Ghost in the Shell: Stand alone Complex

Review
Plattform
Sony PlayStation Portable
Vertrieb
Atari
Entwickler
Cavia
Erscheinungsdatum
-
Genre
Shooter
USK
12
Ghost in the Shell: Stand alone Complex [PSP , looki.de]

Gesamtwertung

57%/10

Grafik

Befriedigend

Sound

Gut

Lanzeitspaß

Befriedigend

Spieleinstieg

Mangelhaft

Bedienung

Befriedigend

Ghost in the Shell: Stand alone Complex

Wer die Kinofilme kennt, für den ist auch die Story von GitS: Stand alone Complex nichts Neues, auch wenn das Spiel auf dem Serienableger basiert. Die Polizeieinheit Sektion 9 kämpft in ferner Zukunft gegen allerlei Cyberterroristen, hier namentlich die Nihama-Organisation. Wer jetzt erwartungsvoll auf eine aufregende Story mit vielen Wendungen hofft, wird enttäuscht.

Linear und vorhersehbar ballert man sich durch 24 kleine Level, die zu einem großen Teil in noch kleinere Abschnitte unterteilt sind. Nach jedem dieser Abschnitte muss nachgeladen werden... und das bis zu 30 Sekunden lang.

Zeit genug noch einmal, darüber nachzudenken, ob man sich auch die richtige Figur für die anstehende Mission ausgesucht hat. Zur Auswahl stehen die leicht bekleidete Motoku Kusanagi, Batou, der nicht nur mit seinem Namen an Balu, den Bären aus dem Dschungelbuch erinnert; groß und gemütlich kommt er daher, benutzt aber mit Vorliebe die ganz großen Kaliber. Batous gegenstück ist Tongusa, der Stealth-Experte. Lautlos schleicht er an Feinden vorbei und räumt sie dann unbemerkt von hinten aus dem Weg. Ähnlich heimtückisch geht Saito vor. Er ist der Scharfschütze der Truppe, der, das entsprechende Sichtfeld vorausgesetzt, auf Hunderte von Metern Entfernung den Gegnern den Garaus macht.

Schön wäre gewesen, wenn die Unterschiede der Figuren nicht nur minimal gewesen wären. Tatsächlich merkt man einen kleinen Unterschied in der Behändigkeit zwischen Batou und Motoku. Saitos Hand am Gewehr ist etwas ruhiger. Aber selbst diese Nuancen bleiben unwichtig, denn kaum eine Mission erfordert wirklich ein spezielles Vorgehen.

Die Missionsziele scheinen zunächst interessant, allerdings stellt sich ein ums andere Mal heraus, dass es am Ende wieder auf das Erschießen aller dämlich in der Gegend herumstehenden Gegner hinausläuft. An KI - man denkt gemeinhin das 'I' stehe für intelligenz - ist hier jedenfalls nicht zu denken. Starr und stumpfsinnig ballern die Feinde auf den Spieler ein, wenn er in ihre Sichtweite kommt.

Angesichts der wirklich miesen Steuerung ist das allerdings schon fast als Segen zu bezeichnen. Ja, natürlich gibt es sage und schreibe acht verschiedene Steuerungsmodi, jedoch sind auch hier die Unterschiede winzig. Egal für welche Einstellung man sich entscheidet, der Analogstick wird für die Bewegung und die Aktionstasten fürs Anvisieren gebraucht. Selbst mit viel Übung lässt sich keine wirkliche Kontrolle über den Spielcharakter erringen. Das Auto-Lock Feature ist daher der größte Freund des Spielers. Dieses erlaubt euch, einen Gegner per Tastendruck anzuvisieren.

Alle, die nach dem ersten Magazin des Spielers noch stehen, machen Bekanntschaft mit Tachikoma. Der infantile Kampfroboter begleitet uns auf Schritt und Tritt. Infantil nicht nur in Bezug auf die nach kurzer Zeit nervtötende Stimme des Blechhaufens, sondern auch bezogen auf seine recht lustigen, philosophischen Ergüsse. Mal fragt er sich, warum die fremden Maschinen auf ihn schießen, anstatt sich mit ihm anzufreunden. Ein anderes Mal spricht er verliebt über seine Waffen.

Aus einem Pool von circa 50 Ballermännern kann der Spieler fünf auswählen und Tachikoma damit ausrüsten.

Insgesamt gibt es vier Varianten des Roboters, die sich in ihren 'Charaktereigenschaften' unterscheiden. So kann man zwischen einem ausgeglichenen, einem besonders aggressiven, einem humorvollen und einem intelligenden Tachikoma wählen. Diese Unterschiede sind deutlicher als bei den Charakteren, aber auch nich großartig.

Während des Spiels kann man Tachikoma betreten und ihn steuern. Das ist sehr nützlich, wenn man, trotz der massenweise vorhandenen Lebensenergie einmal zu stark angekratzt sein sollte. Oder für den unwahrscheinlichen Fall, dass einem die reichlich vorhandene Munition ausgegangen ist.

Man kann Tachikoma über ein gut gemachtes Menü Befehle erteilen wie 'Position halten', 'Folgen', 'Munition sparen' oder 'Zerstören'.

Das Menü basiert auf den vier Aktionstasten der PSP. Statt die Menüpunkte auf Buttons zu legen, die man mit dem Steuerkreutz anwählt sind die Punkte jeweils einer Aktionstaste zugewiesen.

Normalerweise machen First-Person Shooter ihre oft mäßige Storyline und andere kleine Schnitzer mit schöner Grafik wieder wett, aber auch hier ist bei GitS Fehlanzeige.

Der Gesammteindruck ist ein tristes Einerlei, das sich aus verwaschenen Texturen und uninspiriertem Leveldesign zusammensetzt. Die Innenräume hätten definitiv mehr verdient gehabt als ein paar lieblos in die Ecke gestellte Topfpflanzen. Zum Beispiel hübsche Vorhänge. Oder sogar die dazu passenden Fenster. Ja, Fenster wären toll gewesen. Es gibt aber keine. Die Außenareale haben den Charme von verlassenen Industriekomplexen und sollen wohl das futuristisch-melancholische Ambiente der Filme einfangen. Allerdings hinterlässt es nur fade Langeweile, denn so sieht jedes Level irgendwie gleich aus. Zudem hätte man sich als Spieler viel eher die teilweise wunderschöne, gigantische Architektur der kathedralenartigen Filmgebäude eines 'Ghost in the Shell 2' herbeigewünscht. Aber Essig, Antrag abgelehnt, Nächster bitte!

Alle Farben wirken irgendwie trüb und nichts gibt auch nur annähernd die optische Pracht wieder, die die 'Ghost in the Shell'-Kinofilme waren.

Das einzig Positive sind die Zwischensequenzen, die zumindest zeigen, dass die PSP eine Menge Polygone handhaben kann. Auch wenn die Figuren schön modeliert sind, kann man wenig über die Animation sagen, denn zu mehr als stumpfsinnig herumstehen und ab und an mal einen Kommentar von sich geben, hat es nicht gereicht.

Die englische Sprachausgabe der deutschen Version ist durchweg ansprechend, auch wenn man sich ab und an wünscht, Tachikoma die Lautsprecher abzudrehen. Dagegen sind leider die Waffengeräusche, die bei einem Shooter essentiell zum Flair beitragen, mehr als bescheiden. Die Handfeuerwaffen klingen wie Knallerbsen vom Jahrmarkt und auch die schweren Raketenwerfer kann man ob ihrer lächerlichen und immergleichen Geräusche nicht so richtig ernst nehmen.

Sogar die Hintergrundmusik entpuppt sich als Standart-Electro-Sample eines Spielzeugkeyboards und schwankt zwischen nicht weiter auffällig und nervig.

Für den Multiplayer haben sich die Entwickler nochmal ins Zeug gelegt. Acht Cyberrecken können auf acht Maps in vier Modi gegeneinander antreten. Jeweils in Teams oder jeder gegen jeden mit Charakteren oder Tachikomas, allerdings nie in Kombination. Es wäre schön gewesen, die intelligenten Roboter genau wie im Singleplayer als Unterstützung nutzen zu können. Leider wird auch hier wieder alles durch die verkorkste Steuerung zunichte gemacht.

Fazit

Dass First-Generation-Titel einer neuen Konsole an Kinderkrankheiten wie hakeliger Steuerung oder schlichter Einfallslosigkeit seitens der Entwickler leiden, ist allgemein bekannt. 'Ghost in the Shell' hat sich jedoch eine solche Bandbreite an schweren Krankheiten zugezogen, wie man sie beim Trekking durch den schlimmsten Malariasumpf nicht erwirbt.

Nach den optisch umwerfenden Filmen war ich gespannt auf das Spiel, wurde jedoch bitter enttäuscht. Kurz, langweilig und grafisch alles andere als umwerfend schleppt sich GitS: Stand Alone Complex siechend dahin. Selbst wenn man die furchtbare Steuerung außer Acht lässt, motivieren auch die verschiedenen Charaktere nicht zum Wiederspielen.

Störend für alle, die im Englischunterricht nicht grade gut aufgepasst haben, ist, dass das gesamte Spiel, Sprachausgabe und Text, komplett in Englisch gehalten ist.

Ansonsten wäre ein bisschen Abwechslung schön gewesen. Die Entwickler haben sich zwar Mühe gegeben viele Charaktere und Waffen in das Spiel einzubauen, doch ähneln sie sich untereinander so sehr wie eine Popstars Band der nächsten. Toller Ansatz, aber doch wieder nur Einheitsbrei.

Alles in allem sollte man die Finger von dem Spiel lassen, wenn man nicht grade ein wahnsinniger Fan des Franchise ist und über die vielen Fehler hinwegsehen kann.

Ghost in the Shell: Stand alone Complex [PSP , looki.de]

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