Von einigen wenigen Soziologinnen, die sich vorher maximal mit Spielen wie Solitär auseinander gesetzt haben, nach kurzer Zeit aber beinah fanatisch an Lumines hängen, einmal abgesehen, hat der Erstkontakt mit der PlayStation Portable bisher jeden PC- und Videospielefan sofort aus den Socken gehauen.
Noch viel schöner als Sonys Handheld das erste mal zu sehen, ist, die Konsole das erste Mal aus der Verpackung zu holen. Weil diese dann noch völlig unbetatscht ist, scheint sie noch einmal fast doppelt so schön zu sein. Nach kurzer Nutzung wird die Schönheit jedoch ein klein wenig getrübt. Selbst wenn man vorsichtig ist, verschmiert das durchweg absolut glatte und dunkle Gehäuse sehr schnell und Fingerabdrücke sind auf dem ganzen Gerät zu sehen. Zumindest zum Europa-Start wird der tragbaren PlayStation dann aber ein Wischtuch zum Reinigen beiliegen. Die lange Wartezeit soll sich ja gelohnt haben (Ironie).
Eben weil der 1. September noch einige Wochen auf sich warten lässt, die PlayStation Portable bei Ebay oder Lik-Sang nun aber schon fast zum angepeilten Euro-Launch-Preis zu haben ist, wagte ich den Selbstversuch und bestellte eine japanische Version der Konsole. Da der Handheld in den USA und Japan nur in kleinen Mengen im Handel steht und sich weiterhin prächtig verkauft, Sony außerdem kaum mit der Produktion hinterher kommt, werden inzwischen ausschließlich neu produzierte Geräte mit der Firmware-Version 1.50 verkauft. Diese läuft nicht nur um einiges stabiler als die Gerätesoftware der ersten Generation, sondern verfügt auch über eine komplett in Deutsch gehaltene Menüführung. Da das Netzteil ähnlich einem Notebook-Netzteil aus zwei Teilen besteht, das Standard-Netzkabel somit austauschbar ist, benötigt man nicht mal einen Steckeradapter (japanisch -> deutscher Stecker) um den Akku der PSP zu laden, sondern kann z.B. das Netzkabel der PlayStation 2 nutzen.
PlayStation Portable (8 Bilder)
Mit Firmware 1.50 und anderem Netzkabel unterscheiden sich die aktuellen Nippon-Handhelds dann nur noch im japanischen Handbuch, dem fehlenden Staubtuch und der fehlenden Sampler-Disc von den Euro-Versionen, die ab dem ersten September in hoffentlich ausreichender Stückzahl im Handel stehen. Da die Japaner ebenso wie wir den DVD-RegionalCode 2 haben, werden die japanischen Geräte auch in der Lage sein, deutsche UMD-Filme abzuspielen. Da diese wohl aber erst ab 30 zu haben sein werden, ist der Spaß zumindest für mich obsolet.
Paradiesische Zustände herrschen für Fans von Import-Spielen, unterliegen die PSP-Games doch keinerlei regionaler Beschränkung. Da meine Japanisch-Kenntnisse noch nicht einmal den Anfänger-Status erreicht haben und wohl auch nie erreichen werden, gestaltet sich das für mich sehr praktisch, kann ich doch auch auf US-Spiele, später dann auch auf die deutschen Versionen zurückgreifen.
Die Zeiten, in denen das Spielmodul in den Handheld gesteckt wurde und man sofort mit der Spielerei beginnen konnte, scheinen endgültig vorbei zu sein. Schon der Nintendo DS öffnet nach dem Einschalten zunächst ein Systemmenü und lässt dann erst das eingelegte Spiel starten. Auch die PlayStation Portable macht hierbei keine Ausnahme und führt den Spieler zunächst ins sehr umfangreiche Home-Menü.
Wer einmal nicht gleich zocken möchte, findet in diesem zahlreiche Dinge, mit denen es sich auch prächtig herumspielen lässt. Neben einem Bildbetrachter, der mehrere Fotos auch als Slideshow präsentieren kann und über Standardfunktionen wie Zoom, Drehen etc. verfügt, gibt ein Musikplayer MP3s und ein Videoplayer MP4s wieder. Leider weigert sich die PSP, MP4s in der nativen Auflösung von 480x272 Pixeln (16:9) abzuspielen. Da Sonys Handheld aber auch Filmchen in einer Auflösung von 320x240 (4:3) so vergrößern kann, dass diese trotzdem in akzeptabler Qualität auf dem ganzen Bildschirm zu sehen sind, kann das noch verkraftet werden, zumal sich die Dateigröße der Videos auch mit zunehmender Auflösung erhöht.
Da im Internet mittlerweile auch zahlreiche Anleitungen kursieren, wie man seine Lieblings-DVD so konvertieren kann, dass der Lieblings-Film auch auf der PlayStation Portable in annehmbarer Qualität betrachtet werden kann, ist die PSP eine echte Alternative zu diversen tragbaren Videoplayern, die nur für viel Geld und in klobigen Gehäusen erhältlich sind. Das einzige Manko ist diesbezüglich aber nicht unbedingt die schwache Akkulaufzeit, sondern das enorm teure Speichermedium, das in der PSP zum Einsatz kommt. Wer einen Spielfilm in vernünftiger Optik betrachten möchte, muss mehrere hundert MegaByte in die PSP stecken. Der beiligende, 32 MB große Memory Stick Duo reicht dafür wohl nicht. Da ist es dann auch ungünstig, dass die Memory Stick Pro Duo-Speicherkarten zu den teuersten Medien gehören, die derzeit zu haben sind. In den Elektro-Fachmärkten zahlt man für einen der langsameren 512 MB Duo Sticks 70 Euro und aufwärts, bei Ebay gibt es die Karten leider nur unwesentlich günstiger. Eine günstige SD-Karte mit gleicher Speicherkapazität erhält man hingegen schon für die Hälfte.Selbst wenn man nur spielen möchte, platzt der 32 MB Standard-Stick schnell aus allen Nähten. Pro Spielstand benötigen die meisten Spiele schon mehrere hundert KB. Ein Update für Wipeout Pure, das mehrere neue Strecken und Fahrzeuge enthält, wiegt mehrere MB.
Die Tatsache, dass Spielstände auf einem Memory Stick hinterlegt werden, birgt aber auch die Möglichkeit, ungenutzte Daten auf dem PC zu archivieren oder supertolle Spielstände gleich über das Internet zu tauschen. Wer dabei nicht über einen Adapter verfügt, um die Memory Stick Duos in einen handelsüblichen Card-Reader stecken zu können, kann die PSP auch per USB-Kabel mit dem PC verbinden und den USB-Mode aktivieren. Prompt wird der Handheld vom Computer als Wechselspeichermedium erkannt und gibt den Zugriff auf den Stick frei. Ein passendes Kabel liegt dem Gerät zwar nicht bei, da die PlayStation Portable sich aber über ein handelsübliches Kabel mit Mini-USB-Stecker, wie sie aktuell gehäuft in Verbindung mit Digitalkameras und anderem tragbaren Zubehör eingesetzt werden, mit dem Heimrechner verbinden lässt, dürfte der Großteil der Haushalte schon über die passende Kabelei verfügen.
Der Spagat zwischen schickem Design und vernünftiger Handhabung scheint den Sony Designern gelungen zu sein. Obwohl die PSP auf den ersten Blick recht klobig wirkt, liegt sie dennoch recht gut in der Hand. Der Analog-Stick scheint zunächst etwas gewöhnungsbedürftig, ist er doch kein richtiger Stick, sondern eher eine kleine Platte, die sich in alle Richtungen verschieben lässt. Auch das digitale Steuerkreuz sowie die vier Hauptbuttons sitzen leider nicht 100%ig fest. Trotzdem erweckt die PSP den Eindruck, insgesamt sehr gut verarbeitet zu sein. Verstärkt wird der überaus positive Eindruck nicht zu letzt durch das riesige Display, das im Handheld-Sektor seinesgleichen sucht. Die Auflösung von 480 x 272 Pixeln mag zwar etwas ungewöhnlich sein, bietet aber den Vorteil, dass sie die Hardware etwas entlastet. Wenn die technischen Daten auch nicht ganz der PS2 entsprechen, muss dass also nicht heißen, dass die Spiele nun wesentlich schlechter aussehen, muss sich der Grafikchip doch um wesentlich weniger Pixel kümmern. Noch sehen die Spiele nicht so aus, als könnten sie mit ihren PlayStation 2-Pendants wetteifern, erste Screenshots von GTA: Liberty City Stories lassen aber erahnen, dass die Grenzen zwischen den Spielen der alten PS2 und der PSP in absehbarer Zeit fließend sein werden. Auch ein mobiles Gran Turismo wird wohl erst zeigen, welche Grafikpracht die PSP wirklich darstellen kann.
Statt wie bisherige Handheldsysteme ausschließlich auf Flash-Module zu setzen, verwendet Sony ein optisches Speichermedium, die Universal Media Disc, kurz UMD. Mit einem Gewicht von knapp 10g und einer Größe von ca. 6,5 x 6,5 cm sind die UMDs deutlich kleiner als eine CD oder DVD. Damit die kleinen Scheiben vor Schmutz und Kratzern bewahrt werden, schützt ein stabiler Caddy die Scheibe. Mit satten 1,8 GB Speicherkapazität eröffnen die UMDs dabei ganz neue Möglichkeiten, lassen sich darauf doch wesentlich mehr Daten als auf die Module des Nintendo DS hinterlegen. Weil es in absehbarer Zeit wohl keine Möglichkeit geben wird, selbst UMDs zu beschreiben, scheint sich Sony zudem kaum Gedanken um raubkopierte Software machen zu müssen.
So schön die große Kapazität der UMDs auch ist, einige Nachteile bringt sie mit sich. Zum einen frisst das optische Laufwerk eine Menge Strom und ist wohl neben dem ausufernden und hochauflösenden Display eines der Hauptgründe dafür, dass dem PSP-Akku so schnell die Puste ausgeht, zum anderen entstehen durch die Laufwerkstechnik unschöne Ladezeiten. Dass man beispielsweise bei Untold Legends: Brotherhood of the Blade mitunter zehn Sekunden warten muss, eh ein Level geladen wurde, ist nicht sehr angenehm, aber noch zu verschmerzen.
Technisch sicherlich keine große Leistung, für mich dennoch recht faszinierend ist die Tatsache, dass man die PSP an beliebiger Stelle eines Spiels ausschalten kann, nach dem erneuten Einschalten aber immerhin ohne Ladezeiten sofort weiterspielen kann.
Viele Unken riefen, als sich Sony im letzten Jahr ausführlich zur Leistungsfähigkeit der PSP äußerste, bei einem wichtigen Aspekt, der Akkulaufzeit, aber lieber keine genauen Angaben machen wollte. Tatsächlich ist der austauschbare Lithium-Ionen-Akku wirklich kein Ausdauerkünstler. Gerade bei Spielen, die oft Daten von der UMD beziehen, schwindet die Energie rasant. Meist ist der Akku dann schon nach dreieinhalb bis vier Stunden leer und möchte aufgeladen werden.
So schnell die Energiereserven auch aufgebraucht sind, das Wiederaufladen benötigt erfreulicherweise nur knappe zwei Stunden. In diesem Zusammenhang fällt aber auch auf, dass der kleine Stecker, der die Verbindung zwischen Netzteil und Konsole herstellt, etwas locker sitzt. Wer während des Ladevorgangs spielen möchte, muss darauf achten, das Kabel nicht versehentlich heraus zu ziehen. Etwas ärgerlich ist außerdem, dass die Akkufülle nur im Home-Menü als Drei-Balken-Diagramm dargestellt wird. Dass es auch etwas genauer geht, zeigt ein Blick in die System-Einstellungen. Unter dem Punkt Batterie-Informationen kann die PSP auf das Prozent genau Auskunft darüber geben, wie viel Saft noch in ihrem Akku schlummert. Eine Reststunden-Anzeige schätzt außerdem, wie lange man sich denn noch ungefähr dem Handheld widmen kann.
Die PSP verfügt nicht über zwei Bildschirme, besitzt keinen Touchscreen und auch kein Mikrofon. Schränken diese Mängel die Entwicklung innovativer Spielideen ein? Wer mit sich ehrlich ist, erkennt schnell, dass man die Titel, die wirklich von den Zusatzfeatures des Nintendo DS Gebrauch machen, schnell an einer Hand abzählen kann. Der Rest des DS-LineUps besteht auch nur aus Fortsetzungen und simplen Portierungen. Wer sich bei Ebay in der PSP-Rubrik umschaut, sich von Nintendos Keine Konkurrenz-Palaver nicht beeindrucken lässt und die Spieleindustrie als Industrie versteht, sieht schnell, dass das Verhältnis zwischen PlayStation Portable und Nintendo DS dem zwischen PlayStation 2 und GameCube gleicht. Nintendo bietet in seinen Eigenentwicklungen ein paar gute Ideen, lahmt aber am Rest. Schon jetzt sind in Deutschlands beliebtesten Online-Auktionshaus mehr PSP-Spiele erhältlich als sie wohl bis zum Ende des Jahres für den Nintendo DS in den Handel kommen. Die PSP besticht in Leistung, Design, Funktions- und Lieferumfang und bietet eine beeindruckende Spielepräsentation. Eben habe ich die Firmware per Wlan auf Version 1.52 aktualisiert, mit bis zu fünf anderen menschlichen Kontrahenten über Wifi und online Twisted Metal: Head On gespielt. Der längst erhältliche Nintendo DS wartet immer noch auf seinen ersten Online-Titel. Möglicherweise muss ich dann mit Mario Kart DS im Handgepäck auch noch einen Hotspot aufsuchen, um zu den 98% zu gehören, die irgendwann mal mit ihrem DS online gespielt haben.
Dimensionen: 170 mm x 74 mm x 23 mm
Gewicht: 260 g (inkl. Batterien)
Prozessor: PSP CPU 333 MHz
Arbeitsspeicher: 32MB
Grafikspeicher: 4MB
Display: 4.3 Zoll, 16:9 Widescreen TFT LCD, 480 x 272 pixel (16.77 Millionen Farben), Max. 200 cd/m2 (mit Helligkeits-Kontrolle)
Lautsprecher: eingebaut, Stereo
Input/Output: IEEE 802.11b (Wi-Fi), USB 2.0, Memory StickTM PRO DuoIrDA, IR Remote (SIRCS)
Datenträger: UMD (nur Wiedergabe)
Arten der Datenträger: PSP Spiel, UMD Audio, UMD Video
Verbindungen: DC IN 5V, Eingang um eingebauten Akku aufzuladen, Kopfhörer-/ Mikrofon-Anschluss
Knöpfe: Steuerkreuz, Analogpad, vier Eingabebuttons (Dreieck, Viereck, Kreuz, Kreis), Linker/ Rechter Button (hinten), START, SELECT, HOME, POWER (On/Hold/Off), Helligkeits-Kontrolle, Sound Mode, Volume +/-, Wireless LAN On/Off, UMD Eject
Power: Eingebaute Lithium-ion Batterie, AC Adapter
Zugangskontrolle: Regionalcode, Kindersicherung
FazitMit dem Release der PlayStation Portable wird auch das Handheld-Gaming erwachsen. Unterwegs muss man sich künftig nicht mehr nur mit überwiegend in 2D gehaltenen JumpnRuns aus der Gameboy-Ära vergnügen, sondern kann in Bälde auch mal wieder in der dritten Dimension durch die Straßen von Liberty City ziehen.
Auch wenn die PSP wohl mehr durch optisch sehr ansprechende Portierungen als durch neue Spielkonzepte glänzen wird, sägt der erste Sony-Handheld ganz kräftig an dem Stuhl, auf dem sich Nintendo die letzten Jahre ausgeruht hat. Trotz des höheren Preises besticht die PlayStation Portable durch beeindruckende technische Daten und einen umfangreicheren Funktions- und Lieferumfang. Die Demontage des Gameboys und Nintendo DS hat somit scheinbar begonnen, scheint sich der Konsolenkrieg doch nun auch auf den mobilen Bereich ausgeweitet zu haben. Und wer im Wohnzimmer das Zepter führt, wissen wir ja alle.
Müsste ich orakeln, würde ich behaupten, dass mit der nächsten Handheldgeneration auch Bill Gates ins Mobile Gaming einsteigt. Bis dahin ist die PlayStation Portable jedoch auf jeden Fall die absolute Nummer 1.