Gesamtwertung80 %/10 |
Grafik8 Sound9 |
Lanzeitspaß7 Spieleinstieg7 |
Bedienung9 |
Was lange währt wird endlich gut - oder etwa doch nicht? Lange haben Fans von Luftkampfsimulationen davon geträumt, selbst einmal mit einem stählernen Adler in die Lüfte steigen zu können und feindliche Ziele abzuschießen. Bislang war dies aber nicht auf der PlayStation 3 möglich, sondern blieb nur Xbox 360-Spielern vorbehalten, die in der erfolgreichen Ace Combat-Reihe sich packende Dogfights liefern konnten. Dank Ubisoft ist aber mit Tom Clancy's H.A.W.X. endlich eine Luftkampf-Action-Simulation für die PlayStation 3 erschienen, die nicht nur der Xbox 360-Community vorbehalten bleibt. Wir haben den Titel genauer unter die Lupe genommen und berichten hier, wieso der Ausflug in luftige Höhen eine Menge Spaß gemacht hat, wir uns aber trotzdem etwas mehr erhofft hatten.
Die Geschichte von Tom Clancy's H.A.W.X. ist schnell erklärt. Der Titel ist in der nahen Zukunft im Jahr 2015 angesiedelt und spielt in einer Welt, die zunehmend von privaten militärischen Firmen, den so genannten PMCs - Private Military Companies, beherrscht wird. Ihr schlüpft dabei in den Fliegeranzug des H.A.W.X.-Piloten David Crenshaw und erledigt nicht für das Vaterland, sondern für Euren Auftraggeber namens Artemis Global Security diverse Aufträge, in denen es meistens darum geht, strategische Ziele auszuschalten.
H.A.W.X. steht dabei für High Altitude Warfare Experimental Squadron. Hier kommen wir bereits zum ersten Haken des Spiels, nämlich dem, dass das Spiel keine wirklich gute Handlung bietet. Zwar ist die Idee, dass es einen Konzern gibt, dem so ziemlich alle benötigten Mittel zur Verfügung stehen, um feindliche Bedrohungen beiseite zu räumen und für den Ihr nebenbei auch noch arbeitet, gar nicht so abwegig, trotzdem hätte man weitaus mehr aus dieser Story rausholen können. So kommt es, dass ihr zu Spielbeginn zwar noch nett unterhalten werdet und immer wieder potenzielle Bedrohungen unschädlich macht, die Handlung später allerdings etwas abdriftet und leider in einem vorhersehbaren Szenario endet.
Zunächst gilt es aber erst einmal, Eure Flugkünste und Euer taktisches Geschick in insgesamt 19 Missionen unter Beweis zu stellen. Und genau hier liegt der Hund begraben. Zwar sind viele Missionen wirklich originell, bieten ordentliche Unterhaltung und sind - gerade in den höheren Schwierigkeitsgraden - auch richtig fordernd, dummerweise sind jedoch knapp die Hälfte der Einsätze sinnlose Ballerorgien.
Ja, es macht richtig Spaß rund um den Globus zu düsen, US-Bodentruppen und alliierte Helikopter zu eskortieren, wichtige Stützpunkte wie beispielsweise eine Ölraffinerie zu verteidigen, zwischen Radarfeldern zu manövrieren oder feindlichen Raketen geschickt auszuweichen. In einer Mission gilt es sogar, die Air Force One des Präsidenten zu beschützen. Trotzdem muss gesagt werden, dass es nicht gerade aufregend und unterhaltsam ist, dabei immer wieder die gleichen Ziele abzuschießen oder gegnerische Jets zu verfolgen.
Versteht das jetzt nicht falsch, dies soll nicht bedeuten das der Titel schlecht oder gar nicht unterhaltsam ist, nur eben hätten die Entwickler dem Gesamtpaket der Story und der Aufgabenverteilung etwas mehr Würze verpassen können. Erschwerend kommt hinzu, dass die Handlung nicht wirklich in die Gänge kommt, was auf die langweilige Erzählweise und die etwas schwachen Videosequenzen zurückzuführen ist.
Vor jeder Mission bekommt ihr beispielsweise von Colonel Bruce ein kurzes Video vorgesetzt, bei dem Euch die aktuelle Lage sowie das Ziel erklärt wird. Bevor Ihr Euch anschließend in die Lüfte erheben könnt, folgt hinterher aber zunächst noch ein trockenes Briefing. Sitzt Ihr aber erst einmal hinter dem Steuerknüppel eures Fliegers, zeigt sich Tom Clancy's H.A.W.X. von seiner schönsten Seite. Egal ob Ihr im Cockpit einer F-16 Falcon, Mig-29 Fulcrum, F-22 Raptor, SU-27 Flanker, AV-8B Harrier II Plus oder dem Eurofighter Typhoon Platz nehmt, das Fluggefühl ist stets das Selbe - nämlich erstklassig.
Die Spielsteuerung ist derweilen sehr einsteigerfreundlich umgesetzt worden, weshalb sich hier jeder bereits nach einer kurzen Eingewöhnungszeit zurecht finden müsste. Beschleunigt wird mit der R2-Taste, gebremst wird mit L2. Drückt Ihr jeweils einer der zwei Tasten kurz hintereinander, werden zusätzliche Flughilfen aktiviert oder auf Wunsch auch wieder deaktiviert. Die R1- und L1-Tasten sind für das Gieren reserviert, während Ihr mittels dem linken Analogstick die Richtung wechselt oder mit dem rechten Stick die Kamera um Euren Jet rotieren lasst. Sehr einfach gehalten ist auch die Kampfsteuerung.
Die gegnerischen Ziele können mit einem Druck auf die Dreieck-Taste durchgeschaltet und mittels Kreis- sowie x-Button angegriffen werden. Die Kreis-Taste ist für die Bordkanonen zuständig, während die X-Taste für die Raketen beziehungsweise den Bombenabwurf zuständig ist. Befehle an eure Flügelmänner erteilt Ihr über das analoge Steuerkreuz, wobei rechts für Verteidigung und links für Angriff steht. Eure Waffen werden ebenfalls mittels des Steuerkreuzes durchgeschaltet. Sollte es vorkommen, dass der Feind eine Rakete auf euch schießt solltet Ihr schnell mit der Viereck-Taste das E.R.S. aktivieren und einen Tauschkörper mit der L3-Taste abfeuern.
Das E.R.S.-System, welches ihr mittels Viereck-Taste aufrufen könnt, wurde speziell dazu entwickelt, um blutige Anfänger in die Pilotenasse der Zukunft zu verwandeln. Dieses System hilft Euch beim Flugzeuge abfangen, unter stützt Euch Raketenwarnungen, Schadenskontrolle, Anti-Absturz-System und bietet darüber hinaus sogar eine Flugbahnberechnung.
Mit diesem Flugleitsystem könnt Ihr beispielsweise Euer Flugzeug in eine optimale Angriffsposition bringen, um verdeckte Bodenziele angreifen zu können oder feindlichen Raketen auszuweichen. Zusätzlich erlaubt Euch das E.R.S. Eurer Staffel und anderen Einheiten diverse Befehle zu erteilen. Selbstverständlich lassen sich all diese Fähigkeiten aber auch deaktivieren, was gerade erfahrenere Spieler sicherlich zu schätzen werden wissen, da sich so der Spielablauf ansprechender und auch fordernder gestaltet.
Wirklich fordernd gestaltet sich der Titel in Bezug auf die Manövrierung der Flugzeuge allerdings nicht. Tom Clancy's H.A.W.X. ist weit davon entfernt eine richtige Simulation zu sein, was aber auch nicht weiter verwunderlich ist, da das Hauptaugenmerk vielmehr auf der Action anstatt auf einem echten Simulationscharakter liegt. Zwar spürt man merklich, dass sich jedes Flugzeug etwas anders oder leichter, beziehungsweise schwerfälliger steuert, tatsächlich gibt es aber letztlich nur drei Schlüsselwerte, welche die Unterschiede zwischen den Modellen festlegen. Diese teilen sich in Wendigkeit, Panzerung und Geschwindigkeit auf.
Die G-Kräfte wirken sich auf eure Flugmanöver leider ebenfalls nicht aus, ganz egal wie krass oder wild eure Manöver ausfallen. Auch bei der Waffenauswahl gibt man sich eher zurückhaltend. Auf die Typenbezeichnungen der einzelnen Waffen hat man hier gleich gänzlich verzichtet und beschränkt sich auf eine simple Funktionsbeschreibung. Da gibt es Raketen für alles, AA- und AG-Mehrfachzielraketen, Wurf-Bomben sowie lediglich nur eine Sorte von Langstreckenraketen. Für eine Simulation etwas zu wenig, wie wir finden.
Tom Clancy's H.A.W.X. verschenkt unnötigerweise viel Potenzial, begeistert dafür aber mit seiner eingängigen sowie simplen Steuerung und dem richtig gut umgesetzten E.R.S.-System. Nett ist auch die Tatsache, dass Ihr für abgeschossene Ziele und erfüllte Aufträge Punkte gutgeschrieben bekommt und in eurem Rang aufsteigt. Mit diesem werden dann auch automatisch neue Maschinen und Waffenpakete freigeschaltet, die Ihr für die einzelnen Einsätze frei auswählen könnt. Ein feiner Zug ist auch, dass Ihr dies alles mit in den Onlinemodus nehmen könnt, ohne noch einmal ganz von vorne anfangen zu müssen. Vom Mehrspielermodus hatten wir uns allerdings etwas mehr erhofft. Zwar ist es eine coole Sache, alle Missionen auch online mit Freunden oder anderen Spielern nochmals anzugehen, für einen lang anhaltenden Onlinespaß sorgt der Titel aber trotzdem nicht. Abseits der Kampagnen-Missionen gibt es nämlich gerade mal einen Deathmatch-Modus, bei dem sich bis zu vier Piloten auf jeder Seite die Raketen um die Ohren schießen lassen können. Mit an Bord ist auch ein Ranglisten-System, welches zu Spielbeginn unheimlich motivierend ist und alle Abschüsse detailliert auflistet.
Visuell und soundtechnisch gibt sich der Titel wir der Rest des Spiels, nämlich unausgeglichen. Die Landschaften, welche anhand von echten Satellitenaufnahmen kreiert wurden, sehen wirklich ansprechend aus, genauso wie die authentisch nachempfundenen Flugzeugmodelle. Schicke Licht- und Raucheffekte, die beispielsweise beim abfeuern einer Rakete zum tragen kommen, zeugen ebenfalls von hoher Qualität. Geht man aber etwas näher ins Detail oder kommt dem Boden zu nahe, fallen einem wenig detaillierte Gebäude und teils schwache Texturen der Umgebung auf. Auch die Explosionen hätte man etwas schöner gestalten können, denn auch hier fehlt irgendwie der letzte Schliff. Zumindest gibt es bei der Sounduntermalung nicht zu bemängeln. Der Funkverkehr zwischen David Crenshaw und seinen Kollegen präsentiert sich stimmig und wurde darüber hinaus komplett lokalisiert. Sehr zur Spielatmosphäre trägt auch bei, dass die deutsche Sprachausgabe zu keiner Zeit aufgesetzt wirkt oder unprofessionell klingt. Die astreine Musikuntermalung sowie die authentisch und druckvollen Kampfgeräusche passen perfekt zum Spielgeschehen und runden das Soundpaket positiv ab.
Tom Clancy's H.A.W.X. fair zu bewerten, ist mir etwas schwer gefallen. Zum einen macht der Titel einen Heidenspaß und bietet auch viele fordernde und unterhaltsame Missionen. Zum anderen aber, wirkt die Story zum Ende hin klischeehaft und bietet stellenweise auch einfallslose sowie langweilige Aufträge. Damit dass der Titel sehr actionorientiert und weniger simulationslastig ausgefallen ist, kann ich mich anfreunden, nicht aber damit, dass die Spieldauer der Einzelspielerkampagne viel zu kurz ausgefallen ist und der Mehrspielermodus zu wenig Abwechslung bietet. Ernüchternd ist auch, dass grafisch nicht mehr aus dem Titel rausgeholt wurde. Die Zwischensequenzen sind für heutige Zeiten einfach zu lasch, die Sprachausgabe ist nicht Lippensynchron und die Qualität der Texturen in Bodennähe ist auch nicht mehr wirklich zeitgemäß.
Hätte sich Ubisoft mit dem Titel etwas mehr Zeit gelassen, wäre das Ergebnis sicherlich besser ausgefallen und hätte dem Titel mit Sicherheit auch eine höhere Wertung beschert. So aber bekommen Spieler ein H.A.W.X. vorgesetzt, dem irgendwie der letzte Feinschliff fehlt. Zugegeben, das klingt jetzt nicht allzu gut, aber seid unbesorgt, denn das Spiel macht trotzdem einen Mordsspaß. Und jetzt entschuldigt mich bitte, denn ich muss zurück zu meinem Flieger, noch ein paar Ziele vom Himmel pusten!
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