Gesamtwertung79 %/10 |
Grafik8 Sound9 |
Lanzeitspaß7 Spieleinstieg7 |
Bedienung7 |
Das vernebelte Städtchen Silent Hill, das immer wieder zu einem unvergesslichen Urlaub für die ganze Familie einlädt, kann inzwischen auf ein langjähriges Bestehen zurückblicken. Der erste Teil des packenden Horrortrips aus dem Hause Konami erschien seinerzeit im Jahr 1999 für die erste PlayStation Generation und reitete auf der damaligen Survival-Horror-Welle mit, die durch Capcoms Resident Evil ausgelöst wurde. Im Erstling schlüpfte man in die Rolle von Harold Mason, der auf Wunsch seiner siebenjährigen Tochter Cheryl plante, einen gemeinsamen Urlaub in Silent Hill zu machen.
Auf der Hinreise jedoch passierte ein Unfall, bei dem Harry sein Bewusstsein verlor und nach dem Erwachen feststellen musste, das seine Tochter verschwunden ist. Kurzerhand machte er sich auf den Weg nach Silent Hill, um in der Kleinstadt nach seiner Tochter zu suchen. Als er jedoch dort ankam, musste er mit Entsetzen feststellen, das Silent Hill ein Ort ist, in dem Realität und Traum miteinander zu verschwimmen scheinen.
Nach dem erfolgreichen ersten Teil, der sich weltweit über 1,5 Millionen Mal verkauft hat, erschienen mehrere Fortsetzungen, in denen stets die neblige Kleinstadt Silent Hill als Dreh- und Angelpunkt fungierte. Wer die Spielserie kennt, wird sich bestimmt noch an Namen wie James Sunderland, Heather Mason oder Henry Townshend erinnern. Aber nicht nur auf Videospielkonsolen konnte Silent Hill von sich reden machen, sondern es kam sogar soweit, das der äußerst unterhaltsame Stoff im Jahr 2006 einen Kinofilm spendiert bekam. Als Regisseur holte man sich dafür keinen geringeren als Christophe Gans ins Boot, der sich zuvor mit Der Pakt der Wölfe einen Namen gemacht hatte. In den Hauptrollen agierten unter anderem Radha Mitchell und Sean Bean, welche es getrennt voneinander ebenfalls nach Silent Hill verschlug.
Eine Fortsetzung des Kinofilms war ebenfalls im Gespräch, allerdings wird dann wohl Regisseur Christophe Gans nicht mehr mit an Bord sein, da dieser derzeit mit der Videospielverfilmung von Onimusha alle Hände voll zu tun hat. Bis es aber etwas Neues vom zweiten Kinofilm zu hören gibt, lädt Silent Hill erneut zu einem Besuch ein und zwar mit dem nunmehr fünften Teil der Survival-Horror-Spielserie.
Mit der Entwicklung von Silent Hill: Homecoming wurde jedoch nicht das bisherige Team Silent betraut, sondern man gab das Projekt in die Hände des amerikanischen Foundation 9-Studios. Grund dafür dürften die relativ niedrigen Wertungen von Silent Hill 4: The Room gewesen sein, sowie die Tatsache, das man im Spiel auf serientypische Dinge wie die Taschenlampe oder das rauschende Radio verzichtet hat. Die genauen Gründe für den Entwicklerwechsel wird wohl nur Konami selbst kennen, sicher jedoch ist, das gerade die Fans der Reihe das nicht unbedingt gutheißen. Zumindest hat Konami an Komponist Akira Yamaoka festgehalten, der erneut den Soundtrack zu Silent Hill: Homecoming beigesteuert hat und somit wieder für eine beklemmende Atmosphäre sorgt.
In Silent Hill: Homecoming übernehmt ihr die Rolle von Alex Shepherd, einem 22-jährigen Kriegsveteran. Ihr erwacht in einem ziemlich düsteren Krankenhaus und werdet auf einem Krankenbett von einem blutverschmierten Krankenpfleger durch die dreckigen Hospital-Gänge chauffiert. Auf eure Fragen, wo denn eure Einheit ist, wo ihr euch befindet und was gesehen ist, bekommt ihr keine Antworten, stattdessen hört ihr lediglich das panische Schreien der anderen Patienten und werdet von eurem Bett aus Zeuge, was sich in den anderen Zimmern alles abspielt. Da werden anderen Personen gegen ihren Willen festgehalten, mit elektrischen Sägen bearbeitet oder in ein schwarzes Loch im Boden geschmissen. Auf euer bitten und flehen reagiert der Krankenpfleger nach wie vor nicht, sondern verfrachtet euch kurz darauf in ein Behandlungszimmer und lässt euch, festgebunden am Bett, alleine zurück. Kurze Zeit später könnt ihr aus dem Gang hinter eurer Tür ein mechanisches Kratzen hören, welches klingt, als wenn ein riesiger metallischer Gegenstand über den Boden gezogen wird.
Durch das Türfenster müsst ihr mit ansehen, wie einer der Pfleger von einem riesigen Schwert aufgespießt und hoch gehoben wird. Panisch versucht er sich an dem Fenster eurer Tür festzuhalten, woraufhin er aber weggerissen wird und nur noch seine panischen Schreie erahnen lassen, was gerade mit ihm geschieht. So und nicht anders beginnt euer Einstieg in die kranke und bizarre Welt von Silent Hill: Homecoming.
Um dem Schrecken entfliehen zu können, löst ihr eure Handfesseln und begebt euch durch die dunklen Gänge des Krankenhauses. Mit im Gepäck sind selbstverständlich das serientypische Radio sowie eine Taschenlampe, ohne deren Aktivierung ihr fast in vollkommener Finsternis umherwandeln müsstet. Nachdem ihr auf einer Toilette ein Messer aus einem zerborstenen Spiegel zieht und endlich etwas zur Verteidigung gefunden habt, bricht erneut die Hölle los. Die Farben des Raumes verändern sich und der Putz scheint förmlich von den Wänden zu bröckeln.
Allerdings nicht wie es laut dem Gesetz der Schwerkraft ablaufen müsste, nach unten abfallend, sondern nach oben aufsteigend. Nun gleicht die Umgebung einem Albtraum, die Decken und Wände haben sich in eine bedrohliche rotbraune Kulisse verwandelt und überall scheinen seltsame Ranken herauszuwachsen. Plötzlich springt die Tür auf und eine entstellte Krankenschwester betritt den Raum. Als wäre die vollbusige Alte noch nicht hässlich genug, hat sie auch noch ein Messer in der Hand und kommt schlurfend auf euch zu. Nachdem ihr die Schwester zurück in die Hölle geschickt habt, setzt ihr euren Weg durch die Hospitalgänge auf der Suche nach einem Ausgang fort. Als ihr einen Fahrstuhl findet scheint der Ausgang in greifbare Nähe gerückt zu sein, doch weit gefehlt, das Teil scheint eine Störung zu haben und bleibt stecken. Kurz darauf ertönt wieder dieses merkwürdige mechanische Kratzen und ihr geht etwas näher an die Fahrstuhltür heran, um zu orten, woher genau das Geräusch kommt. Plötzlich bohrt sich ein riesiges Schwert durch das Metall der Fahrstuhltür und logischerweise auch durch euch - ihr wacht auf!
Nach diesem Albtraum, der eine mehr als gelungene Einleitung darstellt und auch gleich als Tutorial angesehen werden kann, werdet ihr von einem freundlichem Truckfahrer in eurer alten Heimatstadt Shepherds Glen abgesetzt. Dort wollt ihr dem plötzlichen Verschwinden eures jüngeren Bruders Joshua nachgehen und beginnt mit den Recherchen in eurem Elternhaus. Dort angekommen entdeckt ihr eure Mutter in einem nahezu katatonischen Zustand, welche auf einem modrigen Stuhl vor sich hinschaukelt und nur wirres Zeug von sich gibt. Nahezu alle Menschen sind auf mysteriöse Weise verschwunden - inklusive eurem Vater und Bruder. Ihr beschließt also, in den nebligen Straßen der Stadt nach Antworten zu suchen und euren verschollenen Bruder zu finden. Das Einzige was ihr aber auf Anhieb findet, ist der Weg nach Silent Hill. Was gleich zu Spielbeginn auffällt, ist das die Entwickler die Steuerung deutlich überarbeitet haben und sich alles nun dynamischer und auch arcadelastiger steuern lässt.
Von einer richtig guten Steuerung ist das Spiel allerdings immer noch weit entfernt, denn nach wie vor fühlt sich das Gameplay zu träge und auch etwas eingerostet an. Selbst das neue Kampfsystem, auf das Alex dank seiner militärischen Ausbildung zurückgreifen kann, überzeugt nicht gänzlich. Zwar ist es nun möglich, komplexere und offensive beziehungsweise defensive Techniken anzuwenden, richtig gut funktioniert das neue Bedienkonzept jedoch nicht.
In den Kampfmodus wechselt ihr per Druck auf die L2-Taste, während ihr schnelle Attacken mit der X- und kräftige Hiebe mit Viereck-Taste ausführen könnt. Durch kombiniertes Drücken beider Tasten könnt ihr auch Combos schlagen, was nicht nur cool aussieht sondern auch effektiv ist. Setzt euer monströses Gegenüber zum Gegenangriff an, könnt ihr mittels Kreis-Taste und dem jeweiligen Schritt in eine beliebige Richtung ein Ausweichmanöver ausführen. Schlecht ist das Kampfsystem nicht, nur sind wir aus anderen Genrekollegen wie beispielsweise Dead Space oder dem demnächst erscheinenden Resident Evil 5 inzwischen wesentlich besseres gewöhnt.
Ebenfalls etwas ernüchternd ist die Tatsache, dass es zu wenig unterschiedliche Gegnertypen, Monster und Mutationen im Spiel gibt. Zwar sind die einzelnen Gegner wie Krankenschwestern, Lurker, Smog, Feral, Schism, Needler oder Kultisten wirklich schön anzusehen und auch bizarr gestaltet worden, etwas mehr Abwechslung wäre aber trotzdem wünschenswert gewesen. Wirklich sehenswert sind aber die Bosskämpfe, die mit Fights gegen Sepulcher, Asphyxia oder Scarlet nicht nur fordernd, sondern obendrein auch sehr unterhaltsam gestaltet worden sind. Selbst der unheimliche Pyramid Head hat seinen ganz speziellen Auftritt spendiert bekommen, was mit Sicherheit nicht nur Fans der Serie verzücken wird. Speziell bei den großen Gegnern werdet ihr euch auch die neue Ego-Perspektive des Öfteren zu Nutze machen, von deren Zielgenauigkeit ihr gerade während den packenden Bosskämpfen profitieren werdet. Ansonsten fühlt sich das Gameplay ähnlich an, wie das der Vorgängerteile. Mit dem linken Stick lauft oder rennt ihr, während ihr euch mit dem rechten Stick frei umschauen könnt. Durch einen Druck auf die R3-Taste wechselt ihr in die bereits angesprochene Ego-Perspektive, während die L1- und R1-Tasten für Ausrüstung sowie die Waffenauswahl reserviert sind.
Seid ihr im Besitz einer Bereichskarte, könnt ihr die Level-Map mittels Dreieck-Taste aufrufen. Auch hier hat man sich stark an den Vorgängern orientiert, denn nach wie vor werden hier sämtliche Räume und auch verschlossene beziehungsweise geöffnete Türen übersichtlich angezeigt. Das übrige Gameplays ist bekannte Silent Hill-Kost: Ihr lauft die meiste Zeit über durch neblige Straßen, durchsucht finstere Räume nach nützlichen Gegenständen und Schlüsseln und löst auch hin und wieder das ein oder andere Rätsel. Mal gilt es hier, die Stromkabel eines defekten Sicherungskastens richtig zuzuordnen, die Wasserpumpe eines überfluteten Kellers wieder in Gang zu setzen oder den Zahlencode für eine verschlossene Tür herauszufinden.
Was man dem Titel sehr hoch anrechnen kann, sind die toll umgesetzten Schockmomente, die euch gerade zu Spielbeginn das Blut in den Adern gefrieren lassen. Mal fährt ein unbemannter Rollstuhl plötzlich eine Treppe hinunter, eine Tür wird unverhofft aufgestoßen oder eine Leiche fällt von der Decke. Gepaart mit Akira Yamaokas-Soundtrack ergibt sich aus solchen Situationen ein wahrlich packendes Spielerlebnis, welches jedoch nicht bis zum endgültigen Finale eine durchweg konstante Spannung aufbauen kann.
Die intensiven Schockmomente flachen mit der Zeit nämlich etwas ab, was im späteren Verlauf des Spiels darauf zurückzuführen ist, weil man sich überwiegend auf das Kämpfen konzentrieren muss. Stellenweise kommt es auch vor, das man einfach viel zu lange durch die Gegend laufen muss und dabei einfach so gut wie gar nichts passiert. Gut, hier und da kommt mal ein Gegner aus der Ecke gesprungen, was anfangs auch noch fordernd ist, später bekommt man es aber kaum noch mit der Angst zu tun. Grund dafür sind die stumpfsinnigen Gegner, die zwar alle verschiedene Angriffsmuster an den Tag legen, aber auf Dauer einfach zu durchschaubar sind. Daher ist es im späteren Verlauf des Spiels auch keine wirkliche Herausforderung mehr, den Monstern mit Schlagwaffen entgegenzutreten. Wer den höheren der zwei Schwierigkeitsgrade gewählt hat, dem wird ohnehin nichts anderes übrig bleiben, da der Munitionsvorrat im Spiel sowieso rar gesät ist. Etwas schade ist auch, das die deutsche Zensur mal wieder zugeschlagen hat und Silent Hill: Homecoming in der deutschen Version geschnitten ist.
Ein Umstand der wirklich ärgerlich und auch unverständlich ist, zumal das Hauptaugenmerk im späteren Spielverlauf überwiegend auf den Kämpfen liegt und andere Titel in letzter Zeit unter Beweis gestellt haben, das eine Verstümmelung nicht unbedingt erforderlich ist, damit ein Spiel in Deutschland vertrieben werden kann. Aus audiovisueller Sicht heraus gelingt es dem Titel, fast während der gesamten Spielzeit über zu begeistern. Sieht man von wenigen detailarmen und vernebelten Straßenecken einmal ab, ist dem Survival-Horror-Titel der Einstieg in die nächste Konsolengeneration richtig gut gelungen. Das Leveldesign ist beklemmend düster und dreckig gestaltet, die Protagonisten sind sehenswert in Szene gesetzt worden und verfügen über gelungene Gesichtsanimationen und die Licht- und Schatteneffekte sehen wirklich großartig aus.
Allen voran die Schatten und die schummrige Umgebungsbeleuchtung bieten hier einen enormen Realismus, ganz anders wie zum Beispiel das kürzlich erschienene Shellshock 2: Blood Trails unter Beweis gestellt hat. So und nicht anders hatten wir uns Silent Hill auf der PlayStation 3 gewünscht und sind auch nicht enttäuscht worden. Etwas schade ist, dass es hin und wieder zu deutlichen Framerateeinbrüchen kommt, was sich glücklicherweise aber nicht negativ auf die Spielatmosphäre auswirkt.
Generell ist die Atmosphäre erneut sehr gelungen, was nicht zuletzt an Akira Yamaokas brillantem Soundtrack liegt, welcher das Spiel zu jeder Zeit perfekt untermalt. Auf eine deutsche Sprachausgabe wurde serientypisch verzichtet, was bedeutet, dass es erneut englische Sprachausgabe und deutsche Bildschirmtexte gibt. Im Zusammenspiel mit Yamaokas Soundtrack und den ordentlichen Soundeffekten ergibt das eine gelungene Soundmischung, die sich in allen Belangen hören lassen kann.
Silent Hill: Homecoming macht vieles richtig und beschert Fans der Survival-Horror-Serie einen gelungenen Einstieg in die nächste Konsolengeneration. Der Titel bietet ein überarbeitetes Gameplay sowie ein weiterentwickeltes Kampfsystem, wodurch ihr ein deutlich besseres Spielgefühl vermittelt bekommt. Trotzdem muss ich leider sagen, dass ich mir persönlich etwas mehr erhofft hatte. Nach knapp zwölf Stunden Spielzeit muss ich eingestehen, dass mich die zweite Episode, welche nach wie vor mein Silent Hill-Favorit ist, mehr gefordert und auch besser unterhalten hat. In der Reihe der Fortsetzungen setze ich daher Homecoming an die zweite Stelle, was bedeutet, dass mir der fünfte Teil nach Silent Hill 2 am besten gefallen hat. Auch muss gesagt werden, dass, wenn es erzählerisch und inhaltlich einige Schwächen im Gruselfaktor gibt, Silent Hill noch nie besser ausgesehen hat. Außerdem lädt die fünfte Episode, dank insgesamt fünf verschiedenen Enden und einigen netten Extras, zum mehrmaligen Durchspielen ein.
Unterm Strich also keine schlechte Arbeit, die das Entwicklerteam von Foundation 9 hier abgeliefert hat. Nur eben muss sich Silent Hill: Homecoming an seinen Vorgängern messen und da hat Teil 2 inhaltlich nach wie vor die Nase vorn.
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Silent Hill: Homecoming im Test.
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