WWE SmackDown vs. Raw 2009

Review
Plattform
PS3
Vertrieb
THQ
Entwickler
Yuke's
Erscheinungsdatum
-
USK
16
WWE SmackDown vs. Raw 2009

Gesamtwertung

82 %/10

Grafik

7

Sound

8

Lanzeitspaß

7

Spieleinstieg

9

Bedienung

8

WWE SmackDown vs. Raw 2009

Die starken Männer sind zurück. Nein, nicht die vom naserümpfenden Wicki. Unsere starken Männer haben andere Markenzeichen: meist enge Hosen, Schminke und manchmal auch witzige Kappen auf dem Kopf. Dennoch sind sie - vollkommen außer Frage - natürlich "goddam" männlich. Aber was sage ich da? Hier tummeln sich schließlich auch Frauen! Smackdown vs. Raw, die traditionsreiche Wrestling-Simulation, geht in die sechste Runde - zumindest unter dem Titel. Entwickler Yukes hat den Fans viele Neuerungen und Verbesserungen versprochen. Nach dem für viele zum Teil enttäuschenden Vorgänger ist die Erwartungshaltung hoch. Schauen wir, was die Bretter zu bieten haben.

Der lange Weg zum Ruhm

"Ist Wrestling auf dem absteigenden Ast?", mögen sich in den letzten Jahren einige gefragt haben. Obwohl die WWE, der größte Wrestling-Anbieter, längst an der Börse notiert ist und einen Jahresumsatz von etwa 400 Millionen Dollar einfährt, scheinen die besten Zeiten - zumindest in Sachen Einschaltquoten und Massentauglichkeit - irgendwie vorbei. Andererseits sind The Rock als Schauspieler und Hulk Hogan zusätzlich noch in diversen Reality-Shows gefragte Persönlichkeiten. Neben ständigen Reanimationsversuchen seitens der Offiziellen gibt es aber noch mindestens eine weitere Konstante im Wrestling-Business: Die Smackdown vs. Raw-Serie aus dem Hause Yukes/THQ.

Nachdem viele Spieler der 2008er Ausgabe von SvR meine anfängliche Frage vielleicht bejaht und damit bestätigt hätten, dass Wrestling früher irgendwie cooler war, gab es viele Beteuerungen, dem SvR-Spektakel zu neuer Größe zu verhelfen. Die Entwickler versprachen, auf die Fans zu hören. Und die haben wohl sehr laut gesprochen. Hervorgehoben werden vor allem die Neuerungen, die es in das 2009er Exemplar geschafft haben. Hier ist als erstes der neue Karriere-Modus zu nennen: Die Road to Wrestlemania. Sie bietet ein ganz besonderes Erlebnis, denn hier tauchen wir direkt in das Leben eines von insgesamt sechs bzw. sieben Profi-Wrestlern ein und spielen ihre Karrieren während der wichtigsten WWE-Zeit, nämlich auf der Road to Wrestlemania. Triple H, CM Punk, Undertaker, John Cena, und Chris Jericho stehen im Singleplay-Modus zur Verfügung. Rey Mysterio und Batista können zusätzlich im Solo- wie auch im Multiplay während ihrer Laufbahn verkörpert werden. Das Rollenspiel selbst kann dabei zum Teil jeweils mehrere Stunden umfassen. Und wer meint, während dieser Zeit eine gute Figur gemacht zu haben, kann dank des Highlight-Reel-Features eigene Matchszene aufnehmen, bearbeiten und das fertige Video sogar online einstellen. Interessant ist der Spielmodus allemal.

Ob bei dieser begrenzten Auswahl für Euch allerdings etwas dabei ist, muss jeder für sich selbst entscheiden. Identifikation mit dem eigenen Wrestler ist für viele sicherlich ein wichtiges Kernelement bei der Auswahl und folglich auch ein Faktor der Langzeitmotivation. Dafür, dass dieser Spielmodus integriert wurde, mussten anderswo Abstriche gemacht werden. So sind selbst erstellte Wrestler nun bar jeglicher Story. Denn die ist - außer eben auf der Road to Wrestlemania - verschwindend gering bis gar nicht mehr vorhanden. Die für die Handlung zuständigen Zwischensequenzen bei selbst erstellten Charakteren sind entfernt worden. Daraus resultiert, dass man seinen Gegnern nun auch mit eigens gebastelten Fightern pausenlos so lange auf die Ohren haut, bis man selbst der Beste ist. Kampf reiht sich an Kampf.

Brot und Spiele

Einziger Vorteil ist hier, dass die Fights dank verkürzter Ladezeiten von maximal 10 Sekunden, schneller aufeinander folgen. Mit dabei ist auch wieder das vermeintlich schwache Geschlecht und so kommt SvR 2009 auf insgesamt über sechzig zur Verfügung stehende Wrestling-Profis. Einigen Spielern könnte der Wegfall des originalen Create-A-Wrestler-Elements sicherlich bitter aufstoßen und die Langzeitmotivation, die früher durch die Identifikation mit dem selbst erstellen Pendant zustandekam, einschränken.

Neben der Road to Wrestlemania existiert natürlich auch weiterhin der Exhibition-Modus mit den Kämpfen One on One, Two on Two, Triple Threat, Fatal-4-Way, 6-Man, Handicap und Royal Rumble. Hier hat sich die Neuerung des Inferno Match etabliert. Während sich Wrestling-Kämpfe ansonsten eher von der gefühlskalten Seite zeigen, heizt sich bei dieser Spielweise die Stimmung im wahrsten Sinne des Wortes gewaltig auf. Genauer gesagt brennen beim Inferno Match die Ränder des Rings und hitzige 200 bis 300°C Innentemperatur sollen die Gemüter zum Kochen und die Wrestler zum Schwitzen bringen. Das sieht nicht nur gut aus, sondern gibt dem Kampf auch eine leicht epische Würze. Wer bei einem Inferno Match aus dem Ring fliegt, kann seinen Kampf vergessen und sieht kurzzeitig einer Zukunft als Brathähnchen entgegen, denn er fängt dabei auch schon einmal Feuer - zumindest an der Kleidung. Das Ganze kann natürlich gefilmt und unter dem Punkt Mein WWE zu einem netten Video zusammengeschnitten werden. Unter demselben Punkt ist es übrigens auch weiterhin möglich, sich sein persönliches Roster zu erstellen und die Optionen den eigenen Ansprüchen azupassen. Individualisierung geht schließlich vor. So auch bei dem Finishing-Editor, einer ebenso sinnvollen wie attraktiven Neuerung. Aus vorgefertigten Moves können hier wie beim heimischen Bastelkasten eigene Finishing-Attacken verknüpft und in der Geschwindigkeit angepasst werden. Die Finishings werden dann genau wie die bekannten Signature Moves, die individuellen Spezialattacken der einzelnen Wrestler, ausgelöst. Hat ein Spieler also ausreichend erfolgreiche Angriffe am Gegner platzieren können, gibt es richtig was auf die Haube.

Dass Angriffe wie gewohnt mit gegebenenfalls herumliegendem Mobiliar ausgeführt werden können, sei hier nur am Rande erwähnt. Was dagegen einem Hauptaugenmerk würdig ist, sind die Verbesserungen am Tag-Team-Management. Dank einer allgemein aufpolierten KI stehen die Partner nun nicht mehr einfach nur herum, sondern bieten auf beiden Seiten verschiedenste Hilfeleistungen an: sie halten den Gegner fest, wenn er in den Seilen hängt, damit wir ihm noch ein paar mitgeben können, hauen aber auch gerne mal selbst zu oder verstricken den Ringrichter in eine Unterhaltung, um ihn vom Geschehen abzulenken. Zwar sind nicht alle Gegneraktionen und ganz selten vorkommende Aktionspausen immer nachvollziehbar, aber Dummheit kann man den virtuellen Muskelprotzen nicht vorwerfen. Und über den dargebotenen Enthusiasmus freut sich nicht nur der Spieler, auch das Besucherherz tobt. Wenn nicht Brot, dann doch zumindest Spiele werden dem begeisterten Publikum in den Hallen geboten. Und die bedanken sich mit einer tollen akustischen Kulisse, die neben der gelungenen Hintergrundmusik wiederum für entsprechenden Einsatz beim Spieler sorgen. Erstmals ist es in SvR 2009 übrigens möglich, eigene Musik in das Spiel einzubinden und bestimmten Wrestlern zuzuordnen. Das Publikum macht sich aber nicht nur durch Jubelgeschrei bemerkbar. Auch optisch sticht es hervor. Klamotten, Frisuren und Plakate wirken plastisch und lassen Atmosphäre aufkommen. Lediglich bei Totalansichten aus einiger Entfernung sind die Zuschauerränge im Hintergrund kaum noch zu erkennen. Ähnlich verhält es sich bei Nahaufnahmen mit denjenigen Zuschauern, die sich direkt hinter den Seilen befinden. Texturen und Bewegungen wirken aus einigen Perspektiven leider sehr pixelig. Hier machen sich die optischen Grenzen von SvR 2009 dann doch bemerkbar. Ansonsten hat Yukes der Grafik eine leichte Frischzellenkur gegönnt, die, abgesehen von größeren Multiplayer-Partien, auch recht flüssig läuft.

Vereinzelte Moves wirken noch leicht statisch, manchmal fast steif, aber insgesamt sind bei der Optik keine nennenswerten Schwächen vorhanden. Im Gegenteil, viele neue Animationen machen die Kämpfe runder und angenehmer. Selbst die Emotionen, sprich Belastung, Niedergeschlagenheit, Motivation oder auch Kampfwille der Akteure werden gut transportiert und eingefangen. Dank sei an dieser Stelle der meist gelungenen Kameraführung, die insgesamt schwer in Ordnung geht. Nur phasenweise kommt es zu Aussetzern und etwas hibbeligen Kamereinstellungen. Hier erzeugen schnelle Schnitte und Perspektivwechsel zwar eine erwünschte Dynamik, da die Szenerie entsprechend eingefangen wird. Allerdings ist man selbst Teil der Action und viele Attacken wollen genau getimed sein. Da verhageln wir schon einmal einen Angriff, weil wir kurz die Übersicht im oder außerhalb des Ringes verloren hatten. Frei von falschen Einstellungen ist somit nur der insgesamt ansprechende und umfassende Multiplay-Modus, in dem normalerweise vier, auf der PS 3 bei bestimmten Matches sogar bis zu sechs Spieler gegeneinander antreten können. Sieht man von den angesprochenen Kleinigkeiten ab, kommt während der Kämpfe schnell Tempo auf. Dies liegt vor allem an der grundsätzlich intuitiven Steuerung. Anfänger werden schnell an das Geschehen herangeführt. Kein langes Lesen der Anleitung, nichts Besonderes beachten, einfach draufhauen! Na ja, ganz so einfach ist es dann vielleicht doch nicht. Aber erst besondere Aktionen und Special Moves müssen einstudiert werden. Damit zusammen hängt auch der allgemeine Schwierigkeitsgrad von SvR 2009. Im Grunde genommen ist der Titel sehr einsteigerfreundlich und man erzielt selbst als jungfräulicher Anfänger schnelle Spielerfolge. Wer sich selbst zu den Profis im virtuellen Wrestling-Zirkus zählt, sollte also schon einmal einen höheren Schwierigkeitsgrad einschlagen. Denn was für den einen einstiegsfreundlich ist, langweilt den anderen womöglich noch. Da ginge ja die ganze Unterhaltung flöten.

Fazit

Druff, druff, immer feste druff! Das doch recht simple Spielprinzip ist schnell zusammengefasst. Dazu kommen laute Musik aus den Boxen, eine grölende, anfeuernde Zuschauerkulisse und Muskelprotze bzw. Diven, denen man eine gewisse Profilneurose wohl nachsagen darf. Smackdown vs. Raw 2009 bietet, wofür es gemacht wurde: pure Unterhaltung. Ich komme auf die eingangs erwähnte Frage zurück: Ist Wrestling auf dem absteigenden Ast? Selbst, wenn dem so sein sollte: Geht es nach Smackdown vs. Raw, ist Land in Sicht. Denn der Titel macht Spaß und lässt selbst Anfänger schnell in das Geschehen eintauchen. Einige Spieler werden sicherlich dem alten Create-A-Wrestler-System eine kleine Träne nachweinen. Andererseits bietet die Road to Wrestlemania interessante Neuerungen. Wären hier mehr als die vorgegebenen sechs bzw. sieben Wrestler auswählbar, würde der Verlust wohl weniger schwer wiegen. Wobei sich wohl gerade hier hier entschiedet, ob sich der Spieler mit einem der Wrestler identifizieren kann. Auch die anderen Neuerungen wie der Finishing-Editor, das Inferno-Match oder das neue Fahigkeitensystem werden dem ein oder anderen Wrestling-Fan sicherlich zusagen. Inwiefern sich der Kauf für Besitzer der 2008er Version lohnt, muss jeder für sich selbst entscheiden. Das Grundgerüst der Spielserie ist weitestgehend erhalten geblieben.

WWE SmackDown vs. Raw 2009

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