Gesamtwertung93 %/10 |
Grafik9 Sound9 |
Lanzeitspaß10 Spieleinstieg10 |
Bedienung8 |
Dass auch Sony intelligente Marketingstrategen beschäftigt, ist bekannt. Doch selten dürfte die Freude auf den Release eines leicht verbesserten Systems so groß gewesen, so sehr forciert worden sein. Hunderttausende, wenn nicht sogar Millionen warten gespannt auf den Oktober, der uns nicht nur die PSPgo, sondern fast zeitgleich auch die erste Handheld-Version eines Gran Turismo-Ablegers bescheren wird. Was man gemeinhin einen Launchtitel nennen würde, befand sich bereits unzählige Jahre in Entwicklung und wurde durch Sony mächtig aufgeblasen, so dass wir alle vor Spannung fast platzend die Tage bis zum Release zählen. Und wenn man schon in den Laden geht, um sich das vermeintlich beste Rennspiel, dass es jemals für eine mobile Spielstation gegeben hat, zu kaufen, warum sollten wir dann nicht gleich noch die neue PSP mit einstecken? Die sieht nicht nur schicker aus, sondern passt auch so gut zum schimmernden Cover, auf das wir solang gewartet haben.
Gran Turismo dürfte die Verkäufe der PSPgo also ziemlich ankurbeln und für gute Stimmung im Sony-Lager sorgen. Sofern, ja sofern es auch wirklich das herausragende Spiel geworden ist, auf das wir uns seit langer Zeit freuen. Wir haben uns den Titel von Polyphony Digital zur Brust genommen und ihn auf Herz und Nieren getestet.
Dabei zogen unglaublich viele Stunden ins Land, denn dieses Spiel ist ein Kontent-Brett, das seinesgleichen lange suchen dürfte. Bis man alles in und um Gran Turismo für die PlayStation Portable gesehen, erlebt und gespielt hat, ist die Amtszeit von Frau Merkel längst vorbei. Und wir gehen mal davon aus, dass sie noch mindestens einmal wieder gewählt wird. Was wir in den Untiefen des spielerischen Inhalts gefunden haben, klären wir nun auf den folgenden Zeilen.
Mit dem ersten Gran Turismo für die PlayStation legte Polyphony Digital den Grundstein für realitätsnahe Rennsimulationen. Bis heute wurden über 54 Millionen Einheiten der Serie verkauft und bald steht uns mit Gran Turismo 5 auch der erste, wirklich vollständige Titel der Franchise für die PlayStation 3 ins Haus.
Das Team hinter dem PlayStation Portable-Ableger wusste also, was es tat, als es mit den Arbeiten an dem Spiel begann.
Doch entweder hatte Sony von Beginn an geplant, den Titel ewig lang in Entwicklung zu lassen, um uns mit dessen Komplexität am Ende zu erdrücken und uns aus Dank ewig an die hauseigenen Konsolen zu binden oder die Entwickler hatten unbeabsichtigter Weise viel zu viel Zeit. Denn Gran Turismo bietet euch ganz einfach die breiteste Auswahl an fahrbaren Untersätzen, die es jemals gab. Über 800 und man möge sich das auf der Zunge zergehen lassen - achthundert - Vehikel haben es in das Spiel geschafft.
Dabei handelt es sich jedoch nicht, wie man vermuten könnte, um zufallsgenerierte Fahrzeuge, sondern um realitätsnah nachgestellte Lizenzkarren von Renault, Nissan, Toyota, Mercedes, BMW, Lamborghini, Aston Martin, Bentley und so weiter und so fort. Rechnet man alle möglichen Farbkombinationen mit ein, bringt es das Spiel auf über 4500 verschiedene Wagen. Das eigentlich Unglaubliche daran ist, dass sich jedes Vehikel auch noch fast genauso wie sein reales Vorbild steuern lässt. Wer schon einmal einen BMW 3er gefahren ist, der wird, wenn er hinters virtuelle Steuer dieses Typs kriecht, mit Erstaunen feststellen, dass sich die Fahrphysik fast zu stark an dem Original orientiert.
Sicherlich profitierten die Entwickler dabei von ihrer jahrelangen Erfahrung, das ändert aber nichts an der grandiosen Leistung. Wer hätte schon gedacht, dass solch ein realistisches, fast erhabenes Fahrgefühl auf einem Handheld überhaupt möglich ist?
Zocker, die den Verstand nicht völlig verloren haben, werden schon nach wenigen Tagen - ja, wir sprechen hier generell nicht von Spielstunden - feststellen, dass es gerade wegen dem realistischen Handling kaum Sinn macht, sich in der Wahl seiner Fahrzeuge besonders variabel zu zeigen. Um im Spiel maximale Erfolge zu erzielen, ist es einfach besser, sich auf bestimmte Vehikel zu konzentrieren und deren Handhabung perfekt zu erlernen. Denn jedes Auto unterscheidet sich vom anderen und bis man es schafft, 800 Karren perfekt zu kontrollieren, und weiß, wann man bremsen und Gas geben muss, dürfte eine verdammt lange Zeit ins Land ziehen. Nichtsdestotrotz weiß Gran Turismo von Beginn an die Sammelsucht zu entfachen. Man will diese Fahrzeuge, die immer schneller und hübscher werden und aussehen. Und: Man will sie alle.
Dabei beginnt doch alles so harmlos. Man startet seine PlayStation Portable und genießt das hervorragend inszenierte Introvideo. Danach befindet man sich in einem recht übersichtlichen Menü und entscheidet sich für den Arcade- oder den Challenge-Modus. Während Ersterer eine quasi Vorführwerkstatt für die eigenen Autos ist, verbirgt sich hinter letzterem der Zeitfresser par excellence. Dabei hat man zunächst einmal ein ganz einfaches Startauto und ein wenig Geld, um sich ein weiteres dazu zu kaufen.
Doch entscheidet man sich dann die erste Driving Challenge zu starten, ist es um einen geschehen. Diese Herausforderungen sind in etwa mit den Lizenzprüfungen aus früheren Gran Turismo Teilen zu vergleichen. Sie sind sozusagen das anspruchsvolle Tutorial des Spiels. Behutsam und doch herausfordernd wird einem so das Spiel näher gebracht, die Steuerung der Autos gezeigt und erläutert, wie man in bestimmten Situationen reagieren muss, um ein Rennen nicht aufgeben zu müssen.
Dabei fährt man selten eine ganze Rennrunde, viel mehr muss man kurze und knackige Aufgaben erledigen, etwa das Umfahren, Betonung liegt hier auf dem "um", von Hütchen auf der Fahrbahn oder einen bestimmten Streckenteil in einer noch bestimmteren Zeit meistern. Das mag einfach klingen, wird aber mit der Zeit immer schwerer. Vor allem wenn man Trophäenjäger ist. Jede Challenge kann nämlich mit Bronze, Silber und Gold abgeschlossen werden. Und wer sich das begehrte Edelmetall in den Schrank stellen will, der darf lange üben. Hat man bestimmte Challenges bestanden, darf man dann an den dafür zugelassenen Rennen teilnehmen. Insgesamt gibt es über 100 Events, die man meistern muss. Für einen Sieg gibt es dabei das meiste Geld. Das wiederum darf man dann beim Autohändler gegen neue Karren für den hauseigenen Fuhrpark eintauschen. Dabei steht man auch noch unter Zeitdruck. Denn ein interner Kalender zählt die Spielzeit des Spielers und wandelt sie in eine spieleigene Zeitrechnung um. So vergehen die virtuellen Tage ziemlich zügig und je länger man spielt, desto mehr passiert auch. Neue Veranstaltungen, aber vor allem neue Autos kommen dazu. Und das Schlimmste: Alte Angebote verschwinden. Die kommen zwar wieder, aber das Dauer seine Zeit.
Also heißt es: Besser fahren, als schlapp machen. Nun stellen sich die Computergegner aber auch nicht gerade dumm an. Viel mehr fahren sie unabhängig von einander, drängen euch von der Strecke und machen Rennen meist bis zum Schluss zur Zerreißprobe. Wer sich nun denkt, dass man lediglich einige Male um die Kurse brettern muss, um diese dann auswendig zu kennen und so jeden KI-Gegner schlagen zu können, dem sei gesagt, dass es 35 davon gibt. Viel Spaß beim Auswendiglernen, können wir da nur wünschen. Zumal es insgesamt über 60 Variationen gibt, die dafür sorgen, dass kaum eine Strecke zweimal in der Kampagne gefahren werden muss. Gran Turismo macht also alles richtig und setzt alle Suchtmechanismen frei: Man will diese 800 Autos, deshalb fährt man Rennen.
Die Rennen sind Nerven zerfetzend und spannend, deshalb will man weiterfahren. Man spielt das Spiel ewig lange und empfiehlt es seinen Freunden. Und das wirklich bösartige daran ist: Gran Turismo hat diese Empfehlungen uneingeschränkt verdient.
Einige kleine Beispiele gefällig? Gran Turismo schenkt uns ganz einfach die beste Optik, die ein Rennspiel je auf der PlayStation Portable bieten konnte. Nichts nur, dass die lizenzierten Wagen bis ins kleinste Detail ihren echten Vorbildern ähneln und das man jeden Winkel der bekannten internationalen Strecken zu erkennen glaubt, auch die fiktiven Stadtkurse sind unglaublich detailliert.
Überhaupt bietet das Spiel fast noch mehr abseits der Strecke, als darauf. Zumindest wenn es um die Optik geht. Wunderschöne Landschaften geben dort detailverliebten Gebäudekomplexen die Klinke in die Hand und lassen uns ein ums andere Mal staunen. Einzig das Schadensmodell fehlt mal wieder. Das ist wirklich schade, vor allem weil der fünfte Teil der Serie auf der PlayStation 3 ein Schickes spendiert bekommen soll. Wer den Challenge-Modus einmal satt haben sollte, was Angesichts der überwältigenden Anzahl an freispielbaren Karren kaum vorstellbar erscheint, der darf sich im Ad-Hoc-Modus auch mit seinen Freunden messen.
Bis zu vier Spieler können dabei gleichzeitig mit ihren neusten Errungenschaften prahlen und sich gegenseitig die Bestzeiten um die Ohren hauen. Doch Polyphony Digital hat sich mit einem einfachen Multiplayer-Rennmodus nicht zufrieden gegeben und packt für uns noch einen Party-Modus und einen Shuffle Race-Modus drauf. Während der Party-Modus sich wohl von selbst erklärt, macht Letzterer eigentlich den meisten Spaß. Je nachdem, wie die ersten Rennen ausgegangen sind, teilt der Computer den Spielern neue Vehikel zu, um das Fahrerfeld in Sachen Konkurrenzfähigkeit auszugleichen. Bessere Spieler fahren dann also eher mal mit Gurken, als deren Herausforderer. Bei 800 Autos kann man sich vorstellen, dass sich irgendwann ein wirklich spannendes Rennerlebnis entwickelt, während dem es bis zum Schluss spannend bleibt. Außerdem kann man via Ad-Hoc auch Fahrzeuge tauschen, was angesichts der immensen Zahl der im Spiel existierenden eine ziemliche Erleichterung darstellt. Vehikel, die man wegen des Kalenders immer wieder verpasst hat, kann man so leichter erbeuten. Ein nettes Gimmick für alle Sammelwütigen. Wenn man mal bedenkt, dass es früher gerade einmal 150 Pokemon zu Fangen galt... die Zeiten ändern sich wirklich.
Was soll man dazu noch groß sagen, Polyphony Digital? Die Worte bleiben einem angesichts der Superlative ja im Halse stecken! 800 Fahrzeuge? Wer soll die alle freispielen? Über 30 Kurse und 60 Streckenvariationen? Wer soll die alle beherrschen lernen? Über 100 Events? Wie sollen wir die alle gewinnen? Eine Grafik, die alles in diesem Genre bis dahin da gewesene nicht nur in den Schatten stellt, sondern sozusagen unsichtbar macht? Was soll die Konkurrenz nur sagen? Nein, Polyphony Digital, Gran Turismo ist ein Skandal, ein Komplexitätsmonster, das den Namen nicht nur verdient, sondern lebt. Was uns die Entwickler hier bieten ist das realistischste und langandauernste Fahrgefühl, das ein Handheld jemals gesehen hat und ein Spiel, an dem sich alle anderen Rennspiele noch jahrelang messen werden müssen. Das ist kein Launchtitel, sondern Rennspaß in Perfektion. In 60 Frames die Sekunde. Keine Story, kein Schnickschnack, Gran Turismo bleibt auch auf der PlayStation Portable: The Driving Simulator.
Du bist Gladiator, der Held der Spiele im Kolosseum. Besiege Deine Gegner und erkämpfe Dir die Cance auf 10.000 €. zum Spiel...
Gran Turismo im Test.
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