Gesamtwertung72 %/10 |
Grafik8 Sound8 |
LanzeitspaßUngenügend Spieleinstieg7 |
Bedienung7 |
Habt ihr schon einmal etwas von Timur Nuruachitowitsch Bekmambetow gehört? Nein? Dann vielleicht in Verbindung mit den Namen James McAvoy, Morgan Freeman, Thomas Kretschmann oder Angelina Jolie? Denjenigen, wo es immer noch nicht "Klick" gemacht haben sollte, möchten wir an dieser verraten, das es sich bei Bekmambetow um einen russischen Filmemacher handelt, welcher uns im vergangenen Jahr den supercoolen Actionstreifen Wanted beschert hat.
In diesem Film ging es um den recht unauffälligen und erfolglosen Wesley Gibson, der sein trauriges Dasein als Verwaltungssachbearbeiter fristet, während es sein vermeintlich bester Kumpel tagtäglich mit seiner Freundin treibt. Wesleys ereignisarmes Leben ändert sich schlagartig, als ihn eine unbekannte Schönheit namens Fox in einem Supermarkt anspricht, ihm eröffnet das sein Vater einer der besten Auftragskiller überhaupt sei, jedoch ermordet wurde und er sich der Bruderschaft anschließen soll, um den Tod seines Vaters zu rächen.
Der Film spielte in den amerikanischen Kinos die stattliche Summe von ca. 340 Millionen Dollar ein, was bei einem geschätzten Budget von gerade einmal 75 Millionen ein riesiger Erfolg ist. Kein Wunder also, das ein zweiter Teil folgen soll, für den Regisseur Timur Bekmambetov sowie die Autoren Michael Brandt und Derek Haar bereits unterschrieben haben.
Bis Wanted 2 allerdings in die Kinos kommt, wird jedoch noch etwas Zeit vergehen. Zeit, die ihr mit dem kürzlich erschienenen Videospiel zum Film überbrücken könnt. In Wanted: Weapons of Fate, das zeitlich wenige Stunden nach den Ereignissen des Filmes spielt, schlüpft ihr in die Rolle von Wesley Gibson und wollt den Tod der eigenen Mutter rächen.
Interessant bei dieser Filmversoftung ist, dass die Story Aufschluss über Wesleys vergangenes Leben gibt, auf welches im Film nicht weiter eingegangen wurde. Und nachdem Wesley dummerweise seinen eigenen Vater auf dem Gewissen hat und sein Leben düster und einsam aussieht, was läge da näher, als nach seiner Vergangenheit zu forschen? Auf der Suche nach dem Mörder eurer Mutter, die euch letztlich zur französischen Bruderschaft und dessen Oberhaupt The Immortal führt, übernehmt ihr jedoch nicht nur den Part von Wesley, sondern schlüpft auch in die virtuelle Haut dessen Vaters. Die Missionen mit Cross spielen dabei allerdings, da er ja bereits verstorben ist, in der Vergangenheit. Der Spielablauf während den einzelnen Missionen, die ihr allesamt in der Third-Person-Perspektive erlebt, ist schnell erklärt. Ihr müsst ballern - und zwar was das Zeug hält. Damit ihr dabei aber selbst nicht über den Haufen geschossen werdet, gilt es logischerweise währenddessen auch ab und an in Deckung zu gehen und hinter Kisten oder Mauern Stellung zu beziehen.
Das Deckungssystem ist dabei stark an einen indizierten Kettensägen-Shooter aus dem Hause Epic angelehnt und funktioniert die meiste Zeit über tadellos. Aus der Deckung heraus könnt ihr, dank des guten Zielsystems, die zahlreichen Gegnerhorden regelrecht niedermähen. Etwas schade dabei ist, dass die Entwickler auf diverse Trefferzonen gänzlich verzichtet haben.
Es ist daher nicht möglich einen Gegner durch einen Schuss in den Arm zu entwaffnen oder einen tödlichen Kopftreffer zu landen. Tatsächlich sind manchmal, je nach Gegnertyp, sogar mehrere Kopftreffer hintereinander nötig, um diesen auszuschalten. Andere Feinde lassen sich sogar nur durch spezielle Angriffstechniken ausschalten, da sie entweder zu weit entfernt oder zu stark gepanzert sind.
Hier kommt dann ein wichtiges Element des Filmes zum Einsatz - nämlich das ihr mit Wesley und Cross eure Kugeln umlenken und beispielsweise um die Ecke schießen könnt. Aktiviert wird dieses Feature mit einem Druck auf die R1-Taste, woraufhin euch dann ein roter Kurvenverlauf die jeweilige Flugbahn eurer Kugel anzeigt. Ist der Gegner, der sich zum Beispiel hinter einer Deckung verschanzt hat, rot unterlegt, bedeutet das, dass ihn die Kugel nicht treffen wird. Rotiert ihr aber mit dem linken Analogstick und verändert den Kurvenverlauf, wird die Gegneranzeige grau und ihr könnt dem Feind die Lichter auspusten. Im späteren Spielverlauf, nämlich wenn ihr im Besitz der Waffen eures Vaters seid, könnt ihr sogar explosive Geschosse verwenden, die gleich mehrere Gegner erledigen.
Auch ist es möglich durch einen Druck auf die Dreieck-Taste eine Art Bullet-Time zu aktivieren, aus welcher ihr dann eure Kontrahenten in einem beschränkten Winkel heraus attackieren könnt. Ein weiteres Feature ist das Blindfeuern, welches bei richtigem Einsatz für kurze Zeit die Spielgeschwindigkeit verlangsamt und es euch möglich macht, die Deckung zu wechseln und eurem Feind in den Rücken zu fallen. Um all diese Fähigkeit jedoch einsetzen zu können, müsst ihr zunächst eure Adrenalin-Anzeige füllen, in dem ihr eure Kontrahenten entweder normal oder mit einem Nahkampfangriff mittels Druck auf die Kreis-Taste ausschaltet. So toll und spaßig diese Features auch klingen mögen, so muss an dieser Stelle gesagt werden, dass das Spiel leider nicht mehr bietet. Der gesamte Spielablauf beschränkt sich auf diese ausufernden Ballereinlagen, bei denen ihr stets von Deckung zu Deckung huscht und dabei eure Feinde entweder einfach über den Haufen ballert oder eure Kugeln stylisch umlenkt.
Zugegeben, das Ganze spielt sich nicht schlecht, funktioniert sehr gut und macht auch eine zeitlang ordentlich Spaß, wirklich abwechslungsreich ist es aber nicht. Schade ist auch, dass ihr ausschließlich mit Waffengewalt vorgeht und es keine Rätseleinlagen oder Fahrmissionen wie im Film gibt.
Erschwerend kommt noch hinzu, dass die deutsche Version stark geschnitten ist, was zusätzlich auf die Spaßbremse drückt. Während in der Uncut-Version die Nahkampfattacken noch stylisch aussehen, bekommt ihr in der gekürzten Version immer nur eine Animation präsentiert, nämlich wie euer Protagonist in die Luft springt und seinem Gegenüber das Knie in die Kinnlade drückt. Ebenfalls der Schere zum Opfer gefallen, sind die Flugbahnen eurer umgelenkten Kugeln, die in der ungeschnittenen Fassung per Zeitlupensequenz ihren Weg zum Ziel finden. Dabei verfolgt die Kamera die genaue Flugrichtung und zeigt explizit, wo die Kugel den Gegner trifft. Diese ganzen Kürzungen finden wir allerdings etwas überzogen, zumal der Titel von der USK auch "keine Jugendfreigabe" erhalten hat.
Technisch präsentiert sich Wanted: Weapons of Fate recht ordentlich, sieht man einmal von den leider nur mittelprächtigen und im Hintergrund stark verpixelten sowie vermatschten Hintergründen einmal ab. Dafür überzeugen aber die Charaktermodelle umso mehr, die eine ordentliche Texturqualität und butterweiche Animationen aufweisen. Auch die Effekte können sich sehen lassen, allen voran die Partikeleffekte überzeugen auf voller Länge. Scheiben zerbersten realistisch, Holz splittert authentisch und die gewaltigen Explosionen sehen erstklassig aus. Bei der Sounduntermalung punktet der Titel ebenfalls. Die Waffen- und Explosionseffekte klingen allesamt sehr dynamisch und bieten keinen Anlass zur Kritik. Auch mit an Bord ist der Originalsoundtrack, der mit seiner stimmigen Hintergrundmusik ebenfalls zu überzeugen weiß. Die Sprachausgabe ist zwar nur englisch, dafür aber recht professionell gesprochen und zusätzlich mit deutschen Untertiteln versehen. Als Sprecher kann vor allem Hauptcharakter Wesley überzeugen, der mindestens genauso cool und lässig klingt wie in der Filmvorlage. Im Großen und Ganzen also eine Filmversoftung, die zumindest technisch betrachtet fast alles richtig macht.
Als Fan des Kinofilms hatte ich mich darauf gefreut, mit sexy Angelina Jolie als coole Assassine Fox im Auftrag der Bruderschaft auf die Jagd zu gehen. Dass die hübsche Braut allerdings überhaupt nicht spielbar ist, wusste ich bis dato noch nicht. Naja, dafür konnte ich zumindest mit Wesley und seinem Vater Cross ordentlich die Sau raus lassen und die französische Bruderschaft und deren Waffen des Schicksals gehörig aufmischen. Was mich beim actiongeladenen Spielablauf allerdings etwas enttäuscht hat, war, das es bereits nach wenigen Spielstunden nichts Neues mehr zu entdecken gab und das der Abspann auch recht schnell über den Bildschirm flimmerte. Die gesamte Spielzeit, die leider nicht mehr als knapp fünf Stunden andauert, seid ihr ausschließlich mit Rumballern beschäftigt.
Ok, das ist an sich ja keine verkehrte Angelegenheit, dumm ist dabei nur, das die Schnitte der deutschen Version merkbar auf die Spaßbremse drücken. Trotzdem muss ich zugeben, dass mir der Titel eine Menge Spaß gemacht hat, auch wenn die Abwechslung dabei etwas auf der Strecke blieb. Wer auf technisch ordentliche Actionshooter steht, der dürfte bei Wanted: Weapons of Fate durchaus auf seine Kosten kommen. Und wer nicht zu den zartbesaiteten Spielern zählt, sollte beim Kauf unbedingt darauf achten, zur ungeschnittenen Version zu greifen.
Du bist Gladiator, der Held der Spiele im Kolosseum. Besiege Deine Gegner und erkämpfe Dir die Cance auf 10.000 €. zum Spiel...
Wanted: Weapons of Fate im Test.
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