Phantasy Star Portable

Review
Plattform
Sony PlayStation Portable
Vertrieb
Sega
Entwickler
Alfa System
Erscheinungsdatum
-
Genre
RPG
Phantasy Star Portable

Gesamtwertung

61 %/10

Grafik

7

Sound

7

Lanzeitspaß

Mangelhaft

Spieleinstieg

8

Bedienung

Ungenügend

Phantasy Star Portable

Da wachsen auch schon einmal Waffen durch den Bauch

Ihr dürft Euch direkt vor Spielbeginn einen Charakter erstellen. Die Auswahlmöglichkeiten sind zwar relativ begrenzt, es entstehen aber trotzdem sympathische Charaktere. Aus der Third-Person-Ansicht lauft Ihr mit diesem und Euren anderen Kämpfern durch die großen Dungeons, die zwar durch große Areale begeistern können, aber insgesamt zu leer gestaltet wurden. Hier und da liegt mal ein Felsen herum, eine Abgrenzung hält Euch davon ab, von der Route abzukommen, aber ansonsten erblicken wir fast schon gähnende Leere. Im Kampf stürzen wir uns in Echtzeit auf die Feinde, was erstaunlich flüssig über den Bildschirm huscht, denn die Grafikeffekte sind wirklich schön anzuschauen. Phantasy Star Portable wäre nicht das erste PSP-Spiel, dass unter den Effekten von Gegnern und Spielcharakteren in die Knie geht, aber das ist glücklicherweise nicht der Fall. Leider sind die Zwischensequenzen dafür nur äußerst sparsam dargestellt worden. Die Charaktere werden in Standbildern gezeigt, die vor statischen Hintergründen eingeblendet werden. Bewegt man sich hingegen mal mit den Polygon-Protagonisten durch die Spielwelt, wird nicht mit Clippingfehlern gegeizt. Vielleicht ein Grund, warum man in den Sequenzen die unkomplizierten Bildchen verwendet hat?

Fahrstuhl-Musik

In den ersten Szenen fällt bereits die englische Sprachausgabe auf, die in den wichtigeren Standsequenzen vorhanden ist. Der eigens erstellte Charakter nimmt leider an keinerlei Gesprächen teil, schlimmer noch, mehr als ein "..." bekommt er oder sie nicht über die Lippen. Denkt Euch Euren Teil dazu, aber von Euren Kollegen werdet Ihr in Phantasy Star Portable für einen unhöflichen Gesellen gehalten. Für den Kampf wählt Ihr anfangs beim Charakter-Editor eine Stimme aus, denn so ganz stumm wandert Ihr dann doch nicht durch die Gegend, Schmerzensschreie und Seufzer will man Euch nicht verwehren. Die Sounduntermalung ist einer dieser Fälle, wo man sich nach dem Spielen fragt, ob überhaupt Musik in der Spielwelt vorhanden war. Coole Intros wie bei Phantasy Star Universe sind leider ebenso dem Rotstift zum Opfer gefallen.

Orientierung verloren

Die Kamera ist in Action-Kampfsystemen immer wieder ein Problem. Auch bei Phantasy Star Portable meint diese, entgegen ihrem Zweck, für Unübersichtlichkeit sorgen zu müssen. Ständig muss man sie erneut hinter dem Spielcharakter zentrieren, denn der zweite Analogstick fehlt an der PSP. Stufenloses Umstellen ist so gar nicht erst möglich. Leider sehen die Dungeons, in denen Ihr Euch bewegt, sich auch so ähnlich, dass man gar nicht weiß, aus welcher Richtung man gekommen ist, wenn einmal im Trubel die Orientierung flöten geht. Praktisch wäre hier zum Beispiel eine Markierung auf der Map gewesen, die einem anzeigt von welchem Weg man gerade kommt. Die Umgebungen sehen leider auch so austauschbar aus, dass man wirklich Schwierigkeiten damit bekommt, dass man die Strecken öfters entlang läuft, als einem lieb ist. Lob gebührt dem Kampfsystem an sich, welches locker von der Hand geht und Befehle direkt umsetzt. Welche Munition Ihr für welche Waffe nutzen wollt, lässt sich auch direkt über Button-Shortcuts auswählen.

Phantasy Star Universe Light

Die Geschichte um Phantasy Star Portable ist eher eine Ausrede dafür, warum man überhaupt über die verschiedenen Planeten stolziert und Monster kloppt. Die SEED, eine Art künstliche Intelligenz, die die Maschinen in den Kolonien und auf Planeten am Laufen erhält, ist außer Kontrolle geraten. Ihr versucht nun die Person, die hinter diesen Manipulationen steckt, dingfest zu machen. Dafür erforscht Ihr verschiedenste Planeten, die sich alle von der Vegetation stark voneinander unterscheiden. Das heißt aber nicht, dass Ihr großartig Abwechslung erwarten könnt. Die Mission besteht im Grunde immer daraus, Absperrungen zu überwinden, indem man in den Arealen nach Schlüsseln sucht. Zwischendurch werden Monster und Roboter versuchen, Euch daran zu hindern, was Ihr natürlich mit festen Schlägen oder Zaubersprüchen, je nach Charakterklasse, quittiert. Auf den Reisen findet Ihr zudem viele Materialien, die Ihr später im Laden zu Geld machen könnt. Ein großer Reiz von Phantasy Star Portable besteht nach wie vor in der Möglichkeit Waffen zu sammeln und bergeweise Items zu horten. Stellt sich nur die Frage, wofür? Denn alle Missionen spielen sich gleich und die große Motivation, sich mit Freunden zu messen und immer mehr starke Waffen auf Lager zu haben, ist ohne Online-Multiplayer nur schwer zu realisieren. Von der Spielmechanik erinnert Phantasy Star Portable an Monster Hunter Freedom, welches auch für die PSP erschienen ist. Nur ist Phantasy Star Portable wesentlich liebloser ausgefallen und man hat beim Konkurrenten jederzeit das Gefühl, dass man eine extra Einheit Leveln auf sich nehmen muss, um einen starken Gegner zu besiegen, oder dass man ohne bestimmte Waffen gar keine Chance hat. Das ist sehr motivierend, was man bei Segas neuem Werk leider komplett vermisst. Die Missionen sind zu anspruchslos, um auf die Dauer zu unterhalten.

Frischlinge auf Abwegen

In den großen Phantasy Star Universe-Spielen war eine sehr nervige Gegebenheit, dass man um jegliche Missionen anzunehmen, erst über die komplette Station laufen musste. In der Handheld-Version hat man sich zum Glück auf einfache Textboxen geeinigt, mit denen man schnell jegliche Punkte anwählen kann, die man gerade benötigt. Egal ob Ihr Waffen kaufen oder einen anderen Charakter ansprechen wollt, über die Schnellwahl ist das kein Problem mehr. Ihr startet Phantasy Star Portable frisch ausgebildet, Eure Mentorin greift Euch aber dennoch unterstützend unter die Arme. Ohne Vorkenntnisse aus den anderen Spielen ist man sonst auch relativ schnell aufgeschmissen und weiß nicht was zu tun ist. Anfänger können somit direkt das neu Gezeigte umsetzen und brauchen auch keinerlei Sorgen haben, dass Phantasy Star Portable eher etwas für Kenner ist. Der Schwierigkeitsgrad ist wieder sehr ausgeglichen, in den Dungeons findet man jederzeit viele Items, um sich besser auszustatten. Wenn das Geld in der Realität so zahlreich auf der Straße liegen würde wie in diesem Spiel, müssten wir alle keiner Arbeit mehr nachgehen.

Das Herz entrissen

Eigentlich ist die Phantasy Star-Reihe seit Ihren Neuanfängen auf der Dreamcast ein waschechtes MMORPG welches sich auch an einer großen Fangemeinde erfreuen kann. Umso unverständlicher ist der Schritt ausgefallen, die PSP ohne Online-Modus auf den Markt zu bringen. Auch auf der PSP ist Online-Gaming möglich, wieso hat man die Hauptmotivation Phantasy Star Portable überhaupt zu kaufen also ausgelassen? Eine Antwort auf diese Frage ist Sega uns noch schuldig. Mit bis zu vier Spielern könnt Ihr aber immerhin lokal die SEED bekämpfen und auch wenigstens wieder Euren Charakter aus dem Solo-Spiel übernehmen. Die Möglichkeit vier Spieler auf annähernd gleichem Level zu finden, ist aber wohl leider den wenigsten Spielern gegeben und so verkommt das große Potenzial von Phantasy Star Portable auf der PSP vollends.

Fazit

Was hat sich Sega nur dabei gedacht, bei einer Spieleserie, die MMORPGs auf der Konsole erst groß gemacht hat, den Online-Modus zu streichen? Über einige Umwege kann man über das Internet eine Verbindung mit einem Kumpel aufbauen, indem man der UMD vorgaukelt eine Adhoc-Verlinkung zu erstellen. Das ist aber sehr umständlich und letztendlich wird man das ohnehin niemals machen und stattdessen wieder Phantasy Star Universe auf einem der zahlreichen anderen Systeme beginnen. Phantasy Star Portable hinterlässt bei mir den Eindruck einfach auf die Schnelle zusammen-programmiert worden zu sein. Ohne Online-Gefechte gucke ich wie ein Baby, dem der Lutscher aus dem Mund geklaut wurde, denn die Motivation ist von Beginn an nicht gegeben. Hier sollten wirklich nur Hardcore-Fans zuschlagen, die sich auf keinen Fall einen der Teile entgehen lassen können. Und obwohl ich fast jeden Teil seit seeligen Retro-Zeiten besitze und technisch Phantasy Star Portable sicher schöner anzuschauen ist, empfehle ich die Wartezeit auf Phantasy Star Zero für den Nintendo DS mit einem abwechslungsreicheren Spiel zu überbrücken. Mit diesem Ableger erwartet einen leider nur eine große Enttäuschung.

Phantasy Star Portable

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