bis zu 12 Spieler gleichzeitig und hat obendrein sogar einen Koop-Modus für maximal zwei Spieler mit an Bord.
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