Gesamtwertung48 %/10 |
GrafikAusreichend SoundUngenügend |
LanzeitspaßAusreichend SpieleinstiegUngenügend |
BedienungMangelhaft |
Ego-Shooter gibt es wie Sand am Meer, inzwischen auch auf der PlayStation 3. Warum also nicht das Genre mit einem gruseligen Horrorszenario ausschmücken und zur Abwechslung mal blutrünstige Zombies auf eine Einheit Marines hetzen? Zugegeben, selbst das ist im Shooter-Genre heutzutage keine Seltenheit mehr, aber das spielt ja eigentlich auch überhaupt keine Rolle. Hauptsache die Action stimmt, die Handlung macht ordentlich was her und die Atmosphäre ist schön beklemmend und düster. Vorweg können wir an dieser Stelle bereits jetzt verraten, dass in Shellshock 2: Blood Tails keines dieser Elemente wirklich greift. Weder stimmt die Action, noch ist die Atmosphäre beklemmend. Nur eines trifft auf diesen Titel zu, nämlich dass er wahrlich düster ist und das aus folgendem Grund: Fast das gesamte Spiel spielt bei totaler Dunkelheit.
Die Handlung des Spiels hat nichts mit dem Vorgänger Shellshock: Nam'67 gemeinsam, hört sich aber zunächst recht viel versprechend an. Auf dem Weg nach Vietnam verschwindet ein amerikanisches Flugzeug, welches an Bord eine streng geheime Ladung mit dem Codenamen Whiteknight hat, über dem kambodschanischen Dschungel spurlos.
Kurze Zeit später verschwindet auch ein Special Ops-Team, das mit der Bergung des vermutlich abgestürzten Flugzeuges beauftragt wurde, ebenfalls spurlos. Knapp einen Monat nach diesen merkwürdigen Vorkommnissen taucht plötzlich ein Soldat aus dem Bergungsteam wieder am Rand des schier undurchdringlichen Dschungels auf, jedoch erscheint sein Verhalten etwas irrational und merkwürdig. Irgendetwas in der Wildnis hat ihn verändert, seine Seele vergiftet und ihn seiner Menschlichkeit beraubt.
Zu Spielbeginn kommt ihr als Frischling in den Dschungel von Kambodscha und durchquert einen Stützpunkt der Marines, welcher sich unterhalb einer Bar befindet. Nachdem ihr überall blutverschmierte Wände seht und schließlich in ein Zimmer geführt werdet, in dem ein verrückt zu scheinender Mann an ein Bett gefesselt ist, wird euch klar, das hier irgendetwas nicht mit rechten Dingen zugeht. Nach genauer Betrachtung der festgebundenen Person fällt euch auf, dass es sich um euren Bruder handelt, der allerdings nicht mehr er selbst zu sein scheint. Kurz darauf bricht in dem Stützpunkt die Hölle los, denn neben eurem Bruder - der sich nebenbei als Zombie entpuppt - dringen nun auch noch die Vietkong in die Basis und ballern wild um sich.
Was sich zunächst noch recht einfallsreich und spannend anhört, entpuppt sich bereits nach wenigen Spielminuten als anspruchslose Shooterkost, in der es im späteren Verlauf des Spiels hauptsächlich darum geht, jede Menge Zombies und noch mehr Vietkong abzuknallen.
"Erleben Sie die Hölle des Krieges und einen Horrorschocker der Extraklasse." - Mit diesem wirklich viel versprechenden Satz bewirbt Publisher Eidos Interactive, das von Rebellion entwickelte Spiel, auf seiner offiziellen Homepage. Die Realität sieht aber anders aus, denn was der Spieler hier vorgesetzt bekommt, muss in der heutigen Zeit schier als Frechheit bezeichnet werden. Heutzutage, wo es anspruchsvolle und wirklich hübsche Shooter in zeitgemäßer Optik, wie beispielsweise Call of Duty: Modern Warfare, World at War oder Left 4 Dead, schon beinahe massenweise gibt, ist es eigentlich eine Zumutung, was Rebellion hier für eine schlechte Programmierarbeit abgeliefert hat. Kaum zu glauben, dass das Spiel aus der gleichen Entwicklerschmiede stammt, wie seinerzeit das wirklich sehr gute Aliens vs. Predator. Aber nun genug gemeckert, gehen wir an dieser Stelle gleich auf die Mankos des Spiels näher ein.
Wie bereits erwähnt, spielt sich der größte Teil des Spiels in dunklen Szenarios ab, was unter Berücksichtung des eigentlichen Horrorflairs ja prinzipiell keine schlechte Idee ist, jedoch wenig Sinn macht, zumal sowieso kaum Atmosphäre aufkommt. Eher erweckt die dunkel gewählte Aufmachung den Eindruck, absichtlich gewählt worden zu sein und zwar, um die schlechte Grafik zu vertuschen, die sich hinter all der Finsternis versteckt. Beispiel gefällig? Dann regelt im Optionsmenü doch einmal den Gammawert ganz nach oben und jagt auch noch die Helligkeit eures Fernsehers etwas hoch, das anschließende Ergebnis ist erschreckend. Die einzelnen Locations, Häuser und Innenbereiche sehen nämlich nicht nur trist und detailarm aus, sondern kommen obendrein auch noch kantig und matschig daher. Dabei spielt es auch keine Rolle ob ihr euch gerade in einer Stadt oder im kambodschanischen Dschungel befindet, stets wirkt das gezeigte irgendwie verpixelt und definitiv nicht mehr zeitgemäß. Kein Wunder also, das es fast die gesamte Spielzeit über zappenduster ist, dummerweise benötigt ihr aber zu ca. 80% des Spiels eure Taschenlampe, um überhaupt etwas sehen zu können. Ok, diesen Effekt kennt man bereits aus Doom, aber immerhin sah dort das projizierte Licht noch realistisch aus und brachte authentische Schatteneffekte mit sich.
Bei Shellshock 2: Blood Trails sieht das vollkommen anders aus, denn das Licht der mitgeführten Taschenlampe projiziert keine Echtzeitschatten, sondern wird lediglich als runder Punkt auf dem Bildschirm angezeigt, welcher das Bild aufhellt. Das sieht einfach nur billig und überhaupt nicht realistisch aus. Generell möchte ich aber einmal wissen, was für Powerbatterien euer Protagonist mit sich führt, weil die Taschenlampe während des gesamten Spiel eingeschaltet bleiben kann, ohne auch nur die geringsten Ermüdungserscheinungen zu zeigen.
Ebenfalls anzumerken ist, dass die Charaktere im Spiel etwas leblos wirken, bis auf die Zombies, aber die sind ja sowieso schon tot. Gerade in Bezug auf die Gesichtsanimationen wird hier klar, dass sich die Entwickler übernommen haben und ein nur mittelprächtiges Mimikspiel auf die virtuellen Häupter zaubern konnten. Das letzte Quäntchen Spannung, wenn man das überhaupt so nennen kann, wird von den lächerlichen und einfach nur unprofessionellen Animationen eurer Teamkameraden zu Nichte gemacht.
Wer einmal eine Person seiner Einheit sterben gesehen hat wird schmunzeln und verstehen was wir hier meinen. Etwas seltsam ist auch, dass das Spielgeschehen nur sehr mäßig läuft und nicht vollkommen ruckelfrei über den Bildschirm flimmert.
Hier und da gibt es minimale Framerateeinbrüche, die aber eigentlich fehl am Platz sind, denn normalerweise hat die PlayStation 3 ausreichend Hardwareressourcen, um mit so einem Titel spielend leicht fertig zu werden.
Das Einzige was mich hier wirklich zu Spielbeginn vom Hocker gerissen hat, ist die gute und professionell gesprochene deutsche Sprachausgabe. Die Dialoge klingen nicht aufgesetzt, die Stimmen passen zu den einzelnen Personen und überhaupt hört man von überall her Frauen schluchzen und Babys schreien, was versucht für eine recht ordentliche Atmosphäre zu sorgen. Erstaunlicherweise begegnet ihr neben dem üblichen Kanonenfutter aber ausschließlich gefallenen Kameraden, die auf übelste Weise zugerichtet und zerstückelt wurden und bekommt weder die Frauen noch die kreischenden Babys zu Gesicht. Damit kommen wir auch unausweichlich auf den recht hoch angesetzten Gewaltfaktor zu sprechen, der dem Titel mit Sicherheit eine Indizierung bescheren dürfte. Der rote Lebenssaft spritzt in rauen Mengen über den Bildschirm und abschnittsweise hängen sogar mit Messern an die Wand genagelte Soldaten an Wänden, denen zudem der Kopf halb abgetrennt wurde. Effekte die den deutschen Sittenwächtern mit Sicherheit übel aufstoßen werden und definitiv nichts für zartbesaitete Spielernaturen sind.
Für das Fazit würde eigentlich schon alleine ein Satz genügen, denn so einen schlechten Ego-Shooter habe ich schon lange nicht mehr gespielt. Die gesamte Spielzeit von knapp sechs Stunden - ja, ich habe mich da wirklich komplett durchgequält - hatte keine nennenswerten Spielmomente zu bieten und ließ auch überhaupt keine Horroratmosphäre aufkommen. Das lag unter anderem an der viel zu dunklen Optik, der mauen visuellen Umsetzung und dem unrunden Gameplay, das für heutige Ego-Shooter-Verhältnisse einfach nicht mehr zeitgemäß ist. Ich kann jedem nur raten, seine Kohle in bessere Genrevertreter, wie beispielsweise Call of Duty oder Killzone 2 zu investieren, da wird man wenigstens für sein hart verdientes Geld nicht enttäuscht sondern gut unterhalten. Mein Fazit: Finger weg!
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Shellshock 2: Blood Trails im Test.
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