Gesamtwertung88%/10 |
GrafikGut SoundGut |
LanzeitspaßSehr gut SpieleinstiegGut |
BedienungSehr gut |
Was darf's denn sein? 'Ne Runde Tekken oder Dead or Alive? Oder doch lieber Mortal Kombat? Wie wär's mit Street Fighter oder King of Fighters für den Fan der alten Schule? Die Nase voll von Soul Calibur? Ihr merkt sicherlich schon; Das Beat'em Up-Genre wurde im Laufe der Zeit mit vielen hochkarätigen Vertretern geschmückt. Doch keines der unzähligen Spiele konnte an die Tiefe und perfekte Balance von SEGAs Edelklopper herankommen. Die Rede ist von Virtua Fighter. Mit dem nunmehr fünften Teil der Serie möchten Kataoka samt Team AM2 die Messlatte für kommende Spiele noch höher setzen. Wir haben der PlayStation 3-Version einer Leibesvisitation unterzogen und verraten euch, ob Sonys Schlachtschiff hierzulande direkt mit der neuen Genre-Referenz auf den Markt gekommen ist.
Handkanten mit Köpfchen
Viele von euch werden folgendes Szenario mit Sicherheit schon einmal erlebt haben: Ihr ladet euch ein paar Freunde nach Hause ein und wollt ihnen, beispielsweise in Tekken, zeigen, wer im virtuellen Ring die Hosen an hat. Die Wahl eures Gastes fällt auf Eddi Gordo. In den nächsten Runden brilliert euer Gegenüber mit seiner Button-Masherei und schickt euch mit einem sarkastischen Da hasse! zu Boden. Der Hals schwillt. Hättet ihr euch bei der Wahl des Spiels für Virtua Fighter entschieden, wäre alles ganz anders gekommen. Hier bringt wildes Herumgedrücke auf dem Pad rein gar nichts. Nur wer die Moves seines Charakters samt Timing beherrscht, gewinnt. Allerdings ist es bis dahin ein weiter, weiter Weg! Dies sollte euch klar sein. Hier handelt es sich nicht um einen Gelegenheitsprügler. Das Spiel möchte studiert werden und zwar gründlich.
Der Mexikaner und das Affengirl
Wer jetzt denkt, dass das Spiel nur etwas für Profis ist, der irrt sich. Auch Einsteiger werden ihre Freude an dem Titel haben. Dies vor allem, weil die Steuerung so simpel gehalten wird. Wie hat es Chop Chop Master Onion seiner Zeit so schön gesagt? Kick, Punch, Block - It's all in the mind! Virtua Fighter kam und kommt immer noch mit nur drei Aktions-Tasten voll und ganz aus. Da grenzt es schon fast an ein Wunder, wenn man bedenkt, welches Repertoire an effektiven Schlägen und Kombinationen jeder der insgesamt 17 Kämpfer mit sich bringt. Schließlich besitzt so gut wie jeder der Recken eine Vielzahl verschiedener Stile, die man während des Kampfes wechseln kann. Mit jedem Stil lassen sich neue Moves auf's Parkett legen und zu ellenlangen Kombinationen anreihen - das richtige Timing vorausgesetzt. Ganz neu dabei sind die Chinesin Eileen sowie der Mexikaner El Blaze. Letzterer bedient sich eines Kampfstils, der am ehesten als Kompromiss aus Wrestling und Kickboxen anzusehen ist. Eileen hingegen kommt mit einem Stil daher, der an die Bewegungen eines Affen erinnert. Beide Charaktere gliedern sich vorzüglich in den Rest der Riege ein.
Wie man es von Virtua Fighter gewohnt ist, halten sich die Neuerungen gegenüber den Vorgängern in Grenzen. Hier eine Hand voll neuer Moves und ein paar verbesserte Animationen da. Versuche, dass Gameplay zu verändern, wie es beispielsweise in Tekken 4 der Fall gewesen ist, wurden nicht unternommen.
Ihr kämpft noch immer in kleinen Arenen gegeneinander, in denen kaum Raum zum Ausweichen bleibt. Auch der obligatorische Ring Out darf natürlich nicht fehlen. In manchen Arenen müsst ihr euren Gegner vorher allerdings durch eine Holzbarriere klatschen, bevor er aus dem Ring fallen kann. AM2 möchten ihr Schätzchen nicht verändern, nur verbessern. Und dies scheint ihnen von Teil zu Teil mehr zu gelingen. In keinem anderen Prügler habt ihr ein derartiges Gefühl der totalen Kontrolle über den Charakter wie in Virtua Fighter 5.
Das Spiel bietet neben Arcade- und VS- noch einen so genannten Quest-Mode, in dem ihr euch mit eurem Lieblingscharakter durch verschiedene Arcades prügelt und an verschiedenen Turnieren teilnehmt. Hierdurch gelangt ihr in der Rangliste weiter nach oben und könnt durch Belohnungen in Form von verschiedenen Outfits und Accessoires freischalten. So könnt ihr euren Charakter ganz nach eurem Belieben umgestalten. Weiterhin gibt es noch den Dojo-Mode, der eigentlich als Trainingsmodus anzusehen ist. Hier könnt und solltet ihr die Moves der Kämpfer lernen und meistern. Um sich die aufgezeichneten Wiederholungen eurer Kämpfe anzusehen, könnt ihr der VF.TV-Sektion einen Besuch abstatten. Leider lassen sich ausschließlich die Kämpfe, welche von euch im VS-Mode gegen einen Freund ausgetragen wurden, aufzeichnen.
Online? Leider nein!
Was sich viele für den neusten Teil gewünscht hätten, wäre ein Online-Modus. Umso tragischer ist es, dass die Entwickler nichts Derartiges in das Spiel gepackt haben. Dies wird dadurch entschuldigt, dass für ein perfektes VF-Spielerlebnis konstante 60 Frames erreicht sowie die Befehle ohne Verzögerung ausgeführt werden müssen. Mit dem heutigen Stand der Onlineverbindungen sei dies noch nicht wirklich möglich. Da stellt sich natürlich die Frage, warum man einen solchen Modus nicht einfach trotzdem in das Spiel integriert hat. Selbst wenn nicht die Qualität eines Offline-Duells erreicht worden wäre, würde die Entscheidung letzten Endes beim Spieler selbst liegen, ob er denn nun auf Online-Kämpfe verzichten möchte, oder nicht. Anhand der Konkurrenz sieht man ja schließlich, dass man nicht darauf verzichten muss.
Vom grafischen Standpunkt ausgesehen haben AM2 wirklich ganze Arbeit geleistet. Die Charaktere erreichen zwar nicht ganz die Brillianz einer gewissen Box-Simulation von EA, sehen aber dennoch superb aus. Auch die Animation zählen mit zu den flüssigsten und hübschesten überhaupt. Die Arenen hätten teilweise noch ein wenig mehr Feinschliff vertragen können, hinterlassen aber einen letztlich positiven Eindruck. Die Soundeffekte hätten dynamischer und satter sein können und was sich die Entwickler bei manchen Musikstücken gedacht haben, bleibt wohl ein Rätsel. Nervtötend ist wohl das richtige Wort. Ansonsten kann man die gesamte Präsentation als sehr stimmig und gelungen bezeichnen.
Virtua Fighter 5 ist von der reinen Spielmechanik her ganz klar der neue Genreprimus. Das Fehlen eines Onlinemodus ist hingegen sehr traurig. Auch die Präsentation sieht zwar schon gut aus, hätte aber aufgrund der Hardware-Power der PlayStation 3 noch verbessert werden können. Aber auch mit diesen kleinen Mankos überzeugt der neuste Teil der Reihe auf ganzer Linie. Fans und Perfektionisten schlagen eindeutig zu!