Metal Gear Acid

Review
Plattform
Sony PlayStation Portable
Vertrieb
Konami
Entwickler
Konami
Erscheinungsdatum
-
Genre
Simulation
USK
12
Metal Gear Acid [PSP , Justgamers]

Gesamtwertung

74%/10

Grafik

Gut

Sound

Befriedigend

Lanzeitspaß

Sehr gut

Spieleinstieg

Befriedigend

Bedienung

Gut

Metal Gear Acid

Auf den Spuren von Yu-Gi-Oh!

Das Grundprinzip Metal Gear Acid ist durchaus vergleichbar mit Yu-Gi-Oh!, Magic oder Pokémon Trading Card Game und doch spielt es sich gänzlich anders. Aus einer isometrischen Sicht blickt man auf das gerasterte Spielfeld einer Mission mit seinen Überwachungskameras, Treppen, Leitern und aufmerksamen Wachen. Szenarien, die in der Form durchaus Verwendung beim großen Bruder hätten finden können – würden sie nicht rundenbasiert ablaufen!

Bevor es jedoch an die Rundenstrategie geht, wählt ihr aus einem Pool an Karten 30 aus, die als „Deck“ während der Missionen zum Einsatz kommen. Gleich nach dem Start zieht die CPU sechs Karten, die maximale Anzahl, die ihr gleichzeitig auf der virtuellen Hand halten könnt. Jede einzelne Karte gehört zu einer der fünf Gruppen, Waffe, Objekt, Aktion, Support und Figur, von denen Snake unter normalen Bedingungen bei jedem Zug zwei in beliebiger Reihenfolge spielen darf. Jede Aktion verbraucht dabei Kosten, die zusammenaddiert einen Wert ergeben, der den Zeitpunkt des nächsten Zugs bestimmt. Zeigt Snakes Zähler 15 und der Zähler der nahe stehenden Wache nur sieben an, zieht diese als nächstes. Snakes Wert verringert sich dann um genau diese sieben auf acht Punkte, was ihn, solange die Wache acht oder mehr Kosten verbraucht, im Anschluss handeln läss. Alle handelnde Akteure auf dem Schirm, egal ob menschlich oder CPU-gesteuert, unterliegen dabei diesen Regeln. Klingt kompliziert? Ist es auch, zumal das Tutorial nur sehr dürftig das Spielsystem erklärt.

Ein Snake-Girl darf nicht fehlen

Fortbewegen darf der Spieler sich mit jeder Karte auf seiner Hand. Bewegen angeklickt und schon geht es Feld für Feld dem Missionsziel entgegen. Dieses beschränkt sich leider zumeist auf das Erreichen des Ausganges am anderen Ende des Spielfeldes oder der Eliminierung aller feindlichen Soldaten – etwas mehr Einfallsreichtum hätte sich Konami ruhig leisten dürfen. Alternativ kann eine Karte für spezielle Aktionen genutzt werden. Düppelgranaten stören elektrische Geräte aller Art, Rationen füllen halb volle Lebensenergiebalken wieder auf und eine SOCOM schickt umherstehende Wachen ins Nirvana. Aber was ist, wenn gerade keine SOCOM-Karte auf der Hand gehalten wird? Da heißt es improvisieren. Eine Granate erfüllt den gleichen Zweck, löst unter Umständen aber den Alarm aus – Risiko und Nutzen müssen stets abgewägt werden.

Kommt eine Alternative nicht in Frage, werden zwei unbrauchbare Karten abgeworfen, um im Gegenzug zwei neue aus dem Deck zu erhalten. Zu Beginn eines Zuges wird ebenfalls eine neue Karte gezogen. Leider wartet ihr so mitunter ziemlich lange auf die richtige Karte, womit die 17 Stunden Spielzeit eher relativ erscheinen. Sind alle Karten aus dem Deck einmal auf eurer Hand gewesen, werden die abgelegten Karten neu gemischt und das Spielchen beginnt von vorne.

Metal Gear Acid (10 Bilder)

Komplexität entsteht vor allem durch insgesamt 204 Karten, die nach und nach im Shop zwischen den Missionen zum Kauf bereit stehen. Als Zahlungsmittel werden die Punkte akzeptiert, die ihr am Ende einer Mission erhaltet. Für weitere Spieltiefe sorgt Teliko, die im späteren Spielverlauf mit Snake im Duett durch die Gänge schleicht. Zwei spielbare Charaktere ergänzen sich mitunter wunderbar, stehen sich bei unbedachter Vorgehensweise aber ständig im Weg.

Mörderpuppen an die Macht

Der freispielbare Multiplayermodus, auf den japanische Käufer noch verzichten mussten, wirkt etwas fad, da schnelle Spiele ohne viel Erklärungen schlicht nicht möglich sind – Ohne Übung läuft gar nichts. Zwei Spieler, mit je einer UMD, treten hier im Ad hoc-Link Modus gegeneinander an. Das Spielprinzip ähnelt der Singleplayer-Kampagne, nur der Weg zum Sieg ist ein anderer. Besiegt vor eurem Kontrahenten drei feindliche KI-Soldaten, um von ihnen Pythagoras-Disketten zu ergattern, worauf vier Zielpunkte auf der Karte erscheinen. Entscheidet euch für den richtigen und der Sieg ist eingefahren. Gewonnen habt ihr ebenfalls, wenn ihr nach Ablauf des Timers mehr Disketten ergattern konntet.

Weniger anspruchsvoll zeigt sich die Story. Das große „Geheimnis“ ist das Forschungsobjekt Pythagoras, das auf der Insel Lobito in der Republik Moloni in der Entwicklung ist. Was könnte das nur sein? Für etwas Schwung sorgen lediglich zwei mordende Puppen an Bord des Fluges 326, der auch von Präsidentschaftskandidat Senator Hach gebucht wurde. Sind sie wirklich die Entführer der Maschine? Und welche Rolle spielt Alice mit ihren hellseherischen Fähigkeiten, die Snake über Codec durch die Anlage leitet?

Etwas unspektakulär gestaltet sich die akustische Seite. Im Hintergrund vernehmen Metal Gear-Kenner das so typische Stealth-Thema. Zusammen mit den, ebenfalls klassischen, Soundeffekten ergibt sich eine wohl geformte Soundkulisse, der jedoch etwas Entscheidendes fehlt: die Sprachausgabe. Die ausschweifenden Dialoge ziehen sich so unnötig in die Länge. Erfrischend neu sind die gezeichneten Comichintergründe, vor denen einige der Dialoge ablaufen, und trösten über sporadische Slow-Downs und hakelige Animationen im Spielgeschehen hinweg. Besonders bei den Trefferanimationen hätten eine Hand voll Frames mehr wahre Wunder bewirkt.

Fazit

Metal Gear Acid ist alles andere perfekt. Nicht nur einmal habe ich mich gefragt, ob nicht mehr der Metal Gear-Schriftzug, als das Gameplay für Gesprächsstoff sorgte. Besonders die, im Vergleich zu anderen Metal Gear-Spielen, schwache Story liegt schwer im Magen. Dort ist sie in guter Gesellschaft, gesellen sich die nervigen Leerlaufzeiten ohne Umschweife hinzu. MGA sieht zwar nicht nach einem unfertigen Spiel aus, trägt aber deutlich den „Brauche Feinschliff“-Stempel. Wer sich intensiver mit dem Trading Card-Gedanken beschäftigt, wird über diese Mängel schnell hinwegkommen und Konami vielleicht sogar das unspektakuläre Auftreten des Namensgebers verzeihen. Bereut habe ich die zahlreichen Spielstunden in keinem Fall.

Metal Gear Acid [PSP , Justgamers]

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