Gesamtwertung85 %/10 |
Grafik8 Sound9 |
Lanzeitspaß8 Spieleinstieg8 |
Bedienung7 |
Als der Vorgänger von Skate 2 vor gut einem Jahr für die aktuelle Konsolengeneration erschien, heimste das Spiel bei uns im Test nicht nur eine verdiente 88% Wertung ein, sondern brachte auch frischen Wind in das Gerne und lehrte der Konkurrenz aus dem Hause Activision das Fürchten. Nun ist kürzlich mit Skate 2 der Nachfolger des erfolgreichen Funsport-Titels erschienen, mit dem die Macher selbstverständlich wieder an den Erfolg des Erstlings anknüpfen möchten.
Vorweg kann gleich gesagt werden, dass Skate 2 zwar mit vielen Neuerungen und Verbesserungen versehen worden ist, unterm Strich jedoch keine so hohe Wertung einfahren kann wie sein Vorgänger. Zwar wird auch im Nachfolger erneut auf Realismus und eine anspruchsvolle Steuerung gesetzt, diese bringt allerdings für Anfänger auch einige Trainingsstunden mit sich. Wer allerdings Skate schon einmal gespielt hat, der weiß genau worauf er sich einlässt und wird an dem anspruchsvolleren und nicht so eingängigen Tricksystem wie beispielsweise das von Genrekonkurrent Tony Hawk seine helle Freude haben.
Erfreulich ist auch, dass endlich weibliche Skate-Fans die Möglichkeit haben, sich eine passende Skaterin zu erstellen und nicht mehr ausschließlich mit dem männlichen Geschlecht Vorlieb nehmen müssen. Allerdings fällt bereits bei der Spielerauswahl auf, dass sich aus optischer Sicht heraus betrachtet einiges verändert hat. Zwar sehen die Protagonisten erneut recht ansprechend aus, wenn man jedoch genauer ins Detail geht, kristallisiert sich heraus, dass das grafisch hohe Niveau des Vorgängers nicht ganz gehalten werden konnte.
Gerade in Bezug auf die Gesichter der einzelnen Leute macht sich dieser Effekt bemerkbar, da diese einfach zu leblos und detailarm gestaltet worden sind. Allen voran die Gestaltung der Haare weiß überhaupt nicht zu gefallen und erreicht schon fast PlayStation 2-Niveau. Selbst die Texturen der wählbaren Klamotten sahen schon einmal besser aus, was ebenfalls etwas verwunderlich ist. Dafür punktet der Titel aber zumindest durch nette Videosequenzen und eine ansehnliche Stadt, welche mit zahlreichen Details und einer ordentlichen Größe auftrumpfen kann.
Apropos Stadt, sollte noch hinzugefügt werden, dass als Schauplatz von Skate 2 erneut die hübsche Metropole San Vanelona gewählt wurde, welche sich aber deutlich vom Vorgänger unterscheidet.
Seit eurem mysteriösen Verschwinden aus der Skater-Szene vor knapp fünf Jahren, hat sich sehr viel verändert. Nicht nur das viele Teile von San Vanelona durch eine Katastrophe weitgehend zerstört worden sind, auch die Bevölkerung wurde evakuiert. Die Firma, die mit dem Wiederaufbau der Stadt, dem jetzigen New San Vanelona - auch kurz New San Van genannt - beauftragt wurde, hat während ihrer Arbeit aber auch großen Wert auf den Schutz ihres Eigentums gelegt, weshalb die MongoCorp die Skater-Szene vorsorglich aus dem Weg geräumt hat. Eure Mission ist es nun, frisch aus dem Knast entlassen, zuerst wieder eure ehemalige Skater-Karriere wieder in Gang zu bringen und zu ihrem alten Ruf zu verhelfen und anschließend auch noch die Skater-Szene von New San Van zu reaktivieren - keine leichte Aufgabe.
Was gleich auffällt ist, dass das U-Bahnsystem aus dem Vorgänger der Entwicklerschere zum Opfer gefallen ist und ihr euch nun an die gewünschten Zielorte teleportieren lassen könnt. An sich ist das ja eine feine Sache, nur eben verkommt so das eigentliche Erkunden der Stadt zur Nebensache. Zu Spielbeginn werdet ihr ohnehin feststellen, dass sich San Vanelona total verändert hat und nur wenige Gebiete aus dem ersten Teil noch erhalten sind. Alleine schon deshalb sollten Kenner des Erstlings die Stadt des Öfteren auch einmal auf eigene Faust erkunden, denn nur so lassen sich viele interessante Orte und Spots erkennen. Bei der Erkundungstour könnt ihr euch dann auch gleich mit der Steuerung auseinandersetzen und die ersten Tricks ausprobieren. Nach wie vor gilt bei Skate 2 nämlich, dass jeder Stunt harte Arbeit ist und gut getimt sein muss, denn die ordentliche Physik sorgt dafür, dass ihr nicht automatisch an einer Rail kleben bleibt. Aber schon nach einer kurzen Eingewöhnungszeit werdet ihr ohne Probleme Ollies, Heel-Flips oder 360 Christ Airs ausführen und euch daran ergötzen, dass es rund doppelt so viele Flick-it-Tricks wie beim Vorgänger gibt. Ebenfalls nett ist die Tatsache, dass ihr die Stadt verändern und euch eigene Skate-Spots erstellen könnt. Dazu müsst ihr lediglich vom Board steigen, was beim Vorgänger noch nicht möglich war, und könnt anschließend rumstehende Objekte frei nach Belieben verschieben.
Viel Spaß kommt bei dem ganzen Geschiebe allerdings nicht auf, denn die Steuerung ist nicht gut gelöst worden und gestaltet sich sehr ungenau und fummelig. Überhaupt ist die Steuerung des Protagonisten abseits seines Skateboards denkbar schlecht umgesetzt und bietet viel Anlass zur Kritik. Ok, man kann nun endlich Treppen erklimmen und muss nicht mehr, wie noch beim ersten Teil drum herum gehen, aber wieso kann man die Kamera nicht frei um den Skater bewegen und weshalb kann der Protagonist nur flüssig geradeaus laufen und muss bei jeden Richtungswechsel aufwändig korrigiert werden? Eine wirklich schlechte Programmierarbeit, bei der es sich die Entwickler unverständlicherweise etwas leicht gemacht haben. Dafür überzeugt die Board-Steuerung aber umso mehr, die erneut sehr löblich ausgefallen ist. Dabei ist es auch eigentlich nicht verwunderlich, das man dem Tricksystem aus dem Vorgänger überwiegend treu geblieben ist und dieses sogar um einige Moves weiter ausgebaut hat. Neuerdings habt ihr nun die Möglichkeit, Hand- und Foot-Plants an Rampen und Kanten auszuführen, wodurch sich das Handling deutlich besser anfühlt.
Des Weiteren könnt ihr durch die aktive Gewichtsverlagerung eure Geschwindigkeit besser beeinflussen, was euch auf Half-Pipes oder in Pools nicht nur größere Sprünge ermöglicht, sondern auch etwas mehr Zeit verschafft, eure Grabs in unterschiedliche Richtungen besser zu koordinieren.
Sollte dennoch ein Sprung daneben gehen und ihr nicht auf dem Board, sondern im Dreck auf der Straße landen, dann wird es euch sicherlich erfreuen, dass neuerdings die Protagonisten bei Stürzen diverse Blessuren von sich tragen. Generell passiert es nicht gerade selten, das ihr in laufenden Challenges von eurem Bord gefegt werdet, was dabei aber nicht immer auf euch selbst, sondern größtenteils auf die recht stumpfsinnige Gegner-KI zurückzuführen ist. Meist ist daran ein anderer Skater oder Fußgänger schuld, welche euch hier und da immer wieder mal in die Quere kommen. Die anschließend ziemlich harten Stürze sind dann zwar recht unterhaltsam und sauber inszeniert, führen jedoch unwiderruflich zu einer gescheiterten Herausforderung. Die neue Sturzphysik mit unschönen Remplern, welche erstmals auch in Form von oberflächlichen Schürfwunden und schmutzigen Klamotten visualisiert wird, tröstet zwar etwas über diesen Umstand hinweg, ärgerlich sind diese KI-Aussetzer aber trotzdem.
Obwohl die Fortsetzung nicht frei von Mängeln ist und die Neuerungen, beziehungsweise Verbesserungen den Titel nicht besser machen als den Vorgänger, ist trotzdem für einen lang anhaltenden Spielspaß gesorgt. Gerade in Bezug auf den Offline-Modus bietet der Titel nicht nur eine unterhaltsame Einzelspieleraction, sondern bringt auch eine Unterstützung für bis zu 4 Spieler an einer Konsole mit sich. Zusammen mit euren Kumpels könnt ihr dann nicht nur euer Können im bekannten S.K.A.T.E.-Modus, in dem ihr die vorgelegten Tricks eines Mitspielers kopieren müsst, unter Beweis stellen, sondern habt zudem die Option, in unterschiedlichen Spot Battles, in denen es gilt, die höchste Punktzahl zu erreichen, an den Start gehen. Wem das nicht genügt, der kann sich im neuen Hall of Meat-Modus austoben, in dem nicht die höchste Punktzahl, sondern der halsbrecherischste Sturz zählt. Einziges Ärgernis ist hier lediglich, das egal für welchen Modi ihr euch letztlich entscheidet, diese nicht simultan oder im Splitsreenmodus ausgetragen werden können, sondern stets nacheinander und schön der Reihe nach ablaufen. Online geht es ebenfalls heiß her, Skate 2 bietet dabei eine Unterstützung für bis zu 16 Spieler und nicht wie auf der Rückseite der Verpackung angegeben, für lediglich 6 Mitspieler.
Hier könnt ihr nicht nur die unterschiedlichsten Modi wie Highscore-Events und Races zocken, sondern zudem auch selbst erstellte Skate-Spots hochladen, auf denen ihr euch dann mit anderen Spielern messen könnt. Sogar sehr unterhaltsame und anspruchsvolle Koop-Herausforderungen sind mit von der Partie, weshalb es so schnell mit Sicherheit nicht langweilig werden dürfte.
Optisch muss man wie bereits erwähnt leider einige Abstriche machen, was in Anbetracht der ansonsten aber guten Präsentation und den wirklich geschmeidigen Bewegungen der Boarder verschmerzlich ist. Beim Sound wurde dafür erneut sehr viel richtig gemacht und sehr viel Wert auf authentische Umgebungsgeräusche gelegt. Die wahrlich astreinen Umgebungs- und Skateboard-Geräusche können dabei vollauf überzeugen und tragen ungemein zur Spielatmosphäre bei. Ebenfalls gelungen ist die Einbindung der knapp 50 lizenzierten Tracks, welche die Bereiche Rock, Punk, Hip-Hop und Funk abdecken. Mit dabei sind selbstverständlich auch wieder viele namhafte Künstler wie Motorhead, Black Sabbath, The Clash, Public Enemy, Judas Priest oder Wu-Tang Clan, die für eine ausgewogene Musikauswahl sorgen. Einzig die fehlende Einbindung eurer persönlichen MP3-Songs und die etwas unprofessionelle deutsche Sprachausgabe schmälern hier etwas den Gesamteindruck.
Die Skate-Revolution geht weiter, zumindest verrät uns dies die Rückseite des Covers. Die Realität sieht allerdings etwas anders aus und so werdet ihr schnell merken, dass Skate 2 weniger eine Revolution ist, sondern eher als ein Upgrade des ersten Teils gesehen werden kann. Der Titel bietet zwar viele Neuerungen und Verbesserungen, aber was hilft es, wenn diese teilweise nur halbherzig umgesetzt worden sind. Ein Kopfschütteln ruft auch die vermurkste Steuerung abseits des Boards hervor, die mir nach wie vor ein Rätsel bleibt. Da zaubern die Entwickler eine richtig gute Skateboardsteuerung aus dem Entwicklerärmel und lassen die furchtbare Zu-Fuß-Steuerung und die ungenaue Verschiebe-Option zur nervenden Geduldsprobe verkommen. Eigene Skate-Spots zu erstellen hätte mit einer direkteren und genaueren Steuerung auf alle Fälle mehr Spaß gemacht.
Trotzdem: Skate 2 ist definitiv kein schlechtes Spiel, auch wenn es sich stellenweise so anhören mag, sondern eine sinnvolle Erweiterung, die allerdings aber auch noch etwas mehr Feinschliff hätte vertragen können. Einen ordentlichen Spielspaß lässt der Titel ebenfalls aufkommen und sollte daher in keiner gut sortierten Skater-Sammlung fehlen, auch wenn mit Sicherheit noch mehr drin gewesen wäre.
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Skate 2 im Test.
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