Gesamtwertung65%/10 |
GrafikGut SoundBefriedigend |
LanzeitspaßGut SpieleinstiegGut |
BedienungGut |
In Driver 76 schlüpfen wir in die Rolle des Kleinkriminellen Ray, der zusammen mit seinem afroamerikanischen Kumpel Slink einen Deal nach dem anderen abzieht. Slinks Haarpracht lässt bereits erkennen: Wir sind in den Seventies gelandet! Während Slink sich jedoch eher in finanzieller Hinsicht bereichern will, verfolgen wir hingegen das Ziel, die Tochter eines chinesischen Triadenbosses klarzumachen. Was sonst noch an Story und Handlung folgt, ist in etwa so wichtig wie ein Pulsmessgerät in einer Leichenkammer. Vielmehr geht es in bester GTA- äh Driver-Manier darum, die Aufträge möglichst erfolgreich hinter sich zu bringen. Wen wundert es in Hinblick auf das offensichtliche Vorbild da noch, dass die Missionen doch arg nach dem berühmten Rockstar-Muster gestrickt sind und jegliche Innovationen vermissen lassen.
Fahre von Punkt A nach B, lass dich zwischen A und B nicht erwischen und leg bei Punkt B Person X um. Eventuelle Zwischenstationen sind dabei genauso einzukalkulieren wie unlogische Situationen á la
Warum greifen Polizei und Co. genau erst dann ein, wenn die Mission das Begehen einer Straftat erfordert, auch wenn ich bereits früher auffällig war?.
Dieser recht problematische Faden zieht sich leider durch das gesamte Spiel und führt dazu, dass Driver 76 arg austauschbar wirkt. Wieso sollte man sich Driver 76 antun, wenn GTA: Vice City Stories doch genau das Gleiche, bloß besser und mittlerweile günstiger, bietet? Damit man kann es jedoch nicht vollends abtun, denn Driver 76 hat auch einige gute Sachen zu bieten. So darf man sich zum Beispiel nach fast jeder erledigten Mission auf neue Fahrzeuge freuen, mit denen ihr nachfolgende Aufträge beginnen dürft. Keine Bange: Gehen diese in den Missionen kaputt, stehen sie trotzdem noch zur Verfügung. Zusätzlich dürft Ihr eigene Fahrzeuge aufrüsten, ob es nun optische oder leistungsverbessernde Upgrades sind: Die Auswahl an Tuning-Teilen ist recht üppig ausgefallen.
Recht gut ist auch die Steuerung geworden: Obwohl sich die Boliden etwas schwammig durch die Straßen dirigieren lassen, klappt das manuelle und automatische Zielen ohne Probleme. Cool ist auch, dass man auf den Streifzügen aus dem fahrenden Auto schiessen kann und dies nicht nur zur Seite wie eben in GTA, sondern auch nach vorn. Gleichzeitig dürft Ihr aber auch noch Euren Wagen lenken.
Gelungen ist mit Abstrichen auch das Design des New Yorks der 70er Jahre. Neben einigen beeindruckenden Hochhäusern bietet die Metropole auch ausreichend Nebenstraßen, dunkle Gassen und Abkürzungen, um gerade bei Verfolgungsjagden den entscheidenden Schritt zu machen. Doch nicht nur zum Ausbau Eures Vorsprungs sind diese kleinen Hilfen gut geeignet, auch Boni in Form von gelben Sternen wurden bevorzugt auf diesen eher unüblichen Wegen platziert. Mit diesen dürft Ihr zum Beispiel Ray neu einkleiden.
So gut die Großstadt manchmal auch aussieht, so sehr kann Driver 76 zuweilen ruckeln. Gerade bei größeren Shoot-Out's sinkt die Framerate des Titels stark in den Keller. Wäre es nicht schon schlimm genug, dass die Ladezeiten geradezu unmenschlich sind, nein, dann plagen uns noch solche teils heftigen Stottereinlagen.
New York's Pendants wie Liberty City oder Vice City hatten jedenfalls mit solchen Performanceschwächen nicht zu kämpfen. Auch das Aussehen der Charaktere ist lediglich Mittelmaß und manchmal sogar richtig hässlich. Überzeugen können lediglich Grafikeffekte wie explodierende Fahrzeuge oder das für PSP-Verhältnisse recht umfangreiche Schadensmodell.
Müssen Afroamerikaner in Filmen und Spielen immer so aus der Reihe tanzen? Scheinbar schon, denn bei Driver 76 bekommt der Quotenschwarze eine der schlechtesten Synchronstimmen der letzten Zeit spendiert. Nicht, dass die restlichen Sprecher bessere Arbeit geleistet hätten, doch der Buddy-Movie-Aspekt fiel mit einem so nervigem Kollegen komplett unter den Tisch. Eher unfreiwillig komisch ist es, wenn Slink versucht witzig zu sein. Geklappt hat es leider kein einziges Mal. Ähnlich schlecht sieht es bei den schwachbrüstigen Motorensounds aus. Nur der Soundtrack verwöhnt mit einigen wirklich guten Stücken Euer Trommelfell. Auch in Sachen Multiplayer ist wieder Sonne am Horizont zu erkennen: Vier Modi gibt es insgesamt, zwei davon Massaker und Rennstrecke funktionieren sogar schon mit einem Modul. Bei den verbleibenden Spieltypen Kopf-an-Kopf-Rennen und Straßenrennen benötigen beide Zocker ein eigenes Spielexemplar. Besonders hervorzuheben ist hier die überraschend gute Framerate, die uns noch im Singleplayermodus so sehr gestört hat.
Auf der Haben-Seite des Spiels stehen jedoch der unterhaltsame Mehrspielermodus, das motivierende Bonus-System sowie die gut gelöste Steuerung. Das alles ist ja wirklich schön, aber auch so wahnsinnig austauschbar. Und spätestens wenn Quoten-Afro Slink wieder mit pseudo-coolen Sprüchen nervt, unser fahrbarer Untersatz sich anhört wie der batteriebetriebene Damenbart-Rasierer von Oma Elfriede und wir mit gnadenlos schnellen sechs fps durch New York City düsen, wissen wir, dass wir das alles irgendwo schon einmal besser gesehen haben.