Gesamtwertung42%/10 |
GrafikBefriedigend SoundGut |
LanzeitspaßBefriedigend SpieleinstiegBefriedigend |
BedienungMangelhaft |
Erinnern wir uns: Auf dem PC, der Xbox 360 und seit kurzem auch auf der PlayStation 3 war Rainbow Six: Vegas eine Granate von Taktik-Shooter. Packende Einsätze, bombastisch inszenierte Schusswechsel und eine Klangkulisse, die vor allem mit Surround-Systemen brachial realistisch rüberkam, prägte den virtuellen Auftritt des Sondereinsatzkommandos auf ihrer gefährlichen Mission, nicht nur Las Vegas, sondern auch den Rest der USA vor einer terroristischen Bedrohung zu bewahren. Und wie es sich mit einigen Stars verhält, so kommt es auch nun wie es schließlich kommen muss: Nach dem Erfolg kommt der Fall. Der präsentiert sich ebenfalls als Rainbow Six: Vegas und wurde jüngst als UMD in die hiesigen Regale gemogelt. Kein allzu schweres Rätsel, wir reden von der PlayStation Portable-Version.
Dabei ist die Welt im Ansatz doch noch in Ordnung: Eine 1:1-Kopie der Vorlage ist es auf Sony's Handheld nicht geworden, stattdessen spendierten die Entwickler eine komplett neue Solokampagne, die sich nach bester Buddy Movie-Manier auf zwei Charaktere konzentriert.
Brian, der Teamleiter, ist Euer Mann für direkte Gefechte und Vormärsche, während Scharfschütze Shawn eventuelle Bedrohungen von vornherein liquidiert.
Statt jedoch beliebig zwischen beiden Einheiten hin- und herzuwechseln, bestimmt das Programm, wann Ihr welchen Part übernehmt. Hat Brian zum Beispiel gerade eine Geisel befreit und stellt fest, dass er sich inmitten von Feinden befindet, switcht das Spiel auf Shawn um, der auf dem Balkon über den Eingekesselten folglich alle Gegner mit dem Scharfschützengewehr ausschalten muss. Und das ist nicht der erste Moment, in dem sich beide Einheiten die Bezeichnung Protagonisten wäre wegen der banalen Storyline gerade zu schmeichelnd überkandidelt den virtuellen Hintern frei halten. Immer wieder gelangt man an Stellen, an denen man den jeweils anderen beschützen muss. Von diesem eigentlich positiven Aspekt her kann Rainbow Six: Vegas punkten. Das war es dann aber auch schon fast mit den Lorbeeren.
Schlecht geschossen, Private Holzkopf!
Ihr ahnt es, wir ahnten es: Die Steuerung ist eines der größten Probleme des Handheld-Shooters. Jeder weiß, dass die PSP über lediglich einen Analogstick verfügt, einigermaßen exaktes Fortbewegen und Umsehen ist also hier nicht drin. Als fast einzige Alternative entschied man sich, die Bewegung auf den Stick zu legen, während sich der Spieler mit den Symboltasten umsehen kann.
Theoretisch keine schlechte Idee, aber an der Umsetzung hapert es dann doch erheblich. Ehe man selbst Gegner, die quasi direkt vor der eigenen Figur stehen, trifft, hat man oft schon selbst eine ganze Portion Blei schlucken müssen. Ein kleines Trostpflaster ist hierbei das helfende Auto-Aiming, das aber nicht immer aus der Patsche hilft und ausgerechnet dann wegfällt, sobald man im Scharfschützenmodus gegen die Zeit Gegner aus dem Weg räumen muss. Durch die nicht von der Hand zu weisenden Steuerungsdefizite und ein dadurch als weiteres Manko anzusehende Tatsache, nämlich das Fehlen von Medipacks, ergibt sich noch eine Schwäche des Spiels: Der geradezu barbarische Schwierigkeitsgrad, bei dem vor allem Anfänger irgendwann entnervt aufgeben werden. Hinzu kommt, dass Checkpoints gerade angesichts des hohen geforderten Niveaus oft viel zu rar gesät sind.
Dabei bleiben die Optionen doch fast genauso hilfreich wie auf dem PC und Konsole: Die Snake-Cam ist wieder da, die Möglichkeit, Gegner gleich zu markieren ebenso. Auf Wunsch deckt sich Euer Alter Ego hinter Wänden. Hier wechselt die Ansicht wie gehabt von der Ego- in die Third-Person-Perspektive. Die erweiterte Sicht lässt viele Gegner bereits nach kurzer Zeit ausmachen. Ein Blick um die Ecke genügt...und wir sind tot! Aber wieso, sollte diese Option uns nicht eigentlich helfen? Würde sie wahrscheinlich auch, wenn hier die Kollisionsabfrage mitspielen würde, die zuweilen auch Treffer ignoriert, die an sich welche sein müssten. Na prima, der Beschuss der scheinbar dummen KI-Terroristen ist jedenfalls oft beängstigend präzise.
Die Suche mit der Lupe...
Am Interessantesten, wenn man dies so sagen kann, ist an der PSP-Fassung von Rainbow Six: Vegas aber eher, dass die Missionen entweder gar nicht oder maximal in Umgebungen nahe der Glücksspiel-Metropole spielen und man auf spannende Einsätze á la The Strip oder Calypso Casino gänzlich verzichten muss. Nur in Zwischensequenzen und den Ladebildschirm sind die Gewinnhöllen quasi zum Greifen nah. Tja, quasi. Habt Ihr Euch durch den recht kurzen, durch unfair platzierte Rücksetzpunkte aber künstlich gestreckten Einzelspielermodus gekämpft, stehen sämtliche Karten für den Terroristenjagd-Modus zur Verfügung.
Macht aber wie schon vorher, keinen wirklichen Spaß. Als einziges Mittel zur Rettung der Sache bleibt nun noch der Mehrspielermodus per WLAN- und Online-Verbindung zu erwähnen, der im Gegensatz zu seinen großen Brüdern jedoch leider nicht mit einem Koop-Modus glänzen kann. Lediglich das altbekannte Deathmatch sowie Team-Deathmatch stehen zur Auswahl, wirklich punkten kann keiner der beiden Modi, was vor allem an den viel zu großen Karten liegt. Weniger als eine Hand voll Spieler dürften jedenfalls keine richtige Lust am Spielen verspüren, zumal auch die Ausrüstung abgespeckt wurde. Wertvoller Schnickschnack wie größere Magazine und Laservisiere fehlen gänzlich.
Auch technisch ist keine Erlösung vom Contra-Hammer zu erhoffen: Die Detailarmut ist zwar für ein PSP-Game nicht verwunderlich, etwas mehr Liebe und Sorgfalt hätten dann aber doch geholfen. Wesentlich schlimmer sind da schon die nicht gerade selten auftauchenden Performanceeinbrüche und die Abstinenz von echten Effekten, die heiße Gefechte nun einmal ausmachen. Und habt keine Hoffnung, ebenso müde klingen die Soundeffekte. Während die deutsche Synchronisation und die passende Musikuntermalung auf einem guten Niveau tangieren, bleiben die Schusswechsel in akustischer Hinsicht erschreckend abwechslungsarm.