Uncharted: Drakes Schicksal

Review
Plattform
PS3
Vertrieb
Sony
Entwickler
Naughty Dog
Erscheinungsdatum
-
Genre
Abenteuer
USK
16
Uncharted: Drakes Schicksal [PS3 , looki.de]

Gesamtwertung

91%/10

Grafik

Sehr gut

Sound

Sehr gut

Lanzeitspaß

Sehr gut

Spieleinstieg

Gut

Bedienung

Sehr gut

Uncharted: Drakes Schicksal

Diejenigen unter euch, die bisher noch mit dem Kauf einer PlayStation 3 gewartet haben und nach wie vor der Meinung sind, das es noch immer keine richtig guten Spiele für die schwarze Sony-Konsole gibt, die sollten mal schnell die Lauscher aufsperren. Mit Uncharted: Drakes Schicksal, das von den kreativen Köpfen von Naughty Dog entwickelt und kürzlich von Sony veröffentlicht wurde, ist nämlich endlich der Abenteuer-Blockbuster des Jahres erhältlich. Auch wenn Hauptheld Nathan Drake keine üppigen Brüste wie Genre-Kollegin Lara Croft hat und weder Hut noch Peitsche wie Kollege Dr. Jones mit sich trägt, so hat uns sein Abenteuer trotzdem total überzeugt. Aber wir wollen nicht gleich zum Fazit kommen sondern wie es sich gehört, erst einmal von vorne beginnen und zwar mit der Geschichte des Spiels.

Ein legendärer Seefahrer und Schatzsucher

Wie der Titel des Spiels bereits verrät, dreht es sich in Naughty Dogs neustem Abenteuerspiel um das Schicksal des jungen Drake.

Ihr übernehmt die Rolle von Nathan Drake, von seinen Freunden auch Nate genannt, der ein erfahrener Schatzsucher und Experte für Tiefseebergungen ist und weltweit stets auf der Jagd nach gesunkenen Schiffen oder verschollenem Gold ist. Nate ist einer alten Familienlegende zufolge ein Nachfahre des legendären Sir Francis Drake, einem englischen Marine-Vizeadmiral aus dem 16. Jahrhundert. Sir Francis Drake war seinerzeit einer der größten Entdecker und Seefahrer, wenngleich seine Unternehmungen manchmal eher als fragwürdig angesehen wurden. Sein außergewöhnliches Leben war einst nämlich geprägt von todesmutigen Raubzügen, bei denen er heftige Seeschlachten führte und als Lohn große Schätze erbeutete. Er verstarb 1596 an der Ruhr und wurde vor der Küste Panamas zur See bestattet, oder besser gesagt, soll es so gewesen sein.

Ihr seht: Nathan Drake liegt das Entdecken ebenso im Blut wie seinem verstorbenen Vorfahren und genau um dessen Vermächtnis dreht es sich in Uncharted.

Das eigentliche Abenteuer startet vor der Küste Panamas, wo Nate zusammen mit der hübschen Fernsehreporterin Elena Fisher – die stets auf der Suche nach einer heißen Story für ihre eigene Archäologie-Dokumentationsreihe ist – den Sarg seines verstorbenen Vorfahren aus dem Meer bergt. Als die zwei den Sarg an Deck ihres Schiffs öffnen, bemerken sie, dass dieser leer ist und sich darin nur Sir Drakes altes Tagebuch befindet. Nate hat dies natürlich bereits vorausgeahnt und ist erfreut zu sehen, dass er Recht hatte und freut sich noch mehr, als er erkennt, dass das alte Tagebuch Hinweise auf die Position von El Dorado enthält. So wie es scheint, hat sein vermeintlicher Vorfahre tatsächlich zu seinen Lebzeiten den Schatz von El Dorado gefunden und den Weg dorthin in seinem Tagebuch festgehalten – dumm nur, das die letzte Seite und wichtigste Seite fehlt. Aber was soll’s, gemeinsam macht er sich mit Elena Fisher und seinem einstigen Mentor Victor Sullivan auf die Suche nach weiteren Hinweisen, hat allerdings auch schon nach kürzester Zeit, die ersten fiesen Piraten an den Fersen kleben.

Hey, das ist hier kein Ponyhof!

Soviel also zur Story von Uncharted: Drakes Schicksal, die wirklich filmreif umgesetzt und auch inszeniert worden ist. Damit ihr euch auch gegen die knallharten Piraten und das andere Gesocks zur Wehr setzen könnt, könnt ihr im Spiel eure Fäuste schwingen oder eure Schusswaffen sprechen lassen.

Von diesen kann Nate maximal zwei gleichzeitig mit sich tragen, die sich jederzeit über das Steuerkreuz wechseln lassen. Das Waffenrepertoire reicht dabei von einfachen Schusswaffen wie beispielsweise der Pistole, über das Gewehr, Schrotflinte oder Uzi, bis hin zum mächtigen Granatwerfer. Haltet ihr im Spiel die L1-Taste gedrückt, wechselt die Perspektive in den Zielmodus, in welchem ihr dann mittels dem Analogstick das Zielkreuz manövrieren und schließlich mit einem Druck auf die R1-Taste das anvisierte Ziel unter Beschuss nehmen könnt.

Neben den übliche Schusswaffen kann Nate auch Granaten mit sich tragen, die ihr mit zusätzlicher Unterstützung der Bewegungssensoren auf eure Feinde werfen könnt. Mittels der Sixaxis-Kontrollen könnt ihr dabei durch Kippen und Neigen des Controllers den Flugwinkel der Granate bestimmen und diese im Anschluss ebenfalls durch einen Druck auf die R1-Taste werfen. Ein intuitives und wirklich tolles Feature!

Ausgeschaltete Gegner hinterlassen ihre Waffen oder Munition, die ihr durch Betätigung der Dreieck-Taste aufheben könnt. Der gleiche Button wird dann auch beim Interagieren, beispielsweise zur Benutzung eines stationären Geschützes, verwendet. Draufgängerische Abenteurer können ihre Feinde auch ohne das Zielsystem unter Beschuss nehmen, wovon wir allerdings – da ihr sonst sehr schnell ins Gras beißen werdet - eher abraten würden. Damit kommen wir zum nächsten Feature, das ihr gut nutzen solltet, wenn euch Drakes Leben teuer ist.

In der wirklich tollen Umgebung habt ihr nämlich stets die Möglichkeit, vor feindlichem Kugelhagel in Deckung zu gehen. Genügend Steine, Bäume, Kisten oder Mauern sind in den weitläufigen Arealen zuhauf anzufinden und sollten entsprechend auch genutzt werden. Mittels Kreis-Button könnt ihr beispielsweise hinter einer Kiste Stellung beziehen und von dort aus, aus sicherer Deckung heraus die Gegner anvisieren und aufs Korn nehmen. Je nach Deckung solltet ihr euch jedoch nicht allzu lange an der gleichen Position aufhalten, da unter anderem bestimmte Deckungen, wie auch die Kiste eine davon ist, nämlich zerstörbar sind. Dieser kleine, nicht ganz unwichtige Punkt ist allerdings nicht nur ein Nachteil, sondern kann auch zu eurem Vorteil genutzt werden, da ihr so auch die Deckung eurer Kontrahenten zerstören könnt. Ist eure Position nicht mehr sicher, könnt ihr blitzschnell mit der Kreis-Taste zu einer anderen Deckung hechten und sogar auch über diese hinweg springen, um einen schnellen Frontalangriff zu starten.

Das Deckungssystem lässt sich am ehesten mit einem indizierten Shooter von Epic Games vergleichen, an dem sich die Entwickler von Naughty Dog offensichtlich orientiert haben.

Immer einen schlagfertigen Spruch auf Lager

Der draufgängerische Hauptheld kann sich aber nicht nur mit Waffen zur Wehr setzen und von Deckung zu Deckung rollen, er hat auch sonst so einiges auf dem Kasten. Da wäre zum einen das Kombosystem, bei dem ihr – sollte euch einmal die Munition ausgehen oder euch die Feinde zu nahe kommen – ordentlich mit euren Fäusten austeilen könnt. Neben normalen und einfachen Komboattacken könnt ihr darüber hinaus auch so schwere Kombos starten, die dann allerdings vom richtigen Timing abhängig sind.

Gelingt euch die Aktion, hinterlassen die umgehauenen Gegner gleich doppelt so viel Munition. Zum anderen ist Nate außerordentlich geschickt beim klettern und kann selbstverständlich auch exzellent mit einem Jetski oder Jeep umgehen. Wenn ihr euch also nicht gerade mit irgendwelchen Piraten oder Söldnern blaue Bohnen um die Ohren jagt, die Fäuste fliegen lasst oder Spielabschnitt abhängig mit eben genannten Vehikeln durch die Gegend cruist, kommt das eigentliche Hauptelement des Spiels zum tragen – die Erkundung der bunten Spielwelt.

An dieser Stelle sei angemerkt, dass diese wirklich kunterbunt ist und einfach erstklassisch in Szene gesetzt wurde. Flora und Fauna – Uncharted spielt zum größten Teil im Dschungel – sind mit zahlreichen Farben und aufwendigen Details versehen worden und erwecken beinahe den Eindruck, tatsächlich echt zu sein.

Selten haben wir einen derart aufwendig und opulent inszenierten Abenteuer-Titel zu Gesicht bekommen wie hier. Es ist schon schier unglaublich wenn man bedenkt, das die meisten der großartigen Details nur für den kurzen Moment geschaffen worden sind, in dem man sich gerade an der jeweiligen Stelle aufhält. Dabei spielt es überhaupt keine Rolle ob ihr gerade an einer Felswand entlang klettert, euch mit einer Liane über tiefe Abgründe schwingt, mit dem Jetski über realistisch animiertes Wasser brettert oder euch gerade eines der vielen Feuergefechte liefert, alles sieht einfach unglaublich gut aus. Wenn dann auch noch plötzlich wie aus dem Nichts auf einmal ein altes U-Boot, das vor vielen Jahren vor einem Wasserfall auf ein Riff gelaufen ist, auftaucht und ihr mit einem malerischen Sonnenuntergang im Rücken das Wrack untersucht, bleibt einfach kein Auge trocken. Dieser grafische Overkill lässt sich nur schwer in Worte fassen, man muss es einfach mit eigenen Augen gesehen und selbst erlebt haben.

Das perfekte Spiel?

Aus grafischer Sicht heraus betrachtet gibt es, wie man an den letzten Zeilen unschwer heraushören konnte, wirklich gar nichts zu bemängeln. Aber wie sieht es mit dem Gameplay aus? Natürlich ist auch Uncharted: Drakes Schicksal nur ein Spiel und daher auch nicht vollkommen fehlerfrei. Glücklicherweise beschränken sich die wenigen Mängel auf ein Minimum, so dass es kaum nennenswerte Punkte gibt. Einer der Mängel ist zum Beispiel der eigentlich überflüssige Einsatz von Granaten.

Zwar ist das Feature, den Flugwinkel der Sprengkörper mittels der Sixaxis-Kontrollen zu bestimmen hervorragend gelöst, der anschließende Effekte jedoch zu ungenau umgesetzt worden.

Wenn die Granate nämlich nicht punktgenau zum Ziel geworfen wird, explodiert diese ohne eine Wirkung beim Gegner zu hinterlassen. Zu oft kam es vor, dass unser gesamter Granatenhaushalt für nur ein Ziel herhalten musste und wir am Ende doch wieder den guten alten Schießprügel zum Einsatz brachten. Ein weiteres Manko ist der doch sehr lineare Ablauf der Kletterpassagen. Anders als bei Tomb Raider, bei dem ihr euch erst mühsam den Weg ertasten müsst, ist dieser bei Uncharted stets vorgegeben.

Generell präsentiert sich der gesamte Spielablauf, gerade in Bezug auf die Kletter- oder Rätselpassagen als zu einfach, da euch eigentlich fast immer mit einem kleinen Tipp ausgeholfen wird. Irrt ihr zum Beispiel zu lange an immer der gleichen Stelle umher, bietet euch der Titel eine Hilfestellung an und ihr könnt euch mittels L2-Taste die Info einholen, in welche Richtung ihr euren Weg fortsetzen müsst.

Ähnlich verhält es sich mit Denk- und Rätseleinlagen, in denen Nate einfach Drakes altes Tagebuch zückt, das euch immer – und damit meinen wir auch wirklich immer – des Rätsels Lösung auf dem Silbertablett präsentiert. Etwas mehr Eigenständigkeit hätten die Entwickler den Spielern an diesen Stellen ruhig zutrauen können. Der letzte Kritikpunkt ist der recht happige Schwierigkeitsgrad während den häufigen Schusswechseln. Im Gegensatz zu Nathan können die Gegner nämlich deutlich mehr Treffer einstecken.

Anders als bei anderen Action-Adventures wird dabei auf jegliche Anzeigen verzichtet, so dass ihr erraten müsst, wie viele Treffer die Feinde noch einstecken können. Ebenso verhält es sich auch mit eurem eigenen Energiehaushalt. Werdet ihr zu oft getroffen, verblassen die Farben der Spielgrafik. Ist die Grafik nur noch in Schwarz-Weiß zu sehen und ihr hört obendrein auch noch Nates Herzschlag, braucht es nur noch einen Treffer um euch endgültig die Lichter auszupusten.

Ein wiederum ebenfalls nettes Feature, das euch aufgrund fehlender Anzeigen das Spielgeschehen noch authentischer miterleben lässt.

Audiovisuell auf höchsten Niveau

Sieht man von diesen kleinen Mankos ab, von denen jetzt aber wirklich kein Einzigster wirklich störend war, so das es dem Spielspaß schadet, überzeugt der Titel aus spielerischer und audiovisueller Sicht heraus betrachtet gänzlich. Wie bereits angesprochen, leistet die grafische Präsentation dazu den größten Beitrag. Bei genauerer Betrachtung fällt unter anderem nämlich auf, dass auf jedes noch so kleine Detail, ein enormer Wert gelegt wurde. Lauft ihr beispielsweise mit Nathan durch kniehohes Wasser, sind auch nur diese Partien seiner Hose durchnässt. Springt ihr hingegen komplett ins kühle Nass, ist Nates gesamte Kleidung regelrecht durchnässt und zeigt nach dem Entsteigen des Wassers sogar abperlende Wassertropfen.

Das mag zwar jetzt nicht wirklich eindrucksvoll klingen, anlässlich des dabei vollkommen korrekten Faltenschlages seiner Jeans wollten wir aber trotzdem noch einmal darauf hinweisen.

Sehen lassen können sich auch die Zwischensequenzen und die äußerst detaillierte Mimik der Protagonisten. Gepaart mit den flüssigen Animationen, den wunderschönen Licht- und Schatteneffekten, sowie den malerischen Locations, erwecken diese nämlich den Eindruck, mehr einen Film anzusehen, als gerade ein Videospiel zu spielen.

In Anbetracht der optischen Präsentation ist es dann auch eigentlich nicht verwunderlich, das zudem die Synchronisation passt, wie die Faust aufs Auge. Die Soundeffekte sind erstklassig, der orchestrale Musikscore stimmig und die deutsche Synchronisation befindet sich dank professioneller Sprecher auf Kino-Niveau. Hier gibt es wahrlich überhaupt nicht zu bemängeln.

Fazit

Wow, was hat mich Uncharted: Drakes Schicksal aus den Latschen gehauen! Es ist schier unglaublich was die Entwickler von Naughty Dog hier mit diesem Action-Adventure geschaffen haben und ich muss ehrlich zugeben, es macht endlich richtig Spaß mit der PlayStation 3 Spiele zu zocken und nicht nur HD-Movies auf Blu-ray zu glotzen. Aus audiovisueller Sicht betrachtet, gibt es derzeit einfach kein besseres Spiel für die PS3 und auch spielerisch weiß der Titel, bis auf die kleinen aber nicht wirklich störenden Mängel, zu gefallen. Nathan Drakes Abenteuer, in dem er buchstäblich in die Fußstapfen seines Urahns tritt, fesselt ab der ersten Spielminute und bietet ein Spielerlebnis der ganz besonderen Art. Zwar ist Uncharted bereits nach gut zehn Spielstunden zu Ende, das heißt aber noch lange nicht, das ihr danach gleich den Controller aus der Hand legen müsst. Für ordentliche Langzeitmotivation sorgen zudem nämlich die vielen kleinen Schätze, die überall im Spiel versteckt wurden und die beim Auffinden sinnvolle Extras wie Bilder-Galerien, Konzeptzeichnungen oder Making-of-Videos freischalten.

Wer nach einem guten Action-Adventure für die PlayStation 3 sucht, der kann sich Uncharted: Drakes Schicksal ohne weiteres überlegen zulegen. Spieler, die bisher immer noch keine PS3 in ihrem Besitz haben, haben spätestens jetzt, einen mehr als guten Grund, sich endlich Sonys Next-Generation-Konsole ins Haus zu holen.

Uncharted: Drakes Schicksal [PS3 , looki.de]

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