Dungeon Siege: Throne of Agony

Review
Plattform
Sony PlayStation Portable
Vertrieb
2K Games
Entwickler
SuperEmpire
Erscheinungsdatum
-
Genre
Abenteuer
USK
12
Dungeon Siege: Throne of Agony [PSP , looki.de]

Gesamtwertung

84%/10

Grafik

Gut

Sound

Gut

Lanzeitspaß

Gut

Spieleinstieg

Gut

Bedienung

Gut

Dungeon Siege: Throne of Agony

Die Spiele der Dungeon Siege-Reihe haben sich eine treue Fangemeinde erobert. Die bestand bislang nur aus PC-Spielern, denn auf eine Konsole hat es ein Dungeon Siege Abenteuer noch nicht geschafft. Das ändert sich nun, denn Take 2 Interactive hat die Marke lizenziert und bringt ein Dungeon Siege mit dem Untertitel Throne of Agony auf die PlayStation Portable.

Einstieg leicht gemacht: Einen der drei vorgefertigten Charaktere wählen – Elben-Schattenläuferin, Halbriesen-Kriegsherr oder menschlicher Kampfmagier – und schon geht’s los. Überraschend: Jeder Charakter hat nicht nur ganz unterschiedliche Eigenschaften, sondern außerdem eine eigens zugeschneiderte Hintergrundgeschichte sowie eine ganz eigene Motivation, durch die Landen von Aranna zu ziehen. Allistair, der Kampfmagier, wird etwa auf der Suche nach einer mutigen Frau selbst zum Mutigen, der nicht nur die Dame, sondern zugleich die ganze Welt retten muss. Eine typische Dungeon Siege Story eben.

Hack'n'Slay

Die wichtigsten Elemente eines guten Hack'n'Slay-RPGs sind enthalten: Viele Gegner, die gedankenlos durch mehrfaches Drücken einer Angriffstaste vernichtet werden können, sowie allerlei Gold und tolle Beute, das nie jemand in ganzer Fülle alleine tragen kann.

Eine kleine Story treibt das Geschehen voran. Sie ist in drei Akte unterteilt. Wie weit man sich in die Story vertieft, ist jedem selbst überlassen. Die Aufgabenbeschreibungen sind immer recht kurz. In den Dungeons liegen jedoch hier und da Bücher mit längeren Texten aus, deren Lektüre rein fakultativ ist. Zu den durchweg deutschen Texten gesellen sich hin und wieder ein paar knappe Sätze in englischer Sprachausgabe. Seltener sind Zwischensequenzen im Comic-Stil, die ebenfalls mit Sprachausgabe unterlegt sind.

Assistenzkraft

Statt mehrerer folgt dem Helden in Dungeon Siege: Throne of Agony nur ein Gefährte. Der agiert zudem völlig selbstständig und kann nicht direkt gesteuert werden. Und sofern man nicht den Esel wählt, hilft ein Gefährte auch nicht beim Tragen, so dass nur die Taschen des Helden gefüllt werden können. Zu Spielbeginn steht pro Helden einer aus von zwei Gefährten zur Wahl, im Spielverlauf gesellen sich weitere Gefährten hinzu. Ist einer verstorben, kann er mittels magischer Gegenstände wiederbelebt werden. Oder man beschwört einen anderen, der jedoch erst beim Verlassen eines Dungeons parat steht.

Aufstieg in die Elite

Jeder vernichtete Gegner erzeugt Erfahrungspunkte, die ab einer gewissen Menge zum Levelaufstieg führen. Dabei erhält der Spieler mit jedem Level-Up drei Punkte, mit denen er die Attribute Stärke, Beweglichkeit, Ausdauer, Willensstärke und Glück verbessern kann. Aber nicht nur das: Ebenfalls können Fertigkeiten wie Zaubersprüche mit jedem Aufstieg verbessert werden. Das funktioniert alles ohne Trainer, kann also sofort über das Spielmenü durchgeführt werden. Mit jedem Levelaufstieg des Helden verbessert sich ebenfalls der Gefährte, dessen Fähigkeiten sich ebenfalls ausbauen lassen. Nur sind hierfür ein Trainer-NPC sowie ein paar Taler notwendig.

Mit dem dreißigsten Level fällt die Entscheidung zwischen zwei Heldenklassen. Je nach Wahl stehen andere Fähigkeiten zur Verfügung, die auf dem Weg zum 60sten Level ausgebaut werden können. Mit Erreichen dieses letzten Levels kann noch eine von vier legendären Klassen gewählt werden. Die verfügbaren Helden- und legendären Klassen sind je nach Charakter völlig verschieden.

I would walk 500 Miles...

Dungeons und gefährliche Wälder sind nicht wie bei den PC-Versionen direkt miteinander verbunden. Und trotzdem muss der Held zu jedem Einsatz zu Fuß anreisen. Sobald ein Dungeon verlassen wird, zoomt das Spiel heraus und zeigt eine dreidimensionale Karte. Die ist für den Helden vollständig begehbar. Feinde lauern dort aber nicht, denn Waffen und Angriffstechniken kann man während des Fußmarschs nicht benutzen. Nur Questgeber oder Händler haben sich noch in diese Weiten der Fantasy-Welt Aranna verirrt. Und ein paar Teleporter helfen, die Fortbewegung zu beschleunigen.

Solange ein NPC mit Quests versorgt ist, sind die Aufgaben klar und eindeutig. Schwieriger wird es, ist der Spieler auf sich allein gestellt. Trotzdem irrt man höchstens ein paar Minuten, um etwa den nächsten Kontakt oder mystischen Ort zu finden, den die Hinweisgeber auch nur vom Hörensagen kennen. Und ist ein Level erst einmal betreten, ist Verlaufen zwar nicht unmöglich, aber sehr schwer. Dabei gönnt sich das Spiel hier und da ein paar Ecken ohne spielerischen Wert; ohne Gegner und sonstige Items etwa.

Im Spielverlauf kann man nicht nur einen, sondern gleich mehrere Quests parallel bearbeiten. Das Menü enthält dazu eine Aufgabenübersicht. Doch nicht immer werden in den Beschreibungstexten wichtige Details wie der Name der zu erreichenden Örtlichkeit genannt.

Einfach schlachten

Besonders hoch ist der Schwierigkeitsgrad nicht. Nach dem Tod des Helden muss ein Bereich zwar wieder von vorn durchkämmt werden, die gesammelte Erfahrung sowie die bis zum Tod aufgenommenen Gegenstände bleiben aber erhalten. Getötete Begleiter müssen hingegen in den Dörfern und Städten durch geringe Gebühr oder mittels Spezial-Item wiederbelebt werden. Dabei ist ganz praktisch, dass man nach dem Ableben die Wahl hat, am Levelanfang oder im nächsten Ort wiederbelebt zu werden. Der aktuelle Fortschritt kann jederzeit gespeichert werden. Lädt man ein Spiel, beginnt der Held jedoch ebenfalls nur am Ausgangspunkt eines Levels. Bis zum Speichern gesammelte Gegenstände und Erfahrung bleiben dabei trotzdem erhalten.

Geister, Dinosaurier oder Riesenspinnen: die Palette der Gegner ist vielfältig. Beinah jedes unsympathische Fabelwesen kann und soll bekämpft werden. Wiederholtes Auftreten ist nicht ausgeschlossen. Dinos begegnet man beispielsweise nicht nur in einem Level.

Großzügig sind die Feinde in den Spielwelten platziert. Verschnaufpausen, um Gesundheit und Mana aufzufüllen, sind oft möglich und sparen den Einsatz teurer Tränke. Nur selten stehen mehrere Monster unmittelbar beieinander.

Bitte warten...

Dass die PSP für 3D-Welten wie in Dungeon Siege: Throne of Agony ein wenig Zeit zum Laden benötigt, ist klar. Und die nimmt sie sich auch, benötigt mitunter bis zu anderthalb Minuten, um die begehbare Weltkarte zu laden. Das ist gerade noch verschmerzbar. Ärgerlich ist dafür, dass selbst die zweidimensionalen Landkarte einige Sekunden auf sich warten lässt. Das könnte ruhig schneller gehen. Kürzeste Pausen macht das Spiel ebenfalls beim Anlegen eines Ausrüstungsgegenstandes oder beim Wechsel eines Menüreiters. Nur ganz selten stockt das Geschehen außerdem mitten im Spiel.

Die Position der Kamera ist nicht veränderbar. Die Möglichkeit, hinaus- und hineinzuzoomen, gibt es also nicht. Ebenso gibt es für die praktische Umgebungskarte zwar drei Positionen – rechts oben, rechts unten und etwas größer genau in der Mitte – doch wirklich vergrößern lässt sich deren Bildausschnitt ebenfalls nicht.

Fallen, zerstörbare Wände und Fässer sowie Schatztruhen – bei der Interaktion mit der Umgebung gleicht Dungeon Siege: Throne of Agony dem zweiten Untold Legends. Auch die Level sind insgesamt ganz ähnlich aufgebaut: In den Böden klaffen hin und wieder ein paar Löcher, Steinhaufen und umgestürzte Bäume versperren Wege. Nichts wirklich Neues, aber besser als sterile Level ohne optische Extras.

Wer die PC-Versionen kennt, kennt den Soundtrack von Dungeon Siege: Throne of Agony. Zumindest die Titelmelodie ist gleich, der Rest den jeweiligen Umgebungen angepasst. Je nach Freizügigkeit des Ortes pfeift zudem der Wind oder ein paar Vögel. Akustisch wirkt das Spiel also stimmig. Kein Grund, sich zu beklagen.

Die Spielfigur wird mit dem Analog-Stick gesteuert, Angriffstechniken mit der Kreuz- und Kreis-Taste oder bei gedrücktem R-Trigger mit sämtlichen vier runden Buttons ausgelöst. Die Steuerkreuz-Tasten dienen kleineren aber wichtigen Funktion, etwa dem Wechsel der Primärwaffe. Wer achtlos darauf herumdrückt, entwaffnet sich unter Umständen unbemerkt. Heiltränke nimmt der Held mit dem L-Trigger zu sich. Für Mana-Potions existiert hingegen kein Hotkey. Da wäre es schöner gewesen, das Steuerkreuz selbst belegen zu können.

Zweimal zwei

Genau wie das erste Dungeon Siege für den PC, enthält auch Dungeon Siege: The Throne of Agony einen kooperativen Mehrspielermodus. 'Mehr' steht hierbei aber nur für zwei Helden – oder vier, denn der computergesteuerte Gefährte darf jeweils mitgenommen werden. Das Spiel beschränkt sich nicht nur auf einzelne Level: Eine vollständige Kampagne kann zu zweit bestritten werden. Und weil die mitunter lange dauert, lässt sich der Fortschritt speichern und später wieder aufnehmen.

Wem kooperatives Spielen nicht liegt, der schlägt sich mit dem menschlichen Gegenüber in einer Arena. Das geht schneller als eine Kampagne, macht unter Umständen auch mehr Spaß.

Beide Modi funktionieren nur per Ad-Hoc-Verbindung und setzen pro Spieler je eine Ausgabe des Spieles voraus. Online-Gaming per Infrastruktur-Modus wird nicht unterstützt.

Fazit

Auf Dungeon Siege: Throne of Agony habe ich mich gefreut. Und ich wurde nicht enttäuscht. Die Entwickler haben es verstanden, „Dungeon Siege“ gelungen auf die PSP zu übertragen. Auch wenn das freilich einige Kompromisse bedeutet, z. B. den Wegfall großer Gruppen mit mehreren steuerbaren Charakteren.

Ein großes Lob soll an den Umfang gehen: Mit über 15 Stunden Spielzeit ist Dungeon Siege: Throne of Agony für PSP-Verhältnisse überdurchschnittlich, gar ungewöhnlich lang. Und trotzdem ist ein Quest bzw. Level schnell erledigt, so können selbst kürzere Busfahrten zum Spielen genutzt werden.

Nervig sind nur die längeren Ladezeiten, die aber keinen PSP-Spieler mehr überraschen und hauptsächlich systembedingt sind.

Der ständige Lauf über die große Übersichtskarte macht auf Dauer auch keinen Spaß. Ein aneinander gereihtes Abenteuer wie bei den PC-Fassungen wäre vergnüglicher, hätte aber auch eine andere Questabfolge gefordert. Eben ohne die immer gleichen Personen, zu denen der Held oft zurückkehren muss.

Dungeon Siege: Throne of Agony [PSP , looki.de]

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