Shaun White Snowboarding

Review
Plattform
PS3
Vertrieb
Ubisoft
Entwickler
Ubisoft
Erscheinungsdatum
-
USK
6
Shaun White Snowboarding

Gesamtwertung

74 %/10

Grafik

Ungenügend

Sound

9

Lanzeitspaß

Ungenügend

Spieleinstieg

8

Bedienung

7

Shaun White Snowboarding

Wer kennt das nicht. Der warme Sommer neigt sich dem Ende, überall liegen Herbstblätter, es regnet viel, die Tage werden kürzer und es wird so langsam aber sicher immer kühler. Wenn dann auch noch die Eisdielen schließen und sich darin stattdessen Lebkuchenhändler breit machen, kann das nur eins bedeuten: Der Winter steht vor der Tür! Und dieser bringt nicht nur kalte Tage und Schnee mit sich, sondern läutet zeitgleich auch die Ski- und Snowboardsaison ein. Da es aber auf der Welt zahlreiche Menschen - mich eingeschlossen - gibt, die bislang noch nie auf Brettern gestanden haben, musste dieses Jahr endlich ein Snowboardspiel her, das hat Ubisoft vollkommen richtig erkannt. Der neuste Titel des gewagten Sports lautet Shaun White Snowboarding und stellt auch gleichzeitig das erste Snowboardspiel für die PlayStation 3 dar.

Weiterer Sportler bekommt sein eigenes Spiel

Kennt ihr Shaun? Nein, wir meinen jetzt nicht Shaun das Schaf, sondern den 22-jährigen Shaun White. Wer noch nichts von dem rothaarigen Schneeass gehört hat, sollte jetzt einmal die Lauscher aufsperren. Der charismatische und rothaarige Shaun White wurde 1986 in Californien geboren und ist ein amerikanischer Snowboard- und Skateboardprofi.

Er gewann unter anderem den Nokia Air & Style Contest im Jahr 2003 sowie 2004 und absolvierte zudem zahlreiche andere Wettbewerbe. Bei den Olympischen Spielen 2006 verdiente er sich sogar die Goldmedaille in der Halfpipe und aktuell ist er der amtierende TTR World Snowboard Tour-Sieger der Saison 2006/2007. Höchste Zeit also, dass dem erfolgreichen Extremsportler endlich sein eigenes Spiel gewidmet wird, was ja in der heutigen Zeit absolut nichts Ungewöhnliches ist. In anderen Sportarten ist dies ebenfalls gängig, man denke beispielsweise an Tony Hawk, Tiger Woods oder den leider im letzten Jahr verstorbenen Colin McRae.

All diese Personen haben großartige sportliche Leistungen gezeigt, sind dadurch berühmt geworden und haben ihr eigenes Videospiel, oder sogar gleich mehrere Spiele gewidmet bekommen. Umso schöner, dass nun auch endlich der Snowboard-Sektor abgedeckt wird und Shaun White sein eigenes Spiel spendiert wird, welches wir für euch genauer unter die Lupe genommen haben.

Fangen wir von vorne an, nämlich dort wo ihr das Spiel der Hülle entnehmt und in eure PlayStation 3 befördert. Gleich nach dem Start erfolgt ein Spielupdate, welches knapp 30MB groß ist, hinterher folgt auch gleich noch eine rund 4-minütige Installation, welche knapp 910MB Speicherplatz auf der Festplatte beansprucht. Ist auch dies erledigt, beginnt ihr zunächst damit, euch einen Boarder in Eigenregie zu erstellen. Dazu könnt ihr zunächst das Geschlecht bestimmen und aus diversen vorgegebenen Gesichtern das jeweils Gewünschte auswählen. Mehr künstlerische Freiheit wird hier leider nicht geboten und so müsst ihr darauf verzichten, die Größe oder das Gewicht frei zu bestimmen. Dafür gibt es aber eine wahre Auswahlvielfalt bei den Klamotten und dem Snowboardzubehör. Angefangen von Mützen, über Handschuhe, Jacken, Hosen, Brillen, Boots, bis hin zu Rucksäcken ist so ziemlich alles mit dabei, was das Snowboarderherz begehrt. Allerdings könnt ihr anfangs nur wenig auswählen, da die meisten Utensilien ordentlich Kohle kosten. Allen voran die Boards sind recht teuer, was in Anbetracht der Fähigkeitsverbesserungen auch kein Wunder ist. Die Klamotten sollen übrigens ebenfalls die Fähigkeiten des Fahrers und dessen Fahrverhalten verbessern, davon haben wir allerdings während unserer Testphase leider nichts gemerkt.

Genieße die Zeit, zu jeder Zeit

Habt ihr euren virtuellen Boarder erstellt, geht es auch sofort auf die Piste, wo ihr in einem kleinen Tutorial, welches einer Probefahrt gleichkommt, mit den grundlegenden Kontrollen des Spiels vertraut gemacht werdet. Nach einer kurzen Abfahrt und einigen ersten coolen Stunts, landet ihr als Boarderanfänger nach einem zu anspruchsvollen Trick auf dem Allerwertesten und bekommt anschließend von einem rothaarigen Kollegen eine helfende Hand gereicht. Der andere Boarder, welcher kein geringerer als Shaun White ist, erklärt euch, das er es cool findet, wie furchtlos ihr an die Sache rangeht und er davon überzeugt ist, das ihr es in der Szene weit bringen könnt. Gleich darauf stellt er euch seine Kumpels vor, zu denen unter anderem das Mädel Alex gehört, die euch mit ihrem Helikopter oben auf den Berg fliegen und dort absetzen kann. Shaun erteilt euch auch gleich eure erste Aufgabe, nämlich für ihn zwölf Euromünzen zu sammeln, von denen drei auf dem gegenwärtigen Berg in Park City, Utah verteilt sind. Die übrigen neun Münzen sind irgendwo auf den Pisten in Alaska, Europa sowie Japan zu finden, was gleichzeitig zu einer netten Erkundungstour in den jeweiligen Regionen anregt.

Was leider weniger anregt, ist der übrige Verlauf des Spiels, der zwar jede Menge Rennevents bietet, dafür diese allerdings nicht wirklich motivierend sind. Ein Beispiel gefällig? Shaun beauftragt euch ja zu Spielbeginn, insgesamt 12 Euromünzen für ihn zu finden. Als Belohnung verspricht er im Gegenzug, euch eine nützliche Fokustechnik beizubringen. Habt ihr die Münzen eingesammelt, erlernt ihr die besagte Technik, mit der sich Hindernisse wie Eiszapfenwände oder Bretterverschläge aus dem Weg räumen lassen. Hinter diesen Hindernissen sind dann - welch eine Überraschung - zwölf weitere Münzen versteckt, die es hinterher ebenfalls einzusammeln gilt. Abgesehen von dem Münzen sammeln, könnt ihr euch in den austragbaren Events, welche auf den Bergen mittels speziellen Markern verteilt sind und die sich dort frei nach Wunsch auswählen lassen, obendrein Kohle verdienen, die in neue Klamotten und Boards investiert werden kann. Das ist jedoch auch nicht wirklich antreibend, da ja wie bereits erwähnt, das Outfit keinerlei Auswirkung auf eure Leistung hat. Abgesehen von den Boards natürlich.

Was es sonst noch zu entdecken gibt

Mal abgesehen von den fehlenden Belohnungen für erfolgreich absolvierte Events, bietet der Titel trotzdem einen hohen Unterhaltungswert. Das liegt ganz klar an den anspruchsvollen Herausforderungen, die sich entweder offline oder online - und das sogar in der eigentlichen Solokarriere - austragen lassen. Bei den Air-Events gilt es unter anderem, erstklassige Sprünge zu meistern und beim Freestyle könnt ihr so ziemlich alles wild durcheinander machen.

Hier zählen nicht nur die Sprünge, sondern auch das Grinden auf Rails, genauso wie gut getimte Grabs an eurem Board. Beim Big-Air-Event gilt es, mit einem Sprung so viele Punkte wie möglich zu ergattern, wollt ihr hingegen nur Grinden, dann solltet ihr euch das Jibfest vornehmen. Weitere Events wären dann noch normale Rennen, bei denen es gilt, den ersten Platz oder die Bestzeit einzustreichen, sowie Slalomkurse, bei denen ihr gekonnt jede Kurve nehmen oder rumliegende Gegenstände einsammeln müsst. Eines haben alle Events gemeinsam, nämlich das man jedes nur dann neu starten kann, wenn es beendet ist. Im Klartext bedeutet das: Versemmelt ihr einen Grind oder patzt beim einem wichtigen Sprung, verbaut ihr euch unter anderem die Chance auf die Höchstwertung, was im Normalfall einen Neustart nach sich ziehen würde. Ärgerlicherweise geht das hier nicht und ihr müsst den Event erst zu Ende laufen lassen, ehe ihr es erneut starten und noch einmal von vorne versuchen könnt. Nicht selten kratzt dies an der Spielspaßkurve und zerrt auch deutlich am Nervenkostüm. Erfreulicherweise gibt es aber auch wirklich viele schöne und spaßige Momente im Spiel, die diesen ärgerlichen Umstand wieder etwas wettmachen.

Da wäre zum Beispiel die Tatsache, dass sich nach und nach neue Bereiche freischalten lassen und zum anderen, das ihr auflockernde Minispielchen machen könnt. Dazu gehören dann neben Schneeballschlachten obendrein auch die Möglichkeit, eure Freunde beim Snowboarden und Tricks ausführen zu filmen und die besagten Trick- oder Stuntvideos ins Netz zu stellen und der Community zu präsentieren.

Rasante Abfahrt mit mäßiger Geschwindigkeit

Spielerisch orientiert sich Shaun White Snowboarding eher an einer Snowboardsimulation, als an einem Arcadetitel wie beispielsweise SSX. Zwar könnt ihr auch hier ordentliche Tricks und Stunts vom Stapel lassen, so imposant und überzogen wie in SSX Tricks sind diese aber bei weitem nicht. Das Tricksystem und die intuitive Steuerung funktionieren dabei denkbar einfach. Gelenkt und beschleunigt wird über den linken Analogstick, wobei ihr zum Ausführen von Aktionen wie carven oder sliden den rechten Stick benötigt.

Seid ihr in der Luft und führt gerade einen Air-Trick aus, könnt ihr euch mit beiden Analogsticks drehen, Grabs ausführen oder Flips schlagen. Wollt ihr auf ein Hindernis oder eine Rail springen, euch ducken oder einen Tweak ausführen, genügt ein Druck auf die jeweilige Schultertaste. Befindet ihr euch auf einer Rail, genügt es um die Balance zu halten, die Analogsticks dezent anzutippen.

Das war es im Großen und Ganzen auch schon. Doch halt, wir haben die übrigen normalen Tasten vergessen. Diese werden hauptsächlich für die Nebenaktionen wie beispielsweise die Schneeballschlacht oder die Interaktion mit anderen Fahrern benötigt. Lediglich die Dreiecktaste bezieht sich auf das eigentliche Snowboarden, da ihr über diese von eurem Bord absteigen und euch normal durch den Schnee bewegen könnt. Etwas träge ist bei der ansonsten recht guten und einfachen Steuerung leider das Timing ausgefallen, denn nicht immer werden eure eingegebenen Aktionen sofort ausgeführt. Großartig gelungen ist die Lawinenthematik, die in bestimmten Bereichen der Berge eine Gefahr für euch darstellt. Kommt ihr in einen gefährdeten Bereich und löst eine Lawine aus, müsst ihr versuchen den Schneemassen durch schnelle und fehlerlose Manöver zu entkommen. Gelingen euch dabei auch noch ein paar brisante Tricks, werden diese zudem mit besonders vielen Extrapunkten auf eurem Konto gutgeschrieben.

Grafisch präsentiert sich das Spiel überwiegend in Ordnung und liegt im normalen Mittelfeld. Die Spielwelt ist groß und hat auch einige gute Details, vor allem bei den Boardern, zu bieten, unterm Strich tauchen aber zu viele Makel auf, um tatsächlich begeistern zu können. Die Optik flimmert stellenweise, die Fernsicht ist eingeschränkt, es kommt kein wirkliches Geschwindigkeitsgefühl auf, die Animationen wirken manchmal abgehakt, fast alle Bäume und Tannen sehen gleich aus und hier und da tauchen auch immer wieder Pop-ups auf.

Seltsamerweise hat der Titel teils sogar mit einigen Framerateeinbrüchen zu kämpfen, was wir in Anbetracht der gezeigten Qualität überhaupt nicht nachvollziehen können. Aber der Titel hat auch schöne Seiten: Die Protagonisten und deren Outfits sind detailreich in Szene gesetzt, das Panorama der Landschaft und der Schnee sind ebenfalls schick anzusehen und auch die Videosequenzen gehen in Ordnung. Beim Soundtrack wurde hingegen hervorragende Arbeit geleistet und es gibt hier eigentlich gar nichts zu bemängeln. Rund 40 rockige Musikstücke von namhaften Künstler wie beispielsweise Black Rebel Motorcycle Club, Run DMC, Bob Dylan, Wild Cherry Blue Oyster Cult, Audioslave, Heart sowie Faithless, sorgen hier für die richtige Stimmung und auch die übrigen Soundeffekte können überzeugen. Ordentlich ist auch die komplett deutsche Synchronisation ausgefallen, die mit professionellen Sprechern besetzt wurde, welche dem Titel die nötige Tiefe verleihen.

Fazit

Shaun White Snowboarding hat einen Vorteil - Es ist das derzeit einzig erhältliche Snowboardspiel für die PlayStation 3. Dieser Vorteil wurde von den Entwicklern jedoch leider nicht richtig genutzt, gerade in Bezug auf die Motivation und den Wiederspielwert. Auch aus optischer Sicht heraus betrachtet hätte man durchaus mehr erwarten können, als nur die gebotene mittelprächtige Präsentation. Hätte sich Ubisoft Montreal mit der Entwicklung etwas mehr Zeit gelassen, hätte man in vielen Bereichen sicherlich noch deutliche Modifikationen vornehmen können. Da dies aber jedoch nicht der Fall ist, reicht es unterm Strich leider nur für knapp 74 Prozent. Das soll jetzt aber keinesfalls heißen, das Shaun White Snowboarding ein schlechtes Spiel ist, nur eben habe ich mir persönlich etwas mehr erhofft.

Meiner Meinung nach werden Snowboardfans mit diesem Titel trotzdem gut bedient und kommen in Anbetracht der Tatsache, das es derzeit nichts vergleichbares für die PlayStation 3 gibt, ohnehin nicht um diesen Titel herum. Wer sich schon seit Veröffentlichung der PS3 einen Snowboardtitel herbeisehnt, kann eigentlich bedenkenlos zugreifen. Alle anderen sollten unter Berücksichtigung der genannten Mängel zunächst jedoch ein Probespiel in Erwägung ziehen.

Shaun White Snowboarding

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