Gesamtwertung86%/10 |
GrafikGut SoundSehr gut |
LanzeitspaßSehr gut SpieleinstiegBefriedigend |
BedienungGut |
Nach 21 Jahren Tradition, vielen Ablegern und einer riesigen Fangemeinde sorgt die Castlevania-Reihe immer wieder für Gesprächsstoff. Kürzlich erschien Symphony of the Night via Xbox Live, Nintendos Handheld wird schon lange mit neuem Futter rund um die Vampirjäger versorgt. Mit Castlevania: The Dracula X Chronicles dürfen nun nun auch PSP-Besitzer die Peitsche schwingen und das richtig: Als kleines Bonbon finden sich gleich zwei komplette Spiele auf der UMD, beide für sich einzigartig.
Lecker, lecker, lecker
Was Konami auf die UMD gepackt hat, ist zumindest aus Sicht eines Castlevania-Fans grandios. Den Kern bildet ein aufgemotztes Remake des 15 Jahre alten Castlevania: Rondo of Blood (RoB), das damals nie außerhalb Japans erschienen ist. Optisch und akustisch auf dem neuesten Stand der Technik wird hier ein wahres Leckerli für Vampirjäger geboten. Spielerisch ist es nicht ganz in der Neuzeit angekommen, aber dazu später mehr. Für viele Fans das wahre Highlight der kleinen Silberscheibe ist aber das, was sich als Extra findet. Neben der Originalversion von Rondo of Blood ist Castlevania: Symphony of the Night (SotN), das spielerisch in eine völlig andere Kerbe schlägt, ebenfalls mit dabei. Beide sind als Bonus gut im Spiel versteckt und wollen erst freigespielt werden, aber die Mühe ist es mehr als wert.
In Rondo of Blood steuert ihr einen alten bekannten, Richter Belmont, der sich auf die Jagd nach dem frisch erweckten Dracula macht. Böse, wie er nun mal ist, hat er Richters Geliebte Anette Renard, ihre Schwester Maria und einige Dorfbewohner entführt. Maria könnt ihr befreien und zusammen machen sich der peitschen-schwingende Held und die holde Dame auf zur Vampirjagd. Wie in jedem Castlevania ist die Story Mittel zum Zweck: Dracula, sein dunkles Schloss Castlevania, Gevatter Tod, seit Urzeiten bekannte Gegner mit immer gleichen Angriffsmustern Es sind nicht die Innovationen, die Castlevania berühmt machen. Es ist das Gameplay und das hat es bei Rondo of Blood wahrlich in sich.
Neben dem Prolog unterteilt sich Rondo of Blood in acht Stages mit jeweils einem Endgegner, von denen es vier noch einmal als Alternative gibt, solltet ihr die versteckten Wege finden. Optisch und Akustisch merkt man Rondo of Blood das Alter nicht mehr an. Richter erstrahlt blank geputzt wie nie zuvor, die Animationen sind geschmeidig, die Effekte ausladend. In bester Side-Scrolling-Manier durchwandert ihr überaus atmosphärische Gebiete und schnetzelt euch mit der Peitsche durch allerhand Ungetier. Für seine hervorragenden Soundtracks ist die Castlevania-Reihe schon lange bekannt und hier haben wir es mit keiner Ausnahme zu tun. Orchestrale Töne, dominantes Orgelspiel und rockige Einlagen paaren sich zu einer Gesamtkomposition mit einem unglaublichen Wiedererkennungswert.
Hammerhart oder unterhaltsam?
Klassisch und zeitlos nennen die Fans das Gameplay, rückständig und zu unfair die Kritiker. Für schwache Nerven ist Rondo of Blood auf jeden Fall nichts. Ständig muss man ein Auge auf die Gegner mit ihren verschiedenen Angriffsmuster und Lauf-/Flugwegen haben. Überall fliegen kleine Knochen umher, Feuerbälle brennen munter vor sich hin, Fledermäuse umkreisen euch und Abgründe gibt es natürlich ebenfalls. Einmal getroffen, verliert ihr die Kontrolle über Richter und ihr werdet ein Stück zurückgestoßen. Bei den diffizilen Sprungeinlagen landet ihr somit öfter im Abgrund, als euch lieb ist.
An sich würde man ein solches Spiel nur als schwer bezeichnen, wären da nicht die eingeschränkten Kontrollmöglichkeiten des Protagonisten. Neben dem Peitschenschlag gibt es noch einen Rückwärtssalto und die bekannten Subweapons (Axt, Messer, Weihwasser, Bibel und so weiter) für die ihr aber Herzen benötigt, die sich nur bedingt zahlreich in den zerstörbaren Objekten der Umgebung finden. In der Luft lässt sich Richter zudem nur wenig bewegen. Einmal gesprungen habt ihr praktisch keine Möglichkeiten mehr, etwaigen Feinden Herr zu werden, sollten sie ungünstiger Weise doch unter eurer Peitsche durchrutschen und so ein geworfener Knochen verfehlt sich gerne einmal.
Selbst auf dem Boden ist es nicht so leicht. Schnelle Richtungswechsel sind durch die langsamen Bewegungen kaum möglich. Treppen sind für Vampirkiller ebenfalls ein nicht zu unterschätzendes Hindernis. Wollt ihr eine hinauf stapfen, müsst ihr euch direkt davor stellen und nach oben laufen.
In dem Moment seid ihr sehr anfällig für gegnerische Angriffe, zumal ihr nur so auf die Stufen gelangt. Drauf Springen, um schnell vor Feinden zu fliehen, geht nicht ihr plumpst einfach hindurch, als seien sie gar nicht da.
Jeder Level untergliedert sich noch einmal in einzelne Abschnitte, die als Rücksetzpunkte dienen. Dennoch durchlauft ihr gerade zu Beginn einige Abschnitte viele viele Male, bis euch die Positionen der Gegner in Fleisch und Blut übergegangen sind, nur um dann zu merken, dass der nächste Raum noch fieser ist. Wären die Gegner nicht genug, ist der Weg zu Dracula zusätzlich mit allerhand Fallen gespickt. Gut sichtbare Trittschalter sind da noch das harmloseste. Kommen aber schwingende Morgensterne hinzu, über die ihr im richtigen Moment springen müsst, wobei ihr nur auf einem Sockel landet, während gleichzeitig Medusa Heads umherschwirren, wünscht man sich die Entwickler in die Wüste.
Alles eine Frage der Herausforderung
Dennoch ist es für ehrgeizige Spiele gerade diese Art der Herausforderung, die das Spiel so einzigartig macht. Man kann sich regelrecht in einen Abschnitt verbeißen und fluchend immer wieder von vorne beginnen, nur um dann Freude strahlend siegreich aus dem Kampf gegen Riesenminotaurus, Monsterskelett oder Werwolf hervorzugehen. Zudem finden sich allerhand Gimmicks in den Dungeons. Neben den beiden Zusatzspielen sind das Musikstücke für die Jukebox, ein zweiter spielbarer Charakter für das Hauptspiel, sowie diverse Boss-Rush-Modi.
Noch einen Schritt weiter, wenn es um das Freispielen und Suchen nach Objekten geht, ist Symphony of the Night (SotN). Das Gameplay lässt sich dabei am ehesten als ein 2D-Sidescrolling Action-JumpnRun mit Rollenspielelementen beschreiben. Ist RoB noch stark auf Skill ausgelegt, durchstreift ihr in SotN ein einziges, riesiges Schloss. Alucard, dem spielbaren Charakter, sind nur wenige Bereiche zu Beginn zugänglich, andere können erst nach Erwerb bestimmter Techniken (Doppelsprung, Verwandlung in Wolf, Nebel oder Fledermaus und so weiter) oder Items erreicht werden. Das dadurch entstehende Backtracking mag lästig erscheinen, jedoch hinterlassen besiegte Gegner nicht nur Erfahrungspunkte, sondern per Zufall auch bestimmte Items.
So besiegt ihr nach einigen Levelaufstiegen ehemals harte Gegner nicht nur wesentlich einfacher, sonders füllt euch mit jeder Runde durch die Gemäuer euer Inventar mit den unterschiedlichsten Waffen. SotN zeigt zudem, wie flüssig sich eine Vampirjagd gestalten kann Alucard ist weitaus gelenkiger als Richter, bietet eine perfekte Aircontrol und huscht angenehm flink durch die Gänge. Mit der Steuerung wäre RoB nur halb so schwer. Kurzum: Castlevania: Symphony of the Night ist eine wahre Perle unter den Konsolenspielen.
Castlevania: The Dracula X Chronicles im Test.
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